Escape Room

Lesezeit: 5 Minuten

Wenn ein nerdiges Hobby in den letzten Jahren groß wurde, dann Escape Rooms. Mittlerweile gibt es alleine in Deutschland mehr als 400 solcher Einrichtungen. In Japan existieren jene thematischen Rätselräume, in welche sich Besucher freiwillig und gegen Bezahlung einschließen lassen, bereits seit 2007. Das Ziel ist simpel: Es gilt, als Gruppe ein Rätsel nach dem anderen zu lösen, um vor Ablauf einer vorab definierten Zeitspanne den Schlüssel, mit dem man den Raum verlassen kann, zu erhalten. Dafür müssen Hinweise gefunden, Zahlenschlösser geknackt und Worte richtig kombiniert werden. Kein Wunder also, dass dieses Thema irgendwann auch als Szenario für einen Film herhalten würde. Streng genommen ist Escape Room von Adam Robitel (Insidious: The Last Key) der mittlerweile dritte Film, der nicht nur dieses Setting nutzt, sondern auch diesen Namen trägt. Doch anders als den beiden anderen Indieproduktionen gelang dem 2019er Werk der Sprung ins Kino, wo Zuschauer seit dem 28. Februar 2019 nicht nur mitfiebern, sondern auch (ein wenig) miträtseln dürfen.

Die Physikstudentin Zoe (Taylor Russell, Lost in Space: Verschollen zwischen fremden Welten) ist hochintelligent, doch ihre Schüchternheit steht ihr im Weg. Eines Tages erhält sie eine mysteriöse Puzzlebox, deren Entschlüsselung die Einladung zu einem exklusiven Escape Room-Spiel in einer hochmodernen Einrichtung birgt. Sie wurde auserwählt, um zu den Ersten zu gehören, die jenen Raum testen sollen  – und wer sagt bei einem lukrativen Preisgeld von 10.000 US-Dollar schon nein? Vor Ort lernt sie ihre Mitspieler kennen. Der von sich überzeugte Börsenmakler Jason (Jay Ellis, Insecure), Slacker Ben (Logan Miller, Love Simon), die Kriegsveteranin Amanda (Deborah Ann Woll, True Blood), Trucker Mike (Tyler Labine, der lustige Bär aus Tucker & Dale vs. Evil) und Gamer Danny (Nik Dodani, Alex Strangelove). In der Empfangshalle auf den Gastgeber wartend, stellen sie nach kurzer Zeit fest, dass die Tür plötzlich verschlossen ist. Das Spiel hat längst begonnen und die Gruppe befindet sich inmitten einer tödlichen Falle…

Darf es ein bisschen Cube sein?

Originaltitel Escape Room
Jahr 2019
Land USA
Genre Thriller, Horror
Regisseur Adam Robitel
Cast Zoey Davis: Taylor Russell
Ben Miller: Logan Miller
Jason Walker: Jay Ellis
Mike Nolan: Tyler Labine
Amanda Harper: Deborah Ann Wolf
Danny Khan: Nick Dodani
Laufzeit 99 Minuten
FSK

Viele Räume, viele Fallen. Das kennt man ja bereits aus der Cube-Trilogie. Ähnlich verhält sich das mit Escape Room: Wir beobachten eine (augenscheinlich) willkürlich zusammengewürfelte Truppe dabei, wie diese sich durch Räume rätselt und dabei tödlichen Fallen (nicht immer) entkommt. Das Prinzip ist dasselbe wie in Cube, nur eben mit einem zeitgemäßen Escape Room-Bezug. Wo die Räume in Cube allerdings noch furchtbar monoton gestaltet sind, entzückt Escape Room das Auge mit liebevoll designten Themenwelten. Wie es sich für einen richtigen Escape Room gehört. Schließlich ist das einst futuristische Szenario mittlerweile Realität geworden. Nur mit dem Unterschied, dass wir Escape Rooms ohne tödliche Fallen spielen können. Apropos tödliche Fallen: Wer hierbei direkt Assoziationen zu SAW knüpft, liegt nicht völlig daneben. Das allmähliche Dezimieren der Gruppenmitglieder kennen wir in dieser Form bereits. Jedoch geht es in Adam Robitels Werk weitaus schonender zu und kein Tod ist sonderlich plakativ. In der zweiten Hälfte kommen allerdings noch Einflüsse einer anderen Horror-Reihe ins Spiel: Final Destination. Die “Dem Tod ein Schnippchen geschlagen und deshalb auserwählt sein”-Prämisse kennen wir eben doch zu gut! Der Cocktail aus den drei Filmreihen schmeckt vor allem deshalb außerordentlich gut, weil genug Eigenständigkeit bleibt.

Realität vs. Anspruch

Es ist ein bisschen dem Medium Film geschuldet, dass der Zuschauer nicht so richtig miträtseln darf. Die Räume beinhalten aus Zeitgründen zumeist nur ein bis drei Rätsel und sind deswegen simpler gestaltet, als Escape Rooms in der Realität. Und anders als bei den Abenteuertrips, die wir mit unseren Freunden buchen können, werden Fehler hier bestraft. Escape Room ist ein High-Concept-Film: Der Schwerpunkt liegt auf dem Spannungsfaktor und weniger der Plausibilität. Denn ginge es nach dieser, würden etliche Szenen einem Logik-Check nicht Stand halten können. Vieles geschieht, weil es dramaturgisch funktioniert und der Zuschauer mitgerissen wird. Rigorose Logikverfechter werden sich also an so einigen Stellen ärgern, während ein Publikum, das für Spannungsmomente zugänglich ist, schnell von der Dynamik der Räume gepackt wird.

Und wer sind die Spieler?

Eines haben alle bislang genannten Filme gemeinsam: Sie leben von Extremcharakteren und Stereotypen. Schließlich bringen die gruppeninternen Spannungen weiteren Konflikt- und Zündstoff ins Geschehen und Ego-Touren treffen auf selbstlose Rettungsaktionen. Dementsprechend sind die Charaktere der Drehbuchautoren Maria Melnik (American Gods) und Bragi F. Schut (Der letzte Tempelritter) alles andere als komplex angelegt. Schließlich kommt es, wie es kommen muss: Wir erfahren, dass keiner der Spieler grundlos eine Einladung erhalten hat. Der gemeinsame Nenner muss allerdings erst noch erarbeitet werden. Die schlimmsten Befürchtungen werden jedoch nicht wahr. Die Charaktere zerfleischen sich nicht in niemals endenden Streitereien, sondern bemühen sich, an einem Strang zu ziehen. Außerdem denkt jeder von ihnen mit und Aktionen der Marke “völlig verblödet” bleiben genreuntypisch völlig außen vor. Obwohl die wenigsten Sympathieträger sind, verleiht der Cast seinen Figuren weit mehr Profil als eigentlich vorhanden ist. Vor allem Deborah Ann Woll sticht positiv hervor.

Fazit

Escape Room ist so viel besser als die meisten erwarten werden und bringt frischen Wind ins Genre. Eine große Rolle für das Fazit spielt auch das Szenenbild: Die Escape Rooms sind klasse gestaltet und sorgen für Abwechslung. Der zweite Raum ruft besonders viel Verwunderung hervor, demonstriert aber auch, wie Escape Rooms einer weit entfernten Zukunft aussehen könnten. Eine ähnlich klaustrophobische Intensität wie Cube erreicht Escape Room nicht, allerdings bringt der Film weit mehr Biss und Dynamik mit, um den Zuschauer von Anfang bis Ende bei der Stange zu halten. Das Ende ebnet übrigens den Weg für mehr: Die Fortsetzung ist immerhin bereits angekündigt und angesichts der unbegrenzten Kreativität, welche die Einrichtung Escape Room mit sich bringt, steht einem kleinen vergnüglichen Franchise nichts im Wege. Teil 2 darf gerne kommen!

 

© Sony Pictures Home Entertainment 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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