Deadpool: Killustrierte Klassiker

Deadpool reichts! Nachdem ihm Psycho Man in Deadpool killt das Marvel-Universum als Marionette benutzen wollte, in dem Söldner mit der großen Klappe dabei aber nur eine Erkenntnis weckte, schnetzelt sich Wade Wilson erst recht durch alles, was ihm im Weg steht. Das Bewusstsein dafür, dass alles nur eine Lüge und er eine Erfindung von Menschen außerhalb der Comicwelt ist, bringt ihn nach langem Morden auf die Idee, sich der Ideenvergangenheit zuzuwenden. Und schon haben wir Teil 2 der Deadpool Killogy: Deadpool Killustrierte Klassiker, welcher 2015 bei Panini Comics erschien.

    

Der wohl frechste Superheld hat sich durch das Marvel-Universum gemordet und erkannt, dass er so auch keine Erlösung findet. Egal, wie oft er in hunderten von Realitäten Captain America, Spider-Man, Thor und all die anderen tötet – sie kommen immer wieder. Deshalb hat er sich den Zugang zum Nexus aller Realitäten gesichert und beschäftigt schlaue Wissenschaftler, die ihm eine Lösung präsentieren sollen, wie er endlich sich und alle anderen endgültig auslöschen kann. Und die Lösung scheint in den Klassikern der Weltliteratur zu liegen. Doch anstatt sich durch tausende von Büchern zu suchen, beschließt Deadpool, einfach aufzubrechen und weiter zu töten.

Sinnkrise eines Mörders

Originaltitel Deadpool Killustrated
Jahr 2015
Land USA
Genre Horror, Klassiker, Krimi
Zeichner Cullen Bunn
Autor Matteo Lolli
Verlag Panini Comics

Auch wenn Deadpool Killustrierte Klassiker eine in sich abgeschlossene Handlung bildet, so helfen ein paar Informationen zum Verständnis. Im ersten Teil befanden die X-Men den Söldner als zu gefährlich und schickten ihn zu Dr. Benjamin Brighton in die Ravencroft-Klinik. Hinter dessen grausamen Methoden steckt aber nur das Ziel, sich selbst eine Armee aus Bösewichten aufzubauen, damit er der mächtigste Mann werden kann – alter Hut. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass Deadpools Wille nicht so leicht zu brechen ist und im verrückten Söldner ein bisher schlummerndes Ich erwacht, das die Erkenntnis mit sich bringt, dass Deadpool und all die anderen nur fiktive Figuren sind. Wade Wilson beginnt zu verzweifeln und will nur noch sterben. Er erhofft durch den Tod der anderen Helden auch sich selbst zu töten, doch so einfach ist es nie…

Wie tötet man Ideen?

Auch wenn Deadpool die Superhelden tötet, die Idee dieser Figuren verschwindet nicht und es entsteht ein ewiger Kreislauf aus Qual (für Deadpool, der schon bald keine Hoffnung mehr hat und für die Getöteten sowieso). Also begibt er sich mit Hilfe von Wissenschaftlern auf eine Reise durch den Nexus, um diesmal die Wurzel allen Übels auszureißen: Die Klassiker der Weltliteratur. Und da begegnet man als Leser einem wahren Ideenfest, welches gleichzeitig auch noch Verbindungen zu den uns bekannten Superhelden ist. Beispiel gefällig? Eine der ersten Stationen des Söldners ist Moby Dick und im Laufe des Mordens wird Kapitän Ahab zu General Boss. Einen weiteren Beweis eines funktionierenden Plans sieht Deadpool, als auf dem Schiffsdeck auf einmal Pinocchio auftaucht und kurzzeitig Visions Kopf zu sehen ist – die Realitäten beginnen zu verschwimmen und eine Inspiration nach der anderen stirbt.

Konspirative Gegenwehr

Schnell wirken sich Wade Wilsons Handlungen auf die anderen Bücher aus und wer wäre geeigneter für die Lösung dieses Problems als Sherlock Holmes? In einem verzweifelten Akt haben die Wissenschaftler Deadpool Drohnen mit Erklärungen dazu, was passiert, in die fiktiven Welten nachgeschickt. Nun weiß der Detektiv, gegen wen er kämpft und holt sich schlagkräftige Unterstützung. Es beginnt eine Verfolgungsjagd durch die Weltliteratur.

Kein Respekt vor Kulturgütern

Mithilfe eines Kontrollgerätes kann Wade Wilson in Deadpool Killustrierte Klassiker zwar bestimmen, WANN er in eine andere Realität springt, jedoch nicht, WOHIN. Dadurch hat sich der Autor Cullen Bunn (Uncanny X-Men, The Sixth Gun) die Möglichkeit offen gelassen, möglichst viele Klassiker einzubauen. Geschickt ist eingebaut, welche Inspiration einzelne Figuren für spätere Superhelden bildeten. In oft doppelten Panels kann Deadpool seine gewohnt markanten Sprüche bringen und man erkennt, wer für wen Gedankenvater oder -mutter war. Matteo Lolli (Hawkeye vs. Deadpool) gelingt es mit seinen Zeichnungen, dem Leser das Gefühl zu geben, wirklich im jeweiligen Klassiker zu stecken. Der vielfältige Stil lädt zum Verweilen auf einzelnen Panels ein.

Here we go again: Deadpool und Literatur, ich war sofort begeistert und musste es unbedingt kaufen. Zum Glück funktioniert die Geschichte auch, wenn man den Vorgängerband nicht gelesen hat, für diesen Artikel habe ich das aber nachgeholt und ich muss sagen, dass man manches doch besser versteht. Ich liebe es, wie die Übergänge von Inspiration zu Idee eingebaut sind und habe Spaß, dabei zuzusehen, wie sich Deadpool durch die Weltliteratur metzelt. Anders als bei Viel Lärm um Deadpool fällt der informative Teil darüber, welche Werke hier verarbeitet wurden, sehr kurz aus, aber mit genügend Allgemeinbildung erkennt man alle Bücher, in denen sich der Söldner tummelt. Das Ende kommt schnell und unspektakulär daher, was schade ist. Deadpool Killustrierte Klassiker ist ein Comic für einen verregneten Nachmittag, der einem gute Unterhaltung bietet und dem nur eine letzte grandiose Idee fehlt, um perfekt zu sein.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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Ayres
Redakteur

So an sich würde ich mir wohl nie einen Comic kaufen, aber das hier liest sich witzig genug, um ihn direkt zu bestellen. Die Idee mit den Avengers liest sich ziemlich witzig und die ewig wiederkehrenden Gegner haben so etwas Zeitschleifenmäßiges.