Alice im Wunderland

Lesezeit: 4 Minuten

Dass Filme durch allerhand Kuriositäten im Gedächtnis von Zuschauern hängen bleiben, beweist der auf einer Romanvorlage basierende Walt Disneys Klassiker Alice im Wunderland ganz besonders. Wenn man den Namen “Alice” hört, dann kommen einem wahrscheinlich Dinge wie eine hämisch grinsende Katze, eine außer Kontrolle geratene Teegesellschaft oder eine sadistische Königin mit einem Faible für Enthauptungen in den Sinn. Doch dies sind nur einige Facetten, die das sogenannte Wunderland zu bieten hat, denn hinter jeder Ecke befinden sich viele weitere Charaktere, die nur so vor Skurrilität und Eigensinnigkeit strotzen. Regie bei der Zeichentrick-Romanverfilmung führten Clyde Geronimi (Cinderella), Wilfred Jackson (Peter Pan) und Hamilton Luske (Mary Poppins).

 

Von der faden Wirklichkeit mehr als gelangweilt, stellt die kleine Alice sich vor, wie es wohl wäre, in einer Welt zu leben, deren Normen fernab der Realität liegen. Letztendlich soll sich diese Fantasie durch die Begegnung mit einem sprechenden weißen Kaninchen alsbald erfüllen. Durch eine Tür mit sprechendem Türknauf, welche sich tief im Inneren eines Kaninchenbaus befindet, gelangt sie nach einigen Schwierigkeiten in das farbenfrohe Wunderland, wo sie auf allerhand bunte und außergewöhnliche Wesen trifft …

Jeder möchte ein Stück vom Alice-Kuchen

Originaltitel Alice in Wonderland
Jahr 1951
Land USA
Genre Fantasy
Regisseur Clyde Geronimi, Wilfred Jackson, Hamilton Luske
Cast Alice: Kathryn Beaumont
Hutmacher: Ed Wynn
Raupe: Richard Haydn
Grinsekatze: Sterling Holloway
Weißes Kaninchen: Bill Thompson
Herzkönigin: Verna Felton
Märzhase: Jerry Colonna
Laufzeit 75 Minuten
FSK

Betrachtet man den filmischen Werdegang der Wunderlandbesucherin, trifft auf man auf allerlei Varianten der illustren Geschichte um Alice, unter anderem in Stummfilm- und schwarz-weiß Formaten. Wer in der Annahme ist, dass die Zeichentrickverfilmung der Walt Disney Company die erste Adaptation von Alice im Wunderland im Zeichentrickformat ist, wird eines Besseren belehrt. Bereits 1949, zwei Jahre vor dem Erscheinen des allseits bekannten Disney Meisterwerks, gab es einen französischen Musical-Film von Alice im Wunderland (Alice au pays des Merveilles). Da der Film allerdings erst 1951 den Atlantik überquerte, kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Disney und der Produktionsfirma von Alice au pays des Merveilles, da beide Filme parallel in den USA veröffentlicht wurden. Hierbei konnte allerdings der Disney-Konzern im Vergleich den kommerziell größeren Erfolg feiern. 1983 folgte schließlich eine japanische Animeserie, die im Folgejahr auch im deutschsprachigen Raum zu sehen war. Wiederum 25 Jahre später erschien dann die wohl amüsanteste Verfilmung in der Alice-Reihe namens Abby in Wonderland. Hierbei handelt es sich um einen Puppentrick-Kurzfilm, in der die Charaktere von Puppen aus der Sesamstraße verkörpert werden. Beispielsweise nimmt das bekannte Krümelmonster die Rolle der Grinsekatze ein. Abschließend sind natürlich noch die wohl aktuellsten 3D-Wunderland-Verfilmungen unter dem Einfluss Tim Burtons zu benennen. 2010 führte dieser in Alice im Wunderland noch die Hauptregie, während er in der Fortsetzung 2016 Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln lediglich als Produzent fungierte. Abgelöst wurde er von James Bobin, der unter anderem für die Verfilmungen der Muppet-Filme bekannt ist. Abseits aller Verfilmungen ist die Geschichte von Lewis Carrol ebenfalls Vorlage für Theaterstücke und Opern, diverse Hörspiele, Comics und Videospiele geworden.

Wo Alice drauf steht, ist auch Alice drin?

Wenn man bedenkt, welchen Weg die Geschichte im Laufe der Zeit genommen hat, fragt man sich sicherlich, wie viel Alice noch in den heutigen Verfilmungen im Vergleich zum Disney-Ableger und der Romanvorlage von Lewis Carrol steckt. Bis heute nimmt die Geschichte des kleinen blonden Mädchens, das sich in das Wunderland verirrt, die verschiedensten Blickwinkel an. Je nachdem, welcher Regisseur, Schriftsteller oder Produzent seine Finger im Spiel hat. Disney zeigt im Vergleich alles quietschbunt und fröhlich, denn hierbei ist der Unterhaltungswert für eine kindliche Zielgruppe der essenzielle Faktor für den kommerziellen Erfolg. Alles tanzt, singt und freut sich in einer Welt, die scheinbar keine Probleme, Sorgen und Konflikte kennt, von der Herzkönigin mal ganz abgesehen. Stellt man beispielsweise die Verfilmungen Tim Burtons von 2010 und 2016 daneben, erkennt man, dass beide Filme zusehends keine Kinderfilme geblieben sind, sondern dass die Geschichte auch für Jugendliche und Erwachsene zeitgemäß angepasst wurde. Burton erschafft eine regelrecht übertriebene, bewusstseinserweiternde Welt mit Absurditäten, wie Lewis Carrol sie sich in seinen kühnsten Vorstellungen nie erträumt hätte. Alle Verfilmungen, die nicht von der Hauptgeschichte abweichen, weisen natürlich auch diverse Gemeinsamkeiten auf. Hier ist etwa das weiße Kaninchen zu benennen, welches als roter Faden fungiert, um die Verbindung der fiktiven und realen Welt aufzuzeigen. Erneut zeigt sich hieran, welche ausführenden Persönlichkeiten sich dem Handlungsstrang widmen, denn oftmals werden nur Abschnitte der Originalgeschichte übernommen oder die Geschichte wird in einer Eigeninterpretation fortgesetzt. Die Hauptaussage ist dennoch in allen Verfilmungen dieselbe, nämlich dass man sich nie zu weit von der realen Welt entfernen sollte.

Fazit

Alice im Wunderland gehört definitiv zu den Geschichten, die mich auch heute noch in ihren Bann ziehen. Natürlich assoziiere ich sofort die Disney-Verfilmung, die mich sowohl in meiner Kindheit als auch heute begleitet, allerdings bin ich ebenso ein großer Verfechter der Romanvorlage. Das Besondere an der Geschichte ist meiner Meinung nach das Abtauchen in eine völlig skurrile Welt, die fernab von Normalität und übertriebenen Regeln funktioniert. In gewisser Weise transportiert der Film für mich ebenso das Gefühl von Akzeptanz von Diversität und Eigensinnigkeit. Den Wunderlandbewohnern ist es fast immer egal, wie du aussiehst oder wie deine Sichtweise zu gewissen Dingen ist. Davon abgesehen, dass alle Psychiater dieser Welt bei dem Wunderland-Klientel entweder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder sich gleichermaßen die Hände reiben würden, bietet diese doch eine Menge Spaß, Euphorie und Unterhaltung. Nach wie vor gehört diese Version zu meinen Lieblingen der Mäusekonzern-Reihe, weil sie einfach auf unterschwellige Weise so vieles vermittelt. Inwiefern weitere Verfilmungen der Story in Umlauf gebracht werden, bleibt abzuwarten, jedoch bieten sich noch eine Menge Spielraum für weitere Handlungsstränge.

© Disney

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Tellux

Mit der Arbeit als Physiotherapeut im Krankenhaus versucht Tellux, das doch sehr sitzlastige Geek-Dasein mit viel Bewegung zu kompensieren. In seiner Freizeit verbringt er am liebsten Zeit am Computer und spielt MMORPGs oder andere Rollenspiele. Auch an Handhelds (Nintendo DS + Switch) oder Konsolen (PS4) ist er durchaus anzutreffen. Musik spielt ebenfalls eine sehr zentrale Rolle, hierbei hört er am liebsten: Pop, EDM und Alternative-Music. Ansonsten verschlingt er auch Serien zu Genüge, auf ein Genre ist er nicht festgelegt.

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