Anime Spring Season 2018 Woche #1 / Pt. 1

Lesezeit: 4 Minuten

In diesem wöchentlichen Format begleiten wir die Serien Cutie Honey Universe, Doreiku The Animation, Full Metal Panic! Invisible Victory sowie Magical Girl Site von der ersten bis zur letzten Episode. Neben einer kurzen Zusammenfassung der Episode lest ihr die persönliche Meinung des jeweiligen Redakteurs. Spoiler werden nicht separat gekennzeichnet!

 

Cutie Honey Universe: Episode #1

Start: 07.04.2018Magical Girl, Yuri • Production Reed

Die Mächte des Bösen erwachen: Die mächtige Sister Jill verwandelt eine ihrer zahlreichen Handlangerinnen in die Dämonin Breast Claw. Die Schülerin Honey Kisaragi, die eine katholische Mädchenschule besucht, birgt ein Geheimnis. Sie kann sich in die Kämpferin Cutie Honey verwandeln, nicht ahnend, dass sie das heimliche Ziel des “Panther Claw”-Rings ist, den Sister Jill anführt. Diese ist hinter Honeys magischem Item hinterher, welches ihr ermöglicht, sieben verschiedene weibliche Gestalten anzunehmen – jede davon mit eigenen speziellen Kräften ausgestattet. Doch nicht nur Breast Claw ist hinter Honey her. Sister Jill macht sich persönlich in Form einer Inspektorin namens Genet auf den Weg, um sich Honey in ganz anderer Weise anzunähern…

Ayres: 

Cutie Honey Universe erscheint im Rahmen des 50-jährigen Jubiläums der Arbeiten des Mangaka Go Nagai und ist nach Devilman: Crybaby bereits das zweite Anime-Update dieses Jahrtausends. Der Manga Cutie Honey erschien bereits 1973 und handelt von der Androidin Honey, die von einem Professor namens Kisaragi erschaffen wurde. Als dieser von der Organisation Panther Claw ermordet wird, sinnt Honey auf Rache. Der Manga brachte zahlreiche Ableger, Anime-Adaption und Live Action-Filme mit sich. Der in Deutschland populärste Vertreter ist Cutie Honey Flash, die in den 90ern in 30 Episoden auf Sat1 ausgestrahlt wurde. Cutey Honey Universe adaptiert die originale Geschichte auf eine moderne Weise, ohne den Spirit der 70er zu verheimlichen. Das 2018er-Update gibt sich farbenfroher als die Vorgänger-Serien, klammert sich jedoch ebenso an seine visuellen Wurzeln. Dementsprechend altbacken wirken die Zeichnungen und Charakterdesigns. Gleichzeitig geizt die Serie nicht mit Fanservice. Neben haufenweise Girls Love-Szenen gibt es vor allem zahlreiche knappe und enge Outfits, Fesselspiele und jede Menge Over the Top-Action. Das 2018er-Update gibt sich farbenfroher als die Vorgänger-Serien. Während andere Magical Girls kitschig sind, ist Cutey Honey die sexy Variante unter ihnen, die nun obendrein noch Fanservice für alle Liebhaber von Girls Love bietet. Eine solide erste Episode, die nach vorne prescht.


Magical Girl Site: Episode #1

Start: 07.04.2018Drama, Horror, Psychologie • production doA

Düster und beklemmend porträtiert die erste Episode das Alltagsleben der Hauptfigur: Von der Mädchengang um Sarina Shizukume als Spielball für deren Grausamkeiten missbraucht, muss Aya Asagiri auch zu Hause als lebendiger Boxsack herhalten, an dem ihr Bruder Kaname den Druck ablässt, den der intelligente Schüler vom Vater mit seinen hohen Erwartungen bekommt. Einziger Freund scheint ihr ein unter einer Brücke hausendes Streunerkätzchen zu sein. Da flackert nachts ihr Laptop auf, und eine mysteriöse Webseite – die „Magical Girl Site“ – verspricht Aya magische Kräfte in Form eines Stabes, dessen Benutzung ihr aber selbst überlassen bleibt. Und tatsächlich: statt Schuhe voller Kleber und Rasierklingen findet sie am nächsten Morgen eine Pistole mit Lauf in Herzform in ihrem Schulspind. Zunächst hält Aya die Sache für einen neuen Streich ihrer Peiniger. Doch am selben Tag will Sarina sie von einem älteren Mitschüler vergewaltigen lassen; dazu hält deren Freundin auch noch das Halsband in Händen, das Aya ihrem Kätzchen geschenkt hatte, welches am morgen tot am Bahnübergang gefunden worden war. Wut kocht in ihr hoch – und sie drückt den Abzug ihrer magischen Waffe…

nightfury:

… und entlockt dem Zuschauer ein mehr oder minder leises „Recht so!“ ob dem blutrünstigen Tod zweier junger Menschen. Aber das passt, denn Provokation und Schockmomente scheinen die Stilmittel der Wahl zu sein für Storywriter und Mangaka Kentarou Satou und Regisseur Tadahito Matsubayashi (der immerhin Regie bei drei Episoden von Tokyo Ghoul geführt hat). Dabei muss der Anime aber aufpassen, denn sein Hang zur Übertreibung wird in dieser Folge nur dadurch ausgeglichen, dass Charaktere und Handlung zwar überzogen dargestellt werden, Handlungsmotive und Ereignisse aber gerade noch im Rahmen des Vorstellbaren bleiben: Verständlich ist zum Beispiel Bruder Kanames Wut auf Aya, die von den Eltern zwar vernachlässigt, aus seiner Sicht aber wenigstens in Ruhe gelassen wird. Wenn allerdings die „magischen“ Elemente der Geschichte an Bedeutung gewinnen, könnte dieses Gleichgewicht schnell kippen. Auch Visuals und Sound setzen gekonnt auf Verfremdungseffekte, etwa durch Klaviermusik zur Vergewaltigungszene oder aber der surrealen Fratze des Mädchens auf der „Magical Girl Site“. Sie machen die beklemmende Geschichte um Aya noch etwas heftiger. Doch ist auch das längst nicht so originell – man erinnere sich bloß an die Hintergründe des (Fast-)Namensvetters Madoka Magica. Ganz allgemein hätte der Anime aus meiner Sicht den Rückgriff auf Genre-Klischees nicht in dem Maße nötig, wie es die erste Folge vormacht. Die Message, dass Sarina und ihre Clique der Gerechtigkeit zugeführt werden müssen, die habe ich spätestens mit der drohenden Vergewaltigung Ayas deutlich verstanden – da hätte kein süßes, aber stereotypisches Kätzchen dafür sterben müssen.

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Ayres
Redakteur

Ich stimme dir zu, dass Magical Girl Site ziemlich überzogen ist. Kann dir aber mit dem “Recht so!” nicht ganz zustimmen. Die Personen, die Aya triezen, sind zwar ekelhaft, aber ob das deren Tod rechtfertigt, wage ich doch einmal sehr zu bezweifeln. Mich stört insgesamt, dass die Serie stark in Richtung Suffering geht und damit sämtliche Taten rechtzufertigen scheint. Das finde ich bei Jigoku Shoujo und Magical Girl Raising Project dann doch wesentlich eleganter dargestellt.