12 Feet Deep – Gefangen im Wasser

Lesezeit: 4 Minuten

Wie spannend Filme sein können, die auf engstem Raum spielen, wurde bereits mit Filmen wie Frozen – Eiskalter Abgrund oder Buried – Lebend begraben bewiesen. 12 Feet Deep – Gefangen im Wasser teilt sich mit diesen beiden Filmen nicht nur den deutschen Erklärbär-Zusatztitel, sondern auch die Kompaktheit, die der Schauplatz mit sich bringt: Das Becken eines Schwimmbads. So wenig originell das klingen mag, verleitet die Prämisse vielleicht eher als jene der anderen beiden Filme dazu, sich noch am ehesten in die Lage der beiden Protagonistinnen zu versetzen. Mit einem ausgefallenen Plot, einem Sack voll Emotionen und Tobin Bell (Das Gesicht der SAW-Reihe) im Gepäck sollte eigentlich nichts schief gehen. Das möchte man zumindest meinen, doch Regisseur Matt Eskandari (The Gauntlet) hat sich mit seinem dritten Spielfilm dann doch verhoben…

Feierabend! Bademeister McGradey (Tobin Bell) ist dabei, das Schwimmbad zu schließen, und wirft die letzten Badegäste raus. Ein langes Wochenende steht an und die Schwimmzeiten enden früher als sonst. Eigentlich wollen auch die beiden Schwestern Bree (Nora-Jane Noone, The Descent – Abgrund des Grauens und Jonna (Alexandra Park, The Royals) aufbrechen, doch eine der beiden Frauen verliert ihren Ring im Schwimmbecken. Während beide nach dem Ring tauchen, betätigt der Bademeister den Automatismus zur Schließung der Fiberglas-Abdeckung und verlässt seinen Arbeitsort im Glauben, dass alle Gäste bereits weg seien. Die beiden Schwestern stellen rasch fest, dass ihre Situation ausweglos ist. Auch die plötzlich auftauchende Putzfrau Clara (Diane Farr, Roswell) ist keine große Hilfe. Im Gegenteil, sie empfindet ein Machtgefühl gegenüber den beiden Poolnixen wider Willen…

Der Pool ist gefüllt, die Sendezeit noch nicht

Originaltitel 12 Feet Deep
Jahr 2017
Land USA
Genre Thriller
Regisseur Matt Eskandari
Cast Bree: Nora-Jane Noone
Jonna: Alexandra Park
Clara: Diane Farr
McGradey: Tobin Bell
Laufzeit 85 Minuten
FSK

Wie füllt man die Sendezeit von 80 Minuten, die sich nur in einem Pool abspielen? Eine kurze Überlegung bringt genau zwei Ideen zu Tage: Entweder man denkt sich einen zwischenmenschlichen Konflikt aus, bei dem kleine und große Lügen enthüllt werden, oder man findet einen Widersacher, der die Situation unnötig verkompliziert. 12 Feet Deep greift gleich beide Optionen ab. Während die Konflikte zwischen den beiden Schwestern noch irgendwie funktionieren, ist besonders der Part des externen Faktors missglückt. Der Regisseur macht es sich furchtbar leicht, indem er Claras geringes Selbstbewusstsein ausnutzt, um aus dem einstigen Opfer einen Täter zu machen. Ihre Motivation bleibt zu weiten Teilen auf der Strecke, und als Zuschauer muss man sich einfach damit abfinden, dass die Gute eben frisch aus dem Knast entlassen wurde. Ganz nach dem Motto “einmal kriminell, immer kriminell”.  Das führt zu einigen holprigen Dialogen und irrationalen Handlungen der Schwestern, was in einem zähen Erzählfluss mündet.

Klaustrophobie ohne Konsequenz

Wenn 12 Feet Deep eine Sache beherrscht, dann die klaustrophobische Stimmung. So wirkliche Todesgefahr entsteht zunächst nicht, da noch immer genug Platz zum Atmen ist.  Der Ansatz, die Wassertemperatur herunterzudrehen, ist da schon weitaus fieser, wenngleich nicht konsequent durchgezogen. Kaum stellen sich die Mädchen gut mit Clara, wird die Wassertemperatur auch schon wieder vergessen.  Die Höhe des Schwimmbeckens lässt sich auch für den Zuschauer leicht abschätzen. Ein Ort, an dem jeder wahrscheinlich schon einmal war, im Gegensatz zu engen Höhlensystemen oder niedrigen Schächten, mit denen in anderen Filmen Klaustrophobie erzeugt werden soll. Hierin ist Nora-Jane Noone auch Expertin, schließlich spielte sie als Holly eine der tragenden Rollen in dem Höhlen-Schocker The Descent – Abgrund des Grauens. Sowohl sie als auch Alexandra Park liefern eine solide Leistung ab. Der Dreh fand über 14 Tage hinweg statt und beide Schauspielerinnen hielten sich dafür überwiegend im Wasser auf. Das geht an die Substanz, was dem Schauspiel zu Gute kommt. Tobin Bell ist bis auf Weiteres ein Aushängeschild, dessen Auftritt völlig austauschbar ist. Dass Clara wenig greifbar ist, liegt weniger als Diane Farr als an dem Drehbuch, welches ihre Figur einfach als Mittel zum Zweck ansieht.

Fazit

12 Feet Deep – Gefangen im Wasser schlägt sich halbwegs passabel, wenn es darum geht, aus den begrenzten Möglichkeiten des Schauplatzes möglichst viel herauszuholen. Als Zuschauer benötigt man allerdings schon ein kleines Faible für Zwischenmenschliches, andernfalls wird einen die Leidensgeschichte der beiden Schwestern kalt lassen. Nicht zu entschuldigen ist jedoch der künstliche Umgang mit der Figur Clara, bei der das Drehbuch jeden Einwand einfach weglächelt und ihr den Psychopathenstempel aufdrückt. Der reduzierte Score, die kräftigen Blaufilter und das unverbrauchte Szenario machen den Film sehenswert, größere Überraschungen bleiben jedoch völlig aus.

Wir sind Teilnehmer des Amazon Partnerprogramms. Mit einem Kauf über diesen Link unterstützt du uns, denn ein Teil des Kaufpreises wird Geek Germany als Provision ausgezahlt. Diesen Beitrag stecken wir in Servermiete und die technische Weiterentwicklung der Seite. Für dich entstehen dadurch keinerlei Mehrkosten. Bitte stelle deinen Ad-Blocker für Geek Germany aus.

Sharing is caring / Artikel teilen:
  • 20
  • 1
  •  

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: