The Color of Happiness

Ein Café kann ein besonderer Ort sein. Vielleicht trifft man sich dort seit Jahren mit seinen Freundinnen und Freunden oder man kennt die Betreiber schon seit man selbst noch kaum über die Theke schauen konnte. In der japanischen Komödie The Color of Happiness, die 2019 erschien, geht es um Yukie, die fröhliche Betreiberin eines Cafés, und ihren froschigen Freund Arnoul, die gemeinsam die verschiedensten Besucher in ihrem Etablissement begrüßen. Im Rahmen des Japan-Filmfests 2021, das online zwischen dem 18. August und 3. September 2021 stattfand, konnte man den Film von Katsuhiko Uchida erstmals auch außerhalb Japans sehen.

 

Yukie (Noriko Ishikawa) ist die Betreiberin des beliebten Cafés Kanechon, das ein besonderes Maskottchen hat: Den Frosch Arnoul! Allerdings ist er nicht lebendig, sondern eigentlich nur eine Figur. Doch er kann sprechen und beobachtet das Geschehen innerhalb des Ladens aufmerksam. Denn ins Kanechon kommen die unterschiedlichsten Menschen mit den verschiedensten Lebensgeschichten …

Viele Geschichten: Das kann unübersichtlich werden

Originaltitel Shiawase no Irodori
Jahr 2019
Land Japan
Genre Komödie
Regie Katsuhiko Uchida
Cast Yukie: Noriko Ishikawa
Laufzeit 83 Minuten
FSK unbekannt
Bislang keine Veröffentlichung geplant

Der Film hat ein ebenso simples, wie ungewöhnliches Prinzip: Immer wieder kommen neue Menschen ins Kanechon und interagieren untereinander, mit Yukie oder aber direkt mit Arnoul. Es geht quasi um den Alltag in Reinform, wer oder was diese Personen sind, wird lediglich anhand kurzer Texteinblendungen mit Namen und Beschreibungen wie “Stammgast” deutlich. Da es sich um sehr viele Figuren handelt und man sie eben stets nur kurz sieht, fällt es als Zuschauer*in schwer, den Überblick zu behalten. Insbesondere die Zusammenhänge zwischen den Figuren oder den Sinn von einer Rückblende ergeben sich deshalb gar nicht so einfach – hier ist Konzentration und Aufmerksamkeit gefragt. Das ist durchaus intelligent gemacht, denn umso größer ist die Freude, wenn man endlich das gesamte Bild der Situation und Figuren erfasst hat. Der Film zeigt also Ausschnitte aus mehreren Leben, sei es das der jungen Haruka, die verzweifelt nach der großen Liebe und nach einem Ausbruch aus dem väterlichen Haus sucht oder das eines Mannes, der seiner Ex-Gattin vor zwanzig Jahren versprach, der gemeinsamen Tochter nicht zu offenbaren, dass er ihr Vater sei und nun damit hadert. Manchmal sind die Momente mit den Figuren auch ganz klein, wie der Besuch zweier Touristen oder einer Gruppe Kinder.

Ein Frosch, ein Begleiter für’s Leben

Arnoul ist nicht einfach nur irgendeine Figur, die als Maskottchen den Laden ziert, sondern schon lange ein Teil von Yukies Leben. Sie hat ihn als fünfjähriges Mädchen geschenkt bekommen und hält auch als nun schon längst erwachsene Frau daran fest, mit ihrem Kameraden zu reden. Die Momente, in denen klar wird, wie viel Arnoul Yukie bedeutet (und auch umgekehrt), sind sehr rührend. Ohnehin ist Yukie eine sympathische Protagonistin, da man mit ihrer optimistischen Art und dem lockeren, aber auch etwas auffälligerem Look sofort ins Herz schließt. Allerdings ist Yukie tatsächlich erstaunlich irrelevant, wenn es um einige Geschichten der Besucher geht. Viel mehr ist ihr Café schlicht der Dreh- und Angelpunkt der individuellen Geschichten. Nicht klar wird, ob Arnoul innerhalb des Filmes tatsächlich lebendig sein soll oder ob seine spitzen Kommentare und Momente, in denen er sich bewegt, lediglich darstellen, wie Yukie ihn sich vorstellt. In diesem Kontext ist es schade, dass Arnoul trotz dessen, dass er immerhin der Beobachter und eine zentrale Figur des Titels sein soll, nur wenig beizutragen hat. Nur in erstaunlich wenigen Szenen kommt Arnoul zu Wort und er scheint auch keinesfalls die leitende Perspektive zu sein, da viele Szenen außerhalb des Cafés spielen. Angesichts der Prämisse des Filmes ist es enttäuschend, dass auf Yukie und Arnoul kein größerer narrativer Fokus gelegt wurde.

Überzeichnete Figuren und Effekte

The Color of Happiness bedient sich Effekten, die mehr an eine Anime-Produktion erinnern. So erscheinen bei einer wütenden Frau Flammen und bei einem glücklichen Arnoul Herzen auf dem Bildschirm. Das ist zwar irritierend, passt aber erstaunlich gut zu der schrägen Aufmachung des Titels. Auch einige Dialoge und überzeichnete Situationen erinnern auffällig stark an gängige Situationen in Anime-Titeln, etwa als eine Frau einen Mann mit einem Schlag gegen die nächste Wand keine Fluchtmöglichkeit mehr bietet und ihn überschwänglich bittet, sie zu heiraten. Oder als jene Frau zuvor einen dubiosen Wahrsager aufsucht, der ihr in einem schwungvoll dargestellten Ritual die Zukunft vorhersagt. Das alles unterstreicht die schräge, leicht ulkige Aufmachung des Titels, was aber bereits erwartbar ist. Auch die humorvollen Momente des Films sind bewusst etwas plump und bedienen sich gängiger Slapstick, haben aber teilweise sogar eine tiefere Bedeutung, die man nicht sofort erkennt. Die Kulissen selbst wirken extrem schlicht und durch die Verwendung von viel beschreibendem Text, wie für die Figuren und Orte, entsteht die entspannte Atmosphäre einer Dokumentation.

Fazit

The Color of Happiness ist ein sehr ungewöhnlicher Film, was ihn durchaus sehenswert macht. Natürlich muss man das Grundprinzip der ulkigen Thematik und dem lediglich kurzen Einblick in das Leben zahlreicher Figuren mögen, aber wenn man damit kein Problem hat, wird man mit einer interessanten Titel belohnt, den man eben so nur selten bis gar nicht sieht. Das ändert nichts an Problemen wie der etwas gewöhnungsbedürftigen Präsentation und der Tatsache, dass einige Stellen doch arg öde geworden sind. Dennoch ist der Film sehr nett für zwischendurch und sorgt für gute Laune, auch wenn man ihn eher kein zweites Mal sieht.

© mihara movie project

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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