Star Trek: Picard (Folge 1×09)

Auf ins Finale! Star Trek: Picard endet in einer Doppelfolge. “Et in Arcadia Ego 1”, also Folge 9 von 10, schickt seine Protagonisten nun endlich zu Sojis Heimat auf dem Planeten Coppelius. Nach “Androidenhausen”, wie Raffi es flapsig nennt. Und ein Borg-Kubus und eine romulanische Streitmacht sind auch dorthin unterwegs. Ups, taucht da nicht etwa der Name Brent Spiner in der Besetzungsliste auf? Der Schauspieler, der in etlichen Staffeln Star Trek: The Next Generation den Publikumsliebling Mr. Data spielte? Na, wenn da das Fanherz nicht ein wenig schneller schlägt!

Picard hatte eigentlich Kurs auf die Raumstation Deep Space 12 genommen, wo ein Geschwader der Sternenflotte zur Unterstützung hinbeordert wurde, aber Soji hat seine Pläne durchkreuzt und einen schnellen Weg zum Planeten Coppelius entdeckt. Der Planet stellt sich als recht einladend und erdähnlich heraus, in die eine Richtung liegt der ebenfalls dort gelandete Borg-Kubus, in die andere Sojis Zuhause. Auf dem Borg-Kubus sind Seven of Nine, Elnor und die Ex-Bs heil gelandet und mit Aufräumen beschäftigt. Sojis Heimat stellt sich als hübsches Anwesen am Meer heraus, wo der Wissenschaftler Altan Inigo Soong friedlich mit den von ihm geschaffenen Androiden lebt. Unter anderem hat er auch eine weitere Doppelgängerin von Soji erschaffen. Sutra, die Zwillingsschwester der einst auf Geheiß von Commodore Oh ermordeten Androidin Jana, hat vulkanische Gedankenverschmelzung gelernt und liest aus dem Weltuntergangsvisionen, die Agnes Jurati quälen, etwas ganz anderes heraus als der romulanische Geheimdienst: Es ist eine Nachricht unendlich mächtiger künstlicher Intelligenzen an künftiges künstliches Leben: Wenn ihr Hilfe braucht, ruft uns und wir befreien euch aus den Klauen der organischen Lebewesen. Und vernichten sie. Angesichts einer Flotte romulanischer Kampfraumschiffe im Anflug auf Coppelius hat Soji nun mit dem moralischen Problem “Darf man Leben für anderes Leben opfern?” zu kämpfen. Picard weiß, was zu tun ist: Auf den Hilferuf an die mysteriösen Mächte verzichten, die Bewohner von Coppelius mit der La Sirena evakuieren und vor der Föderation für ihre Rechte streiten. Doch angesichts des jämmerlichen Scheiterns von Picards letzter großer Rettungsaktion und der androidenfeindlichen Grundhaltung der Föderation ist kaum einer geneigt, ihm zu trauen. Erst einmal steht er unter Hausarrest, während die Bedrohung immer näher rückt …

Weltraum-Orchidee voraus!

Zum ersten Mal beginnt eine Folge von Star Trek: Picard nicht mit einer Rückblende. Wozu auch? Mittlerweile ist alles enthüllt, was in der Vergangenheit schlummerte. Dafür gibt es eine geballte Ladung Weltraum-Action, würdig eines Staffel-Finales. Soji hat dank der in ihr abgespeicherten Informationen eine Abkürzung zu ihrem Heimantplaneten entdeckt. Ob das nun ein Dimensionsloch ist oder der Unwahrscheinlichkeits-Drive, es ist die Sorte Weltraum-Abkürzung, die es möglich macht, 25 Lichtjahre in einer Viertelstunde zurückzulegen. Die Crew muss dabei in den Sitzen hin und her wackeln, während an den Fenstern grelle Lichter vorbeiflitzen. Tradition also. Schwupps, schon sind sie kurz vor Planet Coppelius und werden prompt von Narek beschossen, der ihnen hinterhersaust ist. In das Scharmützel plumpst… was? Der gesamte Borg-Kubus. Und als ob das noch nicht genug der Überraschung wäre, steigen von dem Planeten fünf Flugobjekte auf, die sich als raumschiffgroße Orchideen herausstellen. Von denen eine die La Sirena kurzerhand verschluckt. Und das sind gerade mal die ersten zehn Minuten der Folge! Da hatte offenbar jemand richtig viel Spaß mit alten Star Trek-Folgen und möglichst absurden Wendungen.

Altan Inigo Soong, verrückter Wissenschaftler

Ja, Brent Spiner ist mit dabei. Nein, es ist nicht gelungen, Data zu rekonstruieren. Spiner hatte einst beschlossen, nach sieben Staffeln und einigen Filmen aus Star Trek auzusteigen, denn dass er älter wurde, war nicht zu übersehen. Aber Androiden altern nicht, ein alter Mr. Data wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Also wurde Data in Star Trek: Nemesis unwiederbringlich ins All hinausgeschossen. Und auch Star Trek: Picard macht das nicht rückgängig. Die Frage, warum da jemand aussieht wie ein gealterter Mr. Data, wird elegant in Star Trek-Überlieferung eingebettet. Der nette ältere Herr, der sich als “Altan Inigo Soong, verrückter Wissenschaftler”, vorstellt, ist der Sohn von Dr. Noonien Soong, dem Schöpfer von Data, der seinem Geschöpf die Züge seines Sohnes gab. Altan Soong führt das Erbe seines Vaters fort und hat sich dafür ausgerechnet einen Planeten namens Coppelius ausgesucht. Diesmal ein Wink mit dem Zaunpfahl, den eher Literaturliebhaber als Trekkies entschlüssen können: Coppelius heißt in E.T.A. Hoffmanns Erzählung Der Sandmann der zwielichtige Alchimist, der eine mechanische Puppe baut, die beinah menschlich wirkt. Auf diesem bedeutungsschwanger benannten Planeten hat er sein Labor, das aussieht wie ein Wellness-Hotel am Meer. Offenbar ist bei Picards Ankunft gerade ein Outdoor-Tai Chi-Kurs im Gange, an dem alle Geschöpfe Soongs teilnehmen. Hübsch haben sie es da. Und wie bei den Auftritten der anderen Star Trek-Veteranen gibt das Skript Spiner viel Gelegenheit zu glänzen. Was für ein liebenswerter, humorvoller Kerl. Und er hat sogar Spot, Datas rotgetigerte Katze rekonstruiert! Auf welcher Seite er steht, ist allerdings nicht so recht abzusehen.

Eine neue Antagonistin und die Frage nach der Moral

Bisher hatte Star Trek: Picard zwei starke Antagonistinnen. Commodore Oh, die Strategin. Und Narissa, die Frau fürs Grobe. Auf der Zielgeraden kommt noch eine Dritte hinzu. Sutra, eine weitere Doppelgängerin von Soji. Allerdings mit den gelben Augen Datas und unmöglich goldglitzerndem Teint. Und was sie anhat! Dieses transgalaktische Bauchtanz-Outfit scheint geradewegs aus Star Trek Classic zu stammen. Perfekt für die Sorte außerirdische Sexbombe, die sich gleich daran machen wird, Käptn Kirk zu umgarnen. Da die Siebziger lange her sind, hat Sutra sehr viel mehr zu tun. Die Kräfte herbeizurufen, die organisches Leben ausrotten könnten. Während Picards Idealismus nach seiner gescheiterten Rettungsmission kaum punkten kann und Soji sich, ganz in Star Trek-Tradition mit der moralischen Relevanz von Konzepten wie Opfer, Notwehr, dem Zweck, der die Mittel heiligt, herumschlägt, ist Sutra einfach nur ein Miststück und in ihrer Intriganz ein Spiegelbild ihrer Gegenspielerinnen von den Zhat Vash. Mal schauen, was sie mit Narek vor hat …

Eine Folge, in der Weltraum-Orchideen, Brent Spiner und eine Rekonstruktion von Datas Katze vorkommen, kann einfach nur Spaß machen. Wieder sind alle Figuren spannend, nur Soji nicht, obwohl sie den moralischen Konflikt mit sich auszumachen hat. Eigentlich sollte das packender sein als Heimtücke im Seventies-Kostüm, ist es aber nicht. Schade. Schade auch, dass es nächste Woche schon zu Ende ist. Gefühlt wäre da noch Raum für einige Folgen mehr. Das sieht nach einem recht abrupten Abschluss aus. Aber zum Glück ist eine zweite Staffel bereits angekündigt.

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wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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Totman Gehend
Redakteur

Genau so hier: Der Borg-Kubus kommt raus gesprungen aus diesem Quantum-Space-Hyper-Nebel-wasauchimmer-Raum, unterlegt mit dröhnenden, bratzenden, geilen Electrosounds, und man denkt sich “Woah, Gänsehautmoment, das ballert jetzt so richtig!” Und was passiert? Drei Orchideen machen ihn platt … aaaaaaaaaargh x_____x””
Ich will doch einmal nur wieder die Borg erleben, das Beste am ganzen Franchise…. aber die Zeiten sind wohl vorbei ._____.”