Psycho-Pass (Staffel 3)

Einwanderungsprobleme, Präsidentschaftswahlen und die Jagd nach einer geheimen Organisation — anstatt einen weiteren lahmen Aufguss der ersten Staffel von Psycho-Pass zu liefern, wagen sich die Drehbuchschreiber Makoto Fukami (Resident Evil: Vendetta) und Tow Ubukata (Fafner in the Azure: Dead Aggressor) diesmal in neue Gefilde vor. Doch Moment, wo ist unsere Heldin Akane Tsunemori eigentlich abgeblieben? An ihrer Stelle treten nämlich zwei komplett neue Ermittler, die sich auf der Suche nach den sogenannten mordenden Füchsen machen. Als ob es nicht schon genug Probleme gibt, denn das Überwachungssystem Sibyl-System thront immer noch über allen. Jedoch scheint dessen uneingeschränkte Macht Konkurrenz zu bekommen. Eine vielversprechende Ausgangsposition, welche Psycho-Pass 3 besitzt, weswegen wir auch ohne Dominator einen ganz genauen Blick darauf werfen. Dank Amazon Prime liegen die acht Folgen mit je 45 Minuten Spielzeit seit dem 12. Dezember 2019 komplett mit deutschen Untertiteln vor.

Tokio, im Jahr 2120: Durch die Öffnung des Landes für ausländische Einwanderer steht die Regierung vor neuen, größeren Problemen. Unbemerkt aller Augen agiert die Organisation Bifröst aus dem Schatten heraus, um ihr eigenes perfides Spiel gegen das Sibyl-System zu spielen und die Geschicke des Landes nach ihrem Willen zu formen. Da Akane Tsunemori wegen Mordes auf ihre Anklage wartet, werden neue Ermittler für Einheit 1 eingestellt: der russische Einwanderer Kei Mikhail Ignatov und der Mentalist Arata Shindou. Beide werden sofort mit einem neuen Fall beauftragt, der sie auf die Spur der sogenannten Füchse führt. Das ist den beiden jedoch recht, denn die Suche nach einer ganz bestimmten Wahrheit treibt die beiden wie besessen an.

Der Einwanderer und …

Originaltitel Psycho-Pass 3
Jahr 2019
Episoden 8 (in Staffel 3)
Genre Psychological, Science-Fiction, Action
Regie Naoyoshi Shiotani
Studio Production I.G.

Psycho-Pass 3 startet sofort mit der Einführung vieler neuer abwechslungsreicher Charaktere. Unter anderem die beiden Inspektoren Kei und Arata, die von Anfang an frischen Wind in die Geschehnisse bringen. Beide suchen nämlich nach etwas, gehen dabei viele Risiken ein und begegnen dabei einem Problem nach dem anderen. So wird Kei von Anfang an immer wieder angefeindet, weil er als Ausländer kein Recht habe, in Japan zu sein. Gerade wegen der Augenbehandlung seiner liebenswürdigen Frau muss sich Kei vieles anhören und auch im Laufe der Handlung wartet eine entscheidende Wahl auf ihn. Dass er da vor Wut einmal austickt, können wir natürlich nachempfinden, denn der großgewachsene, sonst eher ruhige und bedachte Mann setzt sich stark für den Schutz der Wehrlosen ein. Mit seinem Partner Arata verbindet ihn eine lange Freundschaft, die jedoch durch die Jagd nach den Füchsen auf eine harte Probe gestellt wird.

…. der Mentalist

Neben Kei überzeugt der eher kleinere Japaner Arata mit ganz anderen Werten, denn so ist der fröhliche, aber schwer durchschaubare Charakter ein Mentalist. Mit Hilfe des sogenannten Mental-Tracings, eine Art herausragende Beobachtungs- und Kombinationsgabe, kann er nachvollziehen, was Menschen dazu bewegte, gewisse Dinge zu tun oder was sie erlebten. Diese spezielle Fähigkeit bringt viele Vorteile im Job als Ermittler, setzt den Körper aber unter schweren Druck. Was sich aber als viel schlimmer darstellt, sie lässt sich nicht einfach kontrollieren, weswegen andere ein wachsames Auge auf ihn werfen müssen. Zum Glück kann er diese Schwäche wieder ein wenig  ausbessern, da er als Parcourläufer schneller als andere ans Ziel kommen kann. Diese Kunst der effizienten Fortbewegung wird im Verlauf des Animes beeindruckend in Szene gesetzt und vor allem kann sich der Japaner damit von seinen Nahkampf-Kollegen absetzen. Ansonsten ist er eine sehr facettenreiche Figur. Vollstreckern, Opfern und Tätern bringt er den gehörigen Respekt entgegen und möchte jeden retten.

Wo ist Akane?

Die wohl größte Frage, die wir uns zu Beginn von Psycho-Pass 3 stellen, ist der Verbleib von Akane. Eine rasche Antwort gibt es, doch stellt uns das vor ein gigantisches Rätsel, denn niemals würde die mittlerweile souveräne Frau einen Mord begehen! Was jedoch damals genau passierte, bleibt unglücklicherweise weitestgehend im Dunklen. Doch ein paar Brotkrumen sähen die beiden Drehbuchschreiber, denn der Mord an Aratas Vater, der den jungen Inspektor verfolgt, scheint etwas damit zu tun zu haben. Natürlich genauso wie die Füchse, um die es sich immer wieder dreht. Wie wir außerdem feststellen, schrieben die Autoren vielen anderen liebgewonnenen Charakteren andere Aufgaben zu. Nobuchika Ginoza, Teppei Sugou und Yayoi Kunizuka stellen daher keine Mitglieder der Einheit 1 mehr dar. Jedoch müssen wir uns keine Sorgen machen, denn im Laufe der Handlung erfahren wir, was aus ihnen wurde.

Die Aktionseinheit des Außenministeriums

Einfacher wäre es vor dem Start der dritten Staffel die Filmreihe Sinners of System anzuschauen, da deren Handlungen einige Grundsteine für die dritte Staffel setzen. So lernen wir dort die vollbusige, selbstbewusste Frederica Hanashiro kennen, die sich im Verlauf von Psycho-Pass 3 einen kleinen Zickenkrieg mit Mika Shimotsuki liefert, die inzwischen zur kompetenten Abteilungsleiterin aufstieg. Die blonde Schönheit spielt hier ihr eigenes undurchschaubares Spiel, das sich einmal mit den Aktionen des Amts für Öffentliche Sicherheit (AÖS) decken, aber auch in eine ganz andere Richtung verlaufen. Spannung liegt daher immer in der Luft, sobald sie oder ihr Team die Bildfläche betreten. Tatsächlich dürfen wir uns immer wieder freuen, denn einige der vermissten Figuren, agieren nun in der Aktionseinheit, wie zum Beispiel Franchise-Liebling Kougami, der den Weg zurück nach Japan fand.

Das Spiel der Regenbogenbrücke

Das ergänzende Duo Kei und Arata gelangt schnell auf die Spur der Füchse. Einfach wird es dadurch aber nicht! Ähnlich wie ein Spinnennetz finden die beiden zwar einzelne Fäden, gelangen mit diesen aber nicht immer weiter ins Zentrum des Geschehens. Die Aktionen von Bifröst gestalten sich nämlich als sehr weitreichend und vor allem perfide getarnt. So müssen sich die Inspektoren im Lauf von Psycho-Pass 3 durch einige Fälle arbeiten, um überhaupt einen groben Plan von dieser Organisation zu bekommen. Schnell lässt sich sagen, dass auch wir Bifröst ins Netz gehen, denn ihre Aktion weckt unsere Neugier von der ersten Episode an. Dass wir das Bedürfnis verspüren, dringend weiterschauen zu müssen, liegt vor allem aber daran, dass trockene Themen hier leicht verständlich und packend erzählt werden. So muss sich Einheit 1 mit einer Art Immobilienblase auseinandersetzen, aber sich auch bei den Präsidentschaftswahlen einmischen, da die Kandidaten in Gefahr schweben.

Die Gegenspieler

Die Personen mit dem sogenannten Titel „First Inspektor“ der Organisationen machen es dem Team des AÖS nicht einfach. So zum Beispiel der gewiefte Koichi Azusawa, dessen Verhalten undurchschaubar ist. Intelligent auf jeden Fall, aber mit einem seltsamen Hang zum Humor, verwischt er so gut er kann jede noch so kleine Spur. Dass wir Zuschauer dabei einen tieferen Einblick in dessen abwechslungsreiche Tätigkeiten haben, bringt leider keinen Vorteil, denn auch für uns ergeben einige Dinge erst dann Sinn, wenn es schon längst zu spät für unsere Helden ist. Er lässt sich daher als ein ernstzunehmender Gegenspieler einstufen, dessen sicherer Stand bei Bifröst jedoch jeder Zeit ins Wanken geraten kann. Denn untereinander stehen die Schachfiguren der Organisationen im argen Konkurrenzkampf, daher dürfen wir uns auf ein perfides Katz- und Mausspiel freuen, bei dem erst am Ende klar wird, wer welches Tierchen darstellt.

Die Spitze der Pyramide

Allgemein leben die Mitglieder der Organisationen gefährlich, denn wer zu viel verliert, darf sich von seinem Leben verabschieden. Gerade deswegen bleibt es spannend, welches seltsame Spiel der gutaussehende Abgeordnete Homura Shizuka spielt. Er kommt am Anfang der Staffel neu an den dreiteiligen Spielertisch von Bifröst und setzt im Laufe der Handlung seine Mittel dafür ein, dass die Ermittler eine bessere Ausgangssituation besitzen. Was es aber mit seinem Ziel auf sich hat, wird nicht verraten, denn die dritte Staffel von Psycho-Pass enden mit einem gemeinen Cliffhanger und lauter offenen Fragen. Daher fühlt sich das erste Abenteuer mit Arata und Kei vielmehr wie ein Auftaktakt für ein ganz großes Epos an. Eines, das sich in puncto Dramaturgie nicht hinter Staffel 1 verstecken muss, da Kei am Ende zu einem Mitarbeiter des Feindes und damit zu einem Verräter wird. Daraus lässt sich nämlich vieles machen, daher sind die Hoffnungen auf eine weitere Staffel groß.

Der ganz normale Ermittlungswahnsinn

Trotz des vielen Spurenlesens bleibt natürlich die Action nicht auf der Strecke. Freunde handfester Auseinandersetzungen können sich diesbezüglich sogar sehr freuen, denn im Gegensatz zur zweiten Staffel, wo die Arbeit oft dem Dominator überlassen wurde, prügeln sich die Helden hier wieder häufiger mit Hand und Fuß. Da Kougami nun nicht mehr in der Folge seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann, darf der ehrfahrene Kei gerne einmal heran. Doch auch die neuen Vollstrecker teilen ordentlich aus. In der zweiten Hälfte der Staffel werden die Kämpfe leider aber wieder seltener, was schade ist. Diese lockerten immer wieder die komplexe Handlung hervorragend auf und sorgen für Schwung.

Qualitätsabfall

Den hohen Qualitätsanspruch, den die ersten Folgen an den Tag legen, kann Production I.G leider nicht halten. Die zu Beginn wahnsinnig flüssigen Kampfszenen mit passenden Kamerawinkeln suchen wir später vergeblich. Doch was sich als noch schlimmer herausstellt, sind die unsauber gezeichneten Figuren, die nur durch die grauenvollen Animationen übertrumpft werden. Wirklich schade, denn Psycho-Pass 3 startet optisch so vielversprechend. Der bekannte Neon-Look der Stadt ist auch hier noch vorhanden, dessen Anblick uns sofort in Visionen der Zukunft abtauchen lässt. Durch die diesmal oft besuchten Ausländerslums, die einen ganz eigenen chaotischen Stil haben, gibt es neue Reize für die Augen und noch mehr Abwechslung. Neben diesen neuen Orten wurden die frischen Figuren erneut von Mangaka Akira Amano (Reborn!) entworfen, wodurch sie sich perfekt ins alte PP-Universum stürzen können. Ob nun Strubbelkopf Arata oder der raue Vollstrecker Kazumichi Irie, vor allem die Damenwelt wird hier auf ihre Kosten kommen.

Das kommt mir doch bekannt vor!

Was die Klangwelt angeht, blieben die Noten für den Soundtrack wieder in der Hand von Psycho-Pass-Veteran Yugo Kanno (Ajin). Dieser schuf erneut eine abwechslungsreiche Begleitung, die gerade die Kampfszenen wieder ordentlich aufheizt. Aber auch die unterschiedlichen Charakter-Themen sind gelungen, sodass hier keine Wünsche offen bleiben. Richtig abgerundet wird die Musik der Staffel durch das leicht unkonventionelle Opening „Q-vism“ der neuen Band Who-ya Extended, von der wir hoffentlich noch viel in Zukunft hören werden. Der mitziehende Beat und besonders der interessante Text laden immer wieder zum Hören ein. Bildtechnisch erinnert es nur sehr stark an das zweite Opening der ersten Staffel, da der gleiche visuelle Stil verwendet wurde. Sogar einige Bildelemente, wie zum Beispiel ein Charakter, der gegen sich selbst kämpft, sind erneut vorhanden. Eine Sache für sich ist hingegen das Ending „bullet“ der Band Cö shu Nie. Ihr Song erinnert einige doch sehr stark an ihr Lied, welches sie für den Anime The Promised Neverland beisteuerte. Doch vor allem an der hohen Stimme der Sängerin werden sich die Geister scheiden.

Fazit

Ich bin sehr froh, dass die dritte Staffel von Psycho-Pass kein lauwarmer Aufguss der ersten ist. Viel eher bin ich begeistert, wie viele neue Elemente die Drehbuchautoren diesmal einfügten und welche interessante Richtung die Geschichte nimmt. Bifröst stellt ein gutes Gegenstück zu Sibyl dar, denn im Grunde ist nicht wirklich klar, ob die Organisation den Untergang oder den Aufstieg Japans will. Dass sie dabei über Menschenleben gehen, kann nicht gut heißen, weswegen ich Arata und Co. bei ihrer Arbeit die Däumchen drücke. Ein interessantes Thema ist diesmal die Wahrnehmung von Gerechtigkeit, denn weder Bifröst noch Sibyl lassen sich einfach eingruppieren. Daher passt es auch, dass in der letzten Folge die Figuren ausführlich über dieses Thema reden, da die Wahrnehmungen dafür in dieser Staffel sehr verwaschen. Schließlich sitzt Akane im Gefängnis und so wie es aussieht für etwas, das sie zu 100% nicht getan hat. Ich vermisste unsere Heldin im Laufe der Serie schon sehr, doch muss ich auch sagen, dass sie würdig durch die beiden neuen Inspektoren vertreten wird. Gerade Arata finde ich als Figur sehr gelungen und vor allem sympathisch ohne Ende. Zwar gibt er sich ständig fröhlich, doch ist sein Lächeln oft nicht echt und er verbirgt seine wahren Gedanken. Dass er eine selbstbegnadende Konstitution besitzt, überraschte mich hingegen nicht, denn diese macht es nur möglich, dass Arata so tief in die Gedanken der Verbrecher eintauchen kann, ohne seinen Farbton zu trüben. Doch es bleibt packend, welche Auswirkungen diese Aufdeckung noch haben wird. Sehr begeistert bin ich über seine Parcour-Einlagen, bei der nicht nur die Vollstrecker aus der Wäsche schauen. Was mich im späteren Verlauf nur wirklich stört, sind die schlechten Animationen. Dabei startet die Staffel so bildgewaltig: der Look der Stadt, die flüssigen Bewegungen und vor allem die schicken Charaktere und dann dieser Absturz. Da kann auch das tolle Opening, das mich musikalisch sofort einfing, nichts mehr retten. Insgesamt bleiben bei Psycho-Pass 3 zu viele Fragen offen, weswegen auch ich gerne dringend eine weitere Staffel hätte, doch die neuen Ansätze sind gelungen, die neuen Figuren interessant, nur optisch wird das Level leider nicht durchgängig gehalten.

© Amazon Prime Video

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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