Modern Love (Staffel 1)

Lesezeit: 6 Minuten

“Liebe ist nicht das, was man erwartet zu bekommen, sondern das, was man bereit ist zu geben.” Dass die Liebe und die zwischenmenschlichen Beziehungen in vielerlei Formen und Facetten auftreten können, ist durchaus bekannt. Doch Modern Love greift diese Thematik auf eine ganz besondere Weise auf. Vorlage für die Serie ist die gleichnamige Kolumne in der New York Times, die sich bereits seit mehr als 15 Jahren großer Beliebtheit erfreut. Die im Oktober 2019 erschienene Romcom-Anthologie, welche exklusiv für Amazon Prime Video produzierte wurde, zeigt mittels zum Teil hochkarätiger Besetzung, welche Wege und Richtungen die Liebe einschlagen kann.

 

Im New York des 21. Jahrhunderts ist das Mysterium der zwischenmenschlichen Beziehungen nach wie vor allgegenwärtig. Ob eine tiefgehende Freundschaft zwischen verschiedenen Generationen ergründet wird, wie etwa die Geschichte zwischen der Autorin Maggie (Christina Millioti) und ihrem Portier Guzmin (Laurentiu Possa). Oder einer scheinbar vergangenen Liebe, die nicht vergessen werden kann, wie die Erzählungen der Journalistin Julie (Catherine Keener) und dem Dating-App Entwickler Joshua (Dev Patel). Außerdem sind eine Vater-Tochter-Beziehung, Ehekrisen und das Kennenlernen unter körperlichen und seelischen Einschränkungen ein großer Bestandteil.

Der Mann von nebenan

Originaltitel Modern Love
Jahr 2019
Land USA
Episoden 8 in Staffel 1
Genre Romanze, Komödie, Drama
Cast Maggie: Cristin Milioti
Karla: Olivia Cooke
Sarah: Tina Fey
Maddy: Julia Garner
Lexi: Anne Hathaway
Julie: Catherine Keener
Yasmine: Sofia Boutella
Jeff: Gary Carr
Rob: John Gallagher Jr.
Joshua: Dev Patel

Die New Yorkerin Maggie sucht nach der großen Liebe und gerät oftmals an die falschen Männer. Doch hierbei kommt Guzmin ins Spiel, Maggies zuvorkommender, aber auch reservierter Portier. Er hat die besondere Gabe, anhand eines Blickes zu erkennen, ob ein Mann der Richtige für sie ist. Leider vertraut Maggie seiner scheinbaren Gabe nicht und lässt sich auf die vermeintlich falschen Partner ein. Aus einem dieser Begegnungen wird Maggie plötzlich schwanger und die Reise und Verbundenheit zwischen den beiden wird nun deutlich offensichtlicher. Guzmin symbolisiert hier sowohl zum einen eine Art Vaterfigur, als auch den guten Freund von nebenan, der einem in aussichtslosen Situationen zur Seite steht. Man könnte meinen, dass eine tägliche Begegnung in Form von höflichem Austausch von Interaktionen nicht die typische Art ist, eine emotionale Bindung aufzubauen. Doch merklich ist spürbar, wie sich das Beziehungslevel zueinander Stück für Stück aufbaut.

Alte Liebe rostet nicht

Wenn eine Journalistin ein Interview mit dem Entwickler einer Dating-App führt, in dem es um das Thema Verliebtsein geht, kann es manchmal dazu kommen, dass alte Liebesgeschichten wieder zutage kommen, die vielleicht noch nicht überwunden sind. Genau das passiert Julie und Joshua, denn beide haben mit einer vergangenen Liebe tief im Inneren noch nicht abgeschlossen. Durch besondere Zufälle werden beide genau mit diesen vergangenen Gefühlen unfreiwillig erneut konfrontiert. Der Weg von Julie ist sowohl verrückt als auch wagemutig, denn sie stellt eine gefestigte Existenz mit Familie und Kindern dem einzigartigen Vergangenen gegenüber. Man könnte hier vom bekannten Entweder-Oder sprechen. Bei Joshua und seiner Angebeteten ist es schlichtweg der Gedanke an die frühere gemeinsame Zeit, eine Art Flashback der übereinstimmenden Gefühle füreinander. Dass ein solcher Moment, so wie es in dieser Episode zu sehen ist, im echten Leben passiert, ist sicherlich so selten wie das richtige Setzen auf eine Zahl im Roulette, romantisch ist er aber allemal.

Liebe kennt keine Bedingungen

Dass das Kennenlernen in ganz normalen Alltagssituationen passieren kann wie z. B. beim Einkauf im Supermarkt, zeigt die Geschichte von Lexi (Anne Hathaway) und Jeff (Gary Carr). Was wie eine Achterbahnfahrt beginnt, endet ganz schnell in tiefer Selbstverzweiflung und Traurigkeit, denn Lexi trägt ein Geheimnis mit sich – sie leidet unter einer bipolaren Störung. Leider kann sie sich gegenüber ihren Mitmenschen nicht öffnen, da sie glaubt, auf Ablehnung zu stoßen. Nur ihre Arbeitskollegin Sylvia (Quincy Tyler Bernsteine) merkt schnell, dass sie etwas Tiefgründigeres beschäftigt, und versucht ihr Vertrauen zu gewinnen. Anne Hathaway zeigt hier sehr eindrücklich, dass eine bipolare Störung in beide Extreme gehen kann. Zum Einen erkennt man die überfröhliche und energiegeladene Ich-gegen-den-Rest-der-Welt-Stimmung und zum Anderen stehen im absoluten Kontrast tieftraurige und selbstzweifelnde Phasen, in denen man den Boden unter den Füßen verliert. Hinzukommend ist die Erschwernis des Outings einer psychischen Erkrankung gegenüber der Gesellschaft und auch das fehlende Verstehen und die fehlende Identifizierung einer solchen Krankheit durch Nichtbetroffene.

Es lebe der Sport

Gefühlt in zwei verschieden Welten lebend, kriselt es in der Ehe zwischen Sarah (Tina Fey) und Dennis (John Slattery) gewaltig. Er ist Schauspieler und dementsprechend sehr viel auf Parties und Filmveranstaltungen unterwegs. Sie hingegen möchte mehr Zeit mit der gemeinsamen Familie. Die einzige gemeinschaftliche Aktivität, die sie und ihre zwei Kinder miteinander haben, ist das familiäre Tennisspielen. Im Zuge der Geschichte zeigt sich, warum genau dieser Sport ein hilfreicher Anker werden kann. Es zeigt sich, dass man trotz einer festen Partnerschaft in zwei verschiedenen Welten leben kann, im Falle von Dennis und Sarah bezieht sich dies auf fehlende Wertschätzung und dem fehlen Alltagseinbezug des Anderen. Auch die unterschiedlichen Wertevorstellungen wie etwa Rücksichtnahme und die Vorstellung von Privatsphäre sind essenzielle Themen.

Eine ungewöhnliche Date-Location

Sich eine gefährliche Verletzung während eines Dates zuzufügen, ist zwar sehr ungewöhnlich, jedoch im Falle von Yasmine (Sofia Boutella) und Rob (John Gallagher Jr.) bittere Realität. Was sehr vielversprechend beginnt, endet mit einer blutenden Verletzung im Krankenhaus. Das Bewundernswerte daran: Yasmine kennt ihn erst seit sehr kurzer Zeit und kümmert sich so fürsorglich, als würden die beiden bereits eine langjährige Beziehung führen. Dieses ereignisreiche Date schweißt merklich beide Protagonisten auf eine ganz besondere Art aneinander. In der nicht geskripteten Welt würde man vielleicht seinem Date noch ins Krankenhaus folgen und sich Tage darauf melden, um zu erfahren, wie es demjenigen denn ergangen ist. Doch dass sich Yasmine für Rob so ins Zeug legt, zeugt von einem hohen Maß an Mitgefühl und Courage.

Alter ist relativ

Die unbewusste Suche nach einem Vaterersatz treibt die junge Maddy (Julia Garner) in die Arme ihres entfernten und deutlich älteren Arbeitskollegen Peter (Shea Whighham). Ihr Motiv ist aber kein sexuelles Interesse, sondern lediglich eine klassische Vater-Tochter-Beziehung. Anfänglich lässt er sich auf diese Beziehungsebene ein, interpretiert nach einiger Zeit aber mehr hinein, was auf seitens von Maddy auf sehr großen Unmut stößt. Nach einer sehr emotionalen Zeit miteinander fassen beide einen entscheiden Entschluss. In dieser Geschichte ist gut erkennbar, wie frei Annäherung interpretiert werden kann. Es ist sehr verwunderlich, dass der Punkt des Interesses, an dem einer für den anderen mehr sein möchte als nur eine Vaterfigur oder ein guter Freund, erst sehr viel später eintritt. Vergleicht man dies mit der Realität, wirkt die Geschichte allerdings sehr unauthentisch. Auch, wenn das dargestellte Szenario tiefe Verbundenheit ausstrahlt.

Der Weg zur Familie

Dass das Elterndasein für einige eine Erfüllung sein kann, zeigt der Kinderwunsch des gleichgeschlechtlichen Paares Tobin (Andrew Scott) und Andy (Brandon Kyle Goodman). In der Hoffnung einer offenen Adoption lernen die beiden die sozial schwache und schwangere Karla kennen. Diese ist zwar von den beiden mehr als begeistert, stellt jedoch deren Leben gewaltig auf den Kopf. Gespickt von verschiedensten Eskapaden begleiten sie Karla durch ihre beschwerliche Zeit der Schwangerschaft und hoffen darauf, dass sie sich nicht spontan dafür entscheidet, das Kind selbst aufziehen zu wollen. Wie sehr man in eine Vaterrolle hineinwachsen kann, sieht man an Tobin in einer ganz wunderbaren Weise. Anfänglich eher in strenger und spießiger Abwehrhaltung gefangen, verwandelt sich seine Reserviertheit in Fürsorge, Empathie und pure Emotion. Außerdem zeigt sich auch hier wieder einmal, dass es egal ist, wer man ist oder wen man liebt, sondern dass es darum geht, eine liebende Person zu sein, die für ein Kind da sein kann.

In guten wie in schlechten Zeiten

Auch Liebe im hohen Alter ist eine wundervolle Sache. So lernen sich Margot (Jane Alexander) und Ken (James Saito) bei einem gemeinsamen New York Marathonlauf kennen. Für beide ist es wie eine zweite Chance, sich zu verlieben, doch die erneut gefundene Liebe wird schnell von einem negativen Ereignis überschattet, denn Ken ist schwer krank und die gemeinsame Zeit ist begrenzt. Nur das Laufen verhilft Margot letztendlich, mit Kens schweren Schicksal zurechtzukommen. Es symbolisiert die Verarbeitung von Verlusten und steht ebenso zu gleichen Teilen für das Fassen klarer Gedanken in schweren Lebenssituationen. Eindrücklich wird dies auch in einer Rückblende klar, denn hier werden alle vergangenen Momente aus Modern Love noch einmal in Erinnerung gerufen. Hierin zeigt sich, dass Liebe die wohl größte Kraft ist, die wir Menschen besitzen.

Fazit

Im Herzen bin ich ja ein hoffnungsloser Romantiker, und da ich bisher noch nicht über ein romantisches Format geschrieben habe, kam Modern Love wie gerufen. Faszinierend an der ersten Staffel finde ich die eindrucksvolle Darstellung von Zuneigung, Beziehungen und Freundschaft in alle ihren Variablen. Noch dazu hat man nicht an berühmten Persönlichkeiten gespart, um diese wunderbaren Geschichten zu erzählen. So freut es mich besonders, dass von mir sehr gemochte Schauspieler wie Anne Hathaway und Tina Fey mit von der Partie sind. In der letzten Episode gelingt es Modern Love, alle erzählten Geschichten noch einmal zusammenzuführen, was für mich die Handlung auf eine sehr schöne Weise abrundet. Für alle die, die sich nicht vor Tiefgründigkeit und einer guten Portion Schmalz fürchten, ist Modern Love eine gute Möglichkeit, das Thema Liebe und zwischenmenschliche Beziehung vielleicht einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

© Amazon Prime Video

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Tellux

Mit der Arbeit als Physiotherapeut im Krankenhaus versucht Tellux, das doch sehr sitzlastige Geek-Dasein mit viel Bewegung zu kompensieren. In seiner Freizeit verbringt er am liebsten Zeit am Computer und spielt MMORPGs oder andere Rollenspiele. Auch an Handhelds (Nintendo DS + Switch) oder Konsolen (PS4) ist er durchaus anzutreffen. Musik spielt ebenfalls eine sehr zentrale Rolle, hierbei hört er am liebsten: Pop, EDM und Alternative-Music. Ansonsten verschlingt er auch Serien zu Genüge, auf ein Genre ist er nicht festgelegt.

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Totman Gehend
Redakteur

Ich liebe diese erste Episode mit der Geschichte um den Portier °-° Seitdem liegt die Serie auf Eis – will die Episode erstmal ein bisschen zelebrieren anstatt gleich mit der nächsten Story rüber zu rutschen 😀