Star Trek: Discovery (Folge 3×09)

In Folge 9 gönnt sich Star Trek: Discovery Staffel 3 einen Ausflug in Imperator Georgious Paralleluniversum. Wo es so schön tyrannisch und archaisch zugeht und wo fast die gesamte Crew der Discovery ein böses Spiegelbild hat, das mal so richtig out of Character agieren kann, dass sich die Balken biegen. Und weil es da so viel zu sehen und zu erzählen gibt, wird es gleich eine Doppelfolge.

Georgiou geht es schlecht und Mr. Kovich alias David Cronenberg weiß, warum. Die Erklärung ist lang, aber kurz gefasst besagt sie folgendes: Zeitreisen ist ungesund, Zeitreisen plus Dimensionswechsel ist tödlich. Der Bordcomputer ergänzt: Ja, aber es gibt eine minimale Rettungschance und zwar auf einem weit entfernten Planeten. Dabei soll die Discovery doch der Föderation dienen und sich nicht schon wieder eine Extratour gönnen. Aber Admiral Vance hat ein Einsehen und so düst die Discovery davon und setzt Georgiou und Michael Burnham auf dem unbewohnten Schneeplaneten ab. Dort sitzt ein älterer Herr im Gartenstuhl vor einer Tür, die nirgendwohin führt und liest Zeitung. Georgiou begreift, dass das die Chance ist, die ihr Leben retten könnte und durchschreitet die Tür – und findet sich in ihrer Heimatdimension wieder, just an dem Tag, als ihre Ziehtochter sich gegen sie verschwor und darauf von Georgiou getötet wurde. Doch da sie weiß, wie das endet, sollen diesmal die Dinge anders laufen … Derweil auf der Discovery: Adira ist gestresst und unglücklich, weil Gray zwar geistig präsent ist, aber nicht mehr kommuniziert. Stamets bietet Trost und Verständnis. Aber trotz Liebeskummer hat Adira das geheimnisvolle Signal vom Ursprungspunkt des Brandes entschlüsselt: eine Hologramm, in dem eine Kelpianerin in einem havarierten Föderations-Raumschiff um Hilfe bittet, etwa ein Jahrhundert vor dem Brand. Was wieder mehr Fragen aufwirft als es beantwortet.

Pflicht kontra Herz, die wievielte?

Wieder ist da ein ferner Planet, wo dringende und moralisch schwerwiegenden Aufgaben auf die Discovery warten, wo sie doch gemäß Befehlskette eigentlich da bleiben sollte, wo sie ist. Wieder fliegt sie natürlich dorthin, wo es Gutes zu tun gibt, anstatt ihren Job im Dienste der Föderation zu machen. Und wieder wird die Entscheidung anders durchgespielt. Michael war schon mehrmals dran und musste sich gegen Saru und Admiral Vance durchsetzen. Saru war auch schon einmal dran. Diesmal ist Saru derjenige, der für die Pflicht und das Wohl der Mehrheit auf Kosten der Belange von Einzelnen plädiert. Das ist eigentlich der Standpunkt von Admiral Vance, aber just der gibt Saru einen väterlichen Rat vom altem Sternenflotte-Hasen zu Kommandanten-Newbie: Wenn das Schiff weiterfährt, während ein Crew-Mitglied ertrinkt, dann verändert das alles an Bord. Und so schickt er die Discovery zu dem entlegenen Planeten, wo Georgiou, garstig wie immer, gerettet werden kann. Hübsch, wie ein Motiv immer wieder durchgespielt wird, aber gibt es auch andere Handlungsbauteile?

Dimensionsübergreifende Mutter-Tochter-Konflikte

Wir erinnern uns: Philippa Georgiou war zu Beginn der ersten Staffel Kommandantin eines Föderationsraumschiffs und wohlwollende Mutterfigur für Michael Burnham. Bis sie im Verlauf der Staffel zu Tode kam. Die jetzige Philippa Georgiou stammt aus einer anderen Dimension, wo Philippa Georgiou tyrannische Herrscherin eines barbarischen Imperiums ist. Auch diese Philippa Georgiou hatte eine enge Mutter-Tochter-Beziehung zu einer Parallel-Michael Burnham, die sie jedoch tötete, als Parallel-Michael gegen ihre Adoptiv-Mutter rebellierte. Deshalb haben Georgiou und Burnham diese komplizierte Beziehung – keine von beiden hat die Person vor sich, die sie eigentlich gern hätte. Diese Folge malt das weitschweifig aus: Schon Michaels und Georgious Weg durch den Schnee erinnert an den Auftakt der ersten Staffel, als Michael und eine andere Georgiou in der Wüste unterwegs waren und jede Menge Zeit für Charaktermomente hatten. Im Verlauf der Folge lernen wir dann Parallel-Michael kennen: als echte Terranerin eine Muahahaha!-Schurkin mit schwarzem Lippenstift und noch schwärzeren Plänen. Die einer durch die Zeit auf der Discovery gewandelten Georgiou gegenübersteht. Kein Wunder, dass eine Doppelfolge nötig ist, um diese Verstrickungen aufzulösen.

Willkommen im Spiegeluniversum

Der nette Herr, der im Schnee Zeitung liest und rätselhafte Sätze sagt, stimmt schon darauf ein, dass es in dieser Folge skurril und absurd zugeht. Nicht nur Michael Burnham ist in der Welt hinter der Tür ins Nichts eine andere. Fast die gesamte Crew ist in einer anderen Welt als Hofschranzen um Imperator Georgious Thron versammelt. Nicht alle bekommen einen Moment im Rampenlicht, manche stehen nur im Hintergrund, leicht verändert, mit anderen Uniformen und Frisuren. Etwa Detmer mit zwei normalen Augen. Aus Tilly wird Killy, der Herrscherin treu ergeben und mit einer stylischen Sixties-Frisur statt roter Löckchen. Stamets steht auf der Bühne und trägt holprige Verse zum Ruhm des Imperators vor, doch dann wird er erdolcht, bevor er selber erdolchen kann. Saru ist kelpianischer Sklave. Und so weiter. Wie eine große Faschingsparty. Oder wenn Cosplayer aufeinander treffen und herumblödeln.

Fazit

Wenn sich eine Serie erst einmal warmgelaufen hat, dann kommen Folgen wie diese: wo alle wohlbekannten Figuren sich aus mehr oder minder abstrusen Gründen mal absolut konträr zu ihren mittlerweile gut etablierten Persönlichkeiten verhalten dürfen. Am besten in lustigen Kostümen. Ich finde so etwas ja eher anstrengend und nur begrenzt lustig. Aber Star Trek: Discovery 3×09 macht aus dem Traditions-Handlungsbaustein unterhaltsame 48 Minuten mit viel Eye Candy. Etwa eine terranische Theateraufführung zu Ehren von Imperator Georgiou mit Akrobatikeinlagen und einem Monolog in Versen – so wie Shakespeare, nur in dilettantisch. Da muss man erstmal drauf kommen. Und diese Krone, die Georgiou da trägt! Das allein lohnt schon das Anschauen.

wasabi

wasabi wohnt in einer Tube im Kühlschrank und kommt selten heraus.

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