Buddy Go!

Jeder Mensch hat ein Vorbild, ob Familienmitglied, Schriftsteller, Schauspieler oder Tänzer. Doch was passiert, wenn man diesem Vorbild aufeinmal nicht mehr nacheifern kann, sondern mit ihm zusammenarbeiten muss? Und das alles auch noch mit einem großen Geheimnis im Gepäck. So ergeht es jedenfalls der Hauptfigur Ai Shizukuishi. Wie sie all diese Situationen meistert, können die Leser im zwölfbändigen Manga Buddy Go! von Minori Kurosaki (Sandwich Prince) miterleben. Dank Tokyopop ging es auch in Deutschland auf die Showbühne und Ai zeigte ihre Moves bis November 2019, als der letzte Band in den Handel kam.

       

Ai Shizukuishi ist schüchtern und bekommt vor anderen Leuten nur schwer den Mund auf. Es gibt eine Sache in ihrem Leben, bei der sie sich richtig wohlfühlt und sich fallen lassen kann: Das Tanzen. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Kii-chan nimmt sie Videos ihrer Tanzeinlagen auf und stellt diese auf einer Internetplattform online. Um nicht erkannt zu werden, verkleidet Ai sich als Junge, was ihr zudem ein stärkeres Selbstvertrauen verleiht. Ein großes Vorbild ist für Ai der Tänzer und Sänger Hayate, der bereits den Sprung auf die große Bühne geschafft hat und nun Backgroundtänzer sucht. Bei einem Casting für Hayates Backgroundtänzer treffen die beiden schließlich aufeinander. In Wirklichkeit möchte Ai allerdings nicht im Hintergrund tanzen, sondern Hayate nacheifern und ihr Können zeigen. So stehen beide gemeinsam auf der Bühne, wobei Ai als Junge verkleidet ist. Das Duo harmoniert miteinander und so wird Ai kein Backgroundtänzer, sondern Hayates Tanzpartner. Das ist die Geburtsstunde des Gesangs- und Tanz-Duos “Buddyz”.

Ein Leben mit Geheimnissen

Originaltitel Buddy Go!
Jahr 2014 – 2018
Bände 12
Genre Comedy, Romanze
Autor Minori Kurosaki
Verlag Tokyopop (2017 – 2019)

Die Leidenschaft des Tanzens und der Traum des Erfolgs. Mit diesen Dingen beschäftigt sich die junge Ai Shizukuishi. Sie tarnt sich als Junge, um nicht aufzufallen. Dabei steht ihre Freundin Kii-chan, die als einzige die wahre Identität kennt, vertrauensvoll zur Seite. In den Videos fällt nicht auf, dass ein Mädchen als Junge verkleidet mit Perücke tanzt. Doch auf der Showbühne mit Live-Publikum sieht es anders aus. Würde sie als Solokünstlerin auftreten, wäre die Chance der Tarnung eventuell auch gegeben. Aber mit Partner? Hayate und Ai trainieren gemeinsam. Dabei kommt es auch zu Berührungen und sie schlafen im selben Zimmer, was gewisse Risiken mit sich bringt. Als Erstes fällt einem natürlich das Badezimmer ein und hinzu kommt, dass Ai Tag und Nacht die Kurzhaarperücke tragen muss. Für Ai bedeutet bereits das Showbiz enormer Druck, hinzu kommen die zusätzliche Nervosität vor den Auftritten und die ständige Vorsicht, nicht aufzufliegen. Das ihre Tarnung irgendwann entlarvt wird, ist vorprogrammiert. Dies wird allerdings schon am Ende von Band 1 angedeutet.

Tarnung, Tarnung, Tarnung

Was man am Anfang von Buddy Go! für einen zentralen Punkt hält, wird bereits früh aufgelöst. Hayate weiß nämlich insgeheim von Ais Identität. Die Managerin, die Medien und die Öffentlichkeit allerdings sind unwissend und dabei soll es erst einmal bleiben. Tarnung heißt es nach wie vor und nun macht auch Hayate bei dem Versteckspiel mit. Ai schafft es sich in die Rolle eines Jungen hineinzuversetzen auch wenn immer wieder Kommentare fallen wie zum Beispiel der Tänzer hat eine feministische Ausstrahlung oder ob er wohl ein Mädchen sein könnte. Etwas fragwürdig ist, wie sie es hinbekommt ihre langen Haare ohne Probleme unter die Perücke zu bekommen und diese ohne verrutschen zu halten. Besonders während der schnellen und teilweise kopfüber ausgeführten Tanzelementen. Wer selbst schon einmal eine Perücke getragen hat weiß, wie schwer es sein kann mehrere Stunden damit zu verbringen und das man auch froh ist sie wieder abnehmen zu können. Passend gezeigt wird, wie die Zeit vergeht. Wie jeder Mensch in dem Alter ist Ai in der Pubertät und im Wachstum, dies bezieht sich aber nicht nur auf die Körpergröße. Um als Junge glaubwürdig zu wirken muss sie deshalb dafür sorgen das speziell weibliche Körperteile nicht auffallen.

Beziehung oder Tanzpartner?

Zu Beginn müssen nur Ai und Kii-chan das Geheimnis bewahren. Im Laufe der Geschichte werden es immer mehr Personen, die zur Verschwiegenheit verpflichtet sind. Wichtig ist, dass die Konkurrenz und die Öffentlichkeit von alldem erfahren. Auch Hayates Gefühle für Ai werden schnell deutlich. Aus diesem Grund kommt in ihm die Frage auf, ob es sinnvoll ist, im gleichen Zimmer wie sie zu schlafen. So sieht man den starken, beliebten Star, der sonst die Bühne rockt, aufeinmal schüchtern und nervös. Während der Handlung tauchen mehrere Tanzcrews auf, die bei Tanzfestivals gegen die Buddyz antreten. Da Ais Alter Ego beliebt ist, unterhalten sich viele männliche Tänzer mit ihr und fassen sie auch kumpelhaft an. Dadurch kommt das Thema Eifersucht ins Spiel. Wer hier auf eine reine Romanze hofft, könnte stellenweise enttäuscht werden, da die Themen Liebe, Beziehung und Dates zwar vorkommen, aber des Öfteren in den Hintergrund rutschen. Das eigentliche Thema des Tanzens steht im Vordergrund. Es muss aber auch gesagt werden, das Buddyz als Gesangs- und Tanzduo gelten. Dass die beiden auch singen, bekommt man ab der zweiten Hälfte des Mangas kaum noch mit und gerät in Vergessenheit.

Ohne Übung geht nichts

Hartes Training, Konkurrenzkampf und Shows. All das kommt nicht zu kurz. Die Tanzmoves und Posen werden authentisch gezeigt und am Gesichtsausdruck der Tänzer erkennt man, ob sie vor Publikum sind oder üben. Besonders Ai wirkt im Training sehr konzentriert und schaut streng, ohne eine Miene zu verziehen. Beim anschließenden Auftritt muss sie das ändern und strahlen. Einige Gefühle können durch die Zeichnungen nicht transportiert werden. Laut der Managerin Someko und dem Mentor von Buddyz, Soel, schafft es Ai nicht, den Tanz zu leben und darin aufzugehen. Sie lacht, weil sie es muss und nicht aus vollem Herzen. Als Leser ist bei den Auftritten nur ersichtlich, dass sie strahlt, was hingegen wirklich in ihr vorgeht, erkennt man nicht. Durch die Kommentare der Managerin kommt Ai an ein neues Ziel. Sie möchte ihren ganz eigenen Tanzstil finden. Für Zuschauer wirken Buddyz manchmal wie ein Paar oder als miteinander verschmelzendes Team, dann wieder als Konkurrenten, was sie die ganze Geschichte über sind. Jeder will den anderen übertrumpfen und doch gemeinsam Spaß haben, womit sich der Kreis der Ausgangsbasis wieder schließt.

Zugehörige Anime-Adaption mit offenem Ende

Die Zeichnerin und Autorin Minori Kurosaki ist seit 2005 im Mangabereich aktiv. In Deutschland sind bereits die Titel Sugars* und Sandwich Prince von ihr veröffentlicht worden. Bei Buddy Go! handelt es sich um ihre erste längere Serie. Der Manga diente 2016 als Vorlage für sieben Anime-Specials, da die Folgen allerdings nach knapp zwei Minuten enden, kann der Handlungsablauf nur grob gezeigt werden. Dies wirkt eher wie ein Recap einer Anime-Folge. Da die Manga-Vorlage zum Start des Animes noch nicht abgeschlossen war, decken die Folgen nur den Anfang der Geschehnisse aus dem Manga ab und besitzen ein offenes Ende.

Fazit

Mir gefällt der Tanzsport. Ich schaue gerne Tanzshows im Fernsehen und bewundere die Sportler auf der Tanzfläche. Aus diesem Grund habe ich mir auch Buddy Go! zugelegt. Der Anfang gefällt mir sehr und ich habe Hayate schnell ins Herz geschlossen. Obwohl er bereits ein Star ist und viele Fans hat, ist er auf dem Boden geblieben und einfach nur sympathisch. Mit Ai musste ich mich erst anfreunden, da ihre Persönlichkeit schnell umschwingt. In der Schule und wenn sie als Mädchen herumläuft, ist sie nervös und traut sich nichts zu machen. Sobald sie aber andere Kleidung trägt und die Perücke aufsetzt, ist sie jemand anders und kann bei diesem Casting vor einer Jury, Stars und vielen Zuschauern auftreten, als hätte sie noch nie etwas anderes gemacht. Mit dem Verlauf der Geschichte habe ich ein bisschen den Faden verloren. Es passieren viele Dinge aufeinander folgend, der Konkurrenzkampf (auch unterhalb der Buddyz) wird stärker und die Geheimniskrämerei immer extremer, Ai muss sich gegen männliche Anmachen wehren und die Hauptpersonen treffen wenig nachvollziehbare Entscheidungen. Ab der Hälfte der Geschichte wird diese künstlich in die Länge gezogen. Mit weniger Bänden wäre der Manga fokussierter ausgefallen. Dennoch fällt das Ende nett aus und obendrein gibt es noch eine zufriedenstellende Bonusgeschichte.

© Tokyopop

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