Riverdale (Staffel 4)

Wie kaum eine andere Teenieserie konnte sich Riverdale in den letzten Jahren Rang und Namen verdienen. Kritiker sind spätestens nach der zweiten Staffel abgesprungenen, die hartgesottenen Fans robust geworden. Wurde die serieninterne Logik bislang nur durch die eigenen Drehbücher und hanebüchene Entscheidungen auf die Probe gestellt, hatte das Team hinter der Kamera mit Staffel 4 andere Herausforderungen zu bewältigen: Der Tod von Luke Perry und somit dessen Serienfigur Fred Andrews, der bereits zum Schluss der dritten Staffel verschoben wurde, die zunehmend kritischen Stimmen ehemaliger und sogar aktueller Darsteller sowie die durch die Corona-Pandemie verzögerten Dreharbeiten, die schließlich einen Abbruch nach 19 Folgen einforderte. Allen Hindernissen zu Trotz: Staffel 5 soll 2021 erscheinen, doch bis dahin gilt es, einige Ereignisse der vierten Staffel zu verdauen.

Die Einwohner Riverdales bereiten sich auf die Feierlichkeiten des Unabhängigkeitstages vor. Eine Nachricht reißt Archie (K.J. Apa) aus seiner Vorfreude: Sein Vater Fred ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Außerdem tauchen in der ganzen Stadt geheimnisvolle Videokassetten auf, die beweisen, dass einzelne Bewohner von einer unbekannten Person beobachtet werden. Auch die Coopers fielen dem/der Unbekannten zum Opfer. Doch nicht nur das: An Jugheads (Cole Sprouse) Schule, der Stonewall Prep, verschwinden mehrere Schüler spurlos, aber die Mitschüler treten geschlossen auf und scheinen ein Geheimnis zu hüten. Auf der Suche gerät Jughead selbst in Gefahr …

Archies Welt bricht zusammen

Originaltitel Riverdale
Jahr 2019 – 2020
Land USA
Episoden 19 in Staffel 4
Genre Mystery, Drama, Romanze
Cast Archie Andrews: K.J. Apa
Betty Cooper: Lili Reinhart
Jughead Jones: Cole Sprouse
Veronica Lodge: Camila Mendes
Cheryl Blossom: Madelaine Petsch
Kevin Keller: Casey Cott
Toni Topaz: Vanessa Morgan
Alice Cooper: Mädchen Amick
Hiram Lodge: Mark Consuelos
Im Mai 2020 auf Netflix geendet

Mit einem echten Schlag beginnt die Staffel. Der Tod eines Seriendarstellers hat immer Auswirkungen auf jegliche Zukunftspläne und Drehbücher müssen teilweise komplett umgeschrieben werden. Daher taten sich die Verantwortlichen einen Gefallen daran, dieses tragische Ereignis nicht am Ende der dritten Staffel noch irgendwie unterzukriegen. Showrunner Roberto Aguirre-Sacasa wollte sich Zeit nehmen, um den Tod von Perry und damit Freds überraschendes Fehlen würdevoll in der Serie zu verarbeiten. Luke Perry bekommt posthuman den passenden Rahmen, um seine Figur Fred Andrews würdevoll aus Riverdale verabschieden. Dafür tritt auch seine einstige Beverly Hills 90210-Kollegin Shannen Doherty auf, die für eine kurze Szene noch einmal eine besondere Brücke aufbauen darf: Ihre Serienfigur war die letzte, die mit Fred Andrews sprechen durfte, ehe ein heranrasendes Fahrzeug ihn erfasste. Die Trauer aller Anwesenden und Beteiligten darf als echt aufgefasst werden und hinter den trauernden Figuren stecken Schauspieler, die ihrem ehemaligen Kollegen die letzte Würde erweisen. Soviel Gefühl gab es in Riverdale bislang kaum zu sehen, was sich auch in der imdb-Bewertung der ersten Folge der Staffel widerspiegelt: In Memoriam kommt auf einen Durchschnittswert von 9,3/10.

Riverdales Gassenrächer

Bei all der Trauer um Luke Perry ging beinahe der Teaser auf die vierte Staffel 4 unter, der Unglaubliches ankündigte: Betty (Lili Reinhart) fordert Archie und Veronica (Camila Mendes) an einem Lagerfeuer auf, Jugheads Mütze zu verbrennen. Die Teenager vernichten diverse Beweise und es fühlt sich ein kleines bisschen danach an, als ob das Trio einen Mord an Jughead vertuscht. Aber würde Riverdale wirklich so weit gehen und sich auf eine derart drastische Art und Weise von einem der beliebtesten Charaktere (und Darsteller) der Serie trennen? Fragen über Fragen, die im Laufe der Staffel mal mehr, mal weniger zufriedenstellend beantwortet werden. Wer die Serie kennt, weiß aber: Der Tod hat in den wenigsten Fällen etwas zu bedeuten. Und wenn, dann heißt das noch lange nicht, dass man auch mit dem Leichnam allerlei Schindluder treiben darf. Aber zunächst einmal zu den Individualdramen: Direkt nach Freds Tod geht es auch für Archie weiter und er entdeckt seine soziale Ader, indem er mit seinem Kumpel Mad Dog (Eli Goree) das Gemeindezentrum wieder herrichtet und nutzt, um die Kids von den Straßen Riverdales zu holen. Natürlich läuft auch dieses Projekt nicht reibungsfrei und wann immer in Riverdale Frieden einzukehren droht, findet sich auch schon eine fiese Gang mit kriminellen Machenschaften. Damit das nicht wieder in einer herkömmlichen Schlägerei ausartet, greift Archie zu besonderen Mitteln: Als Superheld mit Maske und Hoodie verkleidet, streift er durch die Gassen Riverdales, um den Fieslingen das Fürchten zu lehren. Wer auf die Idee kommt, das kritisch zu hinterfragen, sei an Archies erfolgreichen Bärenkampf in Staffel 3 erinnert. Dieses Upgrade sollte alle Zweifelnden zum ewigen Schweigen bringen.

Die Stonewall Prep (oder: und ewig lockt das Triggerwort)

Nachdem Archie als Hauptfigur beschäftigt ist, widmen sich die Drehbuchautoren dann dem Kern der Staffel: Jugheads Aufenthalt an der renommierten Stonewall Prep, an welcher bereits sein Großvater Schüler war. Doch seine Mitschüler und Lehrer verhalten sich seltsam und haben Jughead gegenüber nur Spott übrig, was Betty dazu bringt, den Investigativ-Detektiv heraushängen zu lassen. Schließlich liegt das Detektiv-Gen in der Familie und ihr Bruder Charles (Wyatt Nash) gibt Nachhilfe. Als Jughead kurz darauf stirbt (was man auf diese Worte gibt, soll einfach die Serienkenntnis entscheiden), versuchen seine Mitschüler den Todeshergang so zu fingieren, dass Betty die Schuld in die Schuhe geschoben wird. An der Stelle ist sich auch keiner der Drehbuchautoren zu schade, das Zauberwort erneut auszupacken, das Betty gefügig macht. Wer diesen Serienpart längst erfolgreich verdrängt hat, wird eines Besseren belehrt und unsanft an Edgar und Evelyn Evernever erinnert. Riverdale versteht es eben, den Finger tief in Zuschauerwunden zu legen. Mit 15 Folgen wird der Stonewall Prep-Arc ordentlich aufgeblasen und das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Betty und Stonewall Prep-Mastermind Donna Sweett (Sarah Desjardins) entwickelt sich zu dem Handlungsbogen, der am stärksten an Fahrt gewinnt. Wenngleich findige Zuschauer längst wissen, was hier Sache ist und auch ärgerliche zwischenmenschliche Entwicklungen 200 Meter gegen den Wind riechen können. Weitere Eskapaden aus Bettys Leben (Stichwort “Bombenentschärfung”) bietet aber auch diese Staffel wieder galore.

Leichen zum Frühstück und die zauberhaften Zutaten des Luna-Rums

Auch bei Cheryl ist immer etwas los. Entweder spielen sich die Dramen zu Hause ab, wo Jasons Leichnam am Mittagstisch Platz nehmen darf, oder eben in der Schule. Da wartet mit dem neuen Rektor Mister Honey ein echter Widersacher. Serienfans der 90er dürfen sich freuen, dass für diese Rolle Dawson’s Creek-Liebling Kerr Smith verpflichtet werden durfte. Damit auch Veronica nicht zu kurz kommt, aber die Kreativität bereits in andere Erzählstränge geflossen ist, werden kurzer Hand familiäre Fehden neu eröffnet. Alte Streitigkeiten zwischen Hiram Lodge (Mark Consuelos) und seiner “Mija” entbrennen gefühlt in jeder ungeraden Folgennummer und werden in jeder geraden wieder beigelegt. Dieses Mal geht es um einen Rum und das Patent auf diesen. Natürlich: Irgendeines Vorwands bedarf es immer wieder, um im “La Bonne Nuit” zu filmen. Viel gibt dieser Subplot aber nicht her und macht auch nicht vor dem ewigen Ass im Ärmel, dem verschollenen (aber plötzlich auftauchenden) Familienmitglied Halt. Sind damit nun endgültig alle Riverdale-Familien mit bislang noch unerwähnten Schwestern und Brüdern durch? Leider fällt den Drehbuchautoren auch nichts Besseres ein, als den Konflikt mit einer plötzlich auftretenden Krankheit zu beenden. Die Sendezeit wollte eben gefüllt werden. Und wenn dafür nochmals Nick St. Clair ausgebuddelt werden muss.

Kitzel-Pornos und andere Kuriositäten

Nicht fehlen darf die obligatorische Musical-Folge, die in dieser Staffel das Musical Hedwig and the Angry Inch adaptiert. Die bunte Folge befördert vor allem alte Liebschaften wieder zu Tage und man kann es niemandem verübeln, der bei der Idee, Archie und Betty wieder aufeinander loszulassen, mit den Augen rollt. Dazwischen gönnen sich die Drehbuchautoren auch eine Quiz Show, sexy Szenen in der Autowaschanlage, Fetische, die man garantiert in keiner anderen Serie zuvor gesehen hat, und eine Horror-Einlage à la Spuk in Thristlehouse. Ehe die Staffel ihr abruptes Ende nach 19 Folgen findet, gibt es aber wieder ein paar 90er-Anleihen in Form von Episode 19 (Originaltitel: “Killing Mr. Honey”), eine Anspielung an “Tötet Mrs. Tingle” mit Katie Holmes und der Darstellerin von Archies Mutter, Molly Ringwald. Und dann wird auch schon der Bogen für das nächste Event gespannt. Man möchte meinen, dass allen Schurken, Serienmördern und Gifthexen das Handwerk gelegt wurde, da tauchen mysteriöse VHS-Kassetten auf, deren gezeigte Szenen auf Material basiert, welches nur Jughead bekannt sein dürfte. Was es damit auf sich hat, das wird dann Staffel 5 enthüllen, in der sich die Schüler dann auch von der Riverale High verabschieden werden.

Fazit

Als Zuschauer*in von Riverdale hat man eine harte Schale entwickelt. Man wird durch allerlei haarsträubenden Nonsense gejagt und jedes “das meinen die nicht ernst” wird sofort mit dem nächsten Ereignis quittiert. Insbesondere mit dem Wissen, wie es um Jughead bestellt ist, lohnt es sich, die Staffel noch einmal von vorne zu schauen und so manche Szene (wie etwa eine Leichenobduktion) nochmal zu bewerten. Der Unterhaltungswert ist wie immer hoch und weiterhin ist Riverdale eigentlich die perfekte Serie für zwischendurch: Auf wöchentlicher Basis gehen die 40 Minuten schnell vorüber und wann immer Langeweile (und damit ein Stück normales Leben) einzukehren droht, steht per Knopfdruck auch schon wahlweise ein neues Familienmitglied, ein über vier Staffeln durch die Gegend gefledderter Leichnam oder eben die Evernevers zum nächsten Rundumschlag bereit. Sieht man sich die Folgen dann einmal am Stück an, fällt auch schnell auf, dass Ereignisse der vorletzten Folge schnell wieder abgehakt und aus dem Kollektivgedächtnis gelöscht sind.

© Netflix

Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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