Star Wars: The Clone Wars

Die “Klonkriege” – ein Begriff, der in Star Wars: Episode IV (1977) nur beiläufig erwähnt wird und schon damals die eine oder andere Nase zu der Frage bewegt haben mochte: Was zum Geier sind die Klonkriege? Sicherlich eine epische Schlacht, die die Galaxis erschüttert und wahre Helden und Heldinnen auf beiden Seiten hervorbringt. Interessanterweise werden jene gigantischen Klonkriege, die immerhin drei Jahre andauern, im Verlauf der Skywalker-Saga so gut wie nie gezeigt. Ein Missstand, der behoben werden musste. Und so brachte Showrunner Dave Filoni unter der behütenden Hand von Star Wars-Schöpfer George Lucas im Jahre 2008 die Animationsserie The Clone Wars auf den Weg, die genau das hält, was der Titel verspricht: Klonkriege. Pew pew!

 

Es herrscht Krieg in der Galaxis. Die Separatisten unter der Führung des abtrünnigen Jedis Count Dooku greifen mit ihrer Droidenarmee die Galaktische Republik an. Diese wehrt sich mithilfe der Jedi und einer eigens für den Krieg gezüchteten Klonarmee. Mitten drin: Obi-Wan Kenobi (Philipp Moog), Anakin Skywalker (Wanja Gerick) und Anakins neuer Padawan Ahsoka Tano (Josephine Schmidt). Die Serie erzählt keine durchgängige Geschichte, sondern gewährt in Form von abgeschlossener Einzelepisoden und größerer Arks Einblicke in die Leben der unterschiedlichen Kriegsparteien und lässt auch viele Figuren aus dem Erweiterten Universum auftreten. Chronologisch beginnt The Clone Wars direkt nach Episode II: Angriff der Klonkrieger und endet parallel zu Episode III: Die Rache der Sith mit der Ausführung der Order 66 und dem Fall der Republik.

„Kantig“ ist das neue „schön“

Originaltitel Star Wars: The Clone Wars
Jahr 2008–2014, 2020
Land USA
Episoden 133 in 7 Staffeln
Genre Science-Fiction, Animation
Cast Ahsoka Tano: Josephine Schmidt
Captain Rex & sämtliche Klone: Martin Keßler
Obi-Wan Kenobi: Philipp Moog
Anakin Skywalker: Wanja Gerick
Yoda: Tobias Meister
Senator Palpatine: Friedhelm Ptok
Padmé Amidala: Manja Doering
Count Dooku: Klaus Sonnenschein
Darth Maul: Tobias Meister

Anders als Clone Wars (die Zeichentrickserie von 2005, die sich ebenfalls an dem Klonthema versucht hat) setzt The Clone Wars (das „The“ macht den Unterschied) auf 3D-Animationen. Der Stil: kantig, matt und mit Figuren, deren Merkmale karikierend hervorgehoben werden. Das Ziel der Art Designer war es, eine Verbindung zwischen dem eigenwilligen cartoonesken Stil des Vorgängers Clone Wars und dem Fotorealismus der Filme zu schaffen. Dafür setzte man vor allem auf Tiefenschärfe und Lichtrendering – also die Art der Beleuchtung. In ihren ersten Staffeln wirkt die Serie in ihrem Stil noch recht grob. Über die Jahre aber registriert man durchaus eine Entwicklung, bis schließlich die letzte Staffel (2020) das optische Sahnebonbon darstellt und mit ein paar geradezu kinematograpischen Szenerien, lebendigen Gesichtsdynamiken und manch wunderprächtig ausgeleuchteten Momenten aufwartet.

„Das muss jetzt alles mal ein bisschen authentischer werden!“

Star Wars ist eine epische Geschichte über den ewigen Kampf Gut gegen Böse und erzählt von dem „einen Auserwählten“ unter den Jedi, der immer irgendeine Art von Skywalker ist – und wenn auch nur adoptiert. Die Saga dreht sich somit vor allem um die Jedi und ihre „superheftigen“ Jedi-Fähigkeiten. So auch in Clone Wars (2005): Hier werden besagte Kräfte ziemlich übertrieben dargestellt. So macht z. B. Jedi-Meister Mace Windu barhändig einfach mal 500 Superkampfdroiden platt. Regisseur Dave Filoni wollte das in seinem The Clone Wars authentischer handhaben. Soll heißen, dass viele Jedi während der Kämpfe hops gehen. Nicht die Kräfte der Jedi stehen im Vordergrund, sondern ihr Dilemma. Denn die eigentlichen Hüter des Friedens werden hier als Soldaten eingesetzt und sind gezwungen, Kriege zu führen. Die Jedi sind somit keine Heiligen mehr. Das zeigt sich u. a. darin, dass sie ein 14-jähriges Mädchen zu einem befehlshabenden Offizier machen (»lol«, Anm. d Red.). Ein Kriegsverbrechen, nebenbei erwähnt, vor allem aber der größte Witz des Jahrhunderts. In dieser Hinsicht ist die Serie also ein bisschen blauäugig. Aber okay, wir wollen ja kein Spielverderber sein.

The Clone Show

Neben dem Dilemma der Jedi handelt The Clone Wars vor allem von den Klonen. In den Kinofilmen sträflich vernachlässigt, kriegen sie in der Serie nun eine Stimme. Filoni und Chefautor Henry Gilroy war es wichtig, dass die Klonsoldaten individuelle Charaktere und Eigenheiten bekommen sowie äußerliche Merkmale, die sich meistenteils in Haarschnitt, Tattoos und Rüstungsbemalung ausdrücken. Somit beginnt man als Zuseher, sich um die sonst so anonymen Klonsoldaten zu sorgen. Sämtliche Klone wurden von Martin Keßler eingesprochen, der sie bereits in den Kinofilmen vertonte und den nicht immer gleichen Gesichtern auch jeweils nicht immer gleiche Stimmen spendiert. Allerdings wird auch die Klonthematik in der Serie etwas blauäugig angegangen. Theoretisch hätten wir auch hier wieder ein Kriegsverbrechen vor der Nase: Die Klone haben keine Rechte, keine Staatsbürgerschaft, keine Bezahlung und schlicht keine Wahl. Im Grunde sind sie Sklaven. Hier und da wird das zwar angesprochen (Folge 01×16), geht aber meistenteils im Krawumms der Serie unter. Aber wie gesagt; Spielverderber mag keiner, gell?

Der Jedi-Padawan und der Klonsoldat

Der wichtigste Neuzugang ist die Jedi-Schülerin Ahsoka Tano, die Anakin als Padawan zugeteilt wird. Filoni verfolgte das Ziel, die gewohnte Beziehung zwischen Obi-Wan und Anakin aufzupeppen, indem er ihnen ein junges, ungestümes Mädchen zur Seite stellt. Wurde Ahsoka von den Fans zu Beginn noch als „totnervig“ betitelt, ist sie nach zwölf Jahren zum Liebling aller avanciert, der bei seinem Live-Auftritt in The Mandalorian für so manchen Herzinfarkt sorgt. Anfangs nervig, gegen Ende geliebt: Man kann der Serie so manches vorwerfen, nicht aber mangelnde Charakterentwicklung. Der zweite große Neuzugang der Serie: Klon-Captain Rex. Der ballert sich hauptsächlich durch Droiden, hat daneben aber auch mit geradezu intellektuellen Problemen zu tun: Gibt es für Klone ein Leben fernab des Krieges? Was ist, wenn man von den Jedi als ersetzbares Fleischkapital betrachtet wird? Und was, wenn der eigene Bruder zum Aluhutträger wird? Auch wenn Ahsoka und Rex nicht dauerpräsent sind, ist The Clone Wars insgeheim ihre Show. Der letzte Ark läuft zeitlich parallel zu Star Wars Episode III: Die Rache der Sith und zeigt, wie Ahsoka und Rex die Order 66 erleben. Sie bilden damit den Abschluss der Serie.

Für das Kind in uns

Der einzige Wermutstropfen mag womöglich sein, dass bei The Clone Wars dann doch mehr als einmal der Kids-Show-Charakter durchbricht ist. Nicht unbedingt emotional, denn es gibt einige dunkle Themen und viele tragische Tode. Und auch nicht in den Dialogen, denn die originalen Film-Synchronsprecher könnten auch den billigsten Trash wie poliertes Gold klingen lassen. Allerdings ist die Serie vor allem in ihren ersten Staffeln auf reine (und mitunter ermüdende) Krawumms-Action aus, bei der sich die Youngsters unter uns vermutlich vor Freude an ihrem Baby Yoda-Müsli verschlucken werden. Die 26. Episode ist (laut Jedipedia) die erste Episode, in der kein Blaster abgeschossen, kein Lichtschwert aktiviert und keine Sprengladung in die Luft geht. Und auch wenn sich manche Storys über mehrere Episoden erstrecken, sind sie insgesamt eher kurzweilig und häufig ziemlich simplifiziert. Aber okay: Star Wars war schon immer für das Kind ins uns gemacht, dann muss das wohl so. Zur Einordnung sei aber gesagt, dass The Clone Wars weniger Kids-Show ist als die Animationsserie Star Wars Rebels.

Spielplatz der unverbrauchten Ideen

Weiterhin nutzt George Lucas die Serie als Spielplatz, um Ideen umzusetzen, die es nicht in die Filme geschafft haben. Bei manchen mag man auch direkt verstehen wieso. Im Mortis-Ark etwa wird aus dem ätherischen Konzept der Macht plötzlich ein wortwörtlicher Familienstreit aus Sohn (böse), Tochter (gut) und Vater (irgendwas dazwischen). Die Macht wird hier personifiziert, greifbar und der gesamte Umgang mit ihr verliert die gewohnte Reife. Auf der anderen Seite kommen durch diese ungenutzten Ideen aber auch viele spannende Themen zur Sprache: Wie funktioniert das mit der Kriegsfinanzierung? Gibt es unter den Klonen Deserteure? Was ist aus Boba Fett geworden? Und was treiben eigentlich die Mandalorianer? The Clone Wars umfasst insgesamt 133 Folgen. Bei so viel Stoff sind neben vielen guten Sachen freilich auch so manche Gurken dabei. Aber es braucht eben diesen langen Anlauf, damit man die letzte Staffel auch gebührend emotional würdigen kann.

Fazit

Insgesamt ist es beeindruckend, was Lucas und Filoni aus einem Begriff machen, der in Episode IV nur beiläufig in einem Nebensatz fällt. Trotzdem bin ich bei The Clone Wars etwas zwiegespalten. Das Niveau der Serie schwankt. Der dramaturgisch lahme Action-Fokus der ersten Staffeln und die Folgen mit Grievous, Jar-Jar Binks oder C-3PO haben mir den Einstieg und das Dranbleiben etwas schwer gemacht. Erst ab der vierten Staffel fühle ich mich als Erwachsener halbwegs ernst genommen. Und wer bis hierhin durchhält, der kann auch durchziehen, denn der letzte Ark ist wirklich ein fantastischer Abschluss – ich saß quasi im Traueranzug vor der Mattscheibe. Wäre die gesamte Serie auf dem Level der letzten Staffeln, verdiente die Serie das Prädikat “ziemlich dufte”. So aber kann ich The Clone Wars eigentlich nur echten Star Wars-Fans empfehlen. Trotz allem muss man aber die eine große Leistung von The Clone Wars anerkennen: Die Serie befreit die Prequel-Ära von dem Joch, nur ein oller Witz zu sein und macht sie für mich zum Besten, was das Franchise zu bieten hat. Nicht der sprachgestörte Gungan bleibt in Erinnerung, sondern ein Klon, der seine toten Brüder begräbt. Das würdige Ende einer Ära. In diesem Sinne: Salute.

© Warner Home Video

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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