Verwünscht

“Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende”, so heißt es oft gegen Ende einer Märchengeschichte. Auch die klassischen Disney-Märchen zeigen eine eher wenig realitätsnahe Welt, in der sich Prinzessinnen in heldenhafte Prinzen verlieben und sofort geheiratet wird, als würde man sich nicht erst seit wenigen Tagen oder gar Stunden kennen. Im 2007 erschienenen Film Verwünscht nimmt Regisseur Kevin Lima die unrealistischen Entwicklungen eben jener Disney-Märchen aufs Korn und schickt die Zeichentrickfigur Giselle am Tag ihrer Hochzeit mit dem Prinzen (den sie seit sage und schreibe einem Tag kennt) in unsere reale Welt. Die romantische Fantasy-Komödie mit Amy Adams und Patrick Dempsey in den Hauptrollen soll 2022 eine Fortsetzung erhalten.

   

Im märchenhaften Zeichentrickland Andalasien lebt die junge Giselle (Amy Adams, Justice League) mit ihren tierischen Freunden im Wald. Sehnsüchtig wartet sie auf ihren Traumprinzen und den Kuss der wahren Liebe. Als dann Prinz Edward (James Marsden, X-Men) auftaucht, sind beide überzeugt: Das ist die große Liebe, morgen wird geheiratet! Der bösen Königin Narissa (Susan Sarandon, In meinem Himmel) gefällt das gar nicht, denn schon jahrelang versucht sie zu verhindern, dass ihr Stiefsohn Edward eine Frau findet, schließlich könne er ihr dann den Thron wegnehmen. Also stellt Narissa Giselle am Tag der Hochzeit eine Falle und schubst sie kurzerhand durch einen Brunnen in eine fremde Welt: ein Ort ohne Happy End – unsere Welt! Giselle findet sich also in New York wieder, wo sie den Scheidungsanwalt Robert (Patrick Dempsey, Grey’s Anatomy) und dessen Tochter Morgan (Rachel Covey, Duane Hopwood) kennenlernt. Wird Giselle wieder nach Andalasien zurückfinden und ihren Edward heiraten können? Oder ist ihre große Liebe am Ende gar ein anderer?

Märchenwelt gegen Realität

Originaltitel Enchanted
Jahr 2007
Land USA
Genre Komödie, Romanze, Fantasy
Regie Kevin Lima
Cast Giselle: Amy Adams
Robert: Patrick Dempsey
Prinz Edward: James Marsden
Nathaniel: Timothy Spall
Nancy: Idina Menzel
Morgan: Rachel Covey
Königin Narissa: Susan Sarandon
Erzählerin: Julie Andrews
Laufzeit 103 Minuten
FSK
Im Handel erhältlich

Verwünscht ist ohne Frage eine Parodie auf die gängigen Disney-Märchen, schließlich startet der Film zunächst als Zeichentrick-Produktion. Erst nachdem Giselle durch den Brunnen fällt, wechselt die Szenerie zum echten New York und echten Menschen. Giselle ist dabei auch die typische Protagonistin einer Märchengeschichte: hoffnungslos naiv, unschuldig und völlig weltfremd. Bevor sie Prinz Edward trifft, singt unser liebreizendes Goldkehlchen Giselle mit ihren Tieren davon, wie sehr sie sich ihren Prinzen und die wahre Liebe wünscht. Natürlich taucht der kurz darauf auf und im nächsten Moment steht schon die Hochzeit an. Doch in New York gibt es keine zauberhaften Happy Ends, was gerade Robert als Scheidungsanwalt zu gut weiß. Er ist zwar schon länger mit seiner Freundin Nancy (Idina Menzel, Cinderella) zusammen und möchte sie auch heiraten, aber an die große Liebe glaubt er nach einigen Enttäuschungen nicht mehr. Es treffen also zwei Gegensätze aufeinander, die aber voneinander lernen können. Wenn Giselle erzählt, dass sie ihren Verlobten Edward erst seit einem Tag kennt, dann fragt Robert natürlich schockiert, wie sie darauf kommt, ihn sofort zu heiraten (eine spitze Bemerkung, die 2013 in Die Eiskönigin erneut verwendet wird). Als absolutes Geschenk erweist sich hierbei aber auch die wundervolle Chemie zwischen Amy Adams als Giselle und Patrick Dempsey als Robert, sodass man als Zuschauer*in gar nicht umhin kommt, den beiden (zusammen mit Morgan) ihr eigenes Happy End zu wünschen.

Im Kern eine Liebeskomödie

Trotz dessen, dass Verwünscht eine Parodie auf die disney’schen Märchen ist, ist der Film im Grunde eine typische Liebeskomödie, die mit einem wenig unüblichen Verlauf auftrumpft. Denn dass Robert und Giselle letzten Endes zusammen kommen, ist als Zuschauer*in sofort als gegeben ersichtlich. Das ist aber keinesfalls schlimm, denn die Romanze ist süß gemacht und die Balance aus humorvoller Parodie und zauberhafter Liebesgeschichte gelingt sehr gut. Zunächst möchte Robert Giselle nur möglichst schnell loswerden, denn eine Frau, die behauptet, sie komme aus einer Märchenwelt und suche ihren Prinzen, wirkt natürlich erst einmal, als habe sie nicht mehr alle Porzellantassen im Schrank. Doch nach und nach fängt er an, in ihr mehr zu sehen, auch wenn er zunächst nur wegen Morgan nett zu ihr ist. Ironischerweise erzählt Verwünscht damit im Prinzip eine eigene märchenhafte Geschichte, die nur eben in New York spielt und gleichzeitig genau diese parodiert. Der Film enthält zudem auch zahlreiche Anspielungen und Easter Eggs anderer Disney-Filme wie etwa Cinderellas Glassschuh oder Dornröschens verfluchten Schlaf, der nur durch einen Kuss der wahren Liebe gelöst werden kann. Besonders kitschig wird es am Ende, wenn nicht nur Robert und Giselle endlich zueinander finden, sondern auch Prinz Edward und Nancy gemeinsam nach Andalasien hüpfen und die Hochzeitsglocken läuten lassen. Ein typisches Happy End eben, bei dem am Ende möglichst alle guten Figuren glücklich sind, auch wenn dies nicht unbedingt logisch erscheint.

Zeichentrick-Film, Realfilm und Musical in einem

Verwünscht ist visuell eine Mischung aus Zeichentricksequenzen in einem traditionellen Zeichenstil (also mit handgezeichneter Cel Animation, Computeranimationen werden nicht verwendet) sowie Realfilm, wobei auch hier öfters Elemente im Zeichentrickstil auftauchen, etwa wenn die böse Königin mit ihrem Handlanger Nathaniel (Timothy Spall, Harry Potter und der Feuerkelch), der eine Reunion zwischen Giselle und Edward verhindern soll, kommuniziert. Die Entscheidung für Cel Animation betont noch einmal, dass vor allem die klassischen Disney-Märchen à la Schneewittchen und die sieben Zwerge oder Arielle, die Meerjungfrau auf die Schippe genommen werden. Ebenfalls wichtig ist, dass Verwünscht zahlreiche Musical-Einlagen besitzt, gerne auch genauso kitschig inszeniert, wie man sich das vorstellt. Die Kostüme, die getragen werden, sehen eher lächerlich aus, was sicherlich auch beabsichtigt ist. Prinz Edwards Klamotten sehen an einer Zeichentrickfigur vielleicht noch passabel aus, aber wenn ein erwachsener Mann außerhalb des Theaters so herumstolziert, dann lädt das eher zum Schmunzeln ein. Der CGI-Einsatz zum Finale des Filmes ist allerdings wenig beeindruckend, erfüllt aber seinen Zweck.

Fazit

Verwünscht ist eine wunderschön inszenierte Parodie auf die Klischees klassischer Disney-Märchen und bringt dadurch viel zum Lachen. Die Mischung aus Zeichentrickproduktion und Realfilm präsentiert sich nicht nur als interessante kreative Entscheidung, sondern begünstigt auch die humorvolle aber eben gleichzeitig ebenso märchenhafte Atmosphäre. Aber auch die Liebesgeschichte selbst ist süß gemacht und versprüht einen märchenhaften Zauber, selbst wenn man ebenfalls nichts gegen Kitsch einzuwenden haben sollte. Die Musical-Einlagen schaffen es dann tatsächlich, nicht zu aufdringlich oder nervig zu sein, sondern sich wunderbar in das Gesamtbild einzufügen. Wer Disney-Märchen mag oder gerne Liebeskomödien mit Fantasy-Einschlag schaut, sollte Verwünscht unbedingt gesehen haben!

© Disney


Im Handel erhältlich:

Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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