Tokyo Revengers

Eine Geschichte, die mit gefährlichen Gangs und Zeitreisen gemixt ist? Zumindest in der populären Serie Tokyo Revengers wird diese Art von Mischung ermöglicht. Nach der Manga-Vorlage von Ken Wakui (Abaddon) produzierte Studio Liden Films (The Heroic Legend of Arslan) in der Anime Spring Season 2021 eine Serien-Staffel. Die Geschichte rund um den zeitreisenden Protagonisten Takemichi Hanagaki konnte weltweit sehr schnell eine beachtliche Fanbase aufbauen. Im Zuge dessen haben sich nach Start der Anime-Adaption die Verkäufe des Mangas in Japan deutlich vervielfacht. Hierzulande ist Tokyo Revengers vollständig beim Streaming-Anbieter Crunchyroll zu sehen.

   

Der 26-jährige Takemichi Hanagaki kann nicht gerade behaupten, dass sich sein Leben gut entwickelt hätte. Ohne jegliche Hoffnung, dass sich sein bedauernswerter Alltag ändern könnte, muss er auch noch eine tragische Nachricht verkraften. Seine Ex-Freundin Hinata Tachibana und ihr Bruder Naoto sind Opfer der Tokyo Manji-Gang geworden und verloren ihr Leben. Als Takemichi eines Tages von einem Unbekannten auf die Bahngleise gestoßen wird, landet er plötzlich zwölf Jahre in der Vergangenheit, nämlich im Jahr 2005. Erstaunt muss er feststellen, dass er nun wieder Mittelschüler ist. Damit bietet sich ihm die Gelegenheit, die Zukunft zu ändern um Hinata vor ihrem Tod zu bewahren. Zu Beginn gelingt Takemichi ein Zeitparadoxon, in dem Naoto überlebt und Polizist in der Abteilung für organisierte Kriminalität wird. Zudem will er die gefährliche Tokyo Manji-Gang infiltrieren. Doch dies ist erst der Anfang von Takemichis langer und riskanter Mission …

Vom Loser zum Retter mutiert

Originaltitel Tokyo Revengers
Jahr 2021
Episoden 24 in Staffel 1
Genre Action, Drama, Supernatural
Regie Koichi Hatsumi
Studio Liden Films
Seit September 2021 vollständig auf Crunchyroll

Zu Beginn wird der Protagonist Takemichi Hanagaki vorgestellt, der nichts aus seinem Leben gemacht hat und als der typische weinerliche Versager der Gesellschaft gilt. Sein Schicksal ändert sich jedoch schlagartig, denn er bekommt in Form von Zeitreisen die Gelegenheit nicht nur die Zukunft anderer umzuschreiben, sondern auch gleichzeitig seine eigene. Allerdings gibt es hier eine Begrenzung, denn es sind immer exakt zwölf Jahre, die er in die Vergangenheit gehen kann. Zwar beginnt die Serie mit dem einfachen Ziel Hinata zu retten, aber mit der Zeit findet Takemichi noch mehr Personen, die er vor ihrem grausamen Ende bewahren möchte. Dabei steht ihm Naoto als Verbündeter zur Seite und dient gleichzeitig als Trigger für die Zeitreisen. Den Auslöser für den Zeitenwechsel stellt ganz schlicht ein Händedruck zwischen Takemichi und Naoto dar. Dies hat zur Folge, dass im Verlauf der Serie abwechselnd zwischen Gegenwart und Vergangenheit geswitcht wird. In der Vergangenheit gehörte Takemichi mit seinen Schul-Kumpels selbst zu den sogenannten Rowdys, die jedoch ständig von älteren Gangmitgliedern verprügelt wurden. Naoto, der als Polizist eine Menge Wissen über die Tokyo Manji-Gang angehäuft hat, sorgt dafür, dass Takemichi in der Vergangenheit die richtigen Gangmitglieder trifft, um die Zukunft positiv zu beeinflussen. Ansonsten erfahren die Zuschauer schon in den ersten Folgen, wer die Person ist, die Takemichi auf die Bahngleise gestoßen hat. Es handelt sich dabei also um keinen wahllosen Unbekannten.

Die Verderbnis der Tokyo Manji-Gang

In der Vergangenheit trifft Takemichi erstmalig auf den Charakter Manjiro Sano, der von seinen Freunden oft nur ”Mikey” genannt wird. Manjiro ist das Oberhaupt der Tokyo Manji-Gang und ist oft mit dem Vize-Vorsteher Ken Ryuguji unterwegs, der auf den Spitznamen ”Draken” hört. Takemichi muss seine Vorstellung von der gefährlichen Tokyo Manji-Gang über Bord werfen, denn er hat Glück und kann sich mit Manjiro anfreunden. So muss er nämlich feststellen, dass Manjiro und Ken in Wirklichkeit keine schlechten Typen sind. In anderen Worten, die Tokyo Manji-Gang aus der Vergangenheit hat nicht viel mit der Gang aus der Gegenwart gemein. Die Verderbnis der Tokyo Manji-Gang muss daher erst in den darauffolgenden Jahren passiert sein. Hierbei gilt es diese Verderbnis und das Unglück vieler Beteiligter mit allen Mitteln zu verhindern und das kann nur geschehen, wenn der gefährliche Antagonist erst gar nicht seine böse Saat säen kann. Doch dies ist natürlich einfacher gesagt, als getan. Um die Spannungskurve der Geschichte aufrechtzuerhalten, werden nach und nach immer mehr Figuren in die Handlung eingebaut. Die Serie besitzt ein breites Aufgebot an Figuren, was aufgrund der Gangs und deren Mitgliedern nicht verwunderlich ist. Dies macht es dem Publikum sicher leichter, einen Lieblingscharakter darunter zu finden. Aber gleichzeitig wird es schwerer, den oft weinenden Takemichi positiv hervorzuheben, da ihm schon allein das Duo aus Manjiro und Ken schlichtweg die Show stiehlt. Zudem können weitere Gangmitglieder wie Keisuke Baji und Chifuyu Matsuno in einigen Folgen glänzen. Am Ende erweist sich Takemichis Rettungsmission als spannungsreich und es sind viele emotionale Momente vorhanden. Und wie in unzähligen Anime-Serien üblich, wird auch hier die Freundschaftskarte ausgespielt.

Gewalt, Stil und Zensur von Swastika

Wie viel Gewalt vorkommt, hängt immer davon ab, wie sich eine Produktion thematisch bewegt. Im Falle von Tokyo Revengers geht es öfters härter zu, da hier eben Gangs eine zentrale Rolle spielen. Gerne schlagen sich die Mitglieder der Tokyo Manji-Gang mit ihren Feinden die Rüben ein. Der Protagonist Takemichi bleibt da nicht verschont, denn auch er muss häufig Prügel einstecken. Neben Schlägen kann es manchmal etwas blutig werden. Insbesondere eine Szene, in der eine Hand explizit mit einem Messer durchgestochen wird, stellt einen Art Schockmoment dar. Der Titel ist dadurch eher für eine ältere Zuschauerschaft geeignet. Ansonsten präsentiert sich Tokyo Revengers recht stylisch, was an den coolen und einfallsreichen Frisuren liegt. Zusätzlich gibt es für die Gangmitglieder noch markante Uniformen, die in schwarz gehalten sind. Eine gewisse Baustelle stellt dagegen die verwendete Swastika (jap. ”Manji”) dar, welche öfter in der Serie präsent ist. Die asiatische Swastika, die bei uns als das Hakenkreuz Bekanntheit erlangte, fällt nämlich sicherheitshalber der Zensur zum Opfer. Hierbei würde es jedoch mehr Sinn machen, das Manji-Symbol mit einer Einblendung näher zu erklären, denn dieses existierte immerhin schon vor Christi und gilt als eines der ältesten Symbole der Menschheit. Fraglich, was sich die japanischen Lizenzgeber bei der zensierten Version dachten, die sie weltweit ausgelieferten. Immerhin könnte ein Disc-Release mit einer unzensierten Fassung möglich sein, sofern der Titel für diese Art von Auswertung lizenziert wird.

Tokyo Revengers schlägt mit Erfolg ein

Unter der Regie von Koichi Hatsumi (Deadman Wonderland) entstand die Anime-Adaption, die die Geschichte bis zum neunten Band des Mangas umsetzt. Allerdings steht die Manga-Vorlage von Mangaka Ken Wakui schon einige Schritte weiter, denn sie hat mehr als 24 Bände vorzuweisen. Somit müsste noch eine Fortsetzung folgen, um weiteres Material in animierter Form wiederzugeben. In der auf 24-Folgen ausgelegten ersten Staffel liefert Studio Liden Films bei näherer Betrachtung schwankende Animationen ab. So etwa fällt auf, dass manchmal die Figuren nicht ganz sauber gezeichnet sind, was aber  bei einer Home Video-Veröffentlichung durch das Studio korrigiert werden könnte. Die Wahl der japanischen Synchronsprecher erweist sich als treffend. Yu Hayashi (Ryunosuke Tanaka in Haikyu!!) als Manjiro Sano besitzt eine charismatische Stimme, die hervorragend zum Anführer passt. Hierbei sei noch anzumerken, dass er der Sänger der Band Screen Mode (Opening von Bungo Stray Dogs 2) ist. Tatsuhisa Suzuki (Shinya Hiragi in Seraph of the End) als Ken Ryuguji hat eine durchaus tief klingende Stimme, die dem groß gewachsenen und älter anmutenden Charakter entspricht. Aber auch Yuki Shin (Jinn in Edens Zero) als Takemichi Hanagaki kann überzeugen, denn er steckt viel Energie in sein stimmliches Schauspiel. Was an der Geschichte von Tokyo Revengers noch bemerkenswert ist, dass Ken Wakui schon eigene Erfahrungen in die Geschichte mit einbringt, denn er war früher selbst Mitglied einer Gang namens Black Emperor. Das Jahr 2021 kann übrigens als das erfolgreichste des Werkes gedeutet werden: Der gleichnamige Realfilm rund um die Gangs gilt als der umsatzstärkste an den Kinokassen, denn die Anime-Adaption löste einen Hype aus und der Manga brachte allein in Japan mittlerweile über 40 Millionen Exemplare in den Umlauf. In anderen Worten: Der Erfolg der Geschichte steigt deutlich an.

Ein Klang für die Tokyo Manji-Gang

Das Opening ”Cry Baby” wird von der Band Official HiGE DANdism (Opening von Hinomaru Sumo) beigesteuert und stellt den passenden Einklang in die Anime-Serie dar. Dabei fängt das Intro ohne Probleme die Stimmung des Werkes ein. Visuell kann es ebenfalls punkten, denn die Animationssequenzen zeigen neues Material sowie bekannte Szenen aus den Folgen. Das Ending ”Koko de Iki wo shite” von eill geht in die ruhige Richtung und reiht sich eher in die Riege der schnell vergessenen Outros ein. Bildlich legt es den Fokus auf Hinata und Takemichi. Ein weiteres Outro mit dem Titel ”Tokyo Wonder” des Künstlers Nakimushi macht den Abschluss. Dieses überzeugt weitaus mehr als sein langweiliger Vorgänger. Der rockige Song passt hervorragend zum Titel und die Animationssequenzen können sich ebenfalls sehen lassen. Die passende Hintergrundmusik zu Tokyo Revengers steuerte Hiroaki Tsutsumi bei, der zuletzt den Soundtrack des populären Titels Jujutsu Kaisen komponierte.

Fazit

Tokyo Revengers beschreitet mit der Zeitreise-Thematik einen ähnlichen Weg wie Steins;Gate und Erased – Die Stadt, in der es mich nicht gibt. Wenn man diesen Aspekt näher betrachtet, dann ist diese Geschichte nicht wirklich innovativ. Aber das muss sie auch nicht sein, denn dafür bietet sie eine fesselnde Handlung. Zudem wirkt hier die Mischung aus Zeitreisen und Gangs recht erfrischend und gleichzeitig unverbraucht. Dabei hat der Hauptcharakter Takemichi eine verzweifelte Rettungsmission vor sich, die mit unerwarteten Wendungen und Hindernissen zu bewältigen ist. Diesbezüglich wird öfter auf die Tränendrüse gedrückt, da Takemichi eben ein ”Crybaby” darstellt und sich erst im Verlauf noch weiterentwickeln muss. Der die meiste Zeit über etwas schwächliche und schablonenhafte Protagonist wird durch andere interessante Figuren ausgeglichen. Insbesondere Manjiro und Ken sind positiv hervorzuheben, denn sie geben ein cooles und sympathisches Duo ab. Nicht verwunderlich, wenn sie deutlich zum Erfolg des Werkes beitragen. Am Ende stellt sich Tokyo Revengers als eines der sehenswürdigen Highlights des Jahres 2021 heraus, denn der Titel macht eine Menge Spaß und man kommt bei all der Spannung nicht drumherum, alle Folgen durchzusuchten. Allerdings endet die erste Staffel an einer so schockierenden Stelle, wo es nahezu ein Verbrechen wäre, keine Fortsetzung zu produzieren.

© Liden Films, Crunchyroll

Alva Sangai

Alva Sangai beschäftigt sich in ihrer Freizeit gerne mit Medien verschiedenster Art. Egal, ob Serien, Filme, Anime oder Manga. Dabei spielt es keine Rolle aus welchem Land die Produktionen stammen, denn Alva ist da sehr weltoffen. Des Weiteren hört sie gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee oder ein Cappuccino darf dabei natürlich nicht fehlen. Nebenbei beschäftigt sich Alva mit den vielen Funktionen von Clip Studio Paint EX, denn sie möchte sich in der Zukunft an einem Web-Comic versuchen. Der Name Alva Sangai setzt sich aus dem Vornamen der Protagonistin ihrer ersten längeren Geschichte, sowie ”Sangai”, Hirschen die nur in Manipur (Indien) zu finden sind, zusammen. Sangai spielt also auf ihre Bollywood-Artikel an.

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2 Comments
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Taria
Redakteur
24. Dezember 2021 3:27

Ich habe mir die Serie angesehen, weil Carlsen den Manga lizenziert hat und ich mal gucken wollte, ob diese etwas für mich ist. Böser Fehler, denn jetzt darf ich nicht nur Geld für den Manga ausgeben, sondern der Cliffhanger am Ende der Staffel war echt sehr gemein. Zum Glück wurde eine zweite Staffel angekündigt, mit der ich allerdings nicht vor Herbst oder Winter rechne.
Takemichi ist manchmal zwar echt anstrengend, aber dafür sind die anderen Charaktere umso besser.