Follow Me

Ende der 2000er wurde Social Media zu einem einschneidenden Phänomen unserer Gesellschaft, während die 2010er vor allem den daraus entstandenen Personenkult förderten: Blogger, Vlogger, Influencer und Markenbotschafter buhlen in den letzten Jahren zunehmend um die wertvollen monetarisierbaren Klicks. Immer häufiger greifen Filmtitel diese Gattung Mensch auf, denen Fans und Fame zu Kopf steigt. Beispielsweise der kanadische Thriller Making Monsters oder die BMX-Hatz Ride. Doch keinem ging es bislang so an den Kragen wie dem Social Media-Promi Cole (Keegan Allen, Pretty Little Liars) in dem Saw-meets-Escape Room-Thriller von Will Wernick. Torture (ohne Porn) für die Social Media-Generation, dessen Deutschland-Premiere auf den Fantasy Filmfest Nights im Juli 2020 stattfand.

 

“Escape From Life” nennt sich der VLOG des Hipsters Cole, auf dem er seine Fans über sein abgefahrenes Leben im Luxus aktuell hält. Berühmt wurde er durch das Austesten von Grenzen. Da kommt es doch nur gelegen, dass eine Einladung des russischen High Society-Mitglieds Alexej (Ronen Rubinstein, Orange is the New Black) eine ganz besondere Erfahrung verspricht. Mit seiner Clique im Gepäck geht es nach Moskau, wo die Gruppe nach einem suffreichen Abend im Luxus ein Escape Room der besonderen Art erwartet. Lebensverändernd soll dieses Experiment sein. Das kann man wörtlich nehmend …

Will Wernick: Von einem Escape Room in den nächsten

Originaltitel Follow Me
Jahr 2020
Land USA
Genre Horror
Regie Will Wernick
Cast Cole: Keegan Allen
Erin: Holland Roden
Alexei: Ronen Rubinstein
Thomas: Denzel Whitaker
Viktoria: Emilia Ares
Andrei: Pasha D. Lychnikoff
Laufzeit 88 Minuten
FSK
Veröffentlichung: 25. September 2020

Will Wernick erschuf bereits 2017 mit Escape Room (nicht zu verwechseln mit Sonys Kino-Hit Escape Room) einen Film, der die beliebte Freizeitattraktion Escape Room durch den Horror-Fleischwolf drehte. Eine ziemliche Gurke, die sich mit einer durchschnittlichen IMDb-Wertung von 4,2 noch geschmeichelt fühlen darf. Mit Follow Me legt er einen Titel nach, dem ein höheres Budget deutlich auf den Leib geschneidert ist. Es werden filmische Referenzen wie Hostel und Saw quasi von Szene zu Szene herauf und herunter zitiert, sodass es kaum zu verschleiern gilt, in welcher Liga die Produktion gerne mitspielen möchte. Mit einem jungen Seriencast an Bord ist auch die Verbindung zur Zielgruppe hergestellt: Neben Pretty Little Liars-Liebling Keegan Allen wirken junge Darsteller wie Holland Roden (Teen Wolf) und Emilia Ares (Bosch) mit. Kurzum: Die Anzeichen, das richtige Publikum zu erreichen, stehen deutlich höher als noch bei Escape Room.

Genre-Problem: Nicht unsympathisch genug um sympathisch zu sein

Wer sieht nicht gerne unsympathische Personen leiden? Hier beginnt das erste Problem: Außer Cole selbst ist die Clique reichlich farblos. Weder völlig unsympathisch, noch je wirklich sympathisch, wollen seine Begleiter einfach keinen Eindruck hinterlassen. Nicht einmal Erin (Holland Roden), deren einzige Funktion es ist, Coles begehrte und hübsche Freundin zu sein und das Filmposter zu schmücken. Man kann nun streiten, ob man in einem solchen Film lieber Nervensägen als redundate Statisten haben möchte. Selbst nach der ausgedehnten Exposition will sich da kein Bild ergeben und plötzlich finden sich alle Beteiligten in einer Situation wieder, in der die Ereignisse sich dann überschlagen. Dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugeht, kommt auch beim Zuschauer an – und zwar in doppelter Hinsicht. Denn sogar bei den tödlichen Fallen will Follow Me weder Fisch noch Fleisch sein.

Heikel: Ein Film baut alleine auf seine Auflösung

Was sich schließlich als Rettungsanker erweist, ist der Themenmix aus Escape Room und der kritischen Beleuchtung der Frage, was Social Media eigentlich mit (und aus) uns macht. Diese Aspekte wissen zu überzeugen, schließlich ist Cole so sehr mit sich und seiner Selbstdarstellung beschäftigt, dass er gar nicht mitbekommt, was sich um ihn herum entwickelt. Dieser dezente Unterton macht tatsächlich mehr aus, als hätte man einfach nur eine x-beliebige Gruppe in einen Escape Room gesteckt. Dann hätte Will Wernick schließlich auch direkt Escape Room 2 drehen können. Diesem Kern bleibt das Drehbuch auch bis zum Ende treu. Das spannt einen schönen Bogen um die Erzählung, kommt aber ebenso plump wie vermeintlich clever daher. Echte Horror-Fans sollten keine Hoffnung in diesen Film setzen, einfache Abendunterhaltung stellt das Maximum dessen dar, was es hier herauszuholen gibt.

Fazit

Dank reger Abfolge von Ereignissen rutscht Follow Me nicht in die Langeweile ab, bleibt aber immer entfernt von den Genre-Größen, zu denen es sich gerne zählen würde. Unterhaltungstechnisch spielt der Film im oberen Mittelmaß mit, schließlich halten die Twists and Turns die Zuschauer bei Stange. Maßgeblich über Gefallen oder Nichtgefallen entscheidet hier allerdings tatsächlich die finale Auflösung. Der Autor dieser Zeilen konnte bei dieser nur Seufzen, sieht man als Genre-Kenner doch genau einen solchen Plot Twist kommen. Je später man ihn erkennt, desto besser, denn sonst ist auch das letzte Lüftchen entfleucht.

© Capelight Pictures


Ab dem 25. September 2020 im Handel erhältlich:

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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