Halo (Folge 1×02)

Mit seiner zweiten Folge »Entfesselt« beginnt Halo Fuß zu fassen und es verstärkt sich die Hoffnung, dass aus dieser Serie, die ihren eigenen Weg beschreitet, etwas Gutes werden kann. Doch zunächst geht es für den Master Chief und Kwan zum sogenannten »Rubble«, einer großen Asteroiden-Stadt, auf der sich Master Chiefs einstiger Spartaner-Kumpel Soren zum Piratenkönig aufgeschwungen hat.

Inhaltsangabe

Die Folge beginnt mit einer Rückblende in Master Chiefs (aka Johns) Vergangenheit, die zeigt, dass er und sein Spartaner-Kumpel Soren einst vorgehabt hatten, aus dem UNSC-Trainigscamp für Spartaner zu fliehen. Während Soren bei diesem Vorhaben bleibt, regen sich in John Zweifel. Er lässt Soren unter Widerstand ziehen, verbleibt selber aber beim UNSC.

In der Gegenwart sind John und Kwan unterwegs zum Rubble, einer Asteroiden-Stadt. Dort treffen sie Soren (Bokeem Woodbine), mittlerweile Piratenkönig des Rubbles, der ihnen mitteilt, dass auf Kwan ein Kopfgeld ausgesetzt wurde. Nicht aber vom UNSC, sondern von Gouverneur Vishner (Burn Gorman), der nach dem Tod des alten Rebellen-Generals Jin (Kwans Vater) nun der neue Obermacker auf Madrigal ist und als erste Amtshandlung den Widerstand an das UNSC verraten hat. Soren nimmt die beiden mit zu sich nach Hause zu seiner Familie. John ist überrascht, dass Soren eine Familie hat, obgleich die Spartaner-Behandlungen doch Geschmack, Emotionen, Fruchtbarkeit und Sexualtrieb unterdrücken sollten.

Auf High Charity berichtet unterdessen der überlebende Elite-Soldat dem Rat der Hierarchien vom Master Chief, der das Artefakt aktivieren konnte. Der Rat kommt zum Schluss, dass es sich bei dem Artefakt um einen »Schlüsselstein« handeln muss, der geradewegs zum »Heiligen Ring« führt. Trotz anfänglicher Vorbehalte (ihre Loyalität wird nämlich in Frage gestellt), beschließt der Rat, die »Gesegnete« loszuschicken, um den Schlüsselstein zurück zu erlangen.

Auf Reach diskutiert das UNSC die allgemeine Sachlage. Bezüglich des Master Chief-Problems unterbreitet Dr. Halsey den Vorschlag, ihn mithilfe ihres neuen Cortana-Projekts unter Kontrolle zu bringen. Cortana sei eine K.I., die das Bewusstsein der Spartaner überschreibe und sie damit noch effizienter und vor allem kontrollierbarer mache.

Während das Silver Team die Verfolgung von Master Chief aufgenommen hat, bringt Soren den Chief zu Reth, einem ehemaligen Gefangenen der Allianz, damit dieser einen Blick auf das Artefakt wirft und generell sein Insider-Wissen teilt. Laut Reth baue die Religion der Allianz auf Artefakten einer längst vergangenen Kultur auf und dieses eine Artefakt von John führe »zum Ring« – einer Tür zum Ende allen Lebens. »Eine Waffe« lautet Johns Interpretation. Deswegen muss die Allianz auch so versessen darauf sein.

Hals über Kopf bricht John auf, um das UNSC zu warnen und lässt sich vom Silver Team schnappen. Kwan lässt er bei Soren zurück, auch wenn diese gar nicht damit einverstanden ist. Zurück auf Reach wird John in die Zelle gesteckt und nachdem er mit Dr. Halsey ein Gespräch über seine Situation geführt hat, beendet sie das Gespräch mit: »Das wird ein Neuanfang«.

Halo im neuen Gewand

Folge 2 bricht optisch in neue Gefilde auf. Mit der Einführung der Asteroiden-Stadt Rubble etabliert Halo ein Aussehen, das eher an Mass Effect oder The Expanse erinnert. Manche mögen sagen, die Silver-Timeline sei Bullshit und respektiere den Kanon nicht. Tatsächlich aber muss mindestens eine Person im Creative-Team sitzen, die ansatzweise Ahnung hat. Sorens Backstory, sein ramponierter Arm, der Fakt, dass nicht alle Menschen mit den Artefakten agieren können und eben auch der Rubble, der bereits 2008 im Roman Halo: Das Cole Protokoll etabliert wurde: Das alles ist fortgeschrittene Lore, die dem Durchschnittsfan unbekannt ist. All diese Elemente sind vorhanden, lediglich mit einer neuen Drehung versehen, damit die Kenner:innen nicht einschlafen. Folge 2 jedenfalls glänzt mit tollen Kulissen, sowohl optisch als auch akustisch. Der halsbrecherische und klanglich gedämpfte Anflug auf den Rubble, der Skilift durch die Asteroiden, das Interieur von Sorens Wohnung, das Farbenspiel und die sanften Ambience-Sounds während der Slipstream-Reise – wunderprächtig. Es ist schön, dass die Serie in optisch ungewohnte und trotzdem interessante Bereiche vorstößt.

Der Rubble

Zu den Piraten im Rubble kann man allerdings nur sagen: lol. »Leute! Wir fahren ‘nen Gabelstapler in den Gang! Das wird den Spartaner aufhalten!« Und sie wirken dabei so zufrieden mit sich selbst, obwohl sie dem Chief bestenfalls nur eine kleine Unannehmlichkeit bereitet haben. Der verrückte Reth dagegen agiert etwas over the top, aber wie dem auch sei: Als er in seinem Wahn vom »Tor zur Vernichtung« spricht, erklingt ganz dezent das originale Halo-Main Theme. Man darf also davon ausgehen, dass es sich bei dem »Ring«, von dem alle Welt spricht, tatsächlich um den Elefanten im Raum handelt; nämlich um Halo. Dass Master Chief sein Protegé Kwan im Rubble zurücklässt, war abzusehen, denn sollte Cortana irgendwann die Bildfläche betreten, dann würde das »Badass & Child«-Trope nicht mehr funktionieren. Kwans zukünftiger Erzählstrang wird sie womöglich zurück nach Madrigal führen, damit sie sich Vishner entgegen stellen kann und der neue Kopf der Rebellen wird.

Dr. Halsey und ihr Cortana-Projekt

Kommen wir zum Cortana-Projekt, das hier als K.I. beschrieben wird, welche das Wesen der Spartaner überschreibt. »In den Spielen ist das nicht so!« Stimmt. Es ist denkbar, dass Halsey lediglich lügt, um das Cortana-Projekt besser an die Militärfuzzis verkaufen zu können. Halsey hat schon immer viel gelogen, wenn es dem großen Ganzen dienlich war. Ihre Rolle in der Serie ist wunderbar selbstgefällig und mehrdeutig, egal, ob sie Paragonsky versteckt anlächelt oder völlig ausdruckslos bleibt, wenn Chief in Handschellen an ihr vorbeigeht und sie nur Augen für das Artefakt hat. Sie könnte noch der Star der Show werden. Auch ist es interessant, wie man anhand der Stimme erkennen kann, dass der Chief bei ihr seine Deckung senkt. Er sieht sie als Mutter – und Halsey weiß das. Sie gibt sich in seiner Gegenwart locker, doch ihr Lächeln, nachdem John ihr sein Vertrauen ausspricht, wirkt wie das einer Jägerin. Indem sie Kindersoldaten erschaffen und herangezogen hat, hat sie in den Spartanern eine ziemliche Abhängigkeit kultiviert – allen voran in John.

Fazit

Mir gefällt, dass die Showrunner aus Halo keine 24/7-Asskicking-Serie machen. Stattdessen verwendet Folge 2 viel Zeit darauf, die emotionalen Beats der einzelnen Figuren zu setzen und vor allem um den Master Chief als John zu erkunden. Dass sie ihm die meiste Zeit über den Helm (und sogar die Rüstung) abnehmen, wird ihm hoffentlich jene Dimensionalität geben, um aus der Serie mehr als nur ein aufwendiges Space-Spektakel zu machen. Halo dreht sein eigenes Ding und drängt an die Ränder des Franchises, um neue Ideen zu erforschen, und ich bin absolut d’accord damit (anders als bei der zweiten Staffel von The Witcher …). Bin zudem ein großer Fan des trockenen Humors. John, steinern: »Freut mich für dich.« Soren: »Das kann ich sehen.«

© Paramount+ 

Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit bevorzugt Indie-Games, Taktik-Shooter oder ganz was anderes und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der 24/7 Music-Stream von Cryo Chamber auf YouTube.

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