Elite (Staffel 1)

Lesezeit: 4 Minuten

Der Schauplatz: Die angesehene spanische Privatschule “Las Encinas”. Attraktive Mädchen und heiße Jungs laufen in Uniformen über den Gang. Der Flurfunk macht die Runde und irgendwo unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen. Und ein tragisches Ereignis überschattet selbstverständlich das Streben nach den besten Noten. Sind wir etwa in Riverdale? Pretty Little Liars? Gossip Girl? Nichts von all dem. Dass das gossiplastige High School-Leben mit Sex und Intrigen nicht immer aus den USA stammen muss, um prächtig zu funktionieren, demonstriert das spanische Elite. In der nur acht Folgen umfassenden ersten Staffel kommen soviel zwischenmenschlicher Schmutz, seelischer Abfall und Nervenkitzel zusammen, dass sämtliche Daily Soaps neidisch werden könnten.

  

Ein schreckliches Verbrechen ist geschehen. Auf der Jahresabschlussfeier einer spanischen Eliteschule kommt eine Schülerin ums Leben. Bei der Befragung ihrer Mitschüler ergeben sich nach und nach immer weiter ausufernde Verstrickungen. Ohnehin scheint das zurückliegende Schuljahr voller Geheimnisse zu sein. Das Drama nahm erst mit der Ankunft dreier neuer Schüler seinen Lauf. Der ausgeglichene Samu (Itzan Escamilla), der draufgängerische Christian (Miguel Herrán) und die gläubige Nadia (Mina El Hammani) besuchten zuvor eine andere Schule, welche aufgrund ihrer maroden Bauweise einstürzte. Nachdem das öffentliche Ansehen des zuständigen Bauunternehmens dadurch leiden musste, wurde den drei Schülern die Teilnahme an der Eliteschule gesponsert. Jeder der drei hat auf seine eigene Weise Schwierigkeiten, sich in der Klasse einzufinden. Bei der polizeilichen Befragung kommen die interessantesten Details ans Licht…

Im Strudel der Intrigen

Originaltitel Elite
Jahr 2018
Land Spanien
Episoden 10 in Staffel 1
Genre Drama
Cast Marina Nunier Osuna: María Pedraza
Samuel García Domínguez: Itzan Escamilla
Guzmán Nunier Osuna: Miguel Bernardeau
Christian Varela Expósito: Miguel Herrán
Lucrecia „Lu“ Montesinos Hendrich: Danna Paola
Fernando „Nano“ García Domínguez: Jaime Lorente
Nadia Shana: Mina El Hammani
Carla Rosón: Ester Expósito

Elite könnte man ohne böse Absichten vorwerfen, von den Besten zu klauen. Wie heißt es so schön? Besser gut kopiert als schlecht neu erfunden. Tatsächlich erinnert der Aufbau der Serie stark an Big Little Lies. Dort steigt die Handlung ebenfalls mit einem Verbrechen ein, über das zunächst nichts weiter bekannt ist. Und dann wird die Geschichte von hinten aufgerollt. Stück für Stück ergeben sich im Laufe der Episoden neue Ansatzpunkte und der Zuschauer entwickelt regelrechte Leidenschaft dabei, jedes Puzzleteil dankbar aufzufangen. Dafür wird zunächst ein Cast von etwa 10 bis 15 Haupt- und Nebenfiguren etabliert, die alle möglichst schnell miteinander in Verbindung gebracht werden. Ob es sich um Neid, Missgunst, Erpressung, Fremdenhass, Drogendeals oder Sex handelt – Elite beherrscht das kleine Telenovela-Einmaleins in Perfektion. Denn in bester Pretty Little Liars-Manier hat jede Figur mindestens ein Geheimnis und kennt das einer anderen.

Da ist ein Blutspritzer auf deiner Uniform

Gar nicht einmal so spannend ist, wie diese Geheimnisse nun aussehen. Viel interessanter ist, wer darüber Bescheid weiß und mit welcher Motivation sich welche Handlung erpressen lässt. Nach diesem Muster funktioniert die Story und damit hält sie den Zuschauer auch bei Stange. Denn selbst wenn das Interesse an den Einzelschicksalen gering sein sollte, steht die Whodunnit-Frage im Raum. Wer ist der Mörder und was ist sein Motiv? Dafür werden ganz Cluedo-like diverse Figuren in Betracht gezogen und der Zuschauer auf mehr oder minder falsche Fährten geschickt. Sicher ist nur, dass das Mordopfer mit einer Trophäe erschlagen wurde und dass Samu Blutspritzer an seiner Schuluniform hat. Das “Wie?” wird nur langsam entblättert. Die Trophäe ist ohnehin ein fester Bestandteil der Serie, denn sowohl Lu (Danna Paola) als auch Nadia wollen diese haben. Und welcher Liebschaften oder Feinde hatte eigentlich das Opfer? Hier wird jeder Stein umgedreht.

Viva España! Wenn die Hormone überkochen…

So abgegriffen sich die Formel hinter Elite anhören mag, so gut funktioniert das Konzept. Das liegt nur an der straffen Erzählweise. Die Serie traut sich etwas! Wo ein Thema wie Sex derart präsent ist, darf nicht alles im Offscreen stattfinden. Und so gibt es einige explizite Liebesszenen und nackte Tatsachen zu sehen, was für unsere Sehgewohnheiten alles ist, nur nicht prüde. Sexualität in allen Spielweisen und Varianten werden hier ausgelebt. Zu zweit, zu dritt, bisexuell, gleichgeschlechtlich, im Pool, unter der Dusche oder einfach nur als Voyeur. Mit dem Balztanz gehen die Autoren so offen um, dass eine Figur sogar HIV-erkrankt ist. Ein Thema, um das viele vergleichbare Serien einen Bogen machen, da die Thematik schon wieder zu brisant wird. Der Cast sieht durch die Bank gut aus (gut genug, um an Teenie-Wänden zu landen). María Pedraza, Miguel Herrán und Jaime Lorente durften ihr Können schon in Haus des Geldes unter Beweis stellen. Und ohnehin macht die Serie keinen Hehl um den Personenkult, den sie aufbaut.

Hinter Elite steckt mehr als nur das übliche High School-Geplänkel. Die Serie mag keine bahnbrechende Innovation sein, doch sie traut sich etwas, das andere Serien aussparen: die explizite Darstellung nackter Tatsachen und das Aufgreifen von Tabuthemen. Das macht die spanische Produktion nur bedingt greifbar (wenn die versnobten Teens mit Champagner im Pool ihrer reichen Elternhäuser anstoßen, mag das sehr befremdlich wirken). Doch wer Spaß an der Suche nach Mörder und Motiv hat, macht mit dieser Serie nichts falsch. Etwas überstrapaziert ist die stets präsente Schere zwischen Arm und Reich, doch diese Strukturen sind tief in Spaniens Gesellschaft verwurzelt und haben daher ihre Existenzberechtigung.

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 3
  •  
  •  

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: