Vampire Hunter D: Bloodlust

Wenn eine Anime-Produktion auf ein westliches Traditions-Genre schaut, dann kommen oft erstaunliche Dinge zustande. Wie zum Beispiel Vampire Hunter D: Bloodlust. Ein Vampire jagender Halb-Vampir, der mit einem großen Schwert auf dem Rücken durch einen Italo-Western mit Gruselschlössern und Monstern reitet. Das hätte sich Bram Stoker wohl nicht träumen lassen. Vampire Hunter D ist sicher nicht der einzige Film der 2000er, der das Genre mit dem blutgierigen Grafen gegen den Strich bürstet, aber einer, der optisch so Einiges zu bieten hat.

 

Eine unruhige junge Frau in einem Schlafzimmer. In das alsbald der Vampir Meier Link eindringt und sie entführt. Ihr Vater engagiert den besten Kopfgeldjäger des Landes, um sie zurückzubringen, ob nun tot oder lebendig: den berüchtigten Halbvampir D. Doch weil keiner dem wortkargen Mann in Schwarz so recht trauen mag, wird auch die Konkurrenz engagiert: Die Gebrüder Marcus, die in einem Panzer mit kreuzförmigen Schießscharten unterwegs sind und alle Monster niedermähen, die sich ihnen in den Weg stellen. Auf der Jagd nach der Kutsche des Vampirs kreuzen sich Wege der Jäger immer wieder. Die Marcus-Brüder sind nicht erfreut über die Konkurrenz, doch Leila, das Waisenmädchen, das sie als Quasi-Schwester adoptiert haben, ist von D wider Willen fasziniert. Meier Link sucht Schutz bei den Barbaroi, einem Volk skurriler Monster, die von jeher mit den Vampiren im Bunde stehen. Sie geben ihm zum Schutz drei Begleiter mit: Benge, das Schattenwesen, Caroline, die Frau mit den Tentakel-Haaren und Mashira, den Werwolf. Trotz dieser Unterstützung gelingt es D, den Vampir und seine Braut zu stellen. Doch Charlotte ist gar nicht gegen ihren Willen entführt worden, sie folgt Meier Link aus Liebe. Das lässt D zögern und so können Meier Link und Charlotte ihre Flucht fortsetzen. Bis zum Schloss der Vampirgräfin Carmilla, wo möglicherweise ein Raumschiff mit Kurs auf eine bessere Welt auf sie wartet …

Geradlinige Story mit viel Eye Candy

Originaltitel Vampire Hunter D: Bloodlust
Jahr 2000
Laufzeit 105 Minuten
Genre Dark Fantasy
Regie Yoshiaki Kawajiri
Studio Madhouse
Im Handel erhältlich

Dass es hierbei um eine Vampir-Geschichte jenseits der westlichen Genre-Grenzen geht, sieht man schon in der ersten Szene. Da hat sich eine Stadt mit unzähligen Kruzifixen auf den Dächern auf einen Vampirangriff vorbereitet. Doch die Kreuze schmelzen in wenigen Momenten dahin, umgemäht von der schieren geistigen Energie eines mächtigen Vampirs. Das wäre bei Bram Stoker nicht passiert. Wie die Eckdaten dieser Welt mit den vielen unterschiedlichen Genre-Versatzstücken sind, kann man in den 34 Bänden der Romanvorlage von Hideyuki Kikuchi (Yashakiden: The Demon Princess) nachlesen. Oder einfach zur Kenntnis nehmen, dass hier Panzer neben Kutschen, Spukschlösser neben Raumschiffen und Monster jeglicher Sorte neben Westernkulissen stehen. Und das verdammt gut aussieht. Vor diesem buntgemischten Hintergrund entfaltet sich eine ganz schlichte Story: Die einen fliehen, die anderen verfolgen. Und absolvieren dabei einen spektakulären Monsterkampf nach dem anderen. Nicht umsonst sind die Marcus-Brüder zu viert und drei Leibwächter gesellen sich zu dem fliehenden Paar. Damit in einem Duell der Superkräfte nach dem anderen alle ihre Kampfskills zeigen und dann auf der Strecke bleiben können, bis es die wichtigen Figuren ins Finale schaffen.

Die Einsamkeit des Vampirjägers

Kein Wunder, dass D seinen traditionsreichen Namen so rigoros verkürzt hat. Natürlich steht das für Dracula, aber als illegitimer Sohn des großen Vampirfürsten mit einer Sterblichen und Kopfgeldjäger auf der Jagd nach Artgenossen hat er sich eine ganz andere Tradition ausgesucht: Die des namenlosen Helden aus einem Italo-Western, der nie eine Miene verzieht und kaum mal den Mund für einen knappen Satz aufmacht. Da ist eine Silbe schon das Maximum, was er von sich preisgeben will. Da er in einem Crossover-Universum lebt, darf er beim Kostüm ordentlich einen drauflegen. Nicht nur einen weitkrempigen Hut, der sein Gesicht meistens überschattet, auch einen wehenden, schwarzen Mantel und ein riesiges Schwert. Das macht viel wortreiche Erklärung von vorn herein überflüssig: Ein einsamer Held am Rande der Gesellschaft, gehasst von Seinesgleichen, gefürchtet von denen, die er schützt. Da manches aber doch gesagt werden muss, hat er einen redseligen Begleiter. In seiner linken Hand wohnt ein parasitärer Dämon, der sich als Gesicht in Ds Handfläche manifestiert und umso mehr quasselt, quatscht und nervt, je mehr sein Wirt ihn anschweigt. Für seinen letzten Satz möchte man ihn küssen, denn er fasst das ganze Trauerspiel flapsig zusammen: “You’re not that bad. You just dress bad.”

Dunkle Romantik vom Feinsten

Auch auf der anderen Seite geht es düster und tragisch zu. Da ist die verbotene Liebe von Charlotte, der Sterblichen und Meier Link, dem Vampir, die bittersüß im Ungewissen endet. Einen Vampirprinzen jenseits jeglichen deutschen Sprachgefühls Meier Link zu nennen passiert wohl nur in einer Anime-Produktion. Aber falls der sperrige Name von dem Schloß Mayerling stammt, wo 1889 der österreichische Thronprinz Rudolf erst seine Geliebte und dann sich selbst erschoss, dann hat da der Autor seine Hausaufgaben mit Fleiß und Gründlichkeit gemacht. Denn Meyer Link startet zum Schluss mit der Leiche seiner Geliebten in einem maroden Raumschiff in die Weiten des Weltraums und somit wohl kaum in eine bessere Welt, sondern in den Tod. Wie D sind Charlotte und Meyer Link wunderschön und für eine Produktion der 2000er Jahre erstaunlich detailreich gezeichnet. Ganz im Stil des Künstlers Yoshitaka Amano, der schon die Vampire Hunter D-Romane illustriert und Figuren für Final Fantasy entworfen hatte. Da winden sich wie im Jugendstil dekadente Linien und üppige Ornamente um puppenhaft schöne Gesichter. Trotz des Detailreichtums bleiben die Züge der Figuren recht starr und ausdrucksarm. Wohl, weil es eher um die große Pose geht, als um differenzierte Ausdrucksmöglichkeiten. Figuren, die mehr zu sagen haben, wie etwa Leila, haben auch mehr Mimik. Die macht, wie der Quasseldämon, den Erklär-Bär für die Figuren, die in tragischer Pose verharren.

Fazit

Was an Vampire Hunter D: Bloodlust Anfang der 2000er geflasht, sind das Genre-Crossover und die Opulenz der Bilder. Da gibt es die Szene, wo D durch die Wüste reitet und sich aus den Dünen ein Schwarm riesiger Manta-Rochen erhebt. Da habe ich immer wieder zurückgespult, um die Mantas noch einmal fliegen zu sehen, einfach, weil es so wunderbare Monster sind. Zwei Jahrzehnte und jede Menge Anime-Produktionen später ist das nicht mehr so spektakulär, aber trotzdem kriegt mich der schiere Eye Candy dieses Films immer wieder. Die Figuren sind bildschön, aber dabei ziemlich hölzern? Das Motiv vom melancholischen Helden im wehenden Mantel, dem keiner glaubt, dass er eigentlich ein Guter sein will, ist ganz schön abgenudelt? Egal, wenn die Pose nur richtig gut aussieht. Und das tut sie immer wieder.

© Rapid Eye Movies


Im Handel erhältlich: 

 

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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1 Kommentar
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Ayres
16. Januar 2021 13:24

Das macht Lust, den Film mal wieder zu schauen. Es ist schon ziemlich lange bei mir her und ich habe einen wirklich starken Eindruck von dem Film gehabt. Die düstere Atmosphäre, dann ist alles so wortkarg und auch die Figuren sind kreativ gestaltet. Ein moderner Klassiker sozusagen. Es existiert dazu auch ein tolles AMV zu Maggie Reillys “Moonlight Shadow”, das ich immer wieder gerne ansehe: https://www.youtube.com/watch?v=VIuMPLrme2k

So, DVD ist rausgelegt für den nächsten Rewatch.