Seraph of the End

Nachdem 2013 bei Wit Studio (Kabaneri of the Iron Fortress) die Titanen aus Attack on Titan der Menschheit das Leben zur Hölle machten, setzte das Studio im Jahr 2015 nochmal eins obendrauf, indem es eine Anime-Umsetzung des Endzeit-Mangas Seraph of the End produzierte. In diesem Werk werden Vampire auf die Menschheit losgelassen, aber auch hier schlagen die Menschen mit allen verfügbaren Mitteln zurück. Ein Krieg zwischen Menschen und Blutsaugern entbrennt.

   

Der Junge Yuichiro Hyakuya lebt mit anderen Kindern friedlich in einem Waisenhaus, als eines Tages ein mysteriöses Virus die Menschen befällt. Die Folge davon ist, dass die Menschheit dem Untergang nahe ist. Jedoch werden Kinder unter 13 Jahren von diesem Virus nicht dahingerafft. Das Überleben stellt sich aber als die wahre Hölle heraus, denn die Kinder werden von Vampiren versklavt und als Blutspender missbraucht. Yuichiro und sein bester Freund Mikaela erfahren am eigenen Leibe, wie es sich anfühlt, wie Vieh gehalten zu werden. Eine Flucht entwickelt sich in ihrer Lage zu einem hoffnungsvollen Ausweg, aber dann geht alles schief …

Nach der Flucht geht es ins Militär

Originaltitel Owari no Seraph
Jahr 2015
Episoden 24 in 1 Staffel
Genre Action, Drama, Supernatural
Regie Daisuke Tokudo
Studio Wit Studio
Im Handel erhältlich

Die erste Folge bietet einen spannenden Auftakt mit einem recht vorhersehbaren tragischen Ereignis. Mikaela spielt bei dem Unglück eine tragende Rolle, da er eine Karte und eine Waffe aus dem Anwesen des adeligen Vampirs Ferid Bathory stiehlt. Mit Yuichiro und den anderen Kindern begibt er sich auf die Flucht, die dann mit einem Massaker der Beteiligten durch Ferid endet. Einzig Yuichiro gelingt es zu fliehen und rennt dabei quasi in die Arme von Oberstleutnant Guren Ichinose, der ihn merkwürdigerweise bereits erwartet. Dies widerlegt die Annahme, dass der Großteil der Menschheit durch das Virus ausgerottet wurde, denn neben Kindern leben noch viele erwachsene Menschen. Yuichiro, der gesehen hat, wie seine Familie aus dem Waisenhaus getötet wurde, findet seinen neuen Lebensinhalt, denn er möchte sich an den Vampiren rächen. In der Vampir-Vernichtungseinheit der imperialen Dämonenarmee, unter der Führung von Ichinose, wird ihm dies vier Jahre später ermöglicht. Allerdings macht Wit Studio von Anfang an kein Geheimnis daraus, dass der selbst zum Vampir gewordene Mikaela am Leben ist. Schon auf Promo-Bildern und ab der zweiten Folge wird anhand des Openings und Endings schnell ersichtlich, dass Mikaela sich bester Gesundheit erfreut und wie Yuichiro gealtert ist. Sobald er relativ zügig wieder in der Handlung mitmischt, bleibt der Überraschungseffekt aus. Es wird hier viel mehr auf ein emotionales Aufeinandertreffen der beiden hingearbeitet.

Zwischen Freund und Feind

Zunächst muss Yuichiro noch eine Schule besuchen, die für eine kurze Zeitspanne als Handlungsort dient. Dabei darf er den typischen Shonen-Helden mimen, der mit der Zeit nicht nur stark wird, sondern auch einige Freunde findet. Allein kann er logischerweise gegen die Vampire nicht bestehen, daher gesellen sich im Kampf noch die Charaktere Shinoa Hiiragi, Yoichi Saotome, Shiho Kimizuki und Mitsuba Sangu an seine Seite. Nebenbei schlagen die Herzen einiger Mädchen für Yuichiro, aber dies bemerkt er nicht einmal, da sein Fokus mehr auf Mikaela liegt. Jedenfalls haben die beiden Jungen eine starke Bindung zueinander. Die Freundschaften schließt Yuichiro aber nur, weil Guren Ichinose dies von ihm erwartet, denn die Trauer über den Verlust seiner Familie sitzt tief. Guren kann als eine Art Vaterfigur von Yuichiro angesehen werden. Allerdings hat der Oberstleutnant keine weiße Weste und seine Absichten kommen erst nach und nach zum Vorschein. Doch Guren selbst untersteht im Militär der Hiiragi-Familie, aus der Shinoa entstammt. Eine gewisse Abneigung der Hiiragis gegen Guren macht sich bemerkbar. Die Vampire dagegen unterstehen der Königin Krul Tepes und sind keine zu unterschätzenden Gegner. Während Yuichiro auf menschlicher Seite kämpft, findet Mikaela sich auf der Seite der Vampire wieder, was für einige Konflikte in der Serie sorgt. Es entsteht zudem der Eindruck, dass beide Jungen nur ”benutzt” werden. Am härtesten trifft es Mikaela, denn die Worte Ferids (”Du hasst die Menschen. Aber die Vampire hasst du auch. Was wirst du wohl am Ende werden?”) treffen es auf den Punkt. So sieht die Welt für Mikaela um einiges dunkler aus, als es bei Yuichiro der Fall ist. Außerdem lassen sich bei Mikaela so manche Veränderungen im Verhalten wahrnehmen. Denn als Kind war er noch sehr aufgeschlossen und fröhlich, während er Jahre später unnahbar und kühl wirkt. Zudem sind da noch die Schuldgefühle, weil damals wegen seines Fluchtplans fast alle sterben mussten.

Eine etwas bizarre Mischung wird hier präsentiert

Die Menschen haben hier nicht nur mit Vampiren zu kämpfen, sondern gleichzeitig noch mit riesigen Monstern, die ”Apokalyptische Reiter” genannt werden. Des Weiteren kommen Dämonen ins Spiel, die eine wichtige Aufgabe im Krieg gegen die Vampire erfüllen. Die imperiale Dämonenarmee macht sich Dämonen zunutze, indem alle Soldaten der Monddämonenkompanie Verträge mit Dämonen schließen und sich damit eine verfluchte Ausrüstung sichern. Yuichiro als Hauptcharakter kommt mit einem typischen Schwert daher, während seine Kameraden andere Formen von Ausrüstung besitzen. Jedoch besteht die Gefahr, dass ihre Körper jederzeit von den jeweiligen Dämonen übernommen werden können, wenn sie sich mental als zu schwach herausstellen. Auf der Seite der Vampire gibt es jedoch auch welche mit spezieller Ausrüstung. So muss zwischen starken und schwächeren Vampiren unterschieden werden, insbesondere dem Adel. Und wo der Krieg wütet, da sind Kriegsverbrechen nicht weit. Experimente an Menschen und Vampiren werden im Geheimen durchgeführt. Ganz nach dem Motto: Der Zweck heiligt die Mittel. Nebenbei sind in der Serie auch die vielen Einflüsse aus der Bibel auffällig, die dazu anregen, sich mehr mit dem Thema zu beschäftigen. Es ist bei dem Werk naheliegend, dass die Autoren sich von bestimmten Wesen und Ereignissen aus dem Alten Testament inspiriert haben.

Von der Vorlage zur Anime-Serie

Seraph of the End wurde von Autor Takaya Kagami (The Legend of the Legendary Heroes) geschrieben und vom Mangaka Yamato Yamamoto (Kure-nai) gezeichnet. Das Studio Wit setzte unter der Regie von Daisuke Tokudo (Episoden-Storyboards zu Guilty Crown) insgesamt fast elf Bände um. Jedoch war die Mangavorlage zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so weit in der Handlung fortgeschritten, wodurch Autor Takaya Kagami am Skript der Serie mitwirkte und die Story vorarbeitete. Veröffentlicht wurde die 24 Folgen lange Staffel als Split-cour (in zwei Teile geteilte Handlung, die zu mit Unterbrechung ausgestrahlt wird). Diese beiden Teile werden als ”Vampire Reign” und ”Battle in Nagoya” betitelt. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass es sich um zwei Staffeln handelt, was nicht der Fall ist. In der Serie setzte das Studio einige bekannte Synchronsprecher ein, wie unter anderem Kensho Ono (Ryunosuke Akutagawa in Bungo Stray Dogs) als Mikaela, Yuichi Nakamura (Satoru Gojo in Jujutsu Kaisen) als Guren und Miyu Irino (Ritsu Kageyama in Mob Psycho 100) als Yuichiro. Am meisten kann Nakamura als Guren in der Serie überzeugen, denn er erhielt einige coole Szenen, bei denen er glänzen konnte. Die deutsche Synchronisation im Auftrag von Universal Pictures Germany fällt dagegen durchschnittlich aus. Dies fängt schon damit an, dass Kinder viel zu alt klingen, um bestimmte Szenen wirklich ernst zu nehmen. Des Weiteren kommt vieles nicht sonderlich emotional herüber. Zumal sich so manche Stimmfarbe der Hauptcharaktere als unpassend erweist.

Malerische Hintergründe und ein Hauch von Tristheit

Wit Studio holte sich Studio Pablo (Hintergründe in Dororo) an die Seite, um einzigartige Hintergründe für die Serie zu erschaffen. Die Charaktere bewegen sich dadurch oft auf Hintergründen, die eine malerische Optik aufweisen. In manchen Szenen können die Figuren dabei durchaus wie Fremdkörper wirken. Andererseits betrachtet sehen einige Szenen fantastisch aus und es kommt der Wirkung des Gezeigten zugute. Egal ob Schneelandschaften, Sonnenuntergänge oder brennende zerstörte Städte, da fällt der Hintergrund nicht nur einmal positiv ins Auge. Seitens des Animationsstudios wird viel auf die Atmosphäre geachtet, was nicht nur durch die Musik und die etwas unheimlichen Luftzüge auffällt, sondern auch durch die Schauplätze. Ruinen, alte Gebäude und Bahnhöfe, gibt es zuhauf, wie es sich für ein Endzeit-Setting gehört. Die Farben wechseln in der Serie öfters zwischen dunkel und kühl sowie hell und warm. Teilweise macht das Ergebnis einen eher düsteren Eindruck, was zusätzlich durch die Thematik, die triste und vom Krieg gebeutelte Erde bestärkt wird.

Ein hervorragender Soundtrack für das Endzeit-Szenario

Den Einklang in die Folgen von Seraph of the End bietet zuerst das Opening ”X.U.” von SawanoHiroyuki[nZk]:Gemie (Attack on Titan: Lost Girls). Dieses überzeugt musikalisch auf ganzer Linie und wird in englischer Sprache performt. Visuell kann es teilweise überzeugen und insbesondere die tanzende Krul Tepes stellt im Video ein kleines Highlight dar. Bei ”Battle in Nagoya” wird das Intro gewechselt und ab dem Zeitpunkt beginnen die Folgen mit dem Lied “Two souls -toward the truth-” von fripSide (A Certain Scientific Railgun T). Es handelt sich um einen temporeichen Song, der jedoch nicht ganz an seinen Vorgänger herankommt. Den Ausklang bringt im ersten Teil das Ending “scaPEGoat” von SawanoHiroyuki[nZk]:Yosh, welches wie das erste Opening auf Englisch gesungen wird. Es ist ein eher ruhiges Outro mit einem rockigen Refrain und einem zur Geschichte passenden Songtext, von den Animationssequenzen her jedoch ein wenig langweilig geraten. Zu guter Letzt folgt noch das Ending ”Orarion” von Nagi Yanagi (Just Because). Es fügt sich zwar stimmungsmäßig gut in die Serie ein, aber es muss ebenfalls im Schatten des Vorgängers verbleiben. An SawanoHiroyuki[nZk] kommt eben so schnell nichts heran. Am Soundtrack sind gleich vier Komponisten beteiligt, nämlich Hiroyuki Sawano (Aldnoah.Zero), Takafumi Wada (Highschool of the Dead), Asami Tachibana (Haikyu!!) und Megumi Shiraishi (Omo ni Naitemasu). Im Repertoire finden sich viele Musikstücke, die positiv zur Stimmung und Atmosphäre der Serie beitragen. Zu den Highlights gehören unter anderem Tracks wie: ”Demon’s Reborn”, ”World War E”, ”108”, ”Sote”, ”ToBeContinued”, ”1hundredknight-M” und ”Dim Light”. Im Großen und Ganzen ein Soundtrack der im Gedächtnis des Zuschauers verbleibt.

Fazit

Seraph of the End stellt eine bizarre Mischung aus allem Möglichen dar und ist sicherlich nicht gerade der innovativste Dark Fantasy-Titel auf Erden, aber es macht Spaß ihn anzuschauen und damit hat er mich auch schon gewonnen. Manchmal bin ich überrascht, wie schnell die Folgen vorüber sind und das ”To be continued” aufploppt. Insbesondere die zweite Hälfte ”Battle in Nagoya” entwickelt sich extrem spannend, weil man so einige wichtige Dinge erfährt und die Geschichte mehr an Fahrt aufnimmt. Zumal langsam die Machtverhältnisse und Intrigen unter den Menschen, aber auch unter den Vampiren klar werden. Das Ganze ist mit dieser Staffel noch bei weitem nicht auserzählt und so verbleibt die Hoffnung, dass Wit Studio eine Fortsetzung hierzu produzieren wird. Zum derzeitigen Stand wirkt alles recht verzwickt, aber der Schlüssel zur Auflösung scheint letztendlich in Yuichiro und Mikaela zu liegen. Für mich haben sich Mikaela, Guren, Ferid und diverse Nebencharaktere als um einiges interessanter herausgestellt, als die Hauptfiguren rund um Yuichiro. Dies liegt einfach daran, dass Yuichiro und seine Freunde schablonenhaft sind. Das macht sie jedoch nicht weniger sympathisch. Im Großen und Ganzen präsentiert Wit Studio eine gelungene Anime-Serie, die Lust auf mehr macht. Ansonsten schlägt die Serie einen ähnlichen Weg wie Attack on Titan und Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba ein, wodurch ich den Anime nicht nur Fans von Vampiren, sondern auch den Fans der genannten Titeln empfehlen kann.

© Universal Pictures Germany


Im Handel erhältlich:

Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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