Squid Game (Staffel 3)
Netflix‘ vermutlich wertvollste IP, Squid Game, fand am 27. Juni 2025 mit der dritten Staffel ihr (vorläufiges) Ende. Ursprünglich hatte Regisseur und Schöpfer Hwang Dong-hyuk die Handlung von Staffel 2 und 3 als eine einzige, große Staffel geplant. Doch als das Drehbuch immer länger wurde, entschied man sich, die Geschichte aufzuteilen. Das bedeutet, dass Staffel 2 und 3 direkt hintereinander – also back-to-back – gedreht wurden. Deswegen wirken beide Staffeln wie aus einem Guss und deswegen kann man auch sämtliche Kritikpunkte von Staffel 2 auch in Staffel 3 wiederfinden – wenn nicht sogar noch mehr.
Gi-huns Revolution ist gescheitert. Der Großteil seiner Rebellentruppe wurde getötet, wofür er sich als Rädelsführer die Schuld gibt. Der Frontmann verfrachtet Gi-hun zurück in die Spielerbereich, wo er die meiste Zeit über an ein Bett gekettet vor sich hin dümpelt, wenn er nicht gerade von Rachegelüsten getrieben in den Spielen antritt. Doch die Situation spitzt sich zu. Die feindlichen Mitspieler ziehen immer engere Kreise um Gi-hun und seine verbliebenen Freunde. Als dann auch noch Spielerin 222 ihr Baby zur Welt bringt, betreten sie absolutes Neuland und eine neue, gefährliche Dynamik entsteht. Gi-hun muss sich entscheiden, ob er sich weiterhin nur von Indifferenz und Rache leiten lassen will – oder aber dieses Baby retten will.
Mein Boot und ich schippern ins Nichts
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| Originaltitel | Ojingeo Geim |
| Jahr | 2025 |
| Land | Südkorea |
| Episoden | 6 (in Staffel 3) |
| Genre | Drama |
| Cast | Seung Gi-hun: Lee Jung-jae Frontmann/Spieler 001: Lee Byung-hun Hwang Jun-ho: Wi Ha-joon Cho Hyun-ju: Park Sung-hoon Kim Jun-hee: Jo Yu-ri Kang No-eul: Park Gyu-young Lee Myung-gi: Im Si-wan |
| Veröffentlichung: 27. Juni 2025 | |
Nach den Geschehnissen von Squid Game 2 sitzt unser Hauptcharakter apathisch auf einer Parallelspur. Gi-hun wird zur Nebenfigur, während andere Figuren mehr Screentime erhalten (was bekanntlich nur eins bedeuten kann: Sie werden bald gekillt). Gi-hun tritt also zurück, während die Nebenfiguren in Nebenplots ihre zwischenmenschlichen Päckchen auspacken dürfen. Einige zünden – die Ex-Militär-Transfrau ist eine der wenigen Figuren, die man wirklich lieben kann –, die meisten jedoch sind Nullnummern. Nehmen wir unseren Ex-Polizisten Hwang Jun-ho: Zwei Staffeln lang sehen wir gelangweilt dabei zu, wie er monatelang übers Meer schippert und nach der verdammten Insel und seinem verdammten Bruder sucht. Und dann kommt er auf diese Insel – und es passiert nichts, absolut nichts! Was zum Heck? Freilich, im echten Leben zahlt sich auch nicht immer alles aus, aber c’mon. Das ist eine TV-Show, da erwarten wir vom Autorendepartment Entertainment und Auflösung.
Sind das noch Dialoge, oder schon Durchsagen für Second-Screener?
Die Dialoge sind nach wie vor der absolute Schwachpunkt. Das hat in Staffel 2 angefangen und wird in Staffel 3 freudig fortgeführt. Alles ist übertrieben erklärend, ganz gleich, worum’s geht: Spielregeln, Charaktermotivationen oder wenn die Klotür klemmt: Die Serie spricht alles aus und wiederholt sich unzählige Male. Es ist ja fein, dass bei den Diskussionen unter den Spieler:innen sämtliche Betrachtungsweisen auf ein Problem eingebaut werden. Aber die Figuren tragen das vor, als wären sie beim Brainstorming im Büro – fein säuberlich wird jede Position abgehakt. Das ist furchtbar. Dass die Dialoge von Squid Game mit Blick auf die Second-Screener geschrieben werden, haben wir bereits in der Kritik zu Staffel 2 festgestellt. Staffel 3 führt das fort – scheint dabei aber auch eine ironische Spitze rauszuhauen, indem die Macher den Opa (nachdem den Spielern die Regeln bereits 3-mal erklärt wurden) fragen lassen: »Jetzt nochmal für die ganz Dummen: […]« Das ist schon fast witzig.
Die VIPs …
Leider auch wieder am Start: Die VIPs. Während wir ihre Abwesenheit in Staffel 2 noch gelobt haben, bekommen wir sie nun doppelt und dreifach zurück. Bösewichte, die so dermaßen over-the-top geschrieben sind, dass sie sogar darüber diskutieren, ob sie ein Baby disqualifizieren wollen. Okay, okay, wir haben’s begriffen; die VIPs sind böse. Abgesehen von ihrer extremen Eindimensionalität fallen sie nur noch weiter durch cringehafte Dialoge auf. In Staffel 1 haben die VIPs wenigstens einen akzeptablen Daseinsgrund, da sie Teil von Hwang Jun-hos Fluchtplan sind. In Staffel 3 sind sie lediglich für äußerst unangenehmes Expositiondumping am Start.
Mega-Süprise am Ende
Diese furchtbaren Dialoge machen die erste Hälfte der Staffel schwer erträglich, sodass der Mauszeiger schon nach kurzer Zeit über der 1,5-fachen Abspielgeschwindigkeit flackert. Das wird in der zweiten Hälfte durch die Zuspitzung des Konflikts und die durchaus spannende Frage, wie das Squid Game endet und wer überlebt, ausgeglichen. Die Serie endet auf einer nachdenklich-pragmatischen Schlussnote: Es gibt Opfer und Ungerechtigkeit, aber auch eine klare moralische Linie. Eventuell ein bisschen zuviel Symbolträchtigkeit, aber das macht den Kohl jetzt auch nicht mehr fett. Getoppt wird das lediglich von einer Überraschungsszene am Ende mit einem Cast, mit dem niemand gerechnet hätte, es sei denn, man stolpert völlig blind durchs Internet. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um einen Hint auf das geplante US-Spin-off unter der Leitung von David Fincher (noch unbestätitgt). Gut. Das heißt also: Squid Game, eine Serie, die die dunkelsten Abgründe der menschlichen Natur erforscht und dabei die ganz großen Tragikgeschütze auffährt, endet nicht mit einem kunstvollen, bedeutungsschweren Schlusspunkt – sondern mit einem schlichten Werbeflyer fürs nächste Spin-off? Okay, wie ihr meint.
Fazit
Butter bei die Fische: Gi-huns Werdegang hat mich nach drei Staffeln natürlich nicht kaltgelassen. Die Transfrau habe ich geliebt und auch wenn der Werbeflyer zum Schluss absolut billig anmutet, war das doch der einzige Moment in der Serie, in dem ich wie ein Fisch mit aufgerissenem Maul vorm Bildschirm saß: »Nooo wayyy! Cate Blanchett?!«. Aber davon abgesehen, habe ich mich durch Squid Game Staffel 3 echt durchboxen müssen. Die Dialoge sind blöd, der Nebenplot absolut dröge und die VIPs ’ne Vollkatastrophe. Zum Schluss kann ich eigentlich nur sagen: Wenn schon der Schöpfer selbst keinen Bock auf eine Fortsetzung hatte (siehe Kritik Staffel 2), was soll dann schon Gescheites dabei rumkommen? Mit der Expansion der IP ist die eigentliche Message ohnehin verloren gegangen.
© Netflix






