DCEASED

Lesezeit: 4 Minuten

Tom Taylor ist ein Autor, der sich vor allem durch die Comicserie Injustice, der Vorgeschichte des gleichnamigen Videospiels einen Namen gemacht hat. Diese alternative Erzählung des DC-Universums machte ihn berühmt-berüchtigt. Bekannte Helden starben, andere wurden radikal überarbeitet. Auch seine neueste Serie aus dem Hause DC stellt da keinen Unterschied dar. Komplett frei vom aktuellen Kanon strickt er ein erschütterndes Bild einer Erde, die einem Angriff gegenübersteht, dem nicht einmal die Justice League gewachsen ist. Eines ist nur klar: Helden werden fallen!

 

Die Justice League kann erfolgreich einen Angriff von Darkseid abwehren. Mit geringen Verlusten drängt sie ihn und seine Armee zurück nach Apokolips, den Planeten, von dem Darkseid herrscht. Mit einer ominös wirkenden Aussage zieht er sich zurück. Einige der Helden lässt das stutzig werden und als Batman bestätigt, dass sich ihr Freund und Mitstreiter Cyborg nicht mehr im Sonnensystem befindet, wird allen klar, dass Darkseid sein wahres Ziel erreicht hat. Wie sich herausstellt, befindet sich nämlich in Cyborgs mechanischen Körperteilen die zweite Hälfte der “Anti-Life-Equation”. Diese Gleichung, nach der Darkseid schon seit einer Ewigkeiten sucht, würde ihm die ultimative Kontrolle über Leben und Tod verleihen. Um sie vollständig zu nutzen, darf Cyborg aber nicht sterben, weshalb Darkseid ein Stück des schwarzen Läufers, DCs Version des Sensenmannes, in Cyborg einsetzt und dann die “Anti-Life-Equation” mit seiner Hälfte vervollständigt. Darkseids vielleicht schwerster, aber auch letzter Fehler.

Die moderne Zivilisation ist der Untergang der Menschheit

Originaltitel DCEASED
Jahr 2019
Land USA
Genre Superhelden, Horror
Autor Tom Taylor
Zeichner Trevor Hairsine, Stefano Gaudiano, James Harren
Verlag DC Comics (US)

Tom Taylor bedient sich einiger Ängste und Sorgen der Welt, was die moderne Technik angeht. Nachdem Cyborg zurück zur Erde geschickt wird, zerstört ein infizierter Darkseid ganz Apokolips. Bis dorthin ist alles noch klassisches Zombie-Territorium – mit dem Superheldenspin – aber durch die Art und Weise, wie Cyborg infiziert und mit der “Anti-Life-Equation” ausgestattet wird, entsteht bei seiner Rückkehr eine Kettenreaktion. Seine Maschinenhälfte infiziert nämlich alle modernen Geräte, das Internet und Smartphones mit der Gleichung und alle die sie sehen, werden zu “Anti-Lebenden”. Im Comic wird geschickt das Wort Zombie vermieden, auch wenn es klar ist, woher Tom Taylor die Inspiration nimmt. Durch die neue Benennung der Infizierten passt es aber besser in das DC-Universum. Die Nutzung moderner Technik als Quelle der “Zombifizierung” fügt sich auch gut in die heutige Zeit und der Terminus “Social-Media Zombie” ist diesmal vielleicht einfach wörtlich zu nehmen. Ganz interessant war auch, dass die Szenen auf Apokolips von James Harren (Rumble) gezeichnet wurden, während Trevor Hairsine (Divinity) und Stefano Gaudiano (The Walking Dead) für den Rest des Heftes verantwortlich sind. Harrens Stil passt perfekt zu den Geschehnissen auf Apokolips, die einfach etwas abstrakter bleiben, während mit Gaudiano jemand als Inker dabei ist, der etwas von Zombies versteht. Dieser Kontrast schafft es auch umso stärker, den Leser zu schocken wenn schon im ersten Heft ein geliebter Held zum Opfer wird und das Schicksal eines anderen am seideneb Faden hängt. Tolle Arbeit von allen Beteiligten

Erster Eindruck

Man könnte eigentlich der Meinung sein, DC hätte nach Injustice gelernt, einem gewissen Tom Taylor keine Elseworld-Storys mehr in die Hand zu geben. Es scheint, als habe er ein leichtes Faible dafür, geliebte Helden leiden zu lassen und sie auch umzubringen, wenn es keine Konsequenzen für die Kontinuität hat. Was jetzt kritisch klingt, soll aber nicht so verstanden werden. Taylor versteht sein Handwerk. Bei Marvel schrieb er mit All-New Wolverine eine meiner Lieblingsserien der letzen Jahre und kam ganz ohne große Schockmomente aus, arbeitete aber auch in der “normalen” Kontinuität”. Sobald Taylor aber freie Hand hat, nutzt er alles aus, was ihm zur Verfügung steht. Dabei ist er nicht einmal der erste, der Superhelden als Zombies zeigt. Ein gewisser Robert Kirkman hat das schon 2005 bei Marvel gemacht, vielleicht etwas beeinflusst durch die Arbeit an seiner anderen Serie, The Walking Dead. Taylors Arbeit ist aber keinesfalls eine lahme Kopie dessen. Er nutzt die Geschichte von Darkseid aus und gibt damit allem einen eigenen Anstrich. Es zeigt auch, wie gut er sich in der Comic-Geschichte auskennt. Für Leute, die sehen wollen, wie es wohl mal aussehen wird, wenn wir alle von Technik-Zombies überrannt werden, ist die Serie sicher einen Blick wert. Wer allerdings Angst hat, seinen Lieblingshelden sterben zu sehen, sollte möglichst großen Abstand von dem Comic nehmen. Hier ist nämlich niemand sicher.

Sharing is caring / Artikel teilen:
  •  
  •  
  •  

Hero Kage

Hero Kage ist Test Engineer für einen der weltweit größten Chiphersteller und sorgt unter anderem dafür, dass die Elektronik in Autos richtig funktioniert. In seiner Freizeit erholt er sich mit jedem Medium, das eine Geschichte bieten kann, die ihm gefällt. Dabei unterscheidet er nicht zwischen einzelnen Medien. Es geht ihm nur darum, besonders gut unterhalten zu werden. Zudem ist er auch noch passionierter Brett- & Kartenspieler und immer für ein neues Spiel zu begeistern.

avatar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: