Star Wars: Darth Vader und der Schrei der Schatten

Klon-Fans dürfen sich freuen: Mit Star Wars: The Bad Batch startet 2021 eine neue Animationsserie, die sich ganz und gar den Klonkriegern widmet. Wer auch abseits der Serien ins Klon-Thema eintauchen möchte, eventuell mit einem etwas ernsthafteren Touch, der greife zu dem 2014 erschienenen Comic Darth Vader und der Schrei der Schatten des Texter- & Zeichner-Gespanns Tim Siedell und Gabriel Guzman. Anders als es Titel und Cover vermuten lassen, erzählt der Band von einem im Kampf zurückgelassenen Klonkrieger, der sich von den Jedi verraten fühlt und nach einer neuen Bestimmung sucht, die er ausgerechnet im Sith-Lord Darth Vader gefunden zu haben glaubt.

 

Kurz vor dem Fall der Republik: Während einer der vielen Schlachten gegen die Separatisten, wird Klonsoldat CT-5539 auf dem Schlachtfeld zurückgelassen. Er fühlt sich von seinem Jedi-General verraten. Auf sich allein gestellt, versucht er auf dem kargen Planeten zu überleben und entwickelt einen unbändigen Hass auf die Jedi. Schließlich findet er Kost und Logis auf einer Farm. Ein neues Leben beginnt, das ihn aber nicht zufrieden stellt. Wenige Jahre später (die Republik ist gefallen), hört der Klon Geschichten von einer neuen Krieger-Legende namens Darth Vader. Er beschließt, sich dem Imperium anzuschließen und Darth Vader zu seinem neuen Heiland zu machen, dem er all seine genetisch einprogrammierte Loyalität schenken will.

Die trockenen Fakten

Originaltitel Star Wars: Darth Vader and the Cry of Shadows
Jahr 2014
Land USA
Genre Action, Drama
Autor Tim Siedell
Zeichner Gabriel Guzman
Verlag Panini Comics (2017)
Veröffentlichung: 18. September 2017

Darth Vader und der Schrei der Schatten bildet den 48. Band der Star Wars Comic-Kollektion von Panini, die „die besten Storys der Star Wars-Saga“ (O-Ton Panini) kompakt im Hardcover-Format versammelt. Diese Kollektion kann man auch als Auffangbecken für all jene Geschichten verstehen, die seit der Übernahme von Star Wars durch Disney im Jahre 2012 nicht mehr zum Kanon gehören und unter dem Namen „Legends“ vertrieben werden. Neben der Hauptgeschichte beinhaltet jeder Band der Comic-Kollektion zusätzliche Infos zu den enthaltenen Comics, eine zeitliche Einordnung und eine Cover-Galerie. Der vorliegende Band bietet als Bonus die bis dato in Deutschland unveröffentlichte Kurzgeschichte Verfluchter Sand, die nichts mit der “Best Friends Forever”-Story zwischen Darth Vader und seinem Klon zu tun hat, als nettes Give-away aber sicher nicht verkehrt ist.

Eine andere Klongeneration

Obwohl Darth Vader und der Schrei der Schatten zeitlich nach der Animationsserie Star Wars: The Clone Wars erschien und Autor Tim Siedell demnach die Möglichkeit hatte, Dave Filonis Version der Klonkrieger kennen zu lernen, präsentiert Siedell in seinem Comic eine etwas andere Art von Klonen. Solche, die sich eben keine Spitznamen geben. Solche, die in der Lage sind, zu hassen. Und solche, die keine genetischen Anomalien unter sich kennen bzw. die von den Erschaffern gar nicht erst geduldet werden (unter diesen Voraussetzungen hätte die “Schaden-Charge” aus The Bad Batch einen sehr schweren Stand gehabt). Generell ist die Situation der Klone in den Legends-Geschichten ein bisschen komplizierter. Während The Clone Wars von der ersten Episode an die Klone als individuelle Wesen zeigt, die von den Jedi respektiert und ermutigt werden, gelten die Klone in den Comics anfänglich als seelenlose Kriegsmaschinen. Erst nach und nach erkennt man die unerschütterliche Hingabe der Klone für die Republik, die sich in ihren vielen Toden äußert. Und obwohl es Jedi gibt, die die Klone fortan als Waffenbrüder sehen und ihre Individualität zu fördern versuchen, gibt es auch solche, die den blinden Gehorsam der Klone für selbstverständlich halten und sie als simple, für den Krieg gedachte Reagenzbrut verachten. Insgesamt also eine realistische Bestandsaufnahme des Umgangs mit den Klonen und nicht so arg blauäugig wie in The Clone Wars.

Ansichten des jungen Hocks

Auch CT-5539, der sich späterhin Hock nennt, gehört zur „konservativen“ Klon-Fraktion. Er sieht sich nüchtern als Maschine, die jederzeit ersetzt werden kann. Er ist so wichtig wie jeder andere Klon auch, soll also heißen: total unwichtig. Hock ist es gewohnt, als einer von vielen seine soldatischen Pflichten zu erledigen. Diese durch das unfreiwillige Exil entstandene Leerstelle versucht er auszufüllen, indem er jemanden Neues sucht, dem er folgen kann und der ihn aus der für Klone ungewohnten Isolation befreit. Glücklicherweise ist Darth Vader zur Stelle, um dessen Gunst Hock fortan buhlen kann. Der Comic ist als Rückblende gestaltet, die auf mehreren Zeitebenen verteilt Hocks Aufzucht als Klon, seinen Überlebenskampf auf dem Planeten und schließlich seine Zeit im Imperium schildert. Erst zum Schluss verläuft das Geschehen linear, spitzt sich zu und gipfelt in Hocks gegenwärtiger Situation. Der Comic zeichnet sich durch seinen Ernst aus und Hock durch seine brutale und einzigartige Perspektive auf die frühen Tage des Imperiums; auf die noch junge Widerstandsbewegung; auf die erbärmlichen Überlebenden unter den Jedi; auf den Umstand, dass es immer weniger Klone in der imperialen Armee gibt; und schließlich auf den grausamen Darth Vader, den er so vergöttert – und der vielleicht doch nicht der Heiland ist, den er so dringend braucht. Leider bleiben – vermutlich aus Platzmangel – einige Fragen innerhalb der Geschichte ungeklärt: Wie ist Hock in die imperiale Armee eingetreten? Und wie kam Hock da wieder lebend heraus, obwohl er sich zum Verräter an der Sache gemacht hat und Vader nicht gerade für seine Gnade bekannt ist? Insgesamt ist das aber nur ein kleiner Wermutstropfen.

Fazit

Darth Vader und der Schrei der Schatten ist eine tragisch-schöne und ernsthafte Geschichte mit einem Klon zum Protagonisten – eine kleine Seltenheit und allein deshalb schon sein Geld wert. Deswegen ist es auch geradezu unfair, dass der Klon trotz Hauptrolle auf keinem einzigen der Cover vertreten ist. Aber okay: Für die klingelnde Kasse muss halt Darth Vader ran. Der Comic bietet die richtige Mischung aus Introspektion und Action, wobei mir der Introspektion-Teil am besten gefällt. Ein Klon, der ein Eigenleben entwickelt, uns einen (durchaus negativen) Blick hinter die Kulissen der Klonprozedur gibt und abseits seiner alten Familie versucht, den richtigen Weg zu finden und seine Überzeugungen in Frage stellt, verspricht eigentlich immer eine gute Story. Für Klon-Fans daher eine absolute Empfehlung.

© Panini Comics, Dark Horse Comics


Veröffentlichung: 18. September 2017

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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