Belle & Das Biest im verlorenen Paradies

Märchen sind zeitlos und inspirieren zu immer neuen Interpretationen. Kaori Yuki hat mit Ludwig Revolution und Alice in Murderland bereits zwei solcher Werke geschaffen. Ihr neuestes Werk Belle & das Biest im verlorenen Paradies hat dieses Mal Die Schöne und das Biest als Vorlage, doch natürlich hat es mit dem ursprünglichen Märchen nicht mehr viel gemeinsam. Belle ist voller Komplexe wegen ihrer sonderbaren Haarfarbe und weil ihr Vater ihr eingeredet hat, sie sei hässlich – während das Biest selbstsicher auftritt und harsche Worte spricht. Seit Ende September 2021 erscheint der Manga beim deutschen Verlag Carlsen Manga im Großformat. In Japan wird der Titel von Kodansha über die Manga-App Palcy veröffentlicht.

Belle ist ein aufgewecktes Mädchen, das sich mit Jungs prügelt und draußen herumtobt. Doch eines Tages geht sie in den verbotenen Wald, um dort rote Rosen zu pflücken. Ihre Mutter folgt ihr und erzählt Belle vom Biest, das Frauen entführt und ihnen das Gesicht vom Leib reißt, wenn sie es nicht lieben können. Just in dem Moment taucht auch schon das Monstrum auf, Belles Mutter stößt ihre Tochter in den Fluss, damit wenigstens sie sicher ist. Später findet man die Leiche ihrer Mutter, dort, wo ihr Gesicht sein sollte, klafft nur Schwärze. Sie muss verbrannt werden, ansonsten entsteht aus dem Leichnam eine sogenannte Idohl, die auf der Suche nach ihrem Gesicht das von anderen Leuten herunterreißt. Belle gibt sich die Schuld am Tod ihrer Mutter, doch eines lässt sie grübeln: Wenn das ihre Mutter ist, wo ist dann das Rosen-Mal auf ihrer Hand geblieben?

Gibt es das Biest zweimal?

Originaltitel Rakuen no Bijo to Yajuu
Jahr 2019
Band 1/5
Genre Fantasy, Mystery
Mangaka Kaori Yuki
Verlag Carlsen Manga
Veröffentlichung: 28. September 2021

Belles Vater Evans sperrt seine Tochter weg, redet ihr ein, sie sei hässlich und Schuld am Tod ihrer Mutter. Er sei der einzige Mensch, der sie jemals lieben könnte. Es vergehen fünf Jahre bis Belle die Flucht ergreift, um etwas über den Verbleib ihrer Mutter herauszufinden. Sie glaubt nicht an den Tod und geht hierfür erneut in den verbotenen Wald. Dort trifft sie erneut auf das Biest, aber aus heiterem Himmel taucht plötzlich eine andere groteske Gestalt auf, die das andere Monster angreift. Es stellt sich heraus, dass jener, der es auf Belle abgesehen hat, ein Dämon ist und sie vom echten Biest, Prinz Kyril, gerettet wurde. Aus einer Laune heraus nimmt Kyril sie mit in sein Schloss, dort muss sich Belle erst beweisen. Denn die Erziehung ihres Vaters hat ihre Spuren in der Seele des Mädchens hinterlassen.

Anders als das Volksmärchen und Disneys Version

Kaori Yuki zeigt in Belle & das Biest im verlorenen Paradies wieder einmal, wie geschickt sie eine Vorlage drastischen Änderungen unterziehen kann, sodass es nicht zu gekünstelt wirkt. Bereits in der Vorlage Die Schöne und das Biest unterliegt ein Prinz und dessen Gefolgschaft einem Fluch, das ist in dieser Manga-Serie nicht viel anders. Doch es wäre kein Werk von Kaori Yuki, wenn sie sich stur ans Original halten würde. Prinz Kyril geht mit der Sache ganz anders um, genauso wie Belles Charakter ein vollkommen anderer ist. Dazu gesellt sich ein Dämon, der Gesichter schöner Frauen stiehlt, eine Hexe, welche diese sammelt, und die gesichtslosen Idohl, die sich ähnlich wie Zombies verhalten. Aber es ranken sich noch mehr Mysterien rund um Belle. Da wäre ihre sonderbare Haarfarbe, sie trägt zudem das selbe Rosenmal wie ihre Mutter und Kyrils Schwester Giselle spricht von der echten Belle, sie akzeptiere keine andere.

Erster Eindruck

Bereits der erste Band von Belle & das Biest im verlorenen Paradies gibt dem Leser dutzende Informationen, die er erst einmal verarbeiten und sortieren muss. Das könnte für manchen vielleicht etwas zu schnell gehen, besonders da Kaori Yuki sich mehr Zeit bei ihren älteren Werken ließ. Doch wer in Alice in Murderland oder auch The Royal Doll Orchestra keine Probleme damit hatte, sollte auch frei davon sein. Die Serie bietet einen interessanten Auftakt mit all den Geheimnissen, die aufgedeckt werden wollen. Belle mag vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig sein, doch eigentlich ist sie ein sympathisches Mädchen und Prinz Kyril wirkt zwar arrogant, aber hat dennoch eine gute Seele. Insgesamt gefällt mir die Serie recht gut. Kaori Yuki hätte sich zwar etwas mehr Zeit lassen können, um ein bisschen mehr von Belle zu zeigen, aber das lässt sich eigentlich verschmerzen. Wer also Lust auf eine Neuinterpretation von Die Schöne und das Biest hat, sollte einen Blick riskieren.

© Carlsen Manga


Veröffentlichung: 28. September 2021

Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo's Bizarre Adventures.

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