Slasher (Staffel 2): Guilty Party

Lesezeit: 6 Minuten

Allzu viele Horror-Anthologien bietet der Serienmarkt noch nicht. Neben American Horror Story und The Terror nimmt sich auch das kanadische Slasher der Prämisse an, mit jeder Staffel eine neue Geschichte vor neuem Hintergrund und ( teilweise) mit denselben Castmitgliedern zu erzählen. Staffel 1 von Slasher fällt insbesondere mit seiner verschachtelten Erzählweise und dem hohen Miträtselfaktor auf. Währenddessen geht es vergleichsweise blutarm zu, sodass mancher Freund von Slasher-Filmen wenig Genugtuung findet. Staffel 2, die Guilty Party, soll das ändern und verspricht in seinen acht Folgen mehr Tote, bleibt aber auch seinen Whodunit-Wurzeln treu.

  

Kanada im tiefsten Winter. Eine Gruppe junger Erwachsener reist mit Schneemobilen an, um dort eine Zeit in der alternativen Kommune “We Live As One” zu verbringen. Der Grund ist allerdings nicht die Suche nach Anschluss bei den sozialen Aussteigern. Statt Yoga liegt das Interesse der fünfköpfigen Gruppe auf einer Leiche, die sie einst in einem angrenzenden Wald versteckten. Dort arbeiteten alle fünf Jahre zuvor als Campbetreuer. Bis es eines Tages zu einem Mord kam, der die Gruppe mehr oder minder zusammenschweißte. Einem anderen wurde die Schuld in die Schuhe geschoben und so konnte sich die Gruppe in Sicherheit wiegen. Doch die Ankündigung, dass der Wald nun zu einem Freizeitparadies umgebaut werden soll, weckt die Ängste, dass die Leiche gefunden werden könnte. Zu den internen Spannungen kommen Unstimmigkeiten mit den “We Live As One”-Mitgliedern. Und dann taucht auch noch ein Killer vor Ort auf und die Leiche ist ebenso verschwunden…

Ich weiß, was du im Sommer vor fünf Jahren getan hast…

Die erste Staffel nimmt sich Teenie-Slashern wie Scream oder Halloween zum Vorbild. Slasher: Guilty Party kopiert dieses Konzept nicht, sondern orientiert sich an einem neuen Vorbild. Unverkennbar ist die Leichensuche an Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast angelehnt. Dort muss sich eine Gruppe Teenager ebenfalls den Geistern der Vergangenheit stellen. Gleichzeitig steht ein durch verschiedene Lösungsstrategien im Raum stehender Konflikt an: Sich stellen oder die Wahrheit vertuschen? Dank der Kälte des Winters rücken sich die Gruppen auf die Pelle und Streitereien sind vorprogrammiert. Ohnehin ist das räumlich eingegrenzte Areal ein Vorteil der Serie. Denn allzu weit kann man sich ohne Schneemobil nicht entfernen und im Wald lauert – wie so häufig – der sichere Tod.

Erneut ein Erzählpuzzle

Originaltitel Slasher: Guilty Party
Jahr 2017
Land Kanada
Episoden 8 in Staffel 2
Genre Horror, Slasher
Cast Susan: Kaitlyn Leeb
Andi: Rebecca Liddiard
Dawn: Paula Brancati
Peter: Lovell Adams-Gray
Noah: Jim Watson
Mark: Paulino Nunes
Renée: Joanne Vannicola
Judith: Leslie Hope
Antoine: Christopher Jacot
Keira: Madison Cheeatow

Wie in seiner ersten Staffel blättert Slasher die Wahrheit in Flashbacks auf. Diese helfen nicht nur dabei, die Figuren und deren Motivationen besser zu verstehen, sondern stellen außerdem ein Erzählpuzzle dar. Durch die nicht chronologische Reihenfolge muss der Zuschauer die einzelnen Fragmente selbst zusammensetzen. Diese sind zwar nicht anspruchsvoll, aber mitdenken ist erneut angesagt um die verschiedenen Beziehungsgeflechte zu verstehen. Hier brechen die Konventionen nach und nach. Wer ist eigentlich der Hauptcharakter? So manches Mal, wenn man denkt, man habe ein Final Girl (oder einen Final Boy) identifiziert, stirbt diese Person ganz unverhofft. Showrunner Aaron Martin spielt mit den Erwartungen der Zuschauer. Mit jeder weiteren Folge sorgt er dafür, dass die Dinge in einem ganz anderen Licht stehen. Und natürlich wird das emotionale Minenfeld immer explosiver.

10 kleine Jägermeister…

Dass Slasher: Guilty Party seinem Titel gerecht werden möchte, beweist gleich Folge 1. Binnen der ersten beiden Folgen gibt es drei Opfer, sodass frühzeitig die Frage aufkommt, wie schnell das Feld ausgedünnt werden muss. Zum Glück fängt sich die Tötungsfrequenz danach wieder, und es wird sich um Hintergründe gekümmert. Die Balance zwischen storylastigen Kills und vorhandenem Figurenbackground funktioniert über weite Strecken hinweg. Dann werden allerdings kurz vor Ende zwei neue Figuren eingeführt, die aus völlig nichtigen Gründen in der Hütte vorbeikommen und denen “Bauernopfer” auf die Stirn tätowiert scheint. Hier geht die sonst so behutsame Vorgehensweise zwecks Bodycount völlig verloren.

Charakterfokus

Der Schwerpunkt der Serie liegt wie in ihrer ersten Staffel auf den Figuren. Die sind angenehmerweise weitgehend frei von Stereotypen. Weiterhin bleibt die Serie frei von Teenies, die nur Party, Sex und Drogen im Kopf haben – und das ist leider noch immer eine Genre-Seltenhei. Die einstigen Teenager stehen mitten im Leben und sind allesamt um ihre Zukunft besorgt. Die gesellschaftlichen Aussteiger besitzen ganz andere Schwierigkeiten. Sie fühlen sich in ihrer Gruppendynamik gestört und ohnehin ist eines ihrer Mitglieder spurlos verschwunden. Aus dem Zusammenspiel beider unterschiedlich motivierten Gruppen kommt Schwung in die Handlung. Dabei geschieht manches eher im Off. So bleibt es nicht aus, dass man sich fragen muss, wer eigentlich diese oder jene Person ist, die man bislang einfach nicht wahrgenommen hat. Der Nachteil des relativ großen Casts ist ohne Frage für die Morde ein Gewinn. Diese fallen abwechslungsreich und brutal aus.

Die kennt man doch… oder?

Mehrer (Neben-)Darsteller aus der ersten Staffel wirken in Staffel 2 mit: Christopher Jacot (Robin) als Antoine, Jim Watson (Alan) als Noah, Joanne Vannicola (Debbie) als Renée, Jefferson Brown (Trent) als Gene, Dean McDermott (Iain) als Alan und Paula Brancati (Jana) als Dawn. Die einstige Hauptdarstellerin Katie McGrath hat den Cast verlassen. Prominenten Hollywood-Zuwachs gibt es durch Leslie Hope (Crimson Peak), welche die Rolle der zerbrechlichen Judith übernimmt. Im Cast befinden sich weitere Schauspieler, die in größeren Horrorproduktionen mitgewirkt haben. So etwa Kaitlyn Leeb (Wrong Turn 4: Bloody Beginnings), die die berechnende Susan spielt, Paulino Nunes (The Strain als Mark oder Sebastian Pigott (Saw 3D: Die Vollendung) als Wren. Ausreißer im positiven wie negativen Sinn gibt es nicht. Alle Schauspieler füllen ihre Rollen solide mit Leben. Drehbuchbedingt lohnt es sich aber natürlich erneut, jeden einzelnen im Auge zu behalten. Degrassi-Star Melinda Shankar taucht in der Rolle des Opfers Talvinder jedoch lediglich in Rückblicken auf.

Slasher: Guilty Party gibt mehr Gas als seine Vorgängerstaffel und kommt nach einigen Wendungen schließlich zu einem stimmigen Finale. Die Kritikpunkte, die Serie werde ihrem eigenen Namen nicht gerecht, werden endgültig ausgebügelt. Störend fällt hier nur das menschliche Füllmaterial auf. Also Charaktere, die nichts zur Handlung beitragen und auch bald wieder beseitigt werden. Besonders clever eingefädelt ist vor allem das anfängliche Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers, wenn es um die Überlebenschancen bestimmter Figuren geht.

Zweite Meinung:

Für Fans von klassischen Slasher-Abenteuern ist Slasher: Guilty Party eine sehenswürdige Angelegenheit. Die in acht Episoden verpackte zweite Staffel lebt wie jede andere gute Slasher-Verfilumg von Blutbädern, aufgeschlitzen Gedärmen, abgehackten Körperteilen und massig Todesschreien. Bei den Protagonisten sind durchaus einige interessante Charaktere dabei, die dank Thematiken wie Mobbing, Seitensprünge, Homosexualität und Gefängsnisaufenthalte in ihrer Persönlichkeit gut durchdacht wirken. Natürlich darf der Spannungsfaktor nicht außer Acht gelassen werden. Daher bedient man sich hierbei auch an dem guten alten Twist-Prinzip. Man ist stetig damit beschäftigt zu rätseln, wer denn nun der Mörder ist und welches Motiv er oder sie hat. Die verschiedenen Tötungssequenzen leben zwar nicht von großem Einfallsreichtum, sind jedoch solide in Szene gesetzt. Abschließend ist zu sagen, dass Slasher zwar nicht das Nonplusultra im Bereich des Horrorserien-Genres ist, sich jedoch gut für ein verregnetes Wochenende auf dem Sofa eignet.

©justbridge Entertainment

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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