The Conjuring 3: Im Bann des Teufels

Das Horrorfilm-Universum rund um die real existierenden Dämonenjäger Ed und Lorraine Warren, das 2013 mit Conjuring – Die Heimsuchung seinen Anfang nahm, ist acht Jahre später auf stattliche acht Filme angewachsen. Wobei man sich da zuletzt selbst nicht mehr sicher schien, denn Regisseur Michael Chaves fiel zuletzt mit Aussagen auf, gemäß denen er Lloronas Fluch nun doch nicht als Film-Kanon erachtet. Wie auch immer: Mit Teil 3, Im Bann des Teufels, geht die Hauptserie nun weiter. Allerdings eben nun unter Chaves und nicht mehr wie zuletzt James Wan. Das macht sich auch in der Erzählweise des Films bemerkbar – und zwar nicht im Positiven. Als einer der ersten Kinofilme nach dem mehrmonatigen Kino-Lockdown startete der Film am 1. Juli 2021 in den Lichtspielhäusern.

Nach einem missglückten Exorzismus an dem Jungen David Glatzel (Julian Hilliard, Spuk in Hill House) entkommt ein Dämon und ergreift Besitz von Arne Johnson (Ruairi O’Conner, Teen Spirit), der, getrieben von dem Dämon, einen Mord begeht. Ed (Patrick Wilson, Insidious) und Lorraine (Vera Farmiga, Bates Motel) sind überzeugt davon, dass Arne Johnson nicht für die Tat verantwortlich ist, und versuchen daher Beweise dafür zu sammeln, dass Arne zum Zeitpunkt der Tat von einem Dämon besessen gewesen ist.

True Events-Wurzeln

Originaltitel The Conjuring: The Devil Made Me Do It
Jahr 2021
Land USA
Genre Horror
Regie Michael Chaves
Cast Lorraine Warren: Vera Farmiga
Ed Warren: Patrick Wilson
Arne Cheyenne Johnson: Ruairi O’Connor
Debbie Glatzel: Sarah Catherine Hook
David Glatzel: Julian Hilliard
Isla: Eugenie Bondurant
Pater Kastner: John Noble
Laufzeit 111 Minuten
FSK
Kinostart: 1. Juli 2021

Die Conjuring-Reihe profitiert davon, dass sie sich mit Ed und Lorraine Warren an der wahren Geschichte des realen Dämonologen-Paars Warren orientiert, die genügend Fälle für noch viel mehr Filmstoff besitzen. Der sogenannte „The Devil Made Me Do It“-Fall um den Angeklagten Arne Cheyenne Johnson aus dem Jahr 1981 dient als Basis für den dritten Film der Hauptreihe. Der Fall sollte als der erste in die US-Geschichte eingehen, in der ein Mordverdächtiger dämonische Besessenheit zu seiner Verteidigung anführte. Darüber hinaus ist auch über das Ehepaar Warren noch längst nicht alles erzählt: Erstmals erfahren wir auch etwas aus der Jugend von Ed und Lorraine und dürfen dabei in den 80er Hits schwelgen. Was den Fall von anderen bisherigen Fällen unterscheidet, ist die Tatsache, dass neben Audio-Aufnahmen auch Gerichtsakten vorliegen, was für eine umso akkuratere Aufarbeitung des Falles (natürlich mit viel Fiktion) sorgt.

Mehr von der gleichen Formel mit weniger Qualität

Mal begleiten wir die Warrens bei ihren dämonologischen Ermittlungen, mal den jungen Besessenen, der mit seinem Besatzer ringt. Gerade der Kampf mit dem Dämon ist allerdings weder besonders noch besonders gut. Inzwischen haben Zuschauer*innen vieles gesehen und da hebt sich die Inszenierung von The Conjuring 3 auch nicht (mehr) sonderlich aus der Masse an Besessenheitsfilmen hervor. Obwohl mit ein paar Gerichtsthriller-Vibes im Stile von Der Exorzismus der Emily Rose eine neue Richtung eingeschlagen wird, gibt es aus den Innenräumen eines Gerichts herzlich wenig zu sehen. Es steht ganz klar die Geister-und-Dämonen-Action im Vordergrund – und die spielt sich außerhalb des Gerichtssaals ab. Tatsächlich ist der gezeigte Horror zwar sauber inszeniert, dabei aber extrem konventionell und selten gruselig. Das bedeutet nicht, dass die eine oder andere Idee nicht Spaß macht oder einzelne Setpieces nicht überzeugen können (Stichwort Wasserbett), insgesamt bleiben größere Schocker einfach aus. Auch wenn der Regie-Stil ein anderer ist, wandelt der Film auf ausgetretenen Pfaden und gibt als Horror-Titel keine überzeugende Figur ab. Insbesondere auf der Zielgeraden reiht sich Schock-Effekt an Schock-Effekt, allerdings ohne dabei besonders wirken zu können.

Die Warrens als emotionales Herzstück

Worauf sich der Film in jedem Fall stützen kann und was Fans eben lieben, sind Ed und Lorraine. Das Publikum darf sich auf den simplen Fakt verlassen, dass Vera Farmiga und Patrick Wilson als eingespieltes Duo harmonieren und weiterhin prächtig abliefern. Bei den Nebendarstellern sticht der Australier John Noble hervor, der hier einen sonderbaren Priester spielt. Ohne diese profilierten Charaktere würde es um den dritten Ableger der beliebten Reihe noch einmal deutlich schlechter stehen. Schade nur, dass Tochter Judy Warren (Sterling Jerins) so gut wie gar keine Rolle mehr spielt, obwohl sie im ersten Teil noch eine bedeutende Rolle einnahm.

Fazit

Natürlich sieht The Conjuring 3 gut aus. Natürlich sind die Warrens sympathische Protagonisten. Und natürlich gehört das Conjuringverse zu Recht zu den erfolgreichsten Horror-Reihen der Welt, und deshalb überrascht es kaum, dass mit der Ankündigung von The Nun 2 auch schon der nächste Teil in der Pipeline steckt. Was sagt das aber nun insgesamt über den dritten Teil aus? Mit einem deutlich größerem Fokus auf den Gerichtsprozess wäre das Ergebnis insgesamt ein ganzes Stück spannender und abwechslungsreicher geworden. Denn darüber hinaus gibt es nur durchschnittliche Horror- und Erzählkost. Grundsätzlich dürfte niemand von einem dritten (respektive achten) Teil eines Mainstream-Horror-Franchises ein Muster an Originalität erwarten. Hier ist es also Dienst nach Vorschrift ohne weitere Ambitionen, die beiden ersten Teile zu erreichen.

© Warner Bros.

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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