10 Mangas, die wir uns in Deutschland wünschen (Teil 6)

Der deutsche Manga-Markt wächst unaufhaltsam und immer mehr Verlage treten mit einem breiten Sortiment an Titeln auf. Doch da sind sie, diese bestimmten Titel, auf die man (noch) vergeblich wartet und bei denen man es kaum erwarten kann, sie eines Tages selbst in deutscher Sprache in den Händen zu halten. Auch in der Redaktion haben wir Empfehlungen, die noch in der heimischen Sammlung fehlen. 

Weitere Artikel aus dieser Reihe:

Titel: Blue Lock
Autor: Muneyuki Kaneshiro
Mangaka: Yusuke Nomura
Jap. Verlag: Kodansha
Bände: 11+
Genre: Action, Drama, Sport

Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Japan aus der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausscheidet und dies die japanische Fußball-Union dazu veranlasst, ein Programm zu starten, bei dem Spieler von der High School mit dem Training für den Cup 2022 beginnen. Der Stürmer Yoichi Isagi erhält eine Einladung zu diesem Programm, nachdem sein Team die Chance verpasst hat, zu den Nationals zu gehen. Dies lag daran, dass Isagi das entscheidende Tor nicht selbst machte, sondern es seinem weniger qualifizierten Teamkollegen überließ, der das Tor verfehlte. Als Trainer der Mannschaft kommt Jinpachi Ego zum Zug, der nicht nur den japanischen Verliererfußball “zerstören” will, sondern zugleich ein hartes neues Trainingsprogramm einführt. In einer Gefängnis-ähnlichen Institution namens “Blue Lock” werden 300 Stürmer isoliert und einer strengen Ausbildung unterzogen. Dies dient dazu den ”größten egoistischen Stürmer der Welt” zu erschaffen.

Blue Lock empfinde ich als eine erfrischende und ungewöhnliche Serie im Bereich des Sport-Mangas. Auf dem ersten Blick würde man denken, dass es ”nur” ein Sport-Titel wie jeder andere ist, aber falsch gedacht. Dies fängt schon mit dem Trainer an, der nicht nur äußerlich echt ”strange” wirkt, sondern die Stürmer in ein fragwürdiges Programm holt. Hier geht es nicht um Teamgeist und gemeinsame Erfolge. Es dreht sich alles um einen selbst. Wer egoistisch sein kann, wird der ”eine große Stürmer” von 300 sein. Quasi ein Überlebenskampf, wie man aus Spiel-oder-Stirb-Serien kennt. Dies ist eine Besonderheit von Blue Lock, denn normalerweise ist Teamgeist beim Fußball alles. Letztendlich macht das den Titel extrem spannend und innovativ. Sogar Sportmuffel können hieran Gefallen finden. Der Zeichenstil kann dabei überzeugen und so manche Gesichtsausdrücke könnten aus einem Horrorstreifen entstammen.

Titel: Diamond no Ace
Mangaka: Yuuji Terajima
Jap. Verlag: Kodansha
Bände: 47
Genre: Sport, Drama

Eijun Sawamura landet dank eines Scouts an der renommierten Seidou High School. Doch schnell muss der vorlaute Junge einsehen, dass er hier nur eine kleine Rolle spielt. Er beginnt hart an sich zu arbeiten, genauso wie viele der anderen Jungen. Immerhin weckt er schon einmal das Interesse des brillanten Stamm-Catchers Kazuya Miyuki. Mit Satoru Furuya findet sich leider auch ein anderer Neuling an der Schule, der dank seiner schnellen Würfe vom Coach zum Stammspieler bestimmt wird. Eijin lässt sich davon aber nicht unterkriegen. Sein Ziel: Das Ace des Teams zu werden. Und so beginnt er seinen langen, steinigen Weg dorthin.

Terajima, der während seiner Schulzeit selbst Pitcher war, erzählt in Diamond no Ace gekonnt den Werdegang eines ehrgeizigen Jungen. Eijin weckt mit seiner vorlauten, enthusiastisch Art schnell das Interesse der Lesenden, da der Autor aber noch andere Figuren mit Leben füllt, ist für wirklich jeden Geschmack etwas dabei. Auch wenn Baseball in Deutschland ein eher unbekannterer Sport ist, kommt man schnell in den Spielablauf hinein und versteht die Probleme, vor denen Eijin steht. Der Junge selbst hat einen langen Weg vor sich, bei dem er nicht nur einmal ins Straucheln kommt. Ein Mitfiebern ist daher vorprogrammiert und gerade die nervenaufreibenden Spiele lassen einen nicht mehr mit dem Lesen aufhören. Zeichnerisch überzeugt das Werk durch ein abwechslungsreiches Charakter-Design und perfekt in Szene gesetzte Spielabläufe. Dank einem pointierten Humor dürften Fans von Haikyu! auch hieran ihren Spaß haben.

Titel: Fukushuu no Miboujin
Mangaka: Kurosawa R
Jap. Verlag: Futabasha
Bände: 6+
Genre: Adult, Drama

Mitsu Suzuki arbeitet seit Kurzem in einer IT-Firma, allerdings hat sie ganz andere Ziele als dort eine feste Arbeitsstelle zu finden oder gar Karriere zu machen. Es ist nämlich dieselbe Firma, die Schuld am Selbstmord ihres Ehemanns Yugo ist. Denn es herrscht dort nicht nur Mobbing, sondern auf manche gutmütigen Seelen wird die ganze Arbeit abgeladen. Da hat sich nicht nur der Vorgesetzte schuldig gemacht, sondern auch viele Arbeitskollegen, die sich stets vor ihren Aufgaben gedrückt haben. Nun will sie sich an alle rächen, die für den Tod ihres Mannes verantwortlich sind und benutzt hierfür jedes verfügbare Mittel, selbst wenn es bedeutet, dass sie mit ihrem Vorgesetzten schläft, um ihn zu vergiften. Yugos Bruder Yohji unterstützt Mitsu bei ihrem Vorhaben und recheriert alles über die Angestellten oder entsorgt nach getaner Arbeit die Beweise. Zusammen vollstrecken sie ihre Rache an den Verantwortlichen, es werden Existenzen zerstört und sogar gemordet.

Fukushuu no Miboujin ist eine sehr interessante Geschichte, die keine lineare Erzählweise besitzt. So beginnt die Serie mit der Rache an Mitsus letzten Opfer, welche kurz gezeigt wird ohne, dass der Leser den Kontext wirklich kennt. Denn gleichzeitig ist es ebenso die Rache einer ehemaligen Mitschülerin des Opfers, die mit Mitsu und Yohji gemeinsam daran gearbeitet hat. Erst danach wird alles nach und nach aufgerollt, dabei lernt man Saito kennen, der zu den wenigen guten Kollegen von Yugo gehört. Fukushuu no Miboujin gehört zu den Serien, die Sex sehr offen zeigen ohne dabei zu pornografisch zu werden. Gleichzeitig besitzt der Titel auch einen ernsten Unterton. Es werden Überarbeitung und Mobbing am Arbeitsplatz thematisiert, aber auch Kindesmissbrauch.

Titel: Dororo to Hyakkimaru Den
Mangaka: Satoshi Shiki nach der Vorlage von Osamu Tetzuka
Jap. Verlag: Akita Shoten
Bände: 3+
Genre: Action, Historie, Fantasy

Pest, Hungersnöte und Krieg befallen das Reich von Daigo Kagemitsu, deswegen geht er einen Pakt mit 48 Dämonen ein. Diese sorgen für Frieden und nehmen als Bezahlung Körperteile seines frisch geborenen Sohns. Daigo lässt sein Kind deshalb in den Fluss werfen, da er denkt, dass das Baby sterbe. Doch durch glückliche Fügung findet jemand es. Jahre später zieht der Junge, der den Namen Hyakkimaru trägt, durch das Land, um die Dämonen zu töten und so seine Körperteile zurückzubekommen. Dabei trifft er auf den Dieb Dororo und rettet sein Leben, weswegen dieser ihn ab sofort begleitet. Die Abenteuer des ungleichen Duos beginnen …

Dororo to Hyakkimaru Den ist eine Neuinterpretation des Klassikers. Dabei legt der Zeichner ein geübtes Händchen an die Kampfszenen, bei denen er aus der Erfahrung seiner früheren Werke schöpfen kann. So erinnern die Dämonen zwar gerne einmal an Titanen, jedoch überzeugen die Duelle durch Hyakkimarus eigenwilligen Stil. Da der Junge keine Arme hat, trägt er zwei Schwerter als Ersatz. Während das ungleiche Duo durch das alte Japan zieht, erleben sie die unterschiedlichsten Abenteuer. Die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt dabei und so bleibt es spannend, wie die einzelnen Geschichten zu Ende gehen. Als roter Faden dienen die zurückzuholenden Körperteile, durch die unser Held seine Menschlichkeit zurückbekommt. Dadurch muss er sich der Frage stellen, was einen Menschen überhaupt ausmacht. Ein ungleiches Duo, ein historisches Setting und härtere Kampfszenen – Fans von Golden Kamuy oder ähnlichen Titeln dürften hieran Gefallen finden.

Titel: Fukigen na Mononokean
Mangaka: Kiri Wazawa
Jap. Verlag: Gangan Online
Bände: 15 +
Genre: Komödie, Supernatural

Der Oberstufenschüler Hanae Ashiya besitzt die Gabe, Dämonen zu sehen und zieht diese magisch an. So befindet sich ein flauschiges Wesen permanent in seiner Nähe und sucht Körperkontakt. Durch diese Berührung wird Ashiya dermaßen geschwächt, dass er jeden Tag auf der Krankenstation der Schule landet. Beim Versuch, den Dämon loszuwerden, bekommt Ashiya eine Stellenausschreibung für einen Exorzisten Lehrling in die Finger und lernt den Meister Haruitsuki Abeno kennen. Der sogenannte Mononokean schickt den kleinen Dämon auf Ashiyas Schulter in die Unterwelt zurück. Doch das Ganze hat seinen Preis und um die Schulden für den Dienst zu begleichen muss Ashiya für Abeno arbeiten und das ein oder andere Mal als Köder herhalten.

Episodenhaft erzählt Kiri Wazawa in Fukigen na Mononokean Geschichten rund um den Schüler Hanae Ashiya, der sich zuerst mit den Dämonen zurechtfinden muss. Diese übernatürlichen Wesen bewegen sich zumeist unbemerkt in der Menschenwelt, wollen allerdings größtenteils nichts Böses, sondern einfach wieder in ihre Heimat, die Unterwelt, zurückgeführt werden. Hilfe und die Erfüllung ihrer Wünsche erhalten sie hierbei von Abeno und seinem Schüler Ashiya. Action und Kampfmomente kommen in Fukigen na Mononokean vor, nehmen allerdings nicht die Haupthandlung ein. Kiri Wazawa zeigt lieber emotionale Momente, da die Dämonen zu Unrecht von Beginn an als böse Monster abgestempelt werden. Dass es unter ihnen zumeist Wesen gibt, die herzensgut sind, lernen Leser*innen gemeinsam mit Ashiya. Comedy-Elemente dürfen nicht fehlen und in Verbindung mit emotionalen Momenten bietet die Handlung eine ansprechende Mischung.

Titel: -Hitogatana-
Mangaka: Onigunsou
Jap. Verlag: Mag Garden
Bände: 11+
Genre: Action, Science-Fiction

Die Technologie ist soweit vorangeschritten, dass Menschen ihre Seele in Androiden stecken können. Was die Menschheit anfänglich aus gesundheitlichen Gründen entwickelte, fand schnell seinen Weg in den Krieg. Diese mit Waffen ausgestatteten Kampfandroiden nennt man Katana und natürlich gibt es genug Missbrauch dieser hochmodernen Errungenschaft. Daher rief die Regierung die AKCD ‒ die Anti Katana Crime Division ‒ ins Leben. Mitglied von Einheit 8 ist Togusa. Ein junger Mann, der einen besonderen Status einnimmt, denn er ist ein Hybrid: Zur Hälfte Mensch und Katana. Bei einem Einsatz findet Einheit 8 das junge Mädchen Amano Hanagiri, die wie Togusa zu sein scheint. Sie nehmen sie mit, doch dagegen haben einige etwas.

Bevor die Geschichte ihre düsteren Pfade einschlägt, lässt uns Onigunsou erst einmal am normalen Alltag von Togusa teilnehmen. Dadurch können wir eine Beziehung zu den Figuren aufbauen. Darunter nicht nur zum Hybrid, sondern auch zu seinen Teammitgliedern und anderen Figuren des AKCDs. Ein guter Schachzug, auch wenn es bedeutet, etwas Geduld mitzubringen. Allerdings sorgen die stylisch choreografierten Kämpfe von Anfang an für  Lesevergnügen. Die interessanten Katanas überraschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, wodurch es spannend bleibt, wie die Konfrontationen ausgehen. Der freundliche Togusa besitzt hingegen seine eigene dunkle Vergangenheit, die nur nach und nach ans Licht kommt. Mit dem Auftauchen anderer Parteien verdichtet sich auch ein roter Handlungsfaden. Das klare Charakter-Design, die übersichtlichen Panels und die gut platzieren Comedy-Einlagen laden ebenso zum Lesen ein, so dass sich vor allem Actionfans hier wohlfühlen werden.

Titel: Kimi ni wa todokanai
Mangaka: Mika
Jap. Verlag: Kadokawa
Bände: 3+
Genre: Romanze, Boys Love, Slice of Life

Yamato und Kakeru sind ziemlich unterschiedliche Kindheitsfreunde: Yamato ist groß, gutaussehend, gut in der Schule, aber auch recht schweigsam. Der eher kleinwüchsige Kakeru mit dem ziemlich normalem Gesicht und etwas unterdurchschnittlichen Noten erscheint derweil wie ein offenes Buch. Als Kakeru mitbekommt, dass Yamato ein Liebesgeständnis von einem Mädchen bekam und das zum beiläufigen Gesprächsthema zwischen wird, fragt ihn Kakeru neugierig, ob er nicht jemanden mag. Als Kakeru auf das Schweigen hin erst denkt, dass es sicher nicht sein kann spricht Yamato mehr als nur einmal Kakerus Namen aus…

Die Handlung tönt offenkundig nach einem Boys Love-Manga, doch besitzt die Reihe eigentlich viel mehr vom Flair eines Shoujo-Mangas, der mit seinen Konventionen gekonnt jongliert. Mit der Mischung tanzt Kimi ni wa todokanai schon erfrischend aus der Reihe, aber vor allem bekommt man hier gut ausgebaute Figuren sowie stetig voranschreitende Charakterentwicklungen präsentiert. Die BL-Note spielt als Komplexitätsfaktor durchaus seine Rolle, aber alle Hürden sind in erster Linie Resultate beider Persönlichkeiten: Der unsichere Yamato, der mit seinen Gefühlen ringt und der eher naive Kakeru, den Yamatos Nachrichten schon von Anfang an durchaus erreichen, aber noch nicht getraut sie als solche einzuordnen. Der Zeichenstil wartet ebenfalls nebst einfühlsamen Ausdruckstärke mit einem meisterlichen Händchen für visuellem Humor auf. Der ist einerseits einfach nur goldig bis köstlich amüsant, weiß andererseits aber vor allem, wann er den Schlagstock übergibt für einen respektvollen Umgang mit den Sorgen seiner Protagonisten. Die ersten und jeweils neusten Kapitel kann man auf Pixiv Comics auf Japanisch kostenlos und legal einsehen.

Titel: Legend of the Galactic Heroes
Autor: Yoshiki Tanaka
Mangaka: Ryu Fujisaki
Jap. Verlag: Shueisha
Bände: 19+
Genre Science-Fiction, Action, Drama

Schon seit 150 Jahren herrscht Krieg zwischen dem ”Galaktischen Imperium” und der ”Allianz der Freien Planeten”. Auf der einen Seite ist da der aus dem Galaktischen Imperium stammende Reinhard von Lohengramm, der seine Schwester Annerose aus den Fängen des herrschenden Kaisers befreien möchte und auf gutem Wege ist, in der Armee aufzusteigen. Auf der anderen Seite steigt bei der Allianz der Freien Planeten Yang Wen-li in der Armee auf, der ursprünglich gar nicht ins Militär wollte, aber die Umstände zwingen ihn dazu. Sein militärisches Genie wird schnell erkannt und schon bald entwickelt er sich in dem andauernden Krieg zum Erzrivalen von Reinhard von Lohengramm.

Der Manga ist eine weitere Umsetzung der Geschichte rund um die galaktischen Helden von Yoshiki Tanaka. Diesmal aus der Zeichenfeder von Ryu Fujisaki (Shiki), dessen außergewöhnlicher Stil hier nicht zu übersehen ist. Die Serie handelt von zwei überragenden Strategen und Genies, die sich in Weltraumschlachten gegenüberstehen. Ob Reinhard von Lohengramm oder Yang Wen-li, beide Seiten haben ihre Vorzüge und als Leser kann man sich schwer entscheiden, auf welcher Seite man steht. Irgendwie sind einfach beide toll. Die Beweggründe der Charaktere sind nachvollziehbar, insbesondere Reinhard mit seiner Vergangenheit. Das Besondere an dem Werk ist, dass das Galaktische Imperium an Preußen angelehnt ist. Nicht verwunderlich, wenn sich viele deutsche Namen unter den Charakteren finden lassen. Legend of the Galactic Heroes ist einfach Kult, anspruchsvoll und ein echter Klassiker unter den Space Operas.

Titel: Shibito no Koe o Kiku ga Yoi
Mangaka: Sachiko Hiyodori
Jap. Verlag: Akita Shoten
Bände: 12
Genre: Horror, Mystery

Jun Kishida ist Oberschüler, doch er verbringt sehr viel Zeit im Krankenzimmer. Denn aufgrund seiner Fähigkeit, die Geister der Toten zu sehen, ist er oft sehr kränklich. Ganz schlimm ist es, wenn die Gespenster eine gewisse Stärke und Gesinnung besitzen, dann reagiert sein Körper mit Nasenbluten bis zur Ohnmacht. Als er den Geist seiner Kindheitsfreundin Ryoko Hayakawa, die verschwunden ist, sieht, weiß er um ihr Schicksal. Sie führt ihn zu ihrem toten Körper, der aber noch ihrem Mörder in einem Haus inmitten eines Waldes liegt. Auch Jun droht dasselbe Schicksal wie Ryoko, doch er hat Glück im Unglück und entkommt dieser lebensbedrohlichen Lage ganz knapp. Seitdem weicht der Geist von Ryoko ihm nicht mehr von der Seite, denn etwas oder besser gesagt jemand hält sie noch in dieser Welt.

Wer auf der Suche nach skurrilen Horror ist, der Junji Itos ähnlich ist, kann diese nun beenden. Denn Shibito no Koe o Kiku ga Yoi ist genau die richtige Manga-Serie dafür und ist mit zwölf Bänden auch nicht zu lang. Der Aufbau besteht aus mehreren Einzelgeschichten, die meistens nur ein Kapitel umfassen. Durch einige wiederkehrende Nebencharaktere, die das Glück haben zu überleben, besteht dennoch eine gewisse Kontinuität. Besonders die Vorsitzende des Okkult-Clubs manövriert regelmäßig Jun und die anderen Mitglieder in sehr gefährliche Situationen und einige schaffen es da auch nicht heraus. Die Zeichnungen von Sachiko Hiyodori untermalen die grotesken Gegebenheiten wunderschön. Ihr Stil besitzt einen Wiedererkennungswert und passt hervorragend zu solchen Geschichten.

Titel: Zettai BL ni Naru Sekai VS Zettai BL ni Naritakunai Otokoi
Mangaka: Konkichi
Jap. Verlag: Shodensha
Bände: 2+
Genre: Komödie, Parodie, Boys Love

Der Protagonist hat etwas begriffen: Er lebt in einer Boys Love-Mangawelt. Überall laufen gut aussehende Kerle herum, während die meisten Mädchen nur vage Gesichter haben. Alles mögliche kann zu einer BL-Romanze führen, an der unser Protagonist aber überhaupt kein Interesse hat. Schließlich sind Mädchen süß, Brüste toll und seinen Eltern möchte er Enkel schenken. Für sich selbst hat er sich eigentlich auch keine Sorgen gemacht, denn er und seine Familie sehen ausgesprochen gewöhnlich aus und sind damit bloß Statistenmaterial. Aber dann erwischt es seinen kleinen Bruder! Und so bewaffnet er sich mit dem Wissen über all die “Flags”, den typischen Auslösern für BL-Romanzen, um ja gut vor Konfrontationen gewappnet zu sein. Das erklärte Ziel: Er will ein Statist bleiben! (Und eine Freundin finden.)

So richtig “BL” ist dieser Manga selbst nicht, aber wartet quantitativ definitiv mit mehr BL auf, als jeder reguläre Eintrag aus dem Genre. So wirklich darin belesen sein muss man nicht, aber zweifelsohne wirkt Zettai BL ni Naru Sekai VS Zettai BL ni Naritakunai Otokoi als Parodie umso besser, je mehr man davon schon ausprobiert (und sich dabei verbrannt) hat. Wusste man es nicht ohnehin schon, wird einem hier schonungslos (zum Schießen) in kompakten Kurzkapiteln vor Augen geführt, wie absurd so manch ein BL-Kischee wirklich ist. Auf die Schippe genommen wird dabei nicht nur der Schnulz von “harmlosen” Romanzen sondern durchaus auch all der Porn, in dem das Genre so oft zu ertrinken erscheint. (Keine Sorge, die Parodie selbst wird nie grafisch explizit.) Wenn man kein Fan typischer BL-Konstrukte ist, ist die Suche nach den seltenen Juwelen des Genres meist eine dornige Angelegenheit. Aber mit diesem kleinem Goldstück lässt sich durchaus sagen: Selbst all der Trash hatte doch noch seinen Nutzen! (Und wer ihn mag bekommt bekommt ein Buffet davon serviert.) Für einen Einblick lassen sich aktuell alle Kapitel legal auf Japanisch unter Pixiv Comics einsehen.

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