Om Shanti Om

Lesezeit: 8 Minuten

”Es heißt, wenn du etwas von ganzem Herzen willst, verbündet sich das ganze Universum für dich, damit du es erreichst”, das meint zumindest der vor Optimismus strotzende Protagonist des Films Om Shanti om. Allerdings wird dieser immer mehr von der harten Realität eingeholt und sein Traum ein Star zu werden, droht wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Trost findet er als Fan in seiner Liebe zu der Leinwandgöttin Shantipriya. Doch dann kommt er hinter ihr Geheimnis, welches ihn völlig aus der Bahn wirft. Im Rahmen der 58. Berlinale im Jahre 2008 wurde der Blockbuster in deutschen Kinosälen gezeigt und sogar Superstar Shah Rukh Khan reiste zur Premiere in unserer Hauptstadt an. Der Film war so beliebt, dass die Tickets in Rekordzeit komplett ausverkauft waren. Farah Khan (Main Hoon Na – Ich bin immer für Dich da!), die vorher hauptsächlich als Choreografin tätig war, machte sich erneut als Regisseurin einen Namen. Mit Om Shanti om erschuf sie nicht nur eine Liebeserklärung an das Hindikino der 70er Jahre, sondern auch eine Parodie der indischen Filmindustrie und packte zu der bunten Mischung eine Geschichte rund um Rache und Wiedergeburt obendrauf. Das Label Bolly:Love veröffentlichte den Film am 30. August 2019 nochmals remastered auf DVD und Blu-ray.

   

Im Bombay der 70er Jahre träumt Om (Shah Rukh Khan) von der ganz großen Schauspielkarriere. Darüber hinaus schwärmt er für die Leinwandgöttin Shantipriya (Deepika Padukone). Eines Tages rettet er Shanti vor einem bei Dreharbeiten außer Kontrolle geratenen Feuer und gewinnt so ihre Freundschaft. Doch Shanti ist nach einem Streit mit dem Filmproduzenten Mukesh Mehra erneut in Gefahr. Kaltblütig legt Mehra ein Feuer, indem Shanti umkommen soll. Bevor Om Shanti aus den lodernden Flammen retten kann, kommt er auch ums Leben. Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende, denn Om bekommt eine zweite Chance. 30 Jahre später im Körper eines Bollywood-Stars wiedergeboren, kann er nicht nur an seinen Traum anknüpfen, sondern sich auch an Shantis Mörder rächen.

Jeder Narr will heutzutage ein Star werden

Originaltitel Om Shanti om
Jahr 2007
Land Indien
Genre Thriller, Comedy, Drama
Regisseur Farah Khan
Cast Om Prakash Makhija/Om Kapoor: Shah Rukh Khan
Shantipriya „Shanti“/Sandy: Deepika Padukone
Pappu: Shreyas Talpade
Bela: Kirron Kher
Mukesh Mehra: Arjun Rampal
Laufzeit 169 Minuten
FSK

Ein berühmter Schauspieler zu werden, davon träumen viele Kleindarsteller, die sich durch die großen Filmstudios Bombays tummeln. Darunter auch Om und sein bester Freund Pappu, die zwar beide oft in Produktionen von mächtigen Filmproduzenten mitspielen, aber nur die unbedeutenden kleinen Rollen abbekommen. So manche Rolle ist nicht einmal einen ganzen Satz lang. Om kann das nicht immer akzeptieren, daher stellt er sich öfters in den Vordergrund, was sich jedoch für Komparsen gar nicht gehört. Seinen Traum will er nicht aufgeben und so probt er betrunken in einer Straßenecke seine Dankesrede für die Filmfare Awards, die sich Pappu und ein paar Passanten sichtlich gerührt anhören. Zuhause wartet seine Mutter Bela auf ihn, die selbst nur Nebendarstellerin war. Sie unterstützt ihren Sohn wo sie nur kann und glaubt, dass er eines Tages den Ruhm bekommt, den er verdient. Manchmal spricht Om mit einem Filmplakat von Shantipriya, die er abgöttisch liebt. Sie einmal zu treffen ist sein größter Wunsch, der bei einer Filmpremiere von Shantis neuem Film auch in Erfüllung geht. Für einen kurzen Moment steht er ihr gegenüber, bevor man ihn vom roten Teppich wegzieht. Doch das bleibt nicht die einzige Begegnung zwischen den beiden. Als er Shanti einmal das Leben rettet und diese sich mit ihm anfreundet, hat er die Gelegenheit, einen Abend mit ihr zu verbringen. Anders als Om scheint Shanti nicht so begeistert von Filmdrehs zu sein, denn was sie am meisten daran mag, ist schlichtweg der ”Feierabend”. Shantipriya strahlt eine gewisse Traurigkeit aus und der Grund dafür ist überraschend, denn sie ist seit zwei Jahren heimlich mit dem Filmproduzenten Mukesh Mehra verheiratet und will auch in der Öffentlichkeit als seine Frau auftreten. Es kommt zum Streit als Shanti in einem Magazin liest, dass Mukesh die Tochter eines reichen Geschäftsmannes ehelichen wird. Was gar nicht möglich ist, weil er schon mit Shanti verheiratet ist. Als sie ihm verrät, dass sie schwanger ist, scheint er sich trotz allem zu freuen. Jedoch plant er in Wirklichkeit sie verschwinden zu lassen. Schließlich steht sie seinem Traum, der mächtigste Filmproduzent Indiens zu werden, im Weg. Sein Plan geht auf und unter einem Vorwand bringt er sie an das Filmset von ”Om Shanti om”, wo er ihr sein wahres Gesicht zeigt. Er zündet das Gebäude an und sorgt dafür das Shanti nicht herauskommt. Mit der tragischen Geschichte rund um Shantipriya ist die Grundlage für Oms Rache gelegt. Während sich die erste Hälfte des Werkes in den 70er Jahren abspielt, geht es in der zweiten Hälfte in die 2000er Jahre.

Verballhornung der indischen Filmindustrie mit überzeugendem Cast

Einige Dialoge und Szenen sind amüsant und sorgen für heitere Momente. Beispielsweise ein Gespräch zwischen Om und Pappu, in welchem es um Künstlernamen geht. Dabei ist die Aussage, dass er mit dem Namen Om Prakash Makhija nie ein Star wird. Vor allem die Inszenierung der Filmfare Awards sorgt beim Zuschauer für Lacher. Nicht nur die Darstellung der nominierten Schauspieler und ihrer Filme, sondern auch die Reaktionen der Verlierer sind lustig. Die Regisseurin Farah Khan ist in der Anfangsszene des Films zu sehen, indem sie sich mit Om um die Jacke des auftretenden Stars Rishi Kapoor streitet. Shah Rukh Khan gelingt es, Om symphatisch und glaubhaft darzustellen. Es ist nicht das erste Mal, dass er in eine Doppelrolle schlüpft. Unter anderem in Karan & Arjun (1995) spielt er einen Mann, der wiedergeboren wurde und nach Rache sinnt. Kirron Kher ist als die Mutter von Om zu sehen, die auch Zuhause wie eine Schauspielerin auftritt. Bela ist nämlich oft melodramatisch und diese Art von Rollen passen einfach zu Kher. Eine bessere Besetzung für Oms Mutter hätte es einfach gesagt nicht geben können. Deepika Padukone (Padmaavat – Ein Königreich für die Liebe) als Shantipriya spielte sich mit ihrer sympathischen Art schnell in die Herzen der Zuschauer. Die Produzenten suchten nach einer klassischen Schönheit, die am ehsten den Leinwandgöttinnen der 70er Jahren entspricht und so fiel die Wahl auf Padukone, die damals erst in Bollywood durchstartete. Die Chemie zwischen Khan und Padukone auf der Leinwand ist hervorragend und so wurde ein neues Traumpaar geschaffen. Wodurch es nicht die einzige Zusammenarbeit der beiden geworden ist, sondern noch zukünftige ermöglicht hat. Arjun Rampal (Dil Ka Rishta – Nur dein Herz kennt die Wahrheit), der oft die Rollen des romantischen Helden mimt, zeigt hier eine ganz andere Seite von sich. Sein Charakter in Om Shanti om ist so negativ, sodass er Bedenken hatte, ob er wirklich diese Figur des Mukesh Mehra spielen kann. Doch die Rolle anzunehmen, war die beste Entscheidung für ihn, denn er hat vollkommen zurecht mehrere Preise als bester Schurke gewonnen. Damit hat er bewiesen, dass er ebenfalls den Bösewicht beherrscht.

Jeder gute Film braucht erinnerungswürdige Musik

Der Soundtrack in Om Shanti om überzeugt auf ganzer Linie, denn die Mischung aus 70er Jahre Klängen und moderner Musik erweist sich als durchaus gelungen. Den Anfang macht ”Om Shanti om”, der gleich in der ersten Szene zu hören ist und dessen Titel für Farah Khans Werk entliehen wurde. Ursprünglich stammt der Song aus dem Film Karz (1980) mit dem legendären Rishi Kapoor in der Hauptrolle. Tatsächlich wurde hier eine Szene aus jenem Klassiker verwendet, die mit technischen Hilfsmitteln so bearbeitet wurde, dass sie mit dem neuen Material geradezu nahtlos verschmolzen ist. Es wirkt dadurch so, als sei Om bei den Dreharbeiten zu Karz dabei. Für die erste Begegnung zwischen Shanti und Om auf dem roten Teppich wurde das Lied “Aankhon Mein Teri Ajab Si” verwendet. Dieses ist perfekt auf diesen besonderen Moment abgestimmt und gehört zu den ruhigeren Gesangsstücken. Zu den fröhlichen Tanznummern gesellt sich “Dhoom Taana“, der für die Kinopremiere von Shantis neuem Film verwendet wurde. Auch hier wurde unter anderem eine Szene aus einem älteren Werk hinein editiert. So ist an manchen Stellen Sunil Dutt aus Amrapali (1966) zu sehen. An einem emotionalen Gesangsstück mangelt es ebenfalls nicht, denn mit “Jag Soona Soona Lage” ist eines vorhanden. Shah Rukh Khan überzeugt hier wie immer mit seiner Mimik und der Zuschauer kann sich gut in Om hineinversetzen. Eine weitere Tanznummer bietet “Dard-e-Disco“, die mittlerweile in Indien sicher auf der einen oder anderen Party gespielt wird. Hier darf Khan sein Sixpack zeigen, welches er sich Extra für die Rolle des Om antrainierte. Hier sei angemerkt, dass noch eine weitere Version von “Dard-e-Disco” existiert, nämlich ein Remix, der während den Credits gespielt wird.

Die musikalischen Highlights

An Romantik fehlt es dem Soundtrack nicht, denn der Titel “Main Agar Kahoon” überzeugt in dieser Hinsicht voll und ganz. Nebenbei werden noch passend zur Geschichte paar Requisiten gezeigt, wie Windmaschinen, Schnee und wie damals in alten Filmen die Fahrt im Auto mit Projektor gedreht wurde. Eine Spieluhr in Form einer Schneekugel wird sogar in die Realität umgesetzt, indem die Figuren zu Om und Shanti werden. Eine sehr coole Form der modernen Tricktechnik. Ein Highlight stellt “Deewangi Deewangi” dar, denn hier haben um die 30 Stars einen Gastauftritt, darunter in Deutschlands Bollywood-Szene bekannte Persönlichkeiten wie Kajol, Priyanka Chopra, Salman Khan, Rani Mukerji, Preity Zinta, Juhi Chawla und Saif Ali Khan. Sichtlich wurde beim Budget nicht gespart. Zum emotionalen Höhepunkt zählt eindeutig das Lied ”Dastaan-E-Om Shanti Om”, denn im Songtext wird die ganze tragische Geschichte rund um Shantipriya erzählt. Visuell wird es wie ein musikalisches Theaterstück präsentiert und es wird damit der Showdown zwischen Om und Shantis Mörder eingeläutet.

Fazit

Dafür, dass Om Shanti om fast drei Stunden lang ist, habe ich mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Ich kann mir den Film unzählige Male anschauen und verliere nie den Spaß dabei. Irgendwie unglaublich, wenn ich bedenke, dass dieser schon das zehnjährige Jubiläum hinter sich hat. Trotzdem kommt es mir so vor, als wäre er erst gestern erschienen. Farah Khan hat sich hier selbst nochmals als Regisseurin übertroffen und vermutlich wird das ihr bestes Werk bleiben. Es ist einfach schwer, dieses Gesamtwerk zu toppen. Die Geschichte, der Humor, die Musik, die Inszenierung und die talentierten Schauspieler – da stimmt für mich einfach alles. Den alten Song aus Karz habe ich wirklich liebgewonnen, da trifft ”old but Gold” wirklich zu. Bei den Stellen, wo der Titel wiederholt gesungen wird, lässt es sich gut mitsingen. Was ich ebenfalls sehr mutig finde, dass man sich entschied ein Risiko einzugehen und ein vollkommen neues Gesicht für die weibliche Hauptrolle zu verpflichten. Deepika Padukone war zum damaligen Zeitpunkt noch völlig unbekannt. Die Produzenten haben hier eine der besten Entscheidungen getroffen, denn sie ist nicht nur sympathisch, sondern auch sehr talentiert und passt auf die Rolle der Shantipriya wie die Faust aufs Auge. Seit ich sie in dieser Rolle gesehen habe, bin ich ein Fan von ihr und es freut mich, dass sie durch Om Shanti om den Durchbruch geschafft hat. Es gibt nicht sonderlich viele gute Schauspielerinnen der neuen Generation, da ist Padukone einfach eine Bereicherung. Letztendlich zählt der Film zu meinen Top 5 Lieblingsfilmen aus Indien und ist sehr gut für Bollywood-Neueinsteiger geeignet. Jedoch wird man vielleicht manche Anspielungen nicht verstehen und den einen oder anderen Star gar nicht kennen. Man muss aber kein eingefleischter Bollywood-Fan sein, um an der Geschichte Gefallen finden zu können.

©BollyLove

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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