Ajin: Demi-Human

Lesezeit: 4 Minuten

AJIN: Demi-Human zählt zu den angesagtesten Mangas der 2010er und heimste in Japan nicht nur begehrte Preise ein, sondern konnte auch seine Auflage von Band zu Band steigern. Unter der Zielgruppe, jungen Männern, gilt der stylische Sci-Fi-Action-Mix als besonders populär. Der Manga des Duos Gamon Sakurai und Tsuina Miura wurde schließlich vier Jahre nach seinem Start 2012 zu einer 26 Episoden starken Animeserie adaptiert, die in Deutschland dank Netflix eine breite Masse erreichte. Dass neben einer dreiteiligen animierten Filmreihe auch noch ein Realfilm, eine sogenannte Live Action, entstand, war dann nur noch reine Formsache. Immerhin ging man in Japan schon vor langer Zeit dazu über, beliebte Stoffe zu Crossmedia-Universen umzugestalten. Das filmische Ergebnis feierte seine hiesige Premiere letztlich auf dem Fantasy Filmfest 2018.

  

Der Oberschüler Kei Nagai (Takeru Satoh, Rurouni Kenshin) wird eines Tages Opfer eines Verkehrsunfalls und dabei tödlich verletzt. Doch zur Überraschung vieler regeneriert sich sein Körper und er bleibt am Leben. Für alle ist klar: Kei ist ein Ajin. Ajins sind Wesen, die von der Regierung für Forschungszwecke missbraucht werden. Denn sie gelten als die höchste Evolutionsstufe des Menschen und verhindern, dass diese sterben können. Die Experimente bringen die Betroffenen zwar nicht um, sind jedoch mit einem hohen Maß an Schmerzen verbunden. Eines Tages wird Kei von einer Gruppe untergetauchter Ajin befreit, doch er weigert sich, Menschen Schmerzen zuzufügen. Ein Konflikt entfesselt sich…

Originaltitel AJIN: Demi-Human
Jahr 2017
Land Japan
Genre Science-Fiction, Action
Regisseur Katsuyuki Motohiro
Cast Kei Nagai: Takeru Satoh
Minami Hamabe Eriko Naga
Sato: Go Ayano
Noriaki Iwashimizu: Ken’ichi Suzumura
Yu Tosaki: Tetsuji Tamayama
Laufzeit 109 Minuten

Simpler Plot, zahlreiche Fragen

Der Plot hinter AJIN: Demi-Human ist schnell erzählt. Unsterbliche Menschen, die selbst nicht die Ursache ihres Andersseins kennen. Die Gründe dafür sind für die Erzählung, das gilt für Anime, Manga sowie Film, zunächst einmal egal. Der Fokus liegt auf den Konflikten zwischen der breiten Masse und der außergewöhnlichen Minderheit. Und dann gibt es selbstverständlich einen Protagonisten und Antagonisten, deren Auffassung völlig unterschiedlich ist. Daraus entspringt die zentrale Handlung der Geschichte. Hintergründe werden nicht weiter beleuchtet. Dabei ist für den Zuschauer so manches von Interesse: Woher kommen die Ajins? Wieso sind deren Erscheinungen mit einem geisterhaften Hybridwesen verbunden? Handelt es sich wirklich um eine Krankheit? Fragen, die aus narrativen Gründen verständlicherweise nicht gleich zu Beginn beantwortet werden können.

Ein Film für bestehende Fans

Hierin zeigt sich schließlich einmal mehr, dass die Adaption einer Geschichte eines weiter ausgelegten Erzählformats wie eines Mangas nicht einfach in einen Spielfilm gepresst werden kann. So tauchen zahlreiche Figuren ohne Einführung auf und verschwinden ebenso schnell wieder. Für einen Zuschauer ohne Kenntnisse der Materie entstehen noch mehr Fragen. Fans freuen sich über bekannte Namen und Kurzauftritte, die man jedoch allenfalls ergänzend betrachten kann. Als eigenständige Persönlichkeit kann hier ausschließlich Kei überzeugen. Als einzige Figur mit ansatzweise Profil gelingt es ihm, für den Zuschauer greifbar zu werden. Sato (Go Ayano, Lupin – Der Meistedieb) gibt einen Gegenspieler ab, bei dem einzig die Präsenz das Fürchten lehrt. Er ist unberechenbar und dadurch eine reale Bedrohung. Regisseur Katsuyuki Motohiro (Psycho-Pass: The Movie) versucht aus dem Stoff das Maximum herauszuholen, doch auch die Möglichkeiten der Inszenierung sind irgendwann erschöpft, wenn keine der beiden Hauptfiguren sterben kann.

Stylische Inszenierung

Visuell bietet AJIN: Demi-Human krachende Actionszenen und stark choreografierte Kämpfe. Insbesondere eine in einem Krankenzimmer spielende Szene, welche bereits in der Animeserie zu den optischen Sahnestücken zählt, macht sich ausgesprochen gut im Live Action-Format. Der rigorose Schlagabtausch hinterlässt in einem Realfilm dank größerer Wucht noch einen viel bleibenderen Eindruck. Getrieben werden die Szenen durch pumpende Electro Beats, welche allgemein das futuristische Feeling unterstützen.

AJIN: Demi-Human ist kein Stoff, der im Realfilm-Format eine gute Figur abgibt. Es sind einzig die optischen Stilmittel, die einen Grund darstellen, sich den Film anzusehen. Die Handlung kommt wesentlich zu kurz, sodass schließlich der Eindruck eines halbgaren Blockbusters bleibt. Eine größer angelegte Geschichte lässt sich nicht in ein solches Schema pressen, weshalb eine Serie die bessere Lösung gewesen wäre. Inhaltlich stellt der Film ein Best of des Mangas bzw. des Animes dar und beliebte wie herausragende Szenen finden sich hier alle wieder. Doch die bloße Ansammlung dieser Momente ergibt in den 109 Minuten längst kein großes Ganzes.

©Toho International

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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