Die Braut des Magiers

Sklavenhandel, Diskriminierung, Verachtung, keine Familie und Freunde, kein Zuhause. Dass die junge Chise Hatori sich darin schwer tut, Vertrauen zu anderen Personen aufzubauen, ist bei diesen Begriffen verständlich. Doch was passiert, wenn auf einmal ein geheimnisvoller Magier mit Skelettkopf auf einer Sklavenauktion erscheint, das Mädchen für fünf Millionen Pfund ersteigert und ihr sagt, er möchte sie als Lehrling und Braut haben? Mit diesen gravierenden Veränderungen muss sich Chise in Kore Yamazakis (Frau Faust) Manga Die Braut des Magiers auseinandersetzten. Seit 2015 wird die Reihe von dem Verlag Tokyopop in bisher elf Bänden in Deutschland veröffentlicht. Werfen wir einen Blick in Chises neues Leben voller Magie, mysteriösen Wesen und der Erkenntnis, was das Wort “Zuhause” bedeuten kann.

 

Die 15-jährige Chise Hatori hatte in ihrem Leben bereits mit einigen Schicksalsschlägen zu kämpfen. Bereits von klein auf verfolgt sie der Fluch, geheimnisvolle Wesen sehen zu können und von ihnen verfolgt zu werden. Als Folge dessen wird sie von ihren Eltern verstoßen, weitergereicht bis hin zum Sklavenmarkt. Ohne jeglichen Lebenswillen sind ihr die Folgen dieser Versteigerung egal. Bei einer Auktion wird sie vom Magier Elias Ainsworth für einen horrenden Betrag ersteigert. Er betrachtet sie allerdings nicht als „Ware“, sondern möchte sie zu seinem Lehrling machen, da sie ebenfalls magische Kräfte in sich trägt. Chises Leben ändert sich Schlag auf Schlag und sie erfährt, was es bedeutet, die Fähigkeiten einer sogenannten “Slay Vega” zu besitzen, die unter anderem Feen, Monster und andere Kreaturen wahrnehmen können. Gemeinsam mit Elias beginnt sie ein neues Leben, bei dem sie sich auf einiges gefasst machen muss.

 

Gefühle sind nicht selbstverständlich

Originaltitel Mahoutsukai no Yome
Jahr 2013
Band 2 / ?
Genre Fantasy
Autor Kore Yamazaki
Verlag Tokyopop (2015)

Selbst wenn es ihr egal ist, was aus ihr wird, Wünsche, Träume und Zukunft keine Rolle spielen staunt sie nicht schlecht, als auf einmal ein groß gewachsener Mann mit dem Kopf in Skelettform einer Bestie und rot leuchtenden Augen vor ihr steht und sagt, er wolle einen Lehrling und seine Braut aus ihr machen. Durch den Titel “Die Braut des Magiers” ist es keine Überraschung, dass die junge Chise den Magier Elias heiraten soll, allerdings darf man den Namen nicht falsch interpretieren, denn es handelt sich um keine reine Liebesgeschichte. Da Chise das Gefühl Liebe fremd ist und Elias so etwas nicht kennt, müssen sich die beiden erst langsam miteinander vertraut machen. Chise empfindet ihm gegenüber Dankbarkeit, da sie nun eine Art freies Leben führen kann, dennoch ist sie vorsichtig. Immer wieder treten Situationen mit romantischen Nuancen auf. So kümmert sich Elias liebevoll um seinen Schützling, gibt Chise Essen, ein Zimmer, beschützt sie und versucht ihr das zu bieten, was sie vorher nie hatte: ein Zuhause. Bis Elias in ihr Leben getreten ist, hat noch nie jemand zu Chise gesagt, dass sie bleiben darf. Ihr ist alles egal, auch wenn er sie nur als Gegenstand sehen würde, nennt er sie „seine Familie“ und das ist der Ausschlag dafür, dass sie bei ihm bleiben will.

Zauberei oder Magie?

Wenn ein Begriff wie “Slay Vega” fällt, ist er zu Beginn nicht nur für den Rotschopf Chise ein großes Fragezeichen. Auch was sich hinter dem Unterschied zwischen Zauberei und Magie verbirgt, führt zu Überlegungen. Dank Elias kommen die Erklärungen sehr zügig und sorgen für den bekannten Aha-Effekt. Hinter der Magie verbergen sich Kräfte von Feen, Naturgeistern und Dämonen. Magier nutzen Magie, indem sie die Kräfte aus ihrer Umgebung leihen, beziehungsweise absorbieren. Zauberer hingegen wandeln die Energie aus ihrem eigenen Körper in magische Kräfte um. Die Slay Vega sind in beiden Techniken begabt. Allerdings ist ihr Körper zu schwach, um diese Kraft auf längere Zeit zu speichern und gleichzeitig die lebensnotwendigen Organe zu erhalten. Aus diesem Grund fällt Chise, nachdem sie ihre Kräfte anwendet, in einen längeren Schlaf, um ihren Körper wieder zu regenerieren. Diese Fähigkeit ist der Ausschlag, warum Chise ihr ganzes Leben über magische Wesen sehen konnte, denn diese werden von der Kraft angezogen. Slay Vega haben keine lange Lebensspanne und dies ist ein Grund, weshalb Elias Chise zu sich geholt hat. Er will dafür sorgen, dass seine Braut vor allem überleben und dabei ein glückliches Leben führen kann.

Eine bunte Mischung

An Charakteren mangelt es nicht, denn bereits zu Beginn der Geschichten treten viele neue Menschen und Wesen in das Leben von Chise und der Leser. Im neuen Zuhause kommt neben Elias die stille Haushälterin Silky dazu. Sie redet nicht aber, durch ihr Verhalten ist deutlich zu sehen, dass sie das junge Mädchen ins Herz geschlossen hat und froh ist, dass der Hausherr sie mitgebracht hat. Bei Elias ist es allerdings schwieriger, Gefühle zu sehen. Durch seinen Skelettkopf ist keine Mimik erkennbar, daher stellt sich ab und zu die Frage, ob er bestimmte Kommentare im Spaß oder im Ernst abgibt. Als Magier kann Elias allerdings sein Aussehen verändern, wodurch er mit dem Gesicht eines Mannes deutlich menschlicher wirkt. Chises Ausbildung beginnt und Elias nimmt sie mit auf seine Missionen. Bereits am Anfang begibt sich das Brautpaar auf eine Reise nach Island. Dort lernt Chise einen weiteren Magier sowie den Wächter der Drachen namens Lindel kennen und freundet sich mit Drachen an. Sie treffen im Dorf der Katzen auf den König der Katzen, sehen einen Geisterhund und haben die Ehre, der Königin und dem König der Feen, Titania und Oberon aus Tir na nOg, zu begegnen. Es stellt sich aber auch heraus, dass es einen Feind gibt, der sich für die Slay Vega zu interessieren scheint. Vielseitigkeit, große Gefühle, Humor und bedrohliche Momente sind definitiv gegeben und halten den Spannungsbogen für den Verlauf der weiteren Handlung weit oben.

Es gibt viel zu entdecken

Jeder Band erscheint in einem broschierten Großformat und enthält zu Beginn eine Farbseite. Ebenfalls sind in der Innenseite des Einbandes Zusatzinformationen und Geschichten vorhanden. Vorne befindet sich „Silkys Tagebuch“ (kurze Geschichten aus dem Alltag der Haushälterin), während hinten Pläne und Beschreibungen von Räumen aus Elias und Chises Haus sind. So laufen wir im ersten Band durchs Wohnzimmer und im zweiten werfen wir einen Blick in Chises Zimmer. In der Erstauflage gibt es Extras wie eine Postkarte der Mangaka und ein Booklet, das eine Zusatzgeschichte enthält, welche zeigt, wie Elias das Vertrauen von Chise gewinnt, indem er während eines Gewitters einfach nur bei ihr bleibt. Wer sich in Zeichnungen verlieren mag, kann in Die Braut des Magiers einige Seiten dafür finden. Mit sehr detailreichen Bildern nimmt Kore Yamazaki die Leser mit auf eine Reise durch verschiedene Länder wie Großbritannien und Island, in denen sie unter anderem auf Feen, Drachen und andere fantastische Wesen treffen können. Ein Blick sollte vor allem auf die Hintergründe geworfen werden, da sich dort zum Teil die kleinen Tierchen verstecken und es einiges zu entdecken gibt. Weil die Feen und andere magische Wesen die Gabe zu sprechen beherrschen, ist es außerdem hilfreich, dass jedes Geschöpf in seinen Sprechblasen eine andere Schriftart erhält. So ist das Auseinanderhalten leichter gestaltet und wirkt noch eine Spur magischer. Nach dem Vorbild des Mangas produzierte Studio Wit (Attack on Titan) schließlich 2017 den 24-teiligen Anime The Ancient Magus Bride, der seit November 2019 durch Kazé Anime in Deutschland erhältlich ist.

Erster Eindruck

Durch das Cover und den Titel bin ich auf Die Braut des Magiers aufmerksam geworden. Von Beginn an finde ich den Magier Elias Ainsworth unheimlich interessant. Er ist mysteriös, sehr gebildet und hat ein großes Wissen. Was ihm allerdings fehlt, ist die Fähigkeit, Gefühle richtig auszudrücken. Ich denke, er empfindet etwas für Chise, kann das aber nicht richtig einordnen. Einmal umarmt Chise ihn beispielsweise und sie spürt dabei, wie er sich verkrampft. Die Beziehung der beiden zueinander wird ganz langsam aufgebaut. Sie unterhalten sich viel miteinander und dabei spürt man, wie sich die Vertrautheit zueinander immer mehr festigt. Es gibt bereits im ersten Band emotionale Momente, als Chise den Drachen begegnet. Im Gespräch erfährt sie, dass die Drachen die Väter und Mütter des Waldes sind. Durch ihren Tod überlassen sie ihre zerfallenden Körper der Natur und werden zu Bäumen und Blumen. Immer wieder gibt es aber auch humorvolle Momente, wie zum Beispiel die Begegnung mit Titania und Oberon. Ich habe mich auch in Elias verliebt. Für mich gehört Die Braut des Magiers jetzt schon zu meinen Lieblingsreihen und ich freue mich auf die nächsten Abenteuer mit Chise und Elias.

© Tokyopop

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1 Kommentar
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Aki
Aki
28. März 2020 15:44

Die Braut des Magiers ist so ein Manga, der mich nicht vom ersten Band an begeistert hat. Der Einstieg ist ok aber irgendwie wollte der Funke nicht überschlagen. Da ich die Reihe aber bei der lieben Sapamo ausliehen darf, bin ich drangebleiben und mittlerweile freue ich mich über jeden neuen Band.

Chise ist ein Mädchen, dass im Laufe der Bände eine tolle Entwicklung durchmacht. Dabei trifft sie auch mal falsche Entscheidungen und muss aus ihren Fehlern lernen. Vor allem, dass sie ihr eigenes Leben schätzen lernen muss. Ich fiebere mittlerweile bei jedem ihrer Abenteuer mit.

Elias ist hingegen eine sehr faszinierende Figur. Anfangs dachte ich, er ist allwissend, machtvoll und bildet daher Chise aus. Macht besitzt er aber er ist auf menschlicher Ebene wie ein kleines Kind. Kennt also die Umgänge unter den Menschen nicht, weswegen für ihn auch Braut etwas ganz anderes darstellt als Chise. Schon witzig, wie daher der komplette Anfang in ein ganz anderes Licht gerückt wird, wenn man liest, dass ein Mann ein Mädchen auf einem Sklavenmarkt kauft. Das klingt erst Mal total hart, doch wenn man sich auf die Geschichte einlässt, bekommt derjenige oder diejenige eine magische Selbstfindungsreise.

Die Zeichnungen werden im Laufe der Bände auch sicherer und für mich persönlich auch ansprechender. Elias Design gefiel mir aber ab dem ersten Band. Er erinnert mich immer an einen Wendigo. Sehr schön finde ich, dass im Laufe der Reihe viele andere magische, mythologische Wesen des britischen Kontinentes auftauchen und vor allem auch erklärt werden.

Mal sehen wie die Geschichte zu Ende gehen wird, denn noch ganz sehr viel im Leben von Chise und Co. passieren.