Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall

Lesezeit: 5 Minuten

Nur wenige Adventure-Reihen können von sich behaupten, schon über drei Jahrzehnte hinweg zu existieren und dabei auch um neue Ableger gewachsen zu sein. Dieses Kunststück vollbringt die Baphomets Fluch-Reihe, deren Ursprung im Jahr 1996 liegt. Dafür erhielt die Reihe 2016 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für die “längste Zeit aktiven Grafikadventure-Helden”. Über die ersten beiden Teile hinweg bewegte sich das Abenteuer um das charmante Gespann George und Nico noch durch Cartoon-Optik, ehe die Reihe zum Unmut der Fans für den dritten und vierten Ableger ein visuelles Update bekam. Die 3D-Grafiken vermittelten trotz Neo Noir-Atmosphäre nicht mehr dasselbe Flair wie die liebevoll handgezeichneten Grafiken. Umso erfreulicher, dass das Entwicklerstudio Revolution Software mit dem fünften Teil eine modernisierte Comic-Optik parat hat. Ursprünglich bereits 2013 für alle gängigen Systeme erschienen, folgte im September 2018 schließlich eine Nintendo Switch-Fassung.

George und Nico besuchen eine Kunstausstellung in Paris. Aus heiterem Himmel stürmt ein vermummter Dieb die Ausstellung. Er erschießt den Besitzer und stiehlt das Bild einer Schlange. Natürlich folgen George und Nico den Spuren des Raubmordes. Dabei stoßen sie auf eine Verschwörung, deren Wurzeln älter sind als das erste geschriebene Wort. Bewaffnet mit Logik, Ehrlichkeit und dem gewohnt trockenen Humor machen sie sich an des Rätsels Lösung.

Point & Click lebt

Nur wenige werden die Anfänge der Baphomets Fluch-Reihe 1996 mitbekommen haben. Ganz unbekannt ist die Reihe auf der Konsole nicht. So durften sich Wii-Besitzer immerhin seinerzeit eines Remakes erfreuen. Dass Der Sündenfall überhaupt das Licht der Welt erblickte, ist einer Crowdfunding-Aktion zu verdanken. Durch diese erschien der Titel 2013 bis 2014 in mehreren Episoden und vergrößerte die Fanbase schließlich auch auf modernen Konsolen.

Starke Synchronisationsleistung

Originaltitel Broken Sword: The Serpent’s Curse
Jahr 2013, 2018
Plattform ioS, Android, PC, Xbox One, PlayStation 4, PlayStation Vita, Nintendo Switch
Genre Grafik-Adventure
Entwickler Revolution Software
Publisher Revolution Software
Spieler 1
USK

Wie in den ersten beiden Teilen ist Der Sündenfall ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Der Spieler klickt also ein Objekt an, das George und Nico wahlweise beschreiben, untersuchen, aufsammeln, kombinieren oder bewegen. Dabei wird der Bildschirm aufmerksam nach Objekten oder Gesprächspartnern abgesucht. Dialoge sind indessen das zentrale Element, denn aus der Befragung Verdächtiger oder Zeugen ergeben sich weitere Hinweise auf den Verlauf. Dass dies so überzeugend gestaltet ist, liegt an der starken deutschen Synchronisation. Wie in allen Teilen der Reihe weist sie erfahrene Sprecher auf und auch die Texte sind kreativ und witzig gestaltet. Freunde des gepflegten Sarkasmus werden George und Nico umgehend in ihr Herz schließen. Zwar stand Franziska Pigulla (die deutsche Stimme von Dana Scully in Akte X) nicht mehr zur Verfügung, allerdings tritt Petra Konradi dieses Erbe ohne spürbare Unterschiede an und liefert eine schlagfertige Nico Collard ab. Immerhin bleibt Alexander Schottky den Fans als George Stobbart bewahrt und liefert eine smarte Performance ab.

Fanservice

Das Zusammenspiel der Gameplay-Elemente ist gelungen umgesetzt. Da Hinweise bereits durch den Cursor sowie leichtes Vibrieren offenbart werden, muss man als Spieler nicht ewig suchen. Dafür kommt es häufig auf die Reihenfolge des Vorgehens an. Am schwierigsten Fallen die klassischen Rätselaufgaben aus, wo Gegenstände miteinander kombiniert werden wollen um beispielsweise einen neuen Gegenstand zu ergeben. Dabei sind diese in der Regel völlig logisch aufgebaut, nur muss der Spieler in die richtige Richtung denken, um darauf zu kommen. Falls nichts weiterhilft, müssen noch einmal alle herumstehenden Figuren abgeklappert werden, falls bei einer seit dem letzten Besuch eine neue Gesprächsoption entstanden ist. Fans der Reihe freuen sich auf Kontinuität: Serien-Unsympath André Lobineau wird nur namentlich erwähnt, dafür gibt es ein Wiedersehen mit Pearl, Duaine und Lady Piermont. Und das  in den abgefahrensten Zusammenhängen.

Nicht alles Gold, was glänzt

Obwohl die Reihe die Point-and-Click-Flagge weiterhin hisst, kommt das Spiel nicht ganz ohne Kritikpunkte aus. Geschmackssache ist die 2,5D-Optik. Die Figuren weisen nur wenige Details auf und wirken vor den liebevoll-detaillierten Hintergründen ein wenig störend und stellenweise sehr glattgebügelt. Auch die Beziehung zwischen George und Nico tritt nun seit mehreren Teilen auf der Stelle, weshalb es schöner gewesen wäre, ein wenig mehr Weitsicht zu haben. Sind die beiden nun Freunde, ein Liebespaar oder eine vergangene Affäre? Eine richtige Festlegung erfolgt nicht. Der Schwierigkeitsgrad ist der bislang höchste der Reihe und wird manchen Spieler an den Rand der Verzweiflung treiben. Etwa beim Decodieren alter Schriften ist besonders viel Geduld gefragt. Und dann ist da noch das Drehbuch, welches gelegentlich an der Absurdität kratzt, da der Autor es besonders gut meinte in Sachen Verschwörungstheorien.

Beeindruckend, dass die Reihe weiterhin existiert und auch wenn die Nintendo Switch-Version eigentlich bereits fünf Jahre auf dem Buckel hat, sind es noch immer George und Nico, die überzeugen. Persönlich konnte ich mit der Geschichte nicht ganz warm werden. Während die ersten Szenen in Frankreich wirklich spaßig sind, kippte meine Lust dann in Spanien. Trotz tollem Ziegen-Hommage-Rätsel an den ersten Teil. Auch das Finale verpufft relativ schnell aufgrund ausbleibender Dramatik und Fallhöhe. Der Rest sind eher persönliche Befindlichkeiten, die mich stören. Etwa die Linearität in der zweiten Hälfte oder dass die Animationen nicht immer an die jeweilige Situation angepasst sind. Etwa, wenn George sich in allergrößter Gefahr befindet und noch immer in Seelenruhe herumspaziert. Diese Eindrücke trüben das Gesamterlebnis allerdings nur minimal und so ist Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall noch immer ein sehr spaßiges Adventure mit liebenswerten Figuren.

© Revolution Software

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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