Anjaam – Heute Liebe, morgen Rache

Lesezeit: 5 Minuten

”Sag, dass du mich liebst!”, diese Worte bedeuten für die schöne Shivani Chopra Furcht und Terror, denn ein ungewollter Verehrer bereitet ihr Probleme. Er tut sehr viel dafür, ihr das Leben zur Hölle zu machen. Dabei schreckt er auch weder vor Gewalt noch Mord zurück. Doch Shivani ist eine starke Frau und mutiert durch ihr erfahrenes Leid zum Racheengel, der keine Gnade kennt. Regisseur Rahul Rawail (Bekhudi) inszenierte mit Anjaam – Heute Liebe, morgen Rache einen brutalen Psychothriller, der eine ganz andere Seite von Bollywood zeigt. Mit den Superstars Shah Rukh Khan (In guten wie in schweren Tagen) und Madhuri Dixit (Devdas – Flamme unserer Liebe) in den Hauptrollen entstand ein schockierendes Werk voll krankhafter Liebe und Rache.

  

Die Stewardess Shivani Chopra trifft eines Tages auf den Passagier Vijay Agnihotri, der sehr schnell seine Traumfrau in ihr sieht. Als sie ihm eine Wunde verarztet, macht er sich Hoffnungen. Vijay ist steinreicher Erbe von Agnihotri Industries und ziemlich arrogant. Er bittet seine Mutter Padma, mit ihm um die Hand von Shivani anzuhalten. Doch als beide am Haus eintreffen, heiratet Shivani schon den Piloten Ashok, den sie mehr als alles andere liebt. Vijay kann diese Enttäuschung nicht hinnehmen und sinnt einige Jahre später auf Rache. Während Shivani mittlerweile glücklich mit ihrem Mann und Tochter Pinky zusammenlebt, sorgt Vijay dafür, dass das Ehepaar sich zerstreitet und zerstört nach und nach ihr Glück.

Gegenseitige Rache

Originaltitel Anjaam
Jahr 1994
Land Indien
Genre Thriller, Drama, Psychological
Regisseur Rahul Rawail
Cast Shivani Chopra: Madhuri Dixit
Vijay Agnihotri: Shah Rukh Khan
Ashok Chopra: Deepak Tijori
Nisha: Himani Shivpuri
Shivani’s Schwester: Sudha Chandran
Padma Agnihotri: Beena
Laufzeit 160 Minuten
FSK

Vijay bekommt normalerweise was er möchte, denn Geld hat er wie Sand am Meer. Das zeigt sich auch in seinem Auftreten, welches nicht immer positiv ankommt. Er verliebt sich ausgerechnet in Shivani, die überhaupt kein Interesse an ihm hat und sich auch nicht von seinem Reichtum beeindrucken lässt. Für jemanden wie Vijay kaum vorstellbar, dass eine Frau ihn ablehnen könnte. Mit seiner labilen Persönlichkeit entwickelt er sich schnell zu einem penetranten Verehrer und Psychopathen. Denn das was er nicht bekommt, zerstört er einfach. Er wünscht sich die ganze Zeit, dass Shivani ihm sagt, dass sie ihn liebt, aber diese Worte bringt sie mit ihrem stolzen Charakter nie über die Lippen, egal was er ihr antut. Aufgrund seines Reichtums hat Vijay viel Macht, so bringt er Shivani in einen Horrorknast, indem er korrupte Polizisten zur Hilfe nimmt. Shivani verliert durch ihn mit der Zeit ihre komplette Familie und steht vor dem Nichts, aber einen letzten Liebesbeweis ihres Ehemanns hat sie noch in ihrem Bauch, denn sie ist schwanger. Allerdings kennt die Gefängniswärterin des Frauenknasts kein Erbarmen und behandelt Shivani sehr schlecht. So wird diese trotz Schwangerschaft von ihr zusammengeschlagen und verliert daraufhin ihr ungeborenes Kind. Am totalen Tiefpunkt angelangt schwört Shivani Rache und fängt mit Hilfe anderer Insassinnen gleich damit an. Nicht verwunderlich, dass die Gefängniswärterin als eine der Ersten das Zeitliche segnen darf.  Nachdem Shivani aus dem Gefängnis entlassen wird, schwört sie, sich an allen restlichen Peinigern zu rächen, die ihr im Leben übel mitgespielt haben.

Nichts für schwache Nerven

Am Anfang wirkt Anjaam wie der typische Bollywood-Film, in dem ein reicher Mann auf eine schöne Frau trifft und sie heiraten möchte. Aber anders als in üblichen Produktionen wird hier eine besonders hässliche Form der Liebe thematisiert. Diese wird sicher so manchen Zuschauer sprachlos werden lassen. Shivani macht durch Vijay und weitere Personen psychisch und physisch viel durch. Manche Szenen des Films sind recht abstoßend, zum Beispiel als etwas Fleisch aus einem Arm rausgebissen wird und abgerissene Stücke zwischen den Zähnen zu sehen sind. Dem Publikum in Indien war dies alles wohl einfach zuviel, denn der Psychothriller ist an den Kinokassen gefloppt. Shah Rukh Khan blüht hier in der für ihn seltenen Schurkenrolle richtig auf, schon allein deswegen ist Anjaam sehenswert. Weitere nennenswerte negative Figuren durfte er beispielsweise in Darr und Baazigar spielen. Den 40. Filmfare Award als ”Bester Schurke” hat er sich ohne Probleme eingeheimst. Madhuri Dixit gibt in diesem Titel auch eine der besten Performances ihrer Karriere ab. Dass sie trotz Nominierung keine Auszeichnung für die Rolle der Shivani erhielt überraschte in diesem Fall. Die Sympathie des Zuschauers dürfte generell am ehesten Shivani zufallen, deren Rache man gespannt verfolgen kann. Nebenbei wird die recht ernste Handlung durch einige Songs unterbrochen, die fröhlich ausfallen. Als wirklich erinnerungswürdig haben sich die Lieder ”Badi Muskhil Hai” und ”Barson Ke Baad” erwiesen. Der Rest fällt dagegen sehr unspektakulär aus. Ansonsten steuert der Schauspieler Johnny Lever auch eine lustige Szene im Gefängnis bei, die hier allerdings fehl am Platz wirkt. Levers auftauchen ist nicht immer eine gute Idee der Produzenten.

Fazit

Der Film ist ein ziemlicher Schocker und überhaupt nicht das, was man sich normalerweise unter Bollywood vorstellt. Es geht hier im Verlauf der Handlung hauptsächlich brutal zu. Daher würde ich Anjaam nur Zuschauern empfehlen, die nicht zartbesaitet sind und sich hier keine Liebesgeschichte erhoffen. Sehr irreführend ist der deutsche Trailer, weil man von einer Romanze zwischen Shivani und Vijay ausgeht. Vijay Agnihotri würde ich sogar als den boshaftesten Charakter in Shah Rukh Khans Karriere bezeichnen. Es überrascht mich überhaupt nicht, dass er den Filmfare Award als ”Bester Schurke” gewonnen hat. Als Vijay ein Ereignis aus seiner Schulzeit erzählt, als er die Glaspuppe von einem Mädchen zerschmetterte, weil sie ihm diese nicht geben wollte, zeigt das auf, welche Art von Mensch er ist. Die Geschichte von Anjaam würde ich schon fast als Trash bezeichnen, aber als guten Trash. Ich habe mich nicht gelangweilt und es bleibt spannend, wie das Ganze letztendlich zwischen den beiden Figuren endet. Man sollte jedoch nicht viel Logik dahinter erwarten. Das Leid von Shivani ist allerdings kaum zu ertragen, denn das was die Frau hier durchmacht ist einfach ausgedrückt die Hölle auf Erden. Ich sehe Madhuri Dixit und Shah Rukh Khan immer gerne zusammen auf der Leinwand, daher ist es nicht überraschend, dass mir auch dieses Werk relativ gut gefällt. Die Beiden sind einfach großartige Schauspieler und das Traumpaar der 90er Jahre.

©KSM GmbH

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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