Space Force (Staffel 2)

Als Staffel 1 von Space Force im Jahre 2020 auf Netflix erschien, hatte sie ein schlechtes Timing. Trotz der hochkarätigen Besetzung (Steve Carell und John Malkovich), konnte man die Serie mit ihren Witzen über Trumps per Tweet entstandene Weltraum-Army in den USA nicht als Erfolg verbuchen. Und das obgleich die Chemie innerhalb des Casts wirklich großartig war und immer noch ist. Im Februar 2022 folgte dennoch eine zweite Staffel – mit weniger Budget, weniger Folgen, weniger Weltall, aber mehr Herz.

Die Astronaut:innen der Space Force sind vom Mond auf die Erde zurückgekehrt. Doch der Konflikt mit den Chinesen auf dem Mond hat seine Nachwirkungen. Mittlerweile gibt es eine neue US-Regierung und vor der muss sich General Naird (Steve Carell, Das Büro) nun verantworten. Es steht nicht gut um seine Space Force, denn sie wird mit Budgetkürzungen gestraft. Innerhalb von vier Monaten müssen Naird und sein Trupp beweisen, dass sie eine gute und wichtige Arbeit verrichten, ansonsten war es das mit der Space Force.

Got the gang back together

Originaltitel Space Force
Jahr 2022
Land USA
Episoden 7 in Staffel 2
Genre Komödie
Cast General Mark R. Naird: Steve Carell
Dr. Adrian Mallory: John Malkovich
F. Tony Scarapiducci: Ben Schwartz
Erin Naird: Diana Silvers
Captain Angela Ali: Tawny Newsome
Dr. Chan Kaifang: Jimmy O. Yang
Brad Gregory: Don Lake
Dr. Xyler: JayR Tinaco
Maggie Naird: Lisa Kudrow
Veröffentlichung: 18. Februar 2022

Die zweite Staffel von Space Force besinnt sich direkt schon am Anfang auf ihre Stärke: den Cast. Die Dialoge präsentieren sich als schnelle, smoothe Schlagabtausche mit manch kruden Abzweigungen, auf denen Naird bei Belanglosigkeiten wie englischen Muffins hängen bleibt, dabei aber trotzdem militärisch grimmig aus der Wäsche guckt. Die erste Folge gibt einen Überblick über alles, was relevant ist: Ehefrau Maggie (Lisa Kudrow) steckt immer noch im Gefängnis und entdeckt ihre lesbische Seite, Fuck Toni (Ben Schwartz) überlebt keine Sekunde ohne Smartphone, Astronautin Angela (Tawny Newsome) und Dr. Chan (Jimmy O. Yang) hatten Sex und sind seitdem peinlich berührt, General Brad (Don Lake) wirkt wie eh und je leicht unbedarft, vor allem wenn er bereitwillig von seinen Testikeln berichtet, und Dr. Mallory (John Malkovich) kann den Militärzirkus immer noch nicht ernst nehmen. Alle Kerncharakteristika werden erneut vorgestellt, was die Folge zu einer gut umgesetzten Exposition macht.

Budgetkürzungen – nicht nur fiktiv

Die zweite Staffel dreht sich vor allem um die Konsequenzen aus Staffel 1: Weil die Space Force sich weigerte, in der Finalfolge die chinesische Mondbasis zu zerballern, kämpft Naird nun mit Budgetkürzungen, einer allgemeinen Aversion seitens des Verteidigungsministeriums und einer langsam zerfallenen Truppenmoral innerhalb der Space Force. Die Space Force steht also auf wackeligen Beinen – genau wie die Serie selbst, da diese aufgrund ihres ausbleibenden Erfolges ebenso mit Budgetkürzungen zu kämpfen hat. Das sieht man an dem merklich kürzeren Umfang von sieben Folgen und der Abwesenheit von Weltraummissionen. »Die Budgetkürzung« ist also ein Meta-Witz, der die Richtung der zweiten Staffel vorgibt. Die Space Force wurde aus dem Himmel gepflückt und auf die Erde zurück geholt, um vermehrt den Arbeitsplatz als solchen zu zelebrieren.

Der neue Dr. Xyler

Der Cast fokussiert sich auf die Hauptfiguren, da es keine nennenswerten Nebencharaktere mit größerer Bildschirmzeit mehr gibt – abgesehen vielleicht vom femininen Dr. Xyler (gespielt von JayR Tinaco, seines Zeichens non-binär), der sich klischeemäßig darüber beschwert, dass auf der firmeneigenen Jukebox keine Transkünstler vertreten sind. Man hat also das, was man als »Netflix-Agenda« beschimpft, mit einbezogen, führt es aber auch gleichzeitig vor. Allerdings fällt Xylers Anwesenheit dennoch etwas negativ ins Auge, da er bei den Protagonisten zumeist nur herum steht, ohne einer nennenswerten Aufgabe nachzukommen. Er ist zu hergemacht, um als einfache Nebenfigur zu gelten, erfüllt aber auch so gut wie nie eine andere Funktion als die, bei Gesprächen interessiert zu nicken (oder Roboter zu steuern). Es geht bei ihm anscheinend hauptsächlich um seine symbolische Präsenz und das ist etwas schade.

Trump adé, schade schadé

Da die Space Force nun noch mehr Außenseiter als ohnehin schon ist, verliert die Serie ihren weltumspannenden Charakter (z. B. wird die Marsmission gestrichen … obgleich der Astronaut (Patton Oswalt) schon auf halber Strecke ist). Die Serie wird lockerer und fokussiert sich verstärkt auf die Arbeitsplatzkomödie, was u.a. auch an der veränderten politischen US-Landschaft liegen mag. Es gibt keinen Trump mehr, den man wie in Staffel 1 satirisch auseinander nehmen könnte. Das Ergebnis lässt den Ehrgeiz aus Staffel 1 vermissen, gleichzeitig fühlt sich die Serie allgemein bequemer an – wie eine Jogginghose mit Löchern zum Durchatmen. Die Serie setzt auf die kleinere Crew, auf bescheidenere Handlungsstränge und profitiert hierbei vor allem von dem starken Ensemble um Malkovich und Carell.

Fazit

Die zweite Staffel von Space Force wurde aufgrund von Budgetkürzungen herunterskaliert. Zwar gibt es einen narrativen roten Faden (General Naird muss in vier Monaten den Laden wuppen), trotzdem fühlen sich die einzelnen Folgen nicht so an, als folgten sie einer geradlinigen Handlung. Das Team der Space Force scheint in dieser Hinsicht gar keine Dringlichkeit zu verspüren und gibt sich lieber Späßen am Arbeitsplatz hin. Das ist etwas schade, da es sich doch eigentlich um DIE SPACE FORCE handelt, die den Planeten beschützen soll (ein Thema, welches sie sich ganz offenbar für Staffel 3 aufheben – wenn sie denn kommt). Dafür zeigt die Staffel mehr Herz, da sie näher am Main-Cast dran ist. Glücklich sind hier vor allem diejenigen, die sich kaum mehr an die Geschehnisse aus Staffel 1 erinnern – diejenigen werden nämlich das Fehlen von Extravaganzen wie Hubschraubern, Paintball-Eskapaden oder Weltraummissionen nicht vermissen. Trotz allem: Es gab keinen Moment, in dem es ich es bereut hätte, zur Space Force zurück gekehrt zu sein.

© Netflix

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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