Spider-Man: Far From Home

Lesezeit: 6 Minuten

Nach all den schwermütigen Ereignissen in Avengers: Endgame, ist es an der Zeit mit Phase 3 des MCU abzuschließen. Dafür bringt Marvel in Zusammenarbeit mit Sony Pictures Spider-Man: Far From Home auf die Leinwand. Ein Epilog mit Herz, Humor und Hindernissen. Der zweite Solofilm für Spider-Man hat viele Scherben aufzukehren und soll gleichzeitig den Weg in die Zukunft weisen. Ziemlich viel Verantwortung für einen Teenager, der doch nur Urlaub machen möchte.

Acht Monate ist es her, dass die Avengers die von Thanos weggeschnippten Lebewesen wieder zurückgeholt haben. Für Peter Parker (Tom Holland) ist die Sache relativ glimpflich ausgegangen, da sein bester Kumpel Ned Leeds (Jacob Batalon) ebenfalls fünf Jahre übersprungen hat. Wie auch Freundin Michelle Jones alias MJ (Zendaya) und seine Tante May (Marisa Tomei). Lieblingsfeind Flash Thompson (Tony Revolori) drückt ebenfalls noch die Schulbank mit ihm. Allerdings fangen grade die Sommerferien an und diese beginnen für einige mit einer Studienreise nach Europa. Peter möchte seinen Spider-Man-Anzug zu Hause lassen und die Gelegenheit nutzen, MJ endlich seine Gefühle zu gestehen. Ein ganz normaler Urlaub, zum Abschluss eines chaotischen Jahres. Allerdings ist Nick Fury (Samuel L. Jackson) bemüht, Peter zu erreichen und kaum in Venedig angekommen, ist klar, warum. Monster greifen die Erde an. Quentin Beck (Jake Gyllenhaal) stellt sich ihnen tapfer in den Weg, braucht aber Hilfe und andere Avengers sind grade verhindert.

Der Blip

Originaltitel Spider-Man: Far From Home
Jahr 2019
Land USA
Genre Action, Science-Fiction
Regisseur Jon Watts
Cast Peter Parker/Spider-Man: Tom Holland
Nick Fury: Samuel L. Jackson
Quentin Beck/Mysterio: Jake Gyllenhaal
Happy Hogan: Jon Favreau
Michelle MJ Jones: Zendaya
Ned Leeds: Jacob Batalon
Maria Hill: Cobie Smulders
May Parker: Marisa Tomei
Laufzeit 130 Minuten
FSK

Spider-Man: Far From Home wird die schwierige Aufgabe zuteil, die Welt zu präsentieren, die nach dem Ende von Avengers: Endgame entstanden ist. Gleich zu Beginn wird thematisiert, wie merkwürdig es war, dass plötzlich all die totgeglaubten Leute wiederkamen. Es sieht ganz lustig aus, wenn ein Video zeigt, dass mitten in einem Basketballspiel das halbe Schulorchester erscheint. Wenn tatsächlich alle Lebewesen dort erschienen, wo sie auch verschwunden sind, ist fraglich, wie das wohl für Leute ist, die grade in einem Flugzeug waren oder all die Aliens in ihren Raumschiffen. Über solche Implikationen wird sich ausgeschwiegen, dafür erfahren wir, dass die Menschen dieses Ereignis den Blip nennen. Und Tante May gehört zu denen, die bemüht sind wieder Ordnung zu schaffen. Wohnungen und Häuser haben in Abwesenheit schließlich Besitzer gewechselt, so dass manche nun auf der Straße stehen. Der Anfang des Films erwähnt ein paar dieser Dinge, hält sich aber von größeren politischen Problemen fern. Es ist klar, dass die Situation nicht einfach ist, aber in acht Monaten hat die Menschheit sich gefangen und den Alltag wieder aufgenommen. Auch wenn manche ehemals jüngeren Geschwister jetzt halt die Älteren sind.

Der Schatten von Tony Stark

Da Peters soziales Umfeld noch nahezu komplett intakt ist, kann er den Blip an sich gut wegstecken. Doch der Tod von Tony Stark verfolgt ihn. In Captain America: Civil War hat Tony ihn auf die große Bühne gebeten. In Spider-Man: Homecoming wurde deutlich, dass Peter in Tony einen Mentor sieht, den er auf keinen Fall enttäuschen möchte. Und Tonys Gefühle als Vaterfigur sind in den letzten Momenten in Avengers: Infinity War klar zu sehen. Es ist eine wichtige Beziehung und so schwebt Tonys Geist über den Dingen. Peter will noch immer Tonys Ansprüchen gerecht werden und dass Tony ihm dann Zugriff auf sein Satellitennetzwerk in Form der künstlichen Intelligenz E.D.I.T.H. hinterlässt, erhöht den Druck. Eigentlich wollte Peter seinen Mut zusammenkratzen, um den Versuch zu wagen, mit MJ eine Beziehung zu beginnen. Aber dieses romantische Teendrama steht hinten an, denn Tonys Tod ist ein noch nicht überwundenes Trauma. Happy Hogan (Jon Favreau), Tonys ehemaliger Sicherheitschef und guter Freund, kommt dabei auch zum Einsatz. Er unterstützt Peter mit allen Mitteln. Selbst der Soundtrack lässt Iron Man einen Gruß zukommen, wenn AC/DCs “Back in Black” gespielt wird. Der Film beginnt mit einem herrlichen In Memoriam für alle verstorbenen Avengers, aber Tony Stark hat auch aus dem Grab einen großen Einfluss auf die Handlung. Das hilft, um das MCU als geteiltes Universum zusammenzuhalten. Es ist eine wichtige Verbindung. Andererseits ist es Spider-Man erneut nicht erlaubt, so wirklich auf eigenen Beinen zu stehen, da er vorhandene Fußstapfen füllen möchte.

(K)Ein mysteriöser Unbekannter

Der Titel “Far From Home” funktioniert netterweise auf zwei Ebenen. Zum einen ist da Europa als Spielort. Spider-Man ist nicht in seiner angestammten New Yorker Nachbarschaft zu finden. Und doch muss Peter kräftig mit anpacken. Zum anderen ist da aber die Figur namens Quentin Beck. Er erklärt Fury und seiner rechten Hand Maria Hill (Cobie Smulders), dass er aus einem parallelen Universum stammt. Dort ist seine Erde von Monstern basierend auf den Elementen Erde, Wind, Wasser und Feuer vernichtet worden. Und die Angriffsmuster dieser Elementals wiederholen sich, was ihm den Vorteil verschafft, dieses Mal vielleicht etwas tun zu können. Das ist eine interessante Prämisse, die langjährige Fans von Spider-Man aber sicherlich aufhorchen lässt. Mysterio ist ein bekannter Gegenspieler von Spider-Man und nur wenige Zuschauer dürfte es komplett überraschen, dass er auch hier ein falsches Spiel treibt. Der Twist ist aber nicht, dass Mysterio der Bösewicht der Story ist, sondern wie er ins Gesamtbild passt. Und das ist wieder mit Pro und Kontra verbunden. Dass er samt aller Gehilfen einen Groll gegen Tony hegt, ist eine gut angelegte Neuinterpretation. Aber andererseits sollte Spider-Man nicht einfach Iron Man Light sein.

Viel Humor, viel Action, viel Bekanntes

Spider-Man: Far From Home versucht nicht, sich von den bekannten MCU-Formeln abzusetzen. Nach den gewaltigen Ereignissen der letzten beiden Avengers-Filme geht es hier mit viel Witz zur Sache. Nicht zuletzt, weil Peter mal wieder vom Pech verfolgt wird, wenn es darum geht, für ein paar Tage ein normaler Teenager sein zu wollen. Bei seinen Einsätzen als Spider-Man, kommen verschiedene Kostüme zum Einsatz, was eine besondere Form von Fanservice ist. Und zwischen der Pflege der Beziehungen untereinander, gibt es dann die gewohnt knackige Action. Inklusive formschöner CGI-Monster, die europäisches Kulturgut zerstören. Die Schauspieler fühlen sich in ihren Rollen eindeutig wohl und harmonieren. Neu-Ankömmling Jake Gyllenhaal passt perfekt ins Bild. Die Erwartungen an einen typischen MCU-Film werden voll erfüllt.

Der Knaller während der Credits

Nachdem Avengers: Endgame dadurch überraschte, dass der Abspann nur ein Abspann ist, geht Spider-Man: Far From Home in die Vollen. Sitzenbleiben ist ein Muss, da die Credits gleich zwei wichtige Szenen bereithalten. Und das sind keine netten Gags als Rausschmeißer, sondern handlungsrelevante Momente. Der Geniestreich des Films ist es sicherlich, dass J.K. Simmons als J. Jonah Jameson auftaucht. Er war schon in Sam Raimis Spider-Man die Traumbesetzung für die Rolle und kaum jemand kann so schön gegen die Spinne wettern, wie er. Dass Mysterio der Welt nicht nur weißmacht, dass Spider-Man hinter dem Drohnenangriff steckt, sondern gleich seine Identität als Peter Parker enthüllt, ist ein echter Klops. Und während man den verdaut, wird gleich hinterher geschickt, dass der echte Nick Fury im All ist und der gestaltwandelnde Skrull Talos (Ben Mendelson) seinen Platz auf der Erde übernommen hat. Allein diese Enthüllung macht ein zweites Ansehen lustiger, wenn man weiß, dass Samuel L. Jackson nur so tut als sei er Fury. Damit werden im letzten Atemzug also die Weichen für Phase 4 des MCU gestellt. Die Spannung steigt.

Fazit

Eine Kleinigkeit, die mich unglaublich glücklich macht an Spider-Man: Far From Home, ist die Einbindung des Spinnensinns. Den habe ich bisher arg vermisst. Am Anfang ist es auch ganz lustig, dass sie es die Peter-Regung nennen (hihi, Pete-Erregung), aber der Gag nutzt sich ab. Im O-Ton als Peter Tingle ist es auch nicht so viel besser. Die Autoren Chris McKenna und Erik Sommers haben darüber länger diskutiert und haben sich absichtlich gegen das Wort Spider-Sense entschieden, was ich ehrlich gesagt albern finde. So gut ich mich unterhalten fühlte, bin ich nämlich erneut ein wenig enttäuscht, dass Spider-Man so viel Schützenhilfe von Iron Man bekommt. Ich wünsche mir einfach etwas eigenständigeres. Das ist dann aber auch Meckern auf hohem Niveau. Insgesamt gefällt mir die Einbindung von Mysterio sehr gut und die Gruppendynamik der Schüler ist herrlich. Ich wünsche mir noch immer, dass MJ einfach Mary Jane wäre und man sie nicht in Michelle Jones umbenannt hätte, als Charakter mag ich sie allerdings. Es gibt viele kleine Momente, die mich zum lachen gebracht haben und Peters emotionale Achterbahnfahrt ist gelungen. Es erinnert daran, wie Tony mit seinem eigenen Trauma in Iron Man 3 umgehen musste und verleiht eine menschliche Komponente. Ich habe zudem herzlich gelacht, als Quentin die Universen durchnummeriert und die Zahl 616 fallen lässt. So viele Leute haben sich im Vorfeld auf das erwähnte Multiversum gestürzt und dann verpufft es in Schall und Rauch. Ähnlich wie der Mandarin. Finde ich gut, denn das MCU ist doch schließlich Realität 199999, so wie unsere 1218. Wir leben in der einen Realität ohne echte Superhelden, dürfen ihnen aber in Comics und Film folgen.

© Sony/Disney

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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