Girl on the Third Floor

Lesezeit: 4 Minuten

Nicht selten ist der Neuanfang eines Protagonisten(paares) im Horror-Genre mit einem Umzug verbunden. Und noch weniger selten geht dieser Umzug in ein Haus, in welchem es in den allerseltensten Fällen gewöhnlich zugeht. Der zweite Spielfilm von Travis Stevens (Better off Ted) lässt sich zwar in die Kategorie Geisterhaus-Grusel einordnen, doch der eigentlich als Produzent (Cheap Thrills) tätige Amerikaner weiß frischen Wind in das Subgenre zu bringen. Sein Girl on the Third Floor überzeugt mit neuen Ideen und feierte Premiere innerhalb des Fresh Blood-Wettbewerbs auf dem Fantasy Filmfest 2019.

 

Die Kochs planen einen Neuanfang im Eigenheim eines Vorstädtchens. Die schwangere Liz (Trieste Kelly Dunn, Flug 93) bleibt zunächst einmal im alten Heim, da das neue Haus noch stark renovierungsbedürftig ist. Für die Arbeiten daran hat der arbeitslose Don (Ex-Wrestler C.M. Punk) genügend Zeit. Das läuft solange reibungslos, bis die geheimnisvolle Schönheit Sarah (Sarah Brooks, There) auf der Matte steht, die immer wieder versucht, Don zu verführen. Auch das Haus scheint ein gewisses Eigenleben zu führen. Murmeln rollen durch Zimmer und Blut läuft aus der Dusche …

Our House in the Middle of the Street

Originaltitel Girl on the Third Floor
Jahr 2019
Land USA
Genre Horror
Regisseur Travis Stevens
Cast Don Koch: C.M. Punk
Liz Koch: Trieste Kelly Dunn
Sarah Yates: Sarah Brooks
Sadie: Elissa Dowling
Milo: Travis Delgado
Laufzeit 93 Minuten

Strukturell klappert Girl on the Third Floor alle Vorgaben ab, die ein Haunted House-Film so mit sich bringt: Neuanfang, neues Haus, Konflikte, einer stürzt sich in Arbeit, seltsame Nachbarn, die ersten seltsamen Vorfälle. Das sorgt für viel Kurzweil, schließlich ist die Erwartungshaltung schon einmal klar abgesteckt. Der Grund, weshalb Girl on the Third Floor von Anfang an dennoch funktioniert, ist die Hauptfigur Don. Keiner jener rechtschaffenen Ehemänner, sondern ein Ex-Knacki mit fehlendem moralischen Kompass. Ein Mann, den man nicht als Freund haben möchte und als Feind erst recht nicht. Eine angenehme Abwechslung gegenüber all den Saubermännern und Vorzeigevätern, die das Genre sonst für sich einnehmen. Das neue Heim mag vielleicht zu modern sein, um den Grusel alter Gemäuer zu transportieren, doch genau das ist auch die spannende Facette daran. Das Haus sieht von außen wie innen zu modern aus, um darin Geisteraktivitäten zu vermuten.

Lebendiger Grusel

Für seine Gruseleien setzt Stevens auf handgemachte Effekte. Vor allem beim Einsatz diverser (Körper-)Flüssigkeiten lässt er es sich nicht nehmen, sich so richtig auszutoben. Dabei lässt er das Haus wortwörtlich zum Leben erwecken. Eine Idee, die David Cronenberg bereits aufgegriffen hat und die hier als Hommage interpretiert werden kann. Aus diesem Anlass werden allerlei Körperteile und -säfte nach und nach in irgendeiner Form hinter den geheimnisvollen Zimmerwänden erkenntlich. Der wahre Horror spielt sich tatsächlich für den Protagonisten Don ab, der sich merklich schwer damit tut, seine Launen unter Kontrolle zu halten und Ehefrau Liz von den auftretenden Vorkomnissen nichts wissen zu lassen. Als ärgerlich zu bezeichnen ist die Einführung einer immer mehr als der Zuschauer wissenden Nachbarin, welche den Erklärbär für den Zuschauer gibt, sich für unsere Protagonisten jedoch als wenig nützlich erweist.

Wachsende Bedrohlichkeit, steigende Spannung – trotz öder Kulissen

In der ersten Hälfte sorgt sich das Drehbuch noch verstärkt um seine Charaktere, in der zweiten nimmt die Geschichte den Raum (im wahrsten Sinne des Wortes) ein. Dabei gelingt es dem Regisseur, Spannung aufzubauen, was überwiegend durch Jump-Scares passiert. Die Kunst in deren Nutzung liegt darin, die richtige Dosis zu finden, um den Zuschauer nicht allzu schnell immun werden zu lassen. Erfreulicherweise findet Girl on the Third Floor auch hier das geeignete Maß. Die gelungene Arbeit an den Special Effects soll nicht ungenannt bleiben, immerhin ist diese für einen Low Budget-Titel umso nennenswerter. Das macht wieder einiges an Ödnis durch das eher triste Set (im Grunde gibt es nur vier Räumlichkeiten wiederholt zu sehen) wieder wett.

Fazit

Travis Stevens ist als Produzent ein Genre-Experte und kennt alle Spielregeln. Dementsprechend weiß er, wie er selbst aus einem verstopften Subgenre wie diesem noch neue Aspekte abgewinnen kann. Girl on the Third Floor könnte eine Light Variante von American Horror Story: Murder House sein. Keine herausragende Produktion, innerhalb des eigenen Genres allerdings eine kleine Indie-Perle, die obendrein durch den vergleichsweise ungewöhnlichen Hauptdarsteller punktet.

© Tiberius Film 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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