Tsubasa – Reservoir Chronicle

Lesezeit: 7 Minuten

Was haben eine Prinzessin, ein Archäologe, ein Ninja und ein Magier gemeinsam? Sie reisen in andere Welten um sich einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen, allerdings nicht alle aus freien Stücken. 2003 begann das Zeichenquartett CLAMP die Hauptcharaktere Shaolan, Sakura, Kurogane und Fye aus Tsubasa – Reservoir Chronicle durch die Dimensionen zu schicken, die es ab 2004 mit insgesamt 28 Bänden auch nach Deutschland geschafft haben. Neben den 28 Bänden wurden 2017 drei Bände der Fortsetzung Tsubasa World Chronicle – Niraikanai ebenfalls bei Egmont Manga veröffentlicht. Auf Kenner verschiedener Serien wie X, RG Veda oder Card Captor Sakura warten bekannte Charaktere, eingebaut in neue Umgebungen. Auf gehts in eine Welt voller Gefühle, Humor, Spannung aber auch Trauer und Verzweiflung. 

   

Sakura, Prinzessin des Königreichs Clow, und der junge Archäologe Shaolan sind Kindheitsfreunde und fühlen sich zueinander hingezogen. Als Sakura eine geheimnisvolle Stimme hört und daraufhin eine Ruine betritt, wird sie bewusstlos und all ihre Erinnerungen fliegen als Federn davon. Um die Prinzessin zu retten, wird Shaolan vom Hohepriester Yukito in eine andere Welt zu Yuko, der Hexe der Dimensionen, geschickt. Diese erklärt ihm, dass er durch die Dimensionen in andere Welten reisen muss, um dort Sakuras Erinnerungen zu finden, andernfalls wird sie sterben. Mit dabei sind der Samurai Kurogane, der aus seiner Heimat verbannt wurde, und der geheimnisvolle Magier Fye de Flourite, der aus seiner Welt geflohen ist. Das kleine weiße Geschöpf Mokona begleitet sie auf ihrem Weg und öffnet die Pforten in die nächste Dimension. Allerdings verlangt Yuko einen Preis von den Dreien: Das Wertvollste, was sie besitzen. In Kuroganes Fall ist es sein Schwert, Fay übergibt der Hexe sein Tattoo was seine magischen Kräfte beeinflusst und Shaolan opfert die Beziehung zu Sakura. Dies bedeutet: Selbst wenn es ihnen gelingt alle Federn und damit Sakuras Erinnerungen zu finden wird sie sich niemals an ihre gemeinsamen Erlebnisse mit Shaolan erinnern können.

Eine Reise aus verschiedenen Gründen

Originaltitel Tsubasa: RESERVoir CHRoNiCLE
Jahr 2003 – 2009
Bände 28
Genre Action, Drama, Fantasy
Autor CLAMP
Verlag Egmont Manga (2004 – 2010)

Unterschiedlicher könnten die Protagonisten nicht sein. Unter mysteriösen Umständen treffen sie aufeinander und bestreiten von dem Moment an einen gemeinsamen Weg: Ein Zauberer, der nicht mehr in seine Welt zurückkehren kann. Ein Krieger, der im Moment nicht in seine Welt zurückkehren darf. Und der junge Shaolan, der in andere Welten reisen muss um seine Partnerin Sakura zu retten. Dazu gehört Mokona, ein hasenähnliches Wesen, das über die Fähigkeit verfügt das Tor zu anderen Dimensionen zu öffnen und die Gruppe mit der Hexe Yuko in Verbindung hält. Shaolan, Sakura, Kurogane und Fye haben unterschiedliche Persönlichkeiten, die allerdings eine enorme Entwicklung zeigen. Fye beispielsweise lächelt zu Beginn die ganze Zeit und ärgert Kurogane, doch hinter dieser Fassade verstecken sich große Trauer und Einsamkeit. Kurogane ist mit seiner grimmigen Miene ebenfalls schwer zu durchschauen und auch Shaolan muss Sakuras Situation betreffend vieles verarbeiten. Shaolan findet in Kurogane allerdings einen Lehrmeister, denn dieser unterrichtet ihn in der Schwertkunst. Für alle ist die Reise kein Zuckerschlecken und nach und nach erfahren die Leser, was wirklich in ihnen vorgeht. Ein Charakter, der leider etwas untergeht, ist der Bösewicht Fei Wang Reed. Man braucht wirklich Geduld, um herauszufinden, warum er den Angriff auf Sakura gerichtet hat und was seine Pläne sind.

Eine Reise um die Welt

Für viele Menschen gehört das Reisen um die Welt zum Leben dazu. Doch wie ist die Reaktion, wenn man zum Wechseln des Aufenthaltsortes gezwungen ist? So ergeht es unseren Protagonisten. Die Gruppe kann ihren Zielort nicht bestimmen und deswegen ist jeder Sprung in eine neue Welt Überraschung pur. Von Japan geht es in die Republik Hanshin, ein moderner Inselstaat, in dem Bandenkriege herrschen und jeder Mensch von einem Seelenwesen besessen ist und von diesem beschützt wird. Das Land Koryo ist in Provinzen aufgeteilt, die von Fürsten regiert werden, es ähnelt dem mittelalterlichen Korea. Im sogenannten Nebelland gibt es einen großen See, in dem sich unter Wasser eine Stadt befindet, welcher ein goldener Fisch als Sonne dient. In Jade Country werden Architektur und Mode groß geschrieben und es existiert eine geheimnisvolle Schlossruine. In einem Vergnügungspark betreten Shaolan und seine Freunde ein Reality-Game. Die Schutzgottheiten Ashura und Yasha warten in den Welten Sharano und Shurano. Im Gegensatz zu mittelalterlich angehauchten Welten geht es auch hochtechnisiert und industriell weiter. So findet in Piffle World jährlich ein Rennen mit selbstgebauten Fluggeräten statt. Record Country ähnelt in seiner Achitektur London und wird von der Magie geprägt. Mehrmals geht es nach Tokio, allerdings immer in verschiedenen Zeitebenen. In einer dieser befinden wir uns in einer postapokalyptischen Welt, in der die Stadt im Zuge der Umweltverschmutzung von saurem Regen zerfressen wird. Spannung ist definitiv geboten, da jede Welt und die entsprechende Stimmung verschieden sind und immer wieder Figuren auftauchen, mit denen man nicht rechnet.

Schwarz/Weiß, aber sehr vielfältig

Abwechslung wird in den verschiedenen Welten groß geschrieben. Die Zeichnungen von Charakteren und Hintergründen sind sehr detailliert sowie die Gestaltung der Welten jeweils voller Fantasie. Schwertkämpfe und Zaubersprüche sind keine Seltenheit und auch diese werden überzeugend dargestellt. Dem Charakterdesign sind bei Tsubasa – Reservoir Chronicle keinerlei Grenzen gesetzt. Durch die Reise in verschiedene Welten und Dimensionen erhalten die Protagonisten ständig neue Kleidung, die sie sich allerdings selbst organisieren müssen. Es ist nicht immer einfach, sich an die Umwelt und den Lebensstil anzupassen. Da ist die Kleidung der erste Schritt und dadurch wirken die Reisen sehr authentisch. Einzig die Größe der Charaktere wirkt etwas unproportional. Die Figuren sind oft groß und schlaksig dargestellt. Besonders wenn Kurogane und Shaolan nebeneinander stehen, wirkt der Größenunterschied enorm und so ist es schwer zu glauben, dass der Archäologe dem Krieger nur bis zur Hüfte reicht.

Man sieht sich nicht nur einmal

Dass die Autoren von CLAMP eine Vorliebe für Crossover haben, wird in Tsubasa – Reservoir Chronicle mit Bravour gezeigt. Charaktere aus älteren Werken des Zeichenquartetts werden gemeinsam mit Neuen in die Handlung eingebunden, was bei vielen Fans Bewunderung auslöst. Ein Wiedersehen mit Figuren wie Kamui und Fuma aus X oder Chi aus Chobits ist gewiss. Besonders deutlich ist die Verbindung zu xxxHOLIC hervorzuheben: Sowohl die Hauptcharaktere Yuko und Watanuki spielen eine wichtige Rolle, als auch der Verlauf der Handlung beider Geschichten ergänzt sich mehrfach. Um beide Serien genau verstehen zu können, ist es ratsam, sie nacheinander oder noch besser zeitgleich zu lesen, da viele Hintergrundinformationen für die jeweils andere Handlung enthalten sind. Besonders im späteren Zeitpunkt verflechten sich Tsubasa – Reservoir Chronicle und xxxHOLIC ineinander. Andere Serien von CLAMP wie Chobits, Magic Knight Rayearth, RG Veda, Tokyo Babylon und X zu kennen, ist nicht unbedingt notwendig um die Ereignisse in Tsubasa – Reservoir Chronicle zu verstehen. Allerdings können Anspielungen auf andere Geschichten und Beziehungen zwischen den Charakteren für mehr Spaß sorgen, wenn andere Serien bekannt sind.

Stimmungsschwankungen

Im ersten Drittel der Serie folgt eine Abenteuergeschichte auf die nächste. Geheimnisse, Romantik und Comedy sind enthalten. Der Besuch jeder Welt endet damit, dass Sakura eine Feder und damit Erinnerungen erhält. Die Geschichte nimmt schließlich mit jeder gefundenen Feder an Komplexität zu. Die Streiche, die Fye und Mokona Kurogane am Anfang immer wieder spielen, sind sehr lustig und lockern stark die Geschichte auf. Doch ab der Hälfte des Mangas ist für so etwas kein Platz mehr. Der mittlere Teil der Handlung wird etwas düsterer und gewalttätig. Interessant ist hier vor allem der Einblick in die Vergangenheit einzelner Personen, der die Spannungskurve oben hält. Die Charaktere verändern sich und so wird aus der strahlenden und immer fröhlichen Sakura eine ernste und entschlossene Kämpferin. Das Publikum wird von CLAMP im letzten Drittel mit auf eine Achterbahnfahrt genommen, die allerdings nicht nur spannend, sondern auch zu einem verwirrenden Durcheinander wird. Tsubasa – Reservoir Chronicle ist kein schnell konsumierbarer Titel. Man muss analysieren und um viele Ecken herumdenken, allerdings bleibt die Geschichte kompliziert und verwirrend.

Eine Animeumsetzung mit Stärken und Schwächen

Wie bei vielen Mangareihen existiert auch für Tsubasa Reservoir Chronicle eine Animeumsetzung. Unter demselben Titel produzierte das Studio Bee Train 2005 unter der Regie von Koichi Mashimo (.hack//SIGN) einen Anime in zwei Staffeln. Dieser wurde (wie die OVA Tsubasa Tokyo Revelations und der Film Tsubasa Chronicle: Die Prinzessin des Vogelkäfiglandes) ins Deutsche übersetzt und von Anime Virtual, heute als Kazé Anime bekannt, veröffentlicht. Im Vergleich zur Vorlage wurden viele Kämpfe und damit entstehende Situationen verharmlost, zu Lasten der Dramatik. Zudem sind besonders in der zweiten Staffel viele Lückenfüller eingebaut, was dafür sorgt, das die Handlung nicht voran kommt und dann ganz plötzlich ohne runden Abschluss endet. Spannung ist hingegen in der OVA geboten. Hierfür sollte man allerdings den Manga kennen um die Zusammenhänge zu verstehen, da zwischen dem Ende der zweiten Staffel und der OVA eine längere Zeit vergeht, in der viele Dinge geschehen.

Fazit

Der allererste Manga den ich gelesen habe, ist Card Captor Sakura. Shaolan und Sakura gehören zu meinen Lieblingen und das ist mit ein Grund, weshalb ich Tsubasa – Reservoir Chronicle angefangen habe. Die Grundidee mit den Federn und Erinnerungen gefällt mir sehr gut und es ist auch interessant zu erfahren, an was für Dinge sich Sakura wieder erinnert, wenn sie eine Feder findet. Shaolan ist in den Erinnerungen nicht enthalten, da er die Beziehung opfern musste. Allerdings merkt Sakura, dass irgendjemand in ihrem Gedächtnis fehlt. In den Magier Fye habe ich mich von Anfang an verliebt und seine Hintergrundgeschichte geht mir sehr nahe. Ungefähr ab der Hälfte kann man sagen, dass die Stimmung extrem kippt. Die witzigen Momente gehen verloren, die einzelnen Charaktere wissen nicht mehr sicher, wem sie trauen können und es stellenweise brutal. Leider verwurstelt sich die ganze Geschichte gegen Ende so ineinander, dass man sie nur schwer verstehen kann. Mich stört es an sich nicht, dass Tsubasa – Reservoir Chronicle parallel zu xxxHOLIC spielt, aber es fehlen einfach Erklärungen zu den Geschehnissen, die im letzten Drittel aufgedeckt werden. Wer sich auf ein Happy End freut, wird leider auch nicht belohnt. Denn meiner Meinung nach ist es ein offenes Ende, mit dem ich auch nicht so ganz glücklich bin. Momentan arbeite ich daran, meine CLAMP-Sammlung auszubauen um alle Charaktere kennenzulernen, die in Tsubasa – Reservoir Chronicle auftauchen und dann werde ich die Reihe auf alle Fälle noch einmal lesen. Vielleicht entstehen dann noch ein paar Aha-Effekte.

© Egmont Manga

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