Batman: Hush

Lesezeit: 5 Minuten

Warner Home Video liefert seit 2007 regelmäßig Zeichentrickfilme für seine bekannten DC-Helden ab und hat sich innerhalb dessen eine fortlaufende Kontinuität erschaffen. Für dieses sogenannte DC Animated Movie Universe wurde jetzt mit Batman: Hush eine der beliebtesten Geschichten des Dunklen Ritters adaptiert. Mit einigen Freiheiten, um die Details entsprechend anzupassen. Im Zentrum steht das Doppelleben von Bruce Wayne als Batman. Sowohl bei einer kriminellen Intrige als auch dem romantischen Privatleben. Können Comicfans und Filmzuschauer gleichzeitig glücklich gestimmt werden?

 

Bruce Wayne beehrt Gothams High Society mit einem seiner seltenen Auftritte. Das hält ihm zumindest sein langjähriger Freund, der Neuro-Chirurg Thomas Elliott, vor. Auch Selina Kyle ist auf der Party, was Bruce freut, da er weiß, dass sie in ihrem Leben als Catwoman schon seit Monaten keine krummen Dinger gedreht hat. Zwischen den beiden knistert es. Doch typisch Gotham, die Nachricht von einer Kindesentführung geht um. Bane ist dabei, erfolgreich Lösegeld zu erpressen, also wirft sich Bruce in seine Batman-Montur und stoppt ihn. Doch ausgerechnet Catwoman schnappt sich das Geld. Bei der Verfolgung stürzt Batman schwer, da das Kabel seines Greifhakens gezielt durchschossen wird. Schnell wird Bruce klar, dass jemand im Hintergrund die Fäden zieht. Und das ist nicht nur Poison Ivy, die mal wieder ihre Pheromone für Gedankenkontrolle benutzt. Der mysteriöse Fremde spannt viele Schurken für seine Pläne ein und er scheint Batmans pikantestes Geheimnis zu kennen ­– seine Identität als Bruce Wayne.

Comic-Klassiker mit geänderter Besetzung

Originaltitel Batman: Hush
Jahr 2019
Land USA
Genre Animation, Action, Mystery
Regisseur Justin Copeland
Cast Bruce Wayne/Batman: Jason O’Mara
Selina Kyle/Catwoman: Jennifer Morrison
Dick Grayson/Nightwing: Sean Maher
Thomas Elliot: Maury Sterling
Alfred Pennyworth: James Garrett
Poison Ivy: Peyton List
Joker: Jason Spisak
Harley Quinn: Hynden Walch
Edward Nygma/Riddler: Geoffrey Arend
Clark Kent/Superman: Jerry O’Connell
Lois Lane: Rebecca Romijn
Laufzeit 82 Minuten
FSK

2002 begann mit Batman #608 ein Storybogen, der sich schnell zu einem Favoriten entwickelte und heute unter dem Titel “Hush” Klassikerstatus als Sammelausgabe genießt. Fast ein ganzes Jahr nahm die Erzählung von Autor Jeph Loeb und Zeichner Jim Lee in Anspruch, bis sie mit Ausgabe #619 ein Ende fand. Für die Adaption musste zunächst die wichtige Entscheidung getroffen werden, ob hier ein Stand-Alone-Film entsteht, der möglichst nahe an der Vorlage bleiben kann. Oder ob die Story in die Kontinuität von Titeln wie Son of Batman oder zuletzt Reign of the Supermen integriert wird. Und da man sich für die zweite Option entschied, mussten Änderungen her. Comicfiguren wie Jason Todd, Tim Drake oder Huntress existieren im DC Animated Movie Universe nicht. Und die Schicksale von Killer Croc oder Ra’s al Ghul machen ihre Auftritte unmöglich. Dafür gibt es ein Wiedersehen mit dem aktuellen Robin, Damian Wayne (der in den Comics erst 2006 kreiert wurde), sowie Barbara Gordon als Batgirl, die seit Batman: Bad Blood zur Batfamilie gehört, aber noch nicht viel zu tun hatte.

Eine Romanze als emotionaler Kern

Einer der auffälligsten Unterschiede ist wohl, dass Selina Kyle innerhalb der Filme noch nie in Erscheinung trat und hier gleich ohne große Vorstellung zu Bruce’ Love Interest wird. Und obwohl die Comics viel mehr Hintergrundstory für die beiden haben, nimmt sich der Film mehr Zeit, um diese Beziehung auszubauen. Bruce weiß schon lange, dass Selina Catwoman ist, während sie keine Ahnung hat, dass sie bei ihren Flirtereien mit Batman und Bruce immer denselben Mann vor sich hat. Dick und Alfred bemerken aber sofort, dass Bruce’ Stimmung in Selinas Nähe einfach besser ist und unterstützen die Wahl. Bat und Cat geben ein sehr besonderes dynamisches Duo ab, wenn sie sich zusammen schließen. Aber während Selina Veränderungen an den Tag legt, ist es für Bruce schwieriger sein Verhalten zu überdenken. Schon nur der Gedanke an einen kurzen Urlaub prallt mit seinem Pflichtbewusstsein aufeinander. Und so bleibt die junge Liebe sehr angespannt, wenn es um Grundsatzdebatten geht. Einmal mehr muss Batman erklären, warum ihm so viel daran liegt niemanden zu töten und jeden zu retten, solange eine kleine Chance dafür existiert. Dadurch bekommt Batman: Hush einige großartige Charaktermomente, die das Ansehen allein schon lohnenswert machen.

Mehr als nur ein Gegner

Batman ist einer der beliebtesten Superhelden überhaupt und ein Grund dafür ist seine ansehnliche Rogues Gallery. Die Bösewichte, die Gotham immer wieder in Atem halten, haben ihre ganz eigenen Gimmicks und interessante Pläne. Und Batman: Hush bringt gleich mehrere von ihnen zusammen. Während es bei Two-Face oder dem Pinguin nur für einen Auftritt in einer Montage reicht, kriegen Poison Ivy, Bane, Riddler, Scarecrow, Clayface, Harley Quinn und der Joker Sprechrollen. Hush entpuppt sich als Mastermind, der sie alle für seine Zwecke einspannt. Somit ist Hush dem großen Detektiv eine Nasenlänge vorraus. Gleichzeitig bieten sich Gelegenheiten für ein paar abwechslungsreiche Schlagabtäusche. Wobei der Joker selbstverständlich einen besonderen Platz hat. Im Glauben der Joker habe seinen Freund Elliot getötet, ist Batman kurz davor, seine eiserne Regel zu brechen. Wer sonst könnte einen solchen Kontrollverlust auslösen? Eine der wichtigsten Szenen des Comics, ist also enthalten.

Ein Ausflug nach Metropolis

Ebenfalls sehr gelungen ist ein kurzer Trip nach Metropolis, wo Lois Lane und Clark Kent, aka Superman, in die Handlung verwickelt werden. Ihre Beziehung bietet einen schönen Kontrast zur Bruce/Selina-Romanze und die typischen Frotzeleien der beiden lockern die ernste Grundstimmung auf. Zudem helfen solche Einbindungen, um den Zusammenhalt der Kontinuität als Filmreihe zu untermauern. Das Aufeinandertreffen von Batman und Superman ist für Fans immer auf die ein oder andere Art unterhaltsam, da ist auch Batman: Hush keine Ausnahme.

Fazit

Ich kann sehr gut verstehen, warum einige Fans schon bei den ersten Bildern enttäuscht waren. Das Design ist eben den bestehenden Filmen angepasst und reicht nicht an die Zeichnungen von Comicikone Jim Lee heran. Das ist aber auch eine sehr hohe Hürde für ein Animationsstudio. Schwerer wiegt natürlich, dass dieser großartige Moment mit dem scheinbar auferstandenen Jason Todd wegfällt. Und wer den Film dann noch schaut und sich auf sein Wissen stützt, um den Plot zu durchschauen, dem muss das Popcorn aus dem Gesicht rutschen bei diesem neu erdachten Ende. Das hat mich auch sehr überrascht ­– aber auf eine angenehme Art. Ich möchte soweit gehen zu sagen, dass mir der Riddler als Hush hier sehr viel besser gefällt und ich seine Motivation gut nachvollziehen kann. Da ihn niemand für voll nimmt und nur als C-Lister sieht, braucht er eine neue Persona, um einen eigentlich guten Plan durchzuziehen. Dass Dr. Elliot wirklich stirbt und einfach nur ein Freund von früher ist, wirkt wie ein typisch tragischer Moment aus Bruce Waynes Leben. Als Fan der Beziehung von Bruce und Selina finde ich es schön, wie viel Wert darauf gelegt wird zu zeigen, wie sie sich ergänzen und wo sie auseinander driften. Auch hier gefällt mir die Änderung des Endes zum Comic. Dort benutzt Selina das Wort “hush”, was Bruce dazu bringt zu hinterfragen, ob sie mehr wusste. Er kann ihr nicht vertrauen. Im Film kann sie nicht verstehen, dass er den Riddler auch unter Einsatz seines eigenen Lebens retten wollte. Sein eigener Code wird ihn eines Tages vermutlich umbringen. In der letzten Konsequenz eine unüberwindbare Different. Doch in beiden Fällen hoffen alle, dass es irgendwann eine gemeinsame Zukunft geben kann. Ehrlich gesagt haben mir die meisten Batman-Filme dieser Kontinuität weniger gefallen, aber Batman: Hush sehe ich mir gern ein weiteres Mal an.

© Warner Home Video

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Misato

Misato hortet in ihrer Behausung fiktive Welten wie ein Drache seinen Goldschatz. Bücher, Filme, Serien, Videospiele, Comics - die Statik des Hauses erlaubt noch ein bisschen, der Platz in den Regalen weniger. Am liebsten taucht sie in bunte Superheldenwelten ein, in denen der Tod nicht immer endgültig ist und es noch gute Menschen gibt. Íhr eigenes Helfersyndrom lebt sie als Overwatch Support Main aus und adoptiert fleißig Funko Pops.

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