Elite (Staffel 3)

Das Serien-Karussel dreht sich im Falle von Élite auf Netflix besonders schnell. Nach einer furiosen Auftaktstaffel und einer fulminanten Fortsetzung im September 2019 ging es bereits ein halbes Jahr später direkt weiter: Als Staffel 3 im März 2020 an den Start ging, machte schnell die Runde, dass die Serie zwar weitergehen, aber einem inhaltlichen Soft-Reboot unterzogen werden solle. Inhaltlich macht das Sinn: Immerhin ist die Elite-Schule der titelstiftende Schauplatz und sobald das Abitur erreicht ist, muss eben der nächste Jahrgang her. Aber nicht ohne Murder Mystery: Auch in Staffel 3 baut Élite auf die Suche nach Mörder und Motiv, denn gleich zu Beginn muss ein Serienliebling sein Leben lassen.

Ein neues Schuljahr beginnt an der Las Encinas. Die Schüler hoffen auf einen Neuanfang und eine Rückkehr zur Normalität. Doch die Rückkehr von Polo (Álvaro Rico) an die Schule ist vielen seiner Mitschüler ein Dorn im Auge. Immerhin kam er ungeschoren mit dem Mord an Marina davon, da Cayetana (Georgina Amorós) in letzter Sekunde die belastenden Beweise verschwinden ließ. Aber Polo hofft, dass seine Freunde ihm irgendwann verzeihen können. Dazu soll es aber nicht kommen, denn während eines Club Besuchs wird Polo brutal ermordet. Zuletzt wurde Carla (Ester Expósito) an der Unfallstelle gesehen, die auch prompt von der Polizei befragt wird. Ihren Mitschülern ergeht es auch nicht anders, doch bald ergeben sich Widersprüche und jeder scheint etwas zu verbergen …

Ein Mord, ein Verschwinden, ein Mord

Originaltitel Élite
Jahr 2020
Land Spanien
Episoden 8 in Staffel 3
Genre Drama
Cast Samuel García Domínguez: Itzan Escamilla
Guzmán Nunier Osuna: Miguel Bernardeau
Cayetana Grajera Pando: Georgina Amorós
Lucrecia „Lu“ Montesinos Hendrich: Danna Paola
Rebeca de Bormujo Ávalo: Claudia Salas
Nadia Shana: Mina El Hammani
Carla Rosón: Ester Expósito
Seit dem 13. März 2020 auf Netflix verfügbar

In den ersten beiden Staffeln stand der Mord an Marina (María Pedraza) im Vordergrund. Deren Bruder Guzmán (Miguel Bernardeau) war davon besessen, Stipendiant Samuel (Itzan Escamilla) als Täter zu identifizieren. Am Ende der zweiten Staffel stand aber fest: Guzmáns Kumpel Polo brachte Marina um, um die illegalen Geschäfte des Vaters seiner Freundin Carla zu vertuschen. Soweit alle mitgekommen? Gut! Die Serienschöpfer Carlos Montero und Darío Madrona verfolgen einmal mehr das populäre Murder Mystery-Konzept: Auf der Suche nach Polos Mörder wird die Geschichte in Rückblenden und Vorausblenden erzählt, aus deren Zusammenpuzzlen sich das große Ganze ergibt. Denn wieder einmal kommt nahezu jeder in Frage, Polos Mörder zu sein. Wenn Polo eines mehr als genug hatte, dann Feinde. Die eigentliche Erzählung bekommt eine Rahmenhandlung in Form einer polizeilichen Ermittlung übergestülpt. Auch das bleibt identisch mit den vorhergehenden Staffeln.

Plot nach Schema F

Während die zweite Staffel trotz Wiederholung des bekannten Mechanismus immerhin noch die Hauptgeschichte vorantreibt, fühlt sich die dritte Staffel wieder wie ein Rückschritt an. Vergessen ist Samuels Verschwinden in Staffel 2. Ohnehin tritt Samuel so stark in den Hintergrund, dass die Erinnerungen an seine einst wichtige Rolle allmählich verblassen. Davon profitieren zwar andere Charaktere, die mit mehr Laufzeit bedacht werden, gleichzeitig ist es schade, dass das Drehbuch so wenig mit Samuel anzufangen weiß. Der Handlungsstrang der polizeilichen Ermittlung bildete auch in den beiden vorherigen Staffeln ein Kernelement. Staffel 3 verpasst es aber, diesem Handlungsstrang mehr Tiefe zu verleihen. So bleibt kaum spannend, was das Motiv des Mörders gewesen sein könnte. Denn beinahe jeder hat sich von Polo abgewendet, wodurch die Identität des Mörders jedem zufallen könnte. In diesem Punkt schwächelt die dritte Staffel im direkten Vergleich mit der ersten.

Neue Mitschüler für alte Dynamiken

Ebenfalls ein festes Element sind neue Mitschüler, die schnell in bestehende Konflikte hineingezogen werden oder selbst für Zündstoff sorgen. Staffel 3 entfacht mit Yeray (Sergio Momo) die Geschichte des hässlichen Entleins im Gender-Umbruch: Einst für seine Fettleibigkeit gehänselt, wurde nach einem Gewichtsverlust aus dem Jungen ein attraktiver junger Mann, der zudem auch öffentlich ein hohes Ansehen genießt. Und: Er hat ein Auge auf Carla geworfen. Malick (Leïti Sène) versucht sein Glück bei Nadia (Mina El Hammani) und rennt bei deren Eltern offene Türen ein, schließlich kann es auch kaum schlimmer als bei Guzmán enden. Beide neuen Charaktere stellen keine Schlüsselcharaktere dar, anders als in der Staffel zuvor. Das macht sie ungerechterweise zu Füllmaterial, das viel zu schnell von den bestehenden Dynamiken aufgesogen wird und kein Potenzial mitbringt, um ein Fanliebling zu werden.

Glamourös und sexy

Im Dickicht ähnlicher Serien wie Riverdale, Tote Mädchen lügen nicht und Gossip Girl hat Élite die Nische der glamourösen Serien eingenommen. Obwohl vor allem Reichtum und Armut stetiger Bestandteil der Serie sind, gibt sich fast jedes Setting luxuriös. Wir wissen: Las Encinas ist eine Elite-Schule mit Schülern überwiegend reicher Eltern. Doch es ist weiterhin befremdlich, wenn Teenager in Luxuskarossen unterwegs sind und spontane Pool Parties im heimischen Anwesen schmeissen, wofür jeder im echten Leben sieben Tage Vorlauf mitsamt Party-Komitee benötigen würde. Für treue Zuschauer und Fans nichts Neues, aber gerade diese Staffel demonstriert, wie viele Probleme einfach wegbezahlt werden können. Weiterhin sehen alle Schüler wie aus dem Ei gepellt aus und geizen nicht mit nackter Haut. Die Serie erlangte Bekanntheit für ihre ästhetischen und freizügig präsentierten Nacktszenen. Diesen Wurzeln bleiben die Serienschöpfer treu, wenngleich fraglich ist, weshalb bereits verwendete Liebes- und Sex-Konstellationen erneut zum Einsatz kommen und nur mit ausgewechselten Figuren einen Recycling-Prozess durchlaufen. Wo Geld und Sex sind, bleiben auch Drogen nicht fern.

Jeder hat ein Geheimnis (mehr als du)

Damit der Zuschauer bis zum Schluss im Dunkeln tappt hinsichtlich der Identität des Mörders, werden zahlreiche Handlungsstränge gebildet, die alle irgendwie mit Polo zu tun haben und am Ende zusammenlaufen. Wenn nicht bei Polo, dann zumindest bei einem anderen Schüler, sodass das Erzählnetz weiterhin zusammengehalten wird. Hierbei schwankt die Qualität der einzelnen Geschichten stark, dann erneut macht sich ein Mechanismus bemerkbar: Charakter A ist dabei, etwas Geheimes zu tun. Dabei wird er von Charakter B beobachtet. Und Charakter C ist ebenfalls dort anwesend und bekommt mit, dass B A beobachtet, nimmt aber ein Detail wahr, das B vorenthalten blieb. Auf diese Weise werden immer wieder Figuren zusammengeführt, um die Geheimniskrämerei dieses Mal auf die Spitze zu treiben.

Fazit

Die dritte Staffel Élite fühlt sich an, als würde man bereits zum dritten Mal das gleiche Stück Torte servieren, das zwar weiterhin vorzüglich schmeckt, aber einfach nichts Neues mehr darstellt. Die Suche nach dem Mörder macht Spaß, zeigt aber auch massiv Abnutzungserscheinungen. Es wäre nicht die schlechteste Entscheidung, an der Stelle einen Punkt zu machen. Das Ende deutet bereits an, wie eine vierte Staffel aussehen könnte und erzeugt gleichzeitig ein Seufzen, ob das Kreativ-Duo die Formel ein weiteres Mal mit anderen Figuren ausschöpfen wird. Die Spannung dieser Staffel hält sich jedenfalls in Grenzen, auch wenn weiterhin zu honorieren ist, dass Élite viel aus seinem großen Cast herauszuholen weiß. Auch wenn die Staffel qualitativ hinter ihren Vorgängern hinterherhinkt, bewegt sich die spanische Produktion nach wie vor auf einem hohen Level.

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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