Heaven’s Grave

Man stelle sich vor, die Sonne steht still am Himmel und rührt sich nicht mehr vom Fleck. Es gibt keine Tag-Nacht-Wechsel mehr, die Sonne brennt durchgängig vom Himmel herunter. Es ist eine Naturkatastrophe, doch keine der üblichen Verdächtigen wie sie in 2012 oder The Day After Tomorrow der Fall ist. Es gibt keine wissenschaftlichen Erklärungen, sondern stattdessen religiöse. Das ist die Welt, in der Blackcross & Taylors Visual Novel Heaven’s Grave spielt.

 

Arha führt einen einfachen Dorfschrein. Doch von einem Tag auf den anderen wird sie aus ihrem Leben gerissen, als die natürliche Ordnung aus den Fugen gerät. Erst wird es nicht mehr Tag, als die Sonne dann doch aufgeht, scheint sie am Himmel einzufrieren. Es gibt keinen Wechsel von Tag und Nacht mehr. Dauerhaft brennt die Sonne vom Himmel herunter. Überschwemmungen versenken ganze Städte, einst friedliche Tiere werden zu gefährlichen Bestien und dann fällt auch noch der Mond vom Himmel.

Götter auf Erden

Originaltitel Heaven’s Grave
Jahr 2019
Plattform PC
Genre Visual Novel
Entwickler Blackcross & Taylor
Publisher Blackcross & Taylor
Spieler 1
USK

Die drei Götter sind nicht nur handelnde Charaktere oder Love Interests. Der Glauben an die sieben Nakami zieht sich durch die Welt von Heaven’s Grave. Arha ist immerhin ein Schreinmädchen und ihr Weg führt sie unter anderem in den Haupttempel ihres Glaubens und das Ziel der Reise ist schließlich der sagenumwobene Erste Tempel. Die vielen Katastrophen stehen in direkter Verbindung mit den Nakami, da sie nun auf der Erde sind und somit ihren Aspekt nicht mehr kontrollieren können. Die Menschen finden ihre ganz eigene Erklärung für diese Entwicklungen. Natürlich wird die Welt für ihre Sünden gestraft und die nun erschienenen Göttern steigen auf die Erde hinab, um die Gläubigsten unter ihnen mitzunehmen. Zumindest ist das die Erklärung, die die Priester des Haupttempels anbieten und natürlich schlagen sie daraus Profit. Mit wahrhaftigen Göttern zu reisen bringt für Arha ganz eigene Herausforderungen mit sich und an einigen Stellen muss sie Dinge infrage stellen, an die sie ihr ganzes Leben lang geglaubt hat.

Der Weg ist das Ziel

Arha und ihren Göttern steht eine lange Reise bevor. Es geht erst in die Hauptstadt Haoka, dann zu einer der antiken Ruinen, um einen legendären Schlüssel zu finden, und danach zum Ersten Tempel. Nahezu jeder einzelne Tag wird beschrieben und so gibt es über weite Strecken nichts anderes zu lesen, als eine genaue Beschreibung davon, wie Götter und Schreinmädchen sich die Füße platt laufen, nach Nahrung suchen und ihre kargen Mahlzeiten zubereiten. Doch die Zeit wird auch genutzt, um vor allem in der zweiten Hälfte einen der Götter kennenzulernen und eine Beziehung zu ihm aufzubauen. In jeder Route treffen das Schreinmädchen und ihr göttlicher Begleiter auch auf unterschiedliche Reisende, die sie ein Stück des Weges begleiten. Dadurch ergibt sich eine Nebenhandlung, die Tai, Kien oder Suiza charakterlich auf die Probe stellt.

Am Lagerfeuer

Heaven’s Grave ist mit Liebe zum Detail gestaltet. Selbst jeder Statist erhält einen Sprite, auch wenn diese natürlich recht generisch sind. Aber für Nebencharaktere ist das vollkommen in Ordnung und auch diese einfacheren Bildern füllen die Visual Novel und Arhas Reise mit Leben. Von den wichtigen Charakteren existieren auch sitzende Varianten. Das gibt dem allabendlichen Sitzen am Lagerfeuer eine viel bessere Atmosphäre, da die Reisenden nicht mehr wie in anderen Visual Novels üblich um das Feuer herumstehen, sondern eben sitzen. Die Hintergründe nehmen ebenfalls darauf Bezug. Ob nun Wald, Feld oder Strand, viele existieren in Varianten mit Feuer oder mit erloschener Glut. Die meisten Dialoge spielen sich auch hier ab, wenn Arha und ihre Reisegefährten am Abend rasten oder am Morgen ihren Aufbruch vorbereiten.

Fazit

Ich kenne Blackcross & Taylor bereits durch ihr anderes Werk The Rose of Segunda. Da mir dieses sehr gut gefällt, musste ich auch hier zugreifen. Doch obwohl die Hintergründe und Charaktere hübsch gezeichnet sind, gibt es weite Teile, in denen nichts zu passieren scheint. Es ist natürlich wichtig, dass Arha die drei Götter kennenlernt und sich die Beziehung zu einem von ihnen langsam und natürlich entfaltet. Doch mich ermüdet dieser Teil der Geschichte eher. Vor allem der Handlungsstrang mit dem jungen Paar, der zu Kiens Route gehört, interessiert mich überhaupt nicht und ich musste mich regelrecht durchquälen. Davon abgesehen erzählt Heaven’s Grave ein interessantes Abenteuer, in dem Arha über sich hinauswächst, in der aber auch ihr Glauben an das Gute im Menschen auf die Probe gestellt wird. Das Szenario mit Katastrophen dieser Art (die Sonne bleibt am Himmel stehen usw.) ist eher ungewöhnlich und allein deswegen schon werde ich diese Visual Novel vermutlich in Erinnerung behalten.

© Blackcross & Taylor

Drottning Katt

Als Studentin der Linguistik hat Drottning Katt ein Faible für Sprachen aller Art – reale oder fiktive. Sie ist ein großer Fantasy-Fan und kann in diesem Bereich immer mit detaillierten Worldbuilding, einem durchdachten Magiesystem oder vielschichtigen Charas geködert werden. Dabei ist es nebensächlich, in welcher Form die Geschichte erzählt wird, Hauptsache interessant. Zudem gehören zu ihren Hobbies das Schreiben eigener Geschichten, zeichnen und an eigenen fiktiven Sprachen basteln.

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