Westworld (Folge 2×09)

Lesezeit: 3 Minuten

Das Ende ist greifbar nah, doch ein paar lose Fäden müssen noch geknüpft werden. In der neunten Folge von Westworld – The Door bekommen wir einen seltenen Einblick in Williams verkorkstes Familienleben und erleben ihn beim Komplettversagen als Vater. Was für ein Zufall ist es da, dass die Episode am amerikanischen Vatertag ausgestrahlt wurde?

Der Fokus der neunten Folge “Virus” liegt größtenteils auf William. Rückblenden in die nicht allzu ferne Vergangenheit zeigen, was in jener Nacht geschah, als seine Frau Juliet (Sela Ward, Gone Girl) Selbstmord beging. Nach einem innerfamiliär eskalierten Streitgespräch, schafft es William, seine Frau ins Bett zu bringen. Er begeht dabei den Fehler, der vermeintlich schlafenden Juliet sein Innerstes zu offenbaren und zudem seine Westworld-Profilkarte mehr schlecht als recht zu verstecken. Juliet findet sie wenig später und bringt sich daraufhin in der Badewanne um. In der Serien-Gegenwart unterdessen konfrontiert Emily ihren Vater mit ihrem Wissen über das Unsterblichkeitsprojekt und dass sie es torpedieren will. William, zerfressen von Westworld, bringt seine Tochter um in dem Glauben, dass sie ein von Ford geschickter Host sei. Bernard ist währenddessen auf dem Weg ins große Tal (nachdem er wieder einmal Elsie zurück gelassen hat), die halbtote Maeve bekommt von Ford eine Aufmunterungstherapie und Teddy erschießt sich letztendlich selbst, da er seine neue Natur nicht mehr erträgt. Ist Dolores ob ihres großen Verlustes nun geläutert?

Der Award für den besten Vater…

… geht augenscheinlich nicht an William. Infiziert von seinem inneren „Makel“, wie er es nennt, und von seinem Realitätsproblem, ballert er seine Tochter Emily weg. Als er seine Tat realisiert, schaut er – wie auch schon Jahre zuvor im Schlafzimmer seiner Frau – auf seine Armbeuge und macht den „Bin ich ein Mensch?“-Check. Dieser Glaube, dass er vielleicht ein Host sein könnte, scheint ein tief und bereits lange Zeit sitzender Stachel zu sein. Die Hosts sollen denken, sie seien Menschen, und nun haben wir einen Menschen, der erschrocken über seine eigene Taten annimmt, dass er ein Host sein muss. William hat offenbar seinen Verstand verloren und wirft man einen Blick auf sein Westworld-Profil, bestätigt sich die Vermutung: Er leidet unter Verfolgungswahn, Wahnvorstellungen und Paranoia.

Der Todbringer x 2

In Episode 4 sagt William über sich: „You think you know death… but you don’t. You didn’t recognize him sittin’ across from you this whole time.” In Anbetracht des Leichenberges, den er in Westworld angehäuft hat, kauft man ihm das direkt ab. Nun kommt aber heraus, dass er auch in der Realität keinen Deut besser ist: Er hat Logans Tod provoziert, den seiner eigenen Frau, seine Tochter Emily sogar aktiv umgebracht und seinen Schwiegervater Delos Senior in unendlich andauernder Qual zurück gelassen. Er ist quasi der zweite Todbringer, neben Dolores. Generell sind die Parallelen zwischen den beiden auffällig: Beide beginnen als die personifizierte Unschuld, entdecken in Westworld ihr grausames Selbst und treiben diejenigen, die sie lieben, in den Tod.

Ford und Maeve

Die nächste Enthüllung: Maeve war die ganze Zeit über Fords Liebling. Man gönnt es ihr, aber von all den neuen Plot Twists ist dieser hier jener, der am unnatürlichsten an Staffel 1 anschließt, da nie etwas darauf hindeutete – weder offensichtlich, noch schemenhaft. Seine Bevorzugung von Maeve ging damals also soweit, dass er sie darauf programmierte den Park zu verlassen, damit sie so dem Desaster entgehen kann. Stattdessen blieb Maeve im Park, um ihre Tochter zu suchen. Ford bewundert diese Güte und gibt zu, Maeve unterschätzt zu haben. Mit einem väterlichen Kuss auf die Stirn und einer sinngemäßen „Mach’ sie platt“-Motivationsrede verlässt er seine Ziehtochter. Der Award für den besten Vater geht also an Ford.

Ciao, Teddy. Sein durch die Last der Neuprogrammierung hervorgerufener Selbstmord ist ziemlich tragisch nach diesen ganzen Flashbacks hin zur süß-unschuldigen Romanze mit Dolores. Nach der Vernichtung der Cradle dürfte Teddys Wiederauferstehung unwahrscheinlich sein, aber eine Frage bleibt offen: Wie kommt Teddys Leiche nachher in den großen See? …. ah, natürlich: Sicher hat Clementine mit ihrer neuen Superpower etwas damit zu tun. Weiterhin müssen wir Abschied nehmen von Emily, oder auch nicht. In der Schmiede wartet sicher ihr Backup auf uns, sofern William (oder Dolores) nicht zuvor die Schmiede zerstören. Apropos Dolores: Ihre Performance nach Teddys Selbstmord war cool anzusehen. Eine Mischung aus einem glitchendem Roboter und einer Person, die sich nicht zwischen Schock und Trauer entscheiden kann. Der Performance-Apfel fällt nicht weit vom Stamm, huh?

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Totman Gehend

Totman ist Musiker, zockt in der Freizeit hin und wieder Indie-Games & Taktik-Shooter und sammelt schöne Bücher. Größtes Laster: Red Bull. Lieblingsplatz im Netz: der Lofi-Hip-Hop-Radio-Stream auf youtube (der gute Stream von ChilledCow).

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Misato
Redakteur

Schick gesagt mit dieser William-Dolores-Parallele. Das enttäuscht mich ehrlich gesagt ein wenig, denn ich hatte gehofft, dass die beiden eher als Antithese zueinander handeln und nicht beide auf ihre Art manisch werden und anderen derart ihre Ideen aufzwingen. Dass Dolores Teddys Persönlichkeit verändert hat, war für mich ein echter Schock. Zum Glück hat die Serie nicht versucht mir das als ein Opfer ihrerseits zu verkaufen, wie es schnell der Fall ist in manchen dramatischen Filmen (meist in einem umgekehrten Machtverhältnis). Und es ist klasse, dass Teddy den einen Ausweg nimmt, der ihm als freie Wahl bleibt. Nur die Erinnerung daran, mal ein anderer (besserer?) “Mensch” gewesen zu sein, ist da genug. Dolores’ Reaktion fand ich aber genial. Ich sehe für sie noch Hoffnung.

Bei William gönne ich ihm mittlerweile jedes Leid, das er noch erfährt. Da braucht mir auch keiner mehr ankommen mit möglichen Läuterungsszenarios. Hammerhart, die Tochter umgeballert, weil er glaubt Ford und alles so perfekt zu durchschauen. Pustekuchen.

Ford und Maeve war sehr… aus dem Hut gezaubert. Aber so merkwürdig konstruiert ich es finde, hat es auch etwas schönes. Jedes positive Gefühl gegenüber Maeve (sei es noch so verdreht) zelebriere ich gern. Ich habe ein wenig Angst, dass die Serie – für einen uuuuhhhhh-wir-sind-so-genial-Twiste – Maeve abstürzen lässt, weil sie zu viel Macht ausüben kann und dadurch doch korrumpiert wird. Lasst ihr die gute Seele.

Ich mag Sela Ward, deshalb war es schön sie zu sehen, wenn auch nur kurz. Die kann es mit Ed Harris durchaus aufnehmen (lol, was waren das für Zeiten als sie noch Evan Rachel Woods fast-Stiefmutter spielen durfte…).