Interview mit Jo Romic

Lesezeit: 5 Minuten

Schärft eure Schwerter und überlegt noch einen Moment, ob ihr nicht an Höhenangst leidet! Für die namensgebende Hautfigur in Florence Fanning und die Steampirates, dem Debüt von Jo Romic, sind diese Punkte wichtig, um ihr erstes Abenteuer zu bestehen. Für den Autor, der sich schon früh für Themen wie fremde Welten, außerirdische Wesen und Superhelden zu interessieren begann, ist die Veröffentlichung seines ersten Buches ein besonderes Erlebnis. Hat er früher selbst erdachte Welten auf Film gebannt, machte er mit Florence Fanning einen mutigen Schritt in die Literaturwelt. Wir fanden es interessant, wie es dazu kam und haben dem Autor ein paar Fragen unter die Nase gerieben.

Geek Germany: Du hast Florence Fanning ursprünglich als Comic geplant – wie kamst du auf die Idee?

Jo Romic: Schon als Kind war ich ein großer Comicfan und hab selbst einige Storys gezeichnet. Ich wollte sogar mal Comiczeichner werden, da ich früher recht gut zeichnen konnte. Zumindest hat man mir das gesagt. Schon allein deshalb hatte ich immer eine starke Bindung zu dem Medium, auch wenn diese die letzten Jahre weniger geworden ist. Zu der Idee, Florence als Comic umzusetzen, kam ich dann durch die deutsche Comic-Serie Steam Noir. Ich war schon immer fasziniert von dem Steampunk Genre und als ich 2012 von diesem deutschen Projekt hörte, war ich begeistert. Ich dachte mir: So etwas möchte ich auch machen!

Geek Germany: Und warum hast du dich dann gegen eine Comic-Serie entschieden?

Jo Romic: Kurz gesagt, weil es einfach nicht zu stemmen war. Comicprojekte sind nur schwer finanzierbar und sehr teuer. Außer, man macht alles selber. Ich hatte einige Künstler gefunden, wie Kaydee Artistry, die mir ihre Zeit geschenkt hatten. Aber die vorhandene Zeit und die Größe der Story vertrugen sich einfach nicht. Es hätte Jahre gedauert, einen Band zu vollenden. Die geplante Reihe fing als endloses Abenteuer an, dann arbeitete ich sie auf eine Trilogie herunter. Doch es war immer noch zu groß. Ich hatte die Story um Florence und die Suche nach ihrem Vater am Ende auf einen dicken Comicband zusammengestaucht, aber das fühlte sich dann nicht mehr so an, wie das, was ich machen wollte. So konnte ich es einfach nicht lassen und habe es dann auf Eis gelegt. An keinem Projekt habe ich so viel herumgeschrieben und Fassungen erarbeitet wie an diesem. Ich habe einen ganzen Ordner zu Hause mit verschiedensten Ansätzen, wie das Abenteuer von Florence hätte losgehen können. Schon allein deshalb konnte ich es nicht vergessen. Florence Fanning und die Steampirates war mir einfach zu sehr ans Herz gewachsen. 🙂

Geek Germany: Florence Fanning ist eine mutige junge Frau, die unzufrieden mit ihrem Leben ist, da es sie zu sehr einschränkt. Erzähl uns doch ein bisschen mehr von ihr, gibt es eine Vorlage aus dem echten Leben?

Jo Romic: Eine direkte Vorlage gibt es nicht. Generell mag ich starke Frauenfiguren und transportiere meine eigenen Sichtweisen in sie hinein. Wenn man etwas erreichen möchte, muss man etwas dafür tun. Vom bloßen Träumen passiert nichts. Vielleicht ist Florence mein eigenes Vorbild. Ich wäre gerne wie sie. Nicht zu viel nachdenken, einfach machen.

Geek Germany: Und warum hast du dich für Piraten als ihre ärgsten Feinde entschieden?

Jo Romic: Ich denke, das lag an dem Genre selbst. In Steampunkgeschichten wird oft das Thema Fliegen angeschnitten oder man spricht von Piraten der Lüfte. Ich denke, dass ich damals eins und eins zusammengezählt habe. Ich mochte zudem schon immer Schwertkämpfe. So kam ich recht schnell auf den Titel „Steampirates“. Das Buch sollte ursprünglich so heißen. Sofort kamen mir Bilder von Dampfpiraten in den Kopf. Keine menschlichen Piraten, die auf Dampfschiffen lebten. Sondern Maschinen, kaltblütige Monster, wie ein Terminator. Ich fragte mich, wieso hat das noch keiner gemacht? Zumindest habe ich damals nichts gefunden, was dem ähnlich kam.

Geek Germany: Du hast anstatt eines Verlages dein Buch selbst herausgebracht. Gab es für dich Gründe gegen eine Verlagsveröffentlichung?

Jo Romic: Der Hauptgrund war der, dass ich nie daran geglaubt habe, dass mich ein Verlag nimmt. Da dachte ich mir, ich probiere es gar nicht erst. Auf der anderen Seite mag ich es, die komplette Kontrolle zu haben. Ich kann über jedes Detail bestimmen und muss es mit Niemanden abstimmen. Heute denke ich aber oft darüber nach, ob ich es nicht doch Jemanden hätte anbieten sollen. Es hätte sicher in einige Programme gepasst. Ich würde es also nicht ausschließen mit einem anderen Projekt an einen Verlag heranzutreten. Vielleicht hat ein Verlag ja auch noch Interesse an Florence, wer weiß. 🙂

Geek Germany: Welche Vorteile siehst du in der Veröffentlichung über Amazon?

Jo Romic: Der klare Vorteil: Du kannst machen, was du möchtest. Niemand redet dir rein und du bist nicht an Verträge gebunden. Ich allein kann bestimmen, wie oft ich Florence in ein Abenteuer schicke, ohne es mit einem Verlag abzusprechen, der die Rechte hält. Ich kenne bis jetzt auch nur Amazon als Anbieter und kann eigentlich nur sagen, dass sie es einem sehr einfach machen mit der Veröffentlichung. Es gibt keine großen Hemmschwellen. Jeder kann es.

Geek Germany: Und welche Nachteile?

Jo Romic: Bezogen auf Amazon? Naja, du bist dann NUR auf Amazon. Auch wenn das große A, soweit ich weiß, den größten Marktanteil in der Branche hat, können dich andere LeserInnen nicht finden. Und du kommst so nicht in den Buchhandel. Man findet dich also nur online bei Amazon.

Geek Germany: Das Ende von Band 1 macht definitiv Lust auf mehr – wann können wir mit dem nächsten Band rechnen und gibt es ein Element der Handlung, dass du uns schon verraten magst?

Jo Romic: Momentan plotte ich noch fleißig. Gerade neben der Arbeit ist es eine Herausforderung, dafür Kraft zu finden. Aber ich komme stetig mit kleinen Schritten voran. Das reine Schreiben geht dann schneller. Ich möchte mich da auch nicht hetzen, denn mir ist es wichtig, dass Band 2 spannend ist und mindestens genauso gut wird, wie der Vorgänger. Das Besondere an diesem Teil ist, dass es mindestens zwei parallel verlaufende Handlungen geben wird. Den Strang von Florence und den von Quinn. Jeder, der den ersten Teil gelesen hat, weiß wieso. Die Fortsetzung bekommt im Gegensatz zur ersten Story, ein paar ruhigere Stellen ab. Teil 1 sollte eine Achterbahnfahrt werden und der zweite darf gerne etwas ruhiger daherkommen. Hier ist es wichtig den LeserInnen die Charaktere näher zu bringen, da sie in Florence Fanning und die Steampirates etwas zu kurz gekommen sind. Aber keine Angst, es wird nicht zu ruhig werden! Es ist spannend, da die Balance zu finden. Ich denke ständig an Das Imperium schlägt zurück von Star Wars: So ähnlich kann man sich das nächste Abenteuer von Florence vorstellen. Eine Weiterentwicklung und nicht dasselbe nochmal. Ich peile eine Veröffentlichung im August oder September 2018 an. Aber sicher vor der Buchmesse in Berlin im November.

Geek Germany: Hast du schon Ideen für Projekte nach dem Beenden der Florence-Fanning-Reihe? Wird dir der Abschied von ihr sehr schwer fallen?

Jo Romic: So wie jeder Autor oder Autorin, habe ich einen Haufen Ideen. Es ist nur die Kunst, sich auf das richtige Projekt zu konzentrieren. Hinter welchem steht man am meisten? Durch die Comicvergangenheit von Florence hatte ich schon immer eine sehr starke Bindung zu ihr. Weshalb mir die Wahl für meinen ersten Roman nicht schwer fiel. Ich wollte ihre Geschichte immer irgendwie veröffentlichen. Wenn ich das Ende der Trilogie erreicht habe, werde ich sie sicher vermissen, aber ich liebe es auch, neue Dinge anzufangen. Da ich ein großer Fan der Science-Fiction bin, könnte es sein, dass ich etwas in der Richtung schreibe. Verschiedenen Idee liegen schon in der „Schublade“.

Geek Germany: Vielen Dank für das nette Gespräch!

Das Interview führte MadameMelli für Geek Germany.

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MadameMelli

MadameMelli ist im Berufsalltag als Informationsninja unterwegs und hilft Suchenden, die passende Literatur zu finden. In ihrem Freundeskreis ist sie als Waschbär bekannt und dementsprechend ist auch kaum ein Buch, Manga oder Comic (oder Tee) vor ihr sicher – alles wird in die Hand genommen, begutachtet und bei Gefallen mit nach Hause geschleppt. Nur nicht gewaschen, das wäre zu viel des Guten. Sinniert gerade darüber, ob es als Waschbär sehr gefährlich ist, Wölfe zu lieben, lässt sich davon aber nicht abhalten und schreibt in ihrer Freizeit selbst Geschichten. Manchmal auch über Wölfe. Oder Tee.

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