Aposimz – Land der Puppen

Lesezeit: 6 Minuten

Nachdem sich das junge Label Manga Cult mit der Veröffentlichung der Master Edition von Blame! sich seine ersten Fans gesichert hat, liefert es mit Aposimz – Land der Puppen die Reihe von Science-Fiction Mangaka Tsutomu Nihei ab. Auf der Manga-Comic-Con 2018 hatte der Verlag bereits den ersten Band in einer limitierten Sonderauflage mit Schutzumschlag dabei. Wir hatten das Glück, zwei der nur 99 Exemplare zu ergattern. So konnten wir vor dem offiziellen Erscheinungstermin am 11. April 2018 schon einmal die Reise auf den Planeten Aposimz antreten, um dort Esro kennenzulernen, der nach der Ermordung seiner Freunde einen Rachefeldzug gegen ein ganzes Imperium startet.

    

Der künstliche Planet Aposimz besteht aus drei Schichten: dem warmen Kern, einer Ruinenschicht und seiner eisigen Oberfläche. Im Kern befinden sich Maschinen, die den Planeten steuern. Vor 500 Jahren verlor die Menschheit den Krieg gegen den Kern und musste diesen verlassen. Nun wandern die Menschen auf der erkalteten Oberfläche und stellen sich vielen Gefahren entgegen. Neben knappen Ressourcen wie Nahrung und Wasser macht ihnen vor allem die Puppenkrankheit zu schaffen. Wer sich damit infiziert, verliert sein Bewusstsein und wird — wie es der Name schon andeutet — zu einer Puppe. Esro und seine Leute sind gerade auf Nahrungssuche, als sie beobachten, wie ein junges fliegendes Mädchen von Gleitern verfolgt und abgeschossen wird. Die Soldaten auf den Fluggeräten sind vom Ribedoa Imperium und damit auch für sie eine Bedrohung. Daher erschießt Esro die beiden mit seinem Scharfschützengewehr. Das gerettete Mädchen entpuppt sich währenddessen als Maschine — ein sogenannter faltbarer Automaton mit dem Namen Titania — die etwas bei sich trägt, das dem Imperator von Ribedoa nicht in die Hände fallen darf. Widerwillig nehmen Esro und seine Leute sich dessen an. In der gleichen Nacht bezahlen für diese Tat fast alle mit ihrem Leben, als Soldaten das Dorf angreifen.

Der Verlust der menschlichen Hülle

Der Einzige, der den Angriff der Soldaten auf das Dorf überlebt, ist Esro. Doch der bezahlt einen hohen Preis: Beim Versuch, den feindlichen Kommandanten zu erschießen, wird unser Held selbst tödlich getroffen. Doch bevor sein Gehirn alle Funktionen einstellen kann, erklärt ihm die plötzlich auftauchende Titania, dass sie ihn in eine Normpuppe verwandeln kann. Dies ist eine Puppenform, bei der man sein Bewusstsein behalten kann, aber der Körper sich verwandelt. Esro willigt ein und wird daraufhin transformiert, doch auch unter den Gegnern befindet sich eine Normpuppe. Es kommt zum Duell, bei dem der Feind schwer verletzt wird, doch nicht so massiv wie unser Held. Durch einen Absturz in die Ruinenschicht kann Titania den bewusstlosen Esro verstecken. Nach 90 Tagen hat dieser sich erholt und die Automaton erklärt ihm, wie sein neuer Körper funktioniert. Einige der Erklärungen muss man als Leser schlicht erst einmal so hinnehmen. So heißt es zum Beispiel, dass Esro in seiner Kampfpuppenform Heigus-Partikel verbraucht. Was genau diese sind, wird im ersten Band nicht geklärt. Auch der genaue Unterschied zwischen Normpuppe und einem Menschen, der mit der Puppenkrankheit infiziert ist, wird nicht erläutert. Man kann sich aber einiges zusammenreimen, was bei einem Manga von Tsutomu Nihei nicht zum ersten Mal nötig wäre!

Von Rache getrieben

Nachdem sich Esro erholt hat, geht er zurück zum Dorf. Die Leichen seiner Freunde liegen noch immer offen herum und den Witterungen ausgesetzt, weswegen er diese zuerst ordentlich begräbt. Daraufhin beschließt er, dass das Ribedoa Imperium dafür büßen muss. Die Story wird aber nicht nur durch dieses Rachemotiv geleitet. Titania erklärt, dass der Feind versucht, in den Kern vorzudringen. Wenn ihm das gelingt, kann er sich dem Planeten Untertan machen. Dies muss auf jeden Fall verhindert werden, denn das Imperium unterdrückt jetzt schon zu viele Menschen. Die Patronen, welche Titania gestohlen hat, dürfen dem Gegner nicht in die Hände fallen — sind die die Einzigen, welche die Schutzhülle um den Kern zerstören können, da es keine andere Möglichkeit gibt, um dort einzudringen.

Der Meister der Science-Fiction

Originaltitel Ningyou no Kuni
Jahr 2017
Bände 1 / ?
Genre Tsutomu Nihei
Autor Manga Cult (2018)
Verlag Action, Science-Fiction, Drama

Wieder einmal schafft es Tsutomu Nihei, eine extrem interessante Welt zu schaffen. Neben dem Konzept des Planeten — das mit den Maschinen und der Megastruktur als Schutzschicht ein klein wenig an Blame! erinnert — ist es die Kombination aus Virus, Konflikten unter den Menschen und dem harten Überleben auf Aposimz, welche die Geschichte von Anfang an faszinierend macht. Da es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie die Handlung weitergehen kann, bleibt es nach dem Ende des ersten Bandes sehr spannend. Zwar sticht Esro noch nicht wirklich aus der Masse der Charaktere heraus, aber seine Beweggründe machen ihn sympathisch. Ob es auf Seiten der Ribedoa Armee auch freundliche Menschen gibt, bleibt abzuwarten. Es bleibt in Band 1 auch noch ein Geheimnis, wer oder was der Imperator ist. Aposimz – Land der Puppen ist die Weiterentwicklung eines One-Shots (eines einzelnen Testkapitels) mit dem gleichen japanischen Namen, welches im “Young Magazine” für das 35. Jubiläum des “BULLET”-Projektes erschien. Nach dem Ende von Niheis langjähriger Reihe Knights of Sidonia im Jahr 2015 arbeitete er das Konzept für Aposimz aus. Der One-Shot kam durchwachsen bei den Lesern an, daher hat der Autor noch bis Februar 2017 Dinge geändert und angepasst, bevor die Story als Reihe im Magazin Shounen Sirius (Attack on Titan: Before the Fall) startete. Fans von Niheis Mangas werden hier optisch einiges wiedererkennen. Die Kleidung der Ribedoa Armee erinnert stark an die Kleidung Bewohner Sidonias und wie nicht anders zu erwarten, ist Esros Spezialfähigkeit eine starke Laserschusswaffe. Ob er damit Killy aus Blame! besiegen könnte, wäre eine interessante Fragestellung für ein Crossover! Die Zeichnungen selbst sind sehr fein und detailliert. Vor allem bei der Ruinenschicht merkt man Niheis Stärke für Konstruktionen und architektonischen Bauten deutlich an. Bei einem gelernten Architekten kein Wunder!

Manga Cult Ausgabe

Zwar kommt der erste Band ohne Farbseiten daher — was nicht so schlimm ist, da das Eröffnungsbild eh fast nur aus Graustufen besteht — dafür aber mit einer Charakterkarte des Protagonisten Esro. Mit den Maßen 14x21cm ist der Band ein Stück größer als zum Beispiel übliche Tokyopop-Bände und kommt als Klappbroschur daher. Damit lässt sich der Preis von 10 Euro pro Band erklären. Den Schutzumschlag der limitierten Edition ziert jeweils vorne und hinten ein Symbol.

Erster Eindruck:

Ich war sehr gespannt, wie die neue Reihe von Nihei sein würde. Zwar habe ich noch nicht so viel von ihm gelesen (Blame!, Knights of Sidonia und NOiSE), aber langsam habe ich ein Gefühl für seine Geschichten entwickelt. Mir gefällt der erste Band sehr, da die Welt von Aposimz äußerst interessant ist. Die unterschiedlichen Ideen sind intelligent miteinander verbunden und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung die Story weitergehen wird. Esro finde ich soweit ganz in Ordnung. Ich musste schon schmunzeln, als er in seiner Kampfpuppenform seine Schusswaffe loslässt und dabei einiges zerstört. Das erinnert schon sehr stark an Killys Molekularschockwellenwaffe aus Blame!! Die Kampfpuppenform selbst finde richtig schick und bin gespannt, ob sich diese verändert, wenn Esro stärker wird. An Titanias Verwandlungen muss ich mich noch gewöhnen. Es ist schon seltsam, wenn so eine kleines Teil plötzlich die Größe eines Menschen hat! Zeichnerisch bin ich eh ein Fan von Niheis Werken, da diese detaillierten Bauten immer wieder interessant sind. Ich bin jetzt sehr gespannt, wie Aposimz – Land der Puppen weitergehen wird.

Zweiter Ersteindruck:

Ich muss gestehen, dass ich nach der Lektüre des ersten Banden von Aposimz – Land der Puppen noch unsicher bin, was ich davon halten soll. Die Ideen Niheis sind interessant, aber mir fehlen ein paar Erklärungen. Dennoch: Ich bin ein Fan von Geschichten, die sich langsam entwickeln und bei denen man nach und nach erst erfährt, wie alles zusammenhängt. Zum Beispiel habe ich noch nicht ganz verstanden, wie das mit dem Imperium ist – scheinbar gibt es noch genügend frei lebende Menschen, die dessen Herrschaft entgehen? Anders kann ich mir das Nomandenleben von Esros Dorf nicht erklären. Die verschiedenen Stadien des Normpuppendaseins haben mich zuerst verwirrt, doch schnell habe ich sie zu lieben gelernt. Da stecken so viele Details drin und man erkennt gut, wie es der Normpuppe geht. Titania ist für mich im Moment noch der spannendere Charakter, Esro ist ein wenig zurückhaltend. Zwar hat er einen starken Sinn für Gerechtigkeit, allerdings scheint das bisher sein einziger Charakterzug zu sein. Titania zeigt in meinen Augen mehr Fazetten und ich bin ein bisschen in ihre kleine Automaton-Form verliebt. Als Fazit kann ich sagen: Ich vertraue einfach mal Akis Begeisterung zu anderen Werken des Mangaka und bin gespannt, wohin mich die Reise mit Esro und Titania so führen wird!

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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