Jurassic World: Das gefallene Königreich

Es ist wieder Dino-Zeit! Jurassic World: Das gefallene Königreich ist der mittlerweile fünfte Film rund um die Riesenechsen, die aus gut konservierter DNS im Labor erschaffen wurden. Die Idee mit dem Freizeitpark ist erneut gescheitert und die Welt beginnt sich langsam zu fragen, was das Ganze überhaupt soll. So wird es wohl dem einen oder anderen Kinozuschauer selbst ergehen. Wie viel Blockbuster-Zerstörung durch überdimensionale Raubtiere lässt sich erzählen?

  

Vor drei Jahren wurde Jurassic World zerstört. Hunderte Millionen wurden an die Opfer und Hinterbliebenen der Tragödie gezahlt und die Isla Nublar den Tieren überlassen. Aber der Vulkan auf der Insel regt sich wieder und droht nun dieses einmalige Habibat zu vernichten. Den Dinosaueriern steht eine neue Ausrottung bevor. Claire Dearing (Bryce Dallas Howard, Das Mädchen aus dem Wasser) möchte nicht tatenlos zusehen, denn diese Tiere bedeuten ihr etwas. Da trifft es sich gut, dass Benjamin Lockwood (James Cromwell, Ein Schweinchen namens Babe) sein Vermögen für eine Rettungsmission ausgeben möchte und sogar eine passende Insel zur Auswilderung hat. Er ist der ehemalige Partner von John Hammond, dem Visionär hinter Jurassic Park und lebt zurückgezogen in seinem riesigen Anwesen. Die Geschäfte wickelt er über Eli Mills (Rafe Spall, Hot Fuzz) ab. Der hegt allerdings im Geheimen ganz eigene Pläne und ist weniger aus humanitären Gründen an der Rettung der Dinosaurier interessiert. Claires Zugangscodes für den Park sind aber in jedem Falle unerlässlich. Ebenso wie die Hilfe von Owen Grady (Chris Pratt, Avengers: Infinity War), denn nur er kann Blue einfangen – den abgerichteten Velociraptor.

Abschied und Aufbruch

Es war nur eine Frage der Zeit, bis dieser Film kommen musste, denn Jurassic World spielte mehr als anderthalb Milliarden Dollar ein. Das Publikum möchte Dinosaurier sehen. Obwohl der Zauber von Steven Spielbergs Jurassic Park aus dem Jahr 1993 unerreicht bleiben wird. Es war ein tricktechnischer Meilenstein, der ganze Familien unterhalten hat, als es nicht jeden Monat einen neuen Blockbuster gab. Was bleibt ist Nostalgie und ein Klassiker, der sich gut gehalten hat. Während Jurassic World die Grundgeschichte eines Themenparks aufgriff und einen riesigen Katastrophenfilm ablieferte, ist Jurassic World: Das gefallene Königreich ein Blick in die größere Welt. Seit 25 Jahren gibt es wieder Dinosaurier und die dafür verantwortliche Gentechnik steht doch auch nicht still. Militärisches Interesse wurde bereits angedeutet und schon im zweiten Film Die vergessene Welt: Jurassic Park waren ein paar Leute damit beschäftigt Dinosaurier einzusammeln, um Profit zu erwirtschaften. Dieser Gedanke treibt die Haupthandlung an und erschafft neue Möglichkeiten, wie die Zukunft des Franchises aussehen kann. In der Filmwelt geht eine Ära zu Ende und Jurassic World: Das gefallene Königreich wird zu einem Bindeglied. Weil hier eine Brücke geschlagen wird, ist es schwierig einzuschätzen, wie gut oder schlecht dieser Film allein wirklich ist. Er krankt damit ein bisschen am Syndrom des mittleren Teils einer Trilogie. Ein wenig unfertig durch offen gelassene Fragen. Dabei breitet der Film die wichtigsten Dinge schnell aus. Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum, Thor: Tag der Entscheidung) ist wieder da und wird gebeten vor einem Ausschuss auszusagen, bei dem die Frage geklärt wird, ob den durch den Vulkan bedrohten Tieren von staatlicher Seite geholfen werden sollte. Und wie immer weist Malcolm auf die Gefahren hin und zählt mögliche moralische Dilemmata auf. Er ist kein Freund davon Gott zu spielen und mehr denn je beschäftigt sich dieser Film mit den globalen Konsequenzen. Oder kündigt diese zumindest deutlicher an.

Klassischer Monsterhorror

Originaltitel Jurassic World: Fallen Kingdom
Jahr 2018
Land USA
Genre Action, Science-Fiction
Regisseur J.A. Bayona
Cast Claire Dearing: Bryce Dallas Howard
Owen Grady: Chris Pratt
Eli Mills: Rafe Spall
Henry Wu: BD Wong
Zia Rodriguez: Daniela Pineda
Franklin: Justice Smith
Laufzeit 129 Minuten
FSK

Wo Jurassic World schon nur vom Nostalgiebonus getragen wurde, muss der Folgefilm mehr Inhalt liefern, um bei Laune zu halten. Das gelingt besonders im letzten Drittel des Films, wenn ein neuer Schauplatz besichtigt wird und das Genre ein wenig kippt. Statt Abenteuer ist angenehmer Grusel angesagt. Das kommt nicht von ungefähr, denn Regisseur J.A. Bayona ist vom Fach. Mit Das Waisenhaus lieferte er einen wunderbaren Horrorfilm mit viel emotionalem Drama ab. Und jetzt inszeniert er den neuesten Labor-Dino als Bedrohung auf engem Raum. Wo der Indominus Rex im Vorgänger nach der größer-schneller-weiter-Formel gestrickt war, gilt für den Indoraptor nur eines – Hauptsache böser. Mit Kameramann Oscar Faura versteht Bayona sich blind und die beiden wissen genau, wie ein Monster mit Hilfe von Schatten, Ausleuchtung, Perspektive, Reflektionen und anderen Kniffen am besten in Szene gesetzt wird. Leider fällt dadurch wieder auf, wie zweigeteilt der Film doch ist und so mancher Zuschauer wird eine Hälfte klar bevorzugen. Aber schon die vertrautere Umgebung fängt Bayona gekonnt ein und übertrifft Jurassic World. Es ist gut, dass Colin Trevorrow den Regiestuhl geräumt hat und sich hier nur als Schreiber und Produzent auslebt. Visuell enttäuscht Jurassic World: Das gefallene Königreich zu keiner Zeit. Die Bildsprache vermittelt auch Liebe zum Detail. Der erste Dinosaurier, den Dr. Alan Grant einst sah, war ein Brachiosaurus, der sich auf die Hinterbeine stellte, um Blätter von einem Baum zu fressen. Und diese Silhouette ist das letzte, was in der aufwirbelnden Asche und dem Staub zu sehen ist, wenn das Schiff die Docks der Isla Nublar verlässt. Auch der zerbrechende Bernstein mit dem Moskito ist mehr als der Abschied von einem sterbenden Mann, es ist das Ende des bekannten Jurassic Park.

Fade Abziehbilder als Charaktere getarnt

Verbleibt der eher schwächere Teil des Films: die Figuren. Es ist schön, dass selbst Dr. Henry Wu (BD Wong, Gotham) wieder dabei ist, aber warum er seine Forschung mit einer gewissen manischen Note und ohne jeden Sinn für Moral verfolgt, bleibt weiterhin ungeklärt. Die zwielichtigen Gestalten sind die üblichen Profitgeier und sich selbst überschätzende Großwildjäger. Auf der Heldenseite darf der obligatorische IT-Spezialist nicht fehlen und eine Tierärztin kommt auch dazu. Sie alle füllen wichtige Rollen aus, fühlen sich aber so austauschbar an, wie fast alle Charaktere in den Jurassic Park Filmen. Claire und Owen kehren zurück und sind zunächst erstmal kein Paar, was es den Autoren erleichtert ihnen bissige Dialoge zu geben. Das ist bestenfalls einfallslos und verschwendete Zeit. Immerhin zeigt Claire sich von einer neuen Seite. An mehreren Stellen betont sie, wie wichtig ihr die Dinosaurier sind und dass sie diese Tiere unbedingt am Leben halten will. Da schlägt ein Herz in ihrer Brust und sie ist mehr als die abgebrühte Businessfrau, die unglaublich gut in High Heels rennen kann (in festem Schuhwerk ist sie hier sogar noch schneller unterwegs). Claire ist der emotionale Haltebolzen. Owen hingegen ist einfach noch genauso, wie er vorher schon war. Videoaufnahmen zeigen seine ersten Momente mit Blue, die helfen aber eher dem Raptor mehr Charakter zu verleihen. Ist vielleicht nicht so schlimm, denn die Dinosaurier sind auf Dauer einfach wichtiger als die Menschen, um das Unterhaltungslevel hoch zu halten. Wer schon ein paar Filme gesehen hat, wird schnell dahinter kommen, dass es sich bei Lockwoods angeblicher Enkelin Maisie (Isabella Sermon) um einen Klon handelt. Das ist durchaus clever und passt zur Geschichte. Selbst das Tourvideo in Jurassic Park benutzt zur Veranschaulichung wie die Dinosaurier entstanden sind Klone. Es ist aber ärgerlich, wie plump dieser Punkt noch schnell haarklein erklärt wird, zu einem vollkommen unpassenden Zeitpunkt als generische Bösewichtansprache.

Es fällt mir schwer, den Film zu bewerten. Ich hatte nie das Bedürfnis auf die Uhr zu schauen und habe mich an all den bekannten und neuen Dinos gleichermaßen erfreut. Der Indoraptor hat ein tolles Design und ich bin froh, dass es nicht einfach nur ein noch größeres Exemplar ist. Das Ende finde ich auch wahnsinnig vielversprechend und hoffe, dass vor allem Claire als Figur weiter ausgearbeitet wird, denn da steckt eine Menge Potenzial drin. Aber wenn das versackt, weiß ich nicht, ob mir Jurassic World: Das gefallene Königreich nicht sogar noch verleidet wird. Die Nostalgiebrille beim Vorgänger war angenehm dick. Es gibt hier leider auch so ein paar Momente, da fühlt es sich an, als sei es vollkommen egal, dass es eben um Dinosaurier geht. Für das größere Gesamtbild ein wichtiger Schritt, aber deshalb wirkt es, als müsse ich nächste Woche direkt sehen können, wie das weitergeht. Andererseits was erwarte ich überhaupt von einem Jurassic-Film? Spaß, Action, knuffige Szenen mit dem T-Rex. Das gab es alles und es ist tolles Unterhaltungskino, definitiv für die große Leinwand geschaffen. (An dieser Stelle eine Entschuldigung an alle Paläontologen da draußen. Diese fiktiven Dinos sind halt massenkompatibel.)

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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Prinzessin Blaubeere
Redakteur

Ich hatte echt meinen Spaß mit dem Film. Stellenweise war er unfreiwillig komisch und die Dialoge ziemlich schlecht. Wir mussten teilweise sehr lachen. Ich will den Film gar nicht schlecht reden und etwas Negatives über ihn sagen. Dafür hat er mich viel zu gut unterhalten. Den Nostalgiebonus des Vorgängers hat er definitiv verloren und wenn man kritisch sein will, dann kann man ihn sicherlich in seine Einzelteile zerlegen. Uns sind schon einige Logiklöcher aufgefallen und sehr vieles war auch ziemlich vorhersehbar. Aber ich habe eigentlich bekommen, was ich wollte: Ein paar niedliche Szenen mit Blue, Dinokämpfe und echt gute Animationen. Mehr verlange ich von “Jurassic World” überhaupt nicht. Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass ich so lachen muss. 😀 Ist aber ja nicht das Schlechteste. Vor allem finde ich vor allem das Ende (an sich einfach nur dumm, was Macy da gemacht hat) schon recht interessant. Ich freue mich definitiv auf den nächsten Teil, weil er ein anderes Ausgangsszenario haben wird, als die bisherigen. Da kann ich diesen Film quasi als Übergang sehen, der eine neue Äre einleutet. Und ich bin gespannt, wie es dann wird.