Sabriel

Sabriel

Lesezeit: 5 Minuten

Kaum eine Art von Magie lässt einem die Haare so sehr zu Berge stehen wie die der Totenbeschwörung. Zombieserien wie The Walking Dead oder Z Nation erfreuen sich zwar großer Beliebtheit, allerdings würde im wahren Leben lieber keiner mit den wiederbelebten Toten ein Kaffeekränzchen halten wollen. Doch ein anderes Totenthema findet in der Literatur kaum Beachtung, obwohl sich selbst Sauron in Herr der Ringe genau das als grausames Hobby ausgesucht hat: Die Nekromantie. Bereits im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts schrieb Garth Nix mit Sabriel den ersten Teil der Reihe um das Alte Königreich, in welchem die Magie noch fließt, die Toten in unterschiedlichster Form auf Erden wandeln und es die wohl außergewöhnlichste Art von Nekromanten-Magiern gibt, die Abhorsen.

    

Bei Sabriel geht es vor allem um eine Frage: Wer wird die Lebenden schützen, wenn sich die Toten erheben? Die gleichnamige Heldin des Buches ist die Tochter des aktuell amtierenden Abhorsen – ein Titel, welcher vererbt wird – und besucht eine Schule außerhalb ihrer magischen Heimat. Sie führt dort ein normales Leben, vorausgesetzt, man kann es so nennen, wenn jemand in ihrer Freizeit zusätzlich “Das Buch der Toten” studiert. Eines Tages bekommt sie die Glocken und das Schwert ihres Vaters von einem geheimnisvollen Wesen überbracht und weiß: Etwas ist mit ihrem Vater passiert und sie muss zurück ins alte Königreich, um ihn dort zu finden und ihm dabei zu helfen, das Land vor einem drohenden Unheil zu bewahren.

Zwei Reiche, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Im Norden ist im alten Königreich die Magie greifbar ist und jeder magisch Begabte darauf zugreifen kann (wenn auch immer in unterschiedlichem Maß), so ist es dennoch seit 200 Jahren ohne Herrscher. Die Hauptstadt verfällt, weil die Königsfamilie umgebracht wurde und es keinen Erben gibt. So fällt es dunklen Nekromanten, die sich der freien Magie verschrieben haben, leicht, Macht zu sammeln und die Toten zu beschwören. Nach und nach scheint das Land zu verkommen. Im Süden befindet sich Ancelstierre, in dem die Technologie und die Wissenschaften durchgesetzt haben. Vergleichbar ist diese vollkommen verschiedene Welt mit unserer in den 1930er Jahren. Getrennt werden die beiden Reiche von einer Mauer, die das Land teilt. Sie ist die letzte Barriere der Menschen gegen die Gefahren aus dem Norden.

Einführung in die Nekromantie

Originaltitel Sabriel
Ursprungsland Australien
Jahr 1995
Typ Roman
Bände 1 / 3
Genre Fantasy
Autor Garth Nix
Verlag Bastei Lübbe

Besitzt man ein Gespür für den Tod, dann kann man ihn auch betreten. Dargestellt wird dieser in der Reihe von Garth Nix durch einen Fluss und seinen neun Toren, durch die jeder Verstorbene gehen muss, um Frieden zu finden. Doch nicht jeder Tote gibt sich mit seinem Schicksal zufrieden und versucht, zurück ins Leben zu kommen. Diese und auch jede andere Seele kann ein Nekromant mithilfe seiner sieben Glocken beherrschen, sie sind der einzige Schutz gegen die Verstorbenen. Während die eine die Toten zur Ruhe bettet, weckt eine andere sie auf und ruft sie zurück ins Leben. Es gibt Glocken, die geben Erinnerungen und die Stimme zurück, eine andere bindet Seelen endgültig ans Totenreich. Keine der Glocken sollte leichtfertig verwendet werden, denn jede kann sich auch gegen den Schwinger wenden. Nutzen “freie” Nekromanten die Glocken, um mehr Macht zu erlangen und sich andere Untertan zu machen, so dienen die Abhorsen einem alten Schwur: Die Menschen vor den Toten zu beschützen und letztere zurück in ihr Reich zu schicken, sollten sie sich daraus hervorwagen.

It’s all about the Charter

Eins muss man Garth Nix lassen: Er hat eine faszinierende Welt geschaffen, die unserer gar nicht so weit entfernt scheint. Wahrscheinlich wird dieser Effekt zu einem Großteil auch dadurch erzielt, dass Ancelstierre so sehr unserer entspricht. Aber auch die magischen Wesen, von den verschiedenen Arten der Toten, die entweder wiederbelebt wurden oder sich selbst ins Leben zurückgekämpft haben. Auch scheinen die Charter, auf denen das Magiesystem basiert, so natürlich, dass man fast meint, mit ein bisschen Mühe und dem richtigen Standort könnte man selbst darauf zugreifen. Überall findet man im Alten Königreich diese Form der Magie: in den wichtigsten Blutlinien, in sogenannten Chartersteinen, welche einen leichteren Zugriff auf die Magie ermöglichen und auch in der Mauer, die den einzigen Schutzwall gegen die dunkle Seite der Magie bildet.

War das Charakterdesign früher etwa besser?

Kennt ihr das? Die Helden eurer Fantasybücher sind zwar zu Beginn meist eher Nobodys, aber trotzdem schaffen sie es bis zum Schluss ohne größere Schwierigkeiten zur Rettung der Welt? Oder sie sind sowieso schon Kickass und haben deshalb sowieso keine Probleme mit dem, was auf ihrem Weg liegt? Garth Nix schafft es, dass die Figuren, denen wir folgen, menschlich wirken. Wenn sie vor einer Gefahr fliehen, spüren wir ihre Ängste und sie erschöpfen auch nach einer realistischen Zeitspanne. Jemand, der lange Zeit eingesperrt war, hat damit zu kämpfen, dass er 200 Jahre Entwicklung des Landes verpasst hat. Und Sabriel, die eigentlich nur ihren Vater finden will, weil sie sich nicht bereit fühlt für die Stellung als Abhorsen, muss einen ständigen Kampf ausfechten zwischen Zweifel und Können. Außerdem gibt es noch den Kater Mogget, ein Wesen, welches im Dienst der Abhorsen steht und auf wunderbar erfrischende Art mit gesundem Pessimismus die Handlung auflockert. Und dabei schafft es Garth Nix, die Geschichte so zu erzählen, dass sie nicht übertrieben heroisch dargestellt wird. Wäre sein Stil eine Persönlichkeit, so wäre sie Fantasy, die in sich ruht, weil sie weiß, was sie kann und nicht angeben muss.

Bereits vor mehr als zehn Jahren las ich die Reihe um das alte Königreich. Ich hatte noch in Erinnerung, dass ich die Bücher verschlungen habe und liebte. So ließen mich diese Ausleihen aus der Bibliothek lange nicht los, allerdings dauerte es auch einige Jährchen, bis ich mich wieder an die Titel der Reihe erinnerte. Doch jetzt besitze ich fast alles, was zu dieser Reihe gehört und habe die Originaltrilogie zum zweiten Mal gelesen. Wieder hat mich der Stil des Autors gefesselt, der solch phantastische Begebenheiten so darstellen kann, dass sie wie ein Ereignis wirken, dass um die nächste Häuserecke stattfinden könnte. Er hat ein Talent dafür, vielfältige Charaktere zu erschaffen, das mich einfach nur umhaut und bei denen ich mich frage, wo sie in der aktuellen Fantasy bleiben. Kaum kämpfen dort die Helden und Heldinnen mit inneren Konflikten, so etwas wie Depression wird gar nicht erst behandelt. Allein deshalb kann ich jedem nur die Bücher empfehlen, wer sich an die englische Originalausgabe traut, wird sogar noch mit zusätzlichen Kurzgeschichten und einem Prequel und einem Sequel belohnt. Mit denen belohne ich mich in den nächsten Monaten und kann kaum erwarten, erneut die Reise ins alte Königreich anzutreten!

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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