Carmen Sandiego (Staffel 2)

Lesezeit: 3 Minuten

Ganze neun Monate ließ sich Carmen Sandiego nach ihrem Netflix-Debüt im Januar 2019 Zeit, um wieder zum Streamingdienst zurückzukehren. Ähnlich wie in Netflix’ zweitem Cartoon-Revival She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen  geht es nach dem Auftakt und der Einführung aller Akteure nun darum, die Vergangenheit der Titelfigur zu ergründen. Wer ist Carmen überhaupt und was ist mit ihrer Familie geschehen? Die zweite Staffel spielt wieder einmal ganz in der Tradition des Franchises rund um den Globus und entführt die Zuschauer unter anderem nach Brasilien, Japan und Schweden.

Eine Woche nach den Geschehnissen aus Staffel spielend, hat Carmen (Originalstimme: Gina Rodriguez) einen V.I.L.E.-Agenten in Prag ausfindig gemacht. Ihr Weg führt sie nach Rio De Janeiro, wo sie nach der Quelle der gestohlenen Alexandrite sucht. Ihr auf den Fersen: Ihre Freunde Ivy (Abby Trott) und Zack (Michael Hawley). Diese enthüllen mitten im farbenfrohen Karneval Rios einen hinterhältigen Plan. Auch Player (Finn Wolfhard) steht Carmen wieder im Hintergrund unterstützend zur Seite.

Von Rio nach Stockholm

Originaltitel Carmen Sandiego (Season 2)
Jahr 2019
Land USA
Episoden 10 in Staffel 2
Genre Thriller
Cast Carmen Sandiego: Gina Rodriguez
Player: Finn Wolfhard
Professor Maelstrom: Liam O’Brien
Ivy: Abby Trott
Zack: Michael Hawley

Staffel 2 von Carmen Sandiego wartet gleich zu Beginn mit einer Doppelfolge auf, was dazu führt, dass die Staffel mit insgesamt zehn Folgen sogar eine Folge üppiger als die Auftaktstaffel ausfällt. Davon abgesehen hat sich an der Struktur der Episoden wenig geändert: Jede Folge führt in ein neues Land, wo ganz beiläufig landestypische Informationen eingestreut werden. Die Serie bleibt ihrem lehrhaften Charakter also treu und wirft spielend Informationen, wenngleich der unterhaltsame Teil stets überwiegt. Neuseeland, Dubai, Boston, Mailand – die Reise folgt keinem klaren Plan, bleibt aber immer abwechslungsreich. Nebenbei lernen wir den Unterschied zwischen Ninjas und Samurais (Japan-Folge) oder weshalb Mailand eine Mode-Metropole ist. Kleine Info-Häppchen, die zielgruppengerecht aufbereitet werden.

Keine One Woman-Show mehr

Damit es mit V.I.L.E. nicht allzu langweilig wird, ist eine zweite Organisation hinter Carmen her: A.C.M.E. Auch Carmens Sidekicks Zack und Ivy bekommen mehr Screentime und dürfen sogar ganz unabhängig von Carmens Voranschreiten auf eigene Faust agieren. Folge 5 (“Boston Tea Party”) nimmt sich nsbesondere Zeit, um die Anfänge der Freundschaft des Trios zu beleuchten. Folge 8 (“Stockholm Syndrom”) befähigt Ivy schließlich sogar, mal Carmen zu retten. Insgesamt betrachtet ist es angenehm, zwei “Normalos” zwischen all den Agenten zu haben, wenngleich Zack und Ivy ausschließlich im Duo funktionieren. Hier und dort verliert sich die zweite Staffel schließlich in Details und fängt sich erst in der dramatischen zehnten Folge wieder. Das Cliffhanger-Finale macht Lust auf mehr und führt wieder vor Augen, was das übergeordnete Thema der Staffel eigentlich ist. Umso bedauerlicher, dass Tigress und Co. erst einmal zurückstecken müssen.

Visuell ein deutlicher Sprung nach vorne

Es ist schön zu sehen, dass sich die Serie visuell weiterentwickelt. Weiterhin sind die Charaktere denkbar simpel gehalten. Dennoch dürfen sich die Charakterdesigner vor allem an Carmen austoben, die immer wieder mit neuen Kleidern und Frisuren glänzt. Ein besonderer Hingucker sind die aufwendigen Hintergründe, die in mancher Einstellung unerwartet detailiert ausfallen. Hinzu kommen die Animationen, die immer wieder dann für eine Überraschung sorgen, wenn es ans Eingemachte geht. Die Kämpfe wirken erstaunlich dynamisch und stark choreografiert. Hervorzuheben ist hier vor allem Episode 4 (“Fasionista”), in welcher Carmen gegen andere Laufstegmodels kämpfen muss. Was Carmen Sandiego ohnehin beherrscht, ist das Spiel von Licht und Schatten. Immer wieder glänzt, scheint und schimmert irgendwo etwas, was der Serie angesichts der sonst so schlichten Figuren mit den dicken Outlines ein wenig Hochglanz-Charakter verleiht.

Fazit

Die zweite Staffel macht auf allen Ebenen einen Sprung nach vorne. Mehr Hintergrund für Carmen, mehr Abwechslungsreichtum bezüglichen der Missionen und stilistisch ziemlich treffsicher, ist nur zu wünschen, dass eine dritte Staffel nicht lange auf sich warten lässt. Wir erfahren nicht nur über Carmen, sondern auch Zack, Ivy und Carmens Lehrer und Retter Shadow-San (Paul Nakauchi) mehr. Fans des impulsiven Detective Chase (Rafeal Petardi) bekommen ebenso weitere Szenen spendiert. Schade nur, dass so viele Fragen rund um V.I.L.E. und vor allem V.I.L.E Agent Gray (Michael Goldsmith) offen bleiben. Auch wenn Carmen Sandiego eine Serie für Kinder ist, besitzt sie aufgrund der starken Hauptfigur genügend Anziehungskraft, um auch ein älteres Publikum zu begeistern. Dieses wird auch die politischen und wirtschaftlichen Nuancen zu schätzen wissen.

© Netflix

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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