Neues vom US-Comicmarkt (März 2019)

Lesezeit: 5 Minuten

In diesem Format stellen wir euch ausgewählte aktuelle Comics des US-Markts vor, die wir monatlich begleiten. 

Heroes in Crisis #7 ©DC

Das große Aufeinandertreffen ist endlich da: Harley gegen Booster Gold. Mit Kommentar von Batgirl und Blue Beetle nimmt das ganze boxkämpferische Züge an und am Ende zeigt sich nur eines: Keiner der beiden war der Mörder. Vermutlich. Auf jeden Fall schaffen die vier es zu einer Art Übereinkunft und entscheiden sich die Welt zu retten (eigentlich entscheidet das Booster Gold für sie aber das sind Kleinigkeiten). An einem unbekannten Ort ist Wally West und sinniert über sein Leben und seine – nicht mehr existierende – Familie. Begleitet von seinen Therapiesitzungen ergibt sich ein klares Bild: Wally geht es nicht gut. Zwar wiederholt er es in den Gesprächen, aber in der Gegenwart merkt man deutlich, dass er ein emotionales Wrack ist. Sein Zitieren von seiner Frau Linda und auch das Reden mit einer Frau, die aus einer Blume wächst, die er pflanzt sprechen nicht dafür, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Er redet auch von seinem eigenen Tod, als er plötzlich sich selbst gegenübersteht. Könnte das auch mit den Alarmen zu tun haben, die Batman erwähnt. Immerhin erwähnt er Flash (Barry Allen) gegenüber, dass es “alle” sein.

Okay, ich muss zugeben, der Kampf Harley gegen Booster war witzig und gerade als Batgirl Blue Beetle KO schlägt um Harley zu helfen musste ich lachen. Am Ende ist es aber nur ein Vorgeplänkel und ich warte mittlerweile ein bisschen, dass alles an Fahrt aufnimmt. Weswegen mir der Teil mit Wally so gefällt. Wie es aussieht, ist er der Mittelpunkt der Serie und die Probleme, die er seit seiner Rückkehr hat und hatte. Wer die Frau ist, die aus der Rose erschien, die er pflanzte ist eine berechtigte Frage. Wie Poison Ivy sieht sie nicht wirklich aus und sonst habe ich nur eine Vermutung, von der ich mich frage ob sie sich bewahrheitet. Und was hat es mit dem zweiten Wally auf sich? Vor allem weil wir wissen, dass ein Zukunfts-Ich von ihm stirbt. Tom King soll Antworten liefern! Ich kann doch nicht jedes Mal einen Monat warten. Übrigens muss noch einmal die tolle Arbeit der Zeichner erwähnt werden. Diesmal gab es insgesamt drei und jeder durfte einen Teil der Geschichte zeichnen. Hauptzeichner Clay Mann kümmert sich um die Teile mit Wally, Travis Moore (Batman, Nightwing) darf sich um Harley/Booster Gold kümmern und Jorge Fornes (Batman, Amazing X-Men). Alle liefern tolle Arbeit und Tom King zeigt mir jetzt hoffentlich bald, dass am Ende alles ein rundes Bild bekommt.

 


Black Bird #6 ©Image Comics

Bevor Nina sich auf die Konfrontation mit Gloria einlässt, spricht Glenn ihr Mut zu und schenkt ihr neben dem emotionalen Beistand Kraft in Form eines Steins. Gloria zieht Nina schließlich zu sich. Was folgt, ist ein tränenreicher Streit. Gloria erzählt von jener verhängnisvollen Nacht, in welcher das Verdugo Erdbeben stattfand. Eigentlich war Nina bereits tot, als Gloria ihre eigenen Eltern um Hilfe bat. Jener Moment, in dem neue Kräfte in Nina erwachten. Gloria bittet Nina, niemals ein Paragon zu werden. Sie eröffnet ihr, dass Nina immer ihre liebste Tochter war, doch Marisa müsse nun geopfert werden… Und Nina wird wieder in die Arme der Cabals getrieben.

Black Bird macht es einem nicht leicht. Das Hin und Her zwischen den beiden Welten, das Drama auf Knopfdruck und die immensen Pacingprobleme der Reihe verhindern, dass sich ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Ninas Gespräch mit Gloria ist aufgeladen mit Pathos, aber man ahnt beinahe, dass es ergebnisarm bleiben wird. Auch der Beginn des Hefts ist ein Eingeständnis für sich: Bevor Nina sich Gloria stellen kann, muss sie erst einmal mit Glenn abhängen, denn noch immer ist die Beziehung der beiden weit davon entfernt, ein Profil zu besitzen. Einerseits sollen sie schon als Liebespaar aufgebaut werden, andererseits liegen die ersten Streitereien noch nicht so lange zurück. Und dazwischen ist… nichts.  Derweil prasselt auf Nina weiterhin alles ein. Eine Sache, die sie mit dem Leser teilt: Die Handlung ist überfrachtet und es täte ihr gut, sich für ein Kapitel lang mal auf eine Sache zu konzentrieren, um mehr Substanz zu erhalten. So hübsch die Serie visuell auch ist, so holprig geht es inhaltlich zu.


Middlewest #5 ©Image Comics

Abel steckt ganz schön tief in der Sch***e. Nicht nur, dass ihm sein treuer Fuchsbegleiter gezeigt hat, wie man klaut und er dabei erwischt wurde. Jetzt wird er von den Mitarbeitern des Rummelplatzes gestellt und er droht, sich genauso wie sein Vater in ein Tornadomonster zu verwandeln. Fuchs versucht verzweifelt, Bobby davon zu überzeugen, ihm nichts zu tun. Bevor die Situation eskalieren kann, kommt Maggie dazu und wirkt einen Zauber, der Abel wortwörtlich den Wind aus den Segeln nimmt. Erschöpft schläft er erst einmal zwei Tage, bevor er darum bettelt, im Markt zu arbeiten, um seine Schulden abzuarbeiten. Währenddessen möchte Maggie, die sich als Jebs Schwester entpuppt hat, nach einer Lösung für Abels Problem finden. Doch bald dürfte eine weitere Schwierigkeit Abels Leben komplizierter machen: Sein Vater ist ihm auf der Spur.

Ich finde es geschickt, wie das Kapitel mit einer Rückblende beginnt. So lernt man etwas mehr darüber, wie lange die Situation zwischen Abel und seinem Vater schon so angespannt ist. Dessen Mutter hat die Familie zwar schon vor zwei Jahren verlassen, aber der Schmerz sitzt zumindest beim Vater des Jungen noch tief. So fällt es ihm auch schwer, die Freude von Abel über ein brandneues Fahrrad zu akzeptieren und zerstört es lieber, um dem Jungen eine Lektion zu erteilen. Umso erstaunlicher ist es, dass aus Abel nicht selbst ein Tyrann wird, sondern er immer versucht, andere zu beschützen. So will er sich beim Sprung in die aktuelle Geschichte nicht weiter verwandeln, um niemanden zu verletzen. Es sagt viel über seinen Charakter aus und macht ihn noch sympathischer. Allerdings hat er auch noch viel zu lernen, könnte jedoch einen Platz gefunden haben, an dem er akzeptiert wird. Ein paar Freunde mehr als den Fuchs, Sicherheit, mehr Respekt und das Gefühl, irgendwo hinzugehören, könnten für ihn schon die beste Medizin sein. Mit das Beste an diesem Kapitel ist, dass man endlich eine genauere Vorstellung davon bekommt, wie Magie gewirkt wird. Dass diese eine eigene Schrift und Sprache erhält, ist wirkungs- und stimmungsvoll. Fehlendes Verständnis für den Inhalt wird so verschmerzbar, da die Bilder aussagekräftig genug sind. Und beeindruckend.

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