Elite (Staffel 2)

Lesezeit: 4 Minuten

Spanische Serien haben den Status als Geheimtipp längst hinter sich gelassen und genießen vor allem auf Netflix immense Prominenz. Mit Élite gelang es dem Streamingdienst eine eigene Produktion zu etablieren, welche das von Gossip Girl und Riverdale besetzte Feld der Teenie-Soap erobern sollte. Die Quoten stimmten und so wurde bereits vor Ausstrahlung der zweiten Staffel am 6. September 2019 grünes Licht für Staffel 3 gegeben. Wer befürchtet, dass die Geschichte sich nun irgendwo verläuft und den Autoren nichts mehr einfällt, kann aufatmen: Staffel 2 strickt ein beeindruckendes Charaktergeflecht, das die Konkurrenz blass aussehen lässt.

Die Sommerferien sind vorbei und die Schüler von Las Encinas sind noch immer von den zurückliegenden Ereignissen gezeichnet. Zwar weilt Marinas Mörder im Gefängnis, doch drei neue Mitschüler sorgen für Trubel. Zum einen ist da die neureiche Rebeca (Claudia Salas), welche allerdings als völliges Gegenteil eines Snobs auftritt und damit alle verwundert. Auch Lucrecias Halbbruder Valerie (Jorge Lopez) ist aus dem Ausland zurück. Zum anderen ist da noch Cayetana, die alleine eine Luxuswohnung bezogen hat und sofort der Star ist, doch hinter ihr steckt eine ganz andere Persönlichkeit, als es zunächst den Anschein hat. Zwischen Guzman (Miguel Bernardeau) und Samuel (Itzan Escamilla) entbrennt bereits nach kurzer Zeit ein handfester Streit, da Guzman noch immer unter dem Tod seiner Schwester leidet. Kurze Zeit später verschwindet Samuel spurlos …

Ausrichtung geklärt: Whodunit reloaded

Originaltitel Élite
Jahr 2019
Land Spanien
Episoden 8 in Staffel 2
Genre Drama
Cast Samuel García Domínguez: Itzan Escamilla
Guzmán Nunier Osuna:Miguel Bernardeau
Christian Varela Expósito:Miguel Herrán
Lucrecia „Lu“ Montesinos Hendrich: Danna Paola
Fernando „Nano“ García Domínguez: Jaime Lorente
Nadia Shana: Mina El Hammani
Carla Rosón: Ester Expósito

Zu den wohl größten Stärken der ersten Staffel zählt der investigative Anreiz: Als Zuschauer ist man gemeinsam mit den Schülern auf der Suche nach einem Täter. Das nun noch einmal zu wiederholen, wäre ein Indiz fehlender Kreativität. Ganz auf das Element zu verzichten und die Handlung ins Leere laufen zu lassen, aber ebenfalls eine fatale Entscheidung. Also wurde ein besonderer Kniff gewagt: Dieses Mal ist es kein Mord, sondern das Verschwinden von Samuel (immerhin ein Hauptcharakter), das die Schule in Atem hält. Als Zuschauer weiß man bereits, dass er verschwindet. Aber nicht, wer dafür verantwortlich ist oder gar, ob er noch lebt. Motive gegen ihn gibt es nämlich zuhauf. Jeder Episodentitel gibt an, wie viele Stunden seit seinem Verschwinden bereits vergangen sind. 24 lässt grüßen! Eine gesunde Weiterentwicklung des Grundkonzepts, dessen Rahmenhandlung einmal mehr durch die Ermittlung der Polizei gebildet wird. So erfahren wir bruchstückhaft, was sich wirklich zugetragen hat. Wie Puzzleteile setzen sich die Subplots der Schüler zusammen. Und über die gibt es eine Menge zu erzählen.

Riverdale, aufgepasst: Autoren setzen auf Kontinuität

Oberflächlich betrachtet sind die Komponenten aller Serien dieses Genres gleich: Hübsche und häufig reiche Teens schmachten einander an, ver- und entlieben sich und werden vor eine Aufgabe gestellt, die eine ungeahnte Fallhöhe besitzt. Drama, Sex und Crime sind die Eckpfeiler und all das besitzt Élite im Übermaß. Daran hat sich nichts geändert und einmal mehr darf der hochattraktive Cast zeigen, was er zu bieten hat. Fernab aller Oberflächlichkeiten werden aber vor allem Geschichten weitererzählt. Ein wichtiger Punkt, der vielen Serien zum Verhängnis wird: Bereits Geschehenes wird vernachlässigt, um eine Story voranzupeitschen. Bei Élite stehen aber Charaktere im Vordergrund, die Probleme zu lösen haben. So etwa zerbricht die Familie von Nadia (Mina El Hammani) allmählich an den Vater-Sohn-Differenzen, die junge Liebe von Ander (Arón Piper) und Omar (Omar Ayuso) entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen und Lu (Danna Paola) sieht, wie alles um sie herum zerbricht. Hier wird nichts Neues erzählt, sondern auf Bestehendes aufgebaut – und das fühlt sich ungewohnt gut an, denn die Autoren haben sich Gedanken über die Entwicklung jedes Einzelnen gemacht ohne vorherige Ereignisse zu ignorieren.

Eine Serie ohne Hauptfigur, das Ensemble geht auf

Diese Arbeit zahlt sich aus: Wie nuanciert einige Figuren mittlerweile sind, zeigt sich an Carla (Ester Expósito). Man weiß nie so genau, was in ihr vorgeht. Welche Gefühle echt sind oder welche Mitmenschen sie wie Schachfiguren lenkt. Oder ob sie überhaupt weiß, was sie tut. Denn nachdem sie in Staffel 1 noch das Lustobjekt von Christian (Miguel Herrán) und Polo (Álvaro Rico) ist, kokettiert sie nun zwischen Verletzbarkeit und Manipulation. Diese feine Regiearbeit setzt sich bei den neuen Figuren fort, die zwar nicht im gleichen Maße ausführlich behandelt werden, aber wichtige Impulse in die Handlung bringen und Ereignisse in Gang setzen. Ereignisse, welche ihre Schatten auf Staffel 3 vorauswerfen.

Profil anstatt Pop

Es versteht sich von selbst, dass eine Serie mit derart vielen Figuren und Subplots am Ende zu einem großen Ganzen zusammenläuft. Manche Entscheidung mag da vorhersehbar oder gar klischeehaft ausfallen. Vermeiden lässt sich das nicht, wenn das Ende rund ausfallen soll. Derartige Momente bleiben allerdings rar gesät. Das zu weiten Stücken vergleichbare Riverdale zeigt wie es aussieht, wenn die Charaktere nicht geerdet genug sind und somit Spielball des Drehbuchs werden. Nadia, Samuel und Co. sind weniger poppig als Archie und seine Crew, besitzen dafür nach zwei Staffeln aber immerhin ein Profil mit mehreren Charaktereigenschaften. Nur eines lässt schließlich doch darauf zurückführen, dass am Ende eben alle nur Serienfiguren bleiben: Der Luxus. Eine Menge Probleme werden schließlich durch Geld gelöst und derart viele Entscheidungen wollen getroffen werden, dass man immer wieder vergisst, dass wir es letztlich mit Schülern und keinen Erwachsenen zu tun haben.

Fazit

Élite ist ganz weit davon entfernt, einfach nur die nächste Teenie-Soap zu sein. Die zweite Staffel verblüfft mit einem komplexen Drehbuch, das den Zuschauer immer wieder zum Nachdenken zwingt. Welcher Charakter hat welche Information, wer führt wen hinters Licht und wer besitzt einen Wissensvorsprung? Auch fernab des zu lösenden Staffelrätsels und dem seit Staffel 1 über allem schwebenden Mord, macht es verdammt viel Spaß, das Beziehungsnetz wachsen zu sehen und Intrigen zu wittern.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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