Golem – Wiedergeburt

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Die Zeit der Stummfilme könnte kaum länger her sein. Gemeinsam mit Nosferatu, eine Symphonie des Grauens und Das Cabinet des Dr. Caligari zählt Der Golem, wie er in die Welt kam zu den bedeutendsten Horrortiteln des Stummfilms. Bereits 1920 drehten Carl Boese und Paul Wegener ihren Film, doch anders als Vampire oder Zombies waren Golems keine Figuren, die in den knapp 100 Folgejahren eine große Rolle spielen sollten. Daher können die beiden Regie führenden Brüder Doron und Yoav Paz (Jeruzalem) aus Israel eine Geschichte erzählen, die noch nicht mehrfach plattgewälzt wurde. Seit September 2019 ist der Film auch im deutschen Handel erhältlich.

Litauen im Jahr 1673: Die Pest wütet und hat unzählige Dorfbewohner das Leben gekostet. Auch die Familie von Hanna (Hani Furstenberg) und Benjamin (Ishai Golan) ist betroffen, denn ihr Sohn wurde Opfer des schwarzen Todes. Um ihr Dorf zu schützen, versucht sich Hanna an einem uralten Ritual. Sie formt aus Lehm einen Beschützer, einen Golem in Form eines Kindes (Kirill Cernyakov), das Eindringlinge vertreiben kann. Doch auch das Dorf selbst scheint nicht sicher vor dem Kind zu sein. Nur Hanna möchte das nicht wahrhaben …

Sei vorsichtig, was du dir wünschst

Originaltitel The Golem
Jahr 2018
Land Israel
Genre Horror, Drama
Regisseur Doron Paz, Yoav Paz
Cast Hanna: Hani Furstenberg
Benjamin: Ishai Golan
Golem: Kirill Cernyakov
Vladimir: Aleksey Tritenko
Jacob: Adi Kvetner
Laufzeit 95 Minuten
FSK

Golem – Wiedergeburt gibt sich als ziemlich bodenständiger Titel, der sich darauf konzentriert, eine Geschichte mit glaubhaften Figuren zu erzählen. Das Drehbuch von Ariel Cohen konzentriert sich grundsätzlich auf Hannas inneren wie äußeren Konflikt: Die Liebe zu dem Golem, in welchem sie ihren verstorbenen Sohn sieht, und die Bedenken der Dorfgemeinde, die sich vor dem Wesen fürchtet. Der Umstand, dass der Golem kein Hüne, sondern ein kleiner Junge ist, gibt der Handlung noch eine besondere Würze. Denn hinter einer kindlichen Unschuld das Böse zu vermuten, ist eine Vermessenheit, die sich nicht jeder erlauben möchte.

Traditionelle wie aktuelle Motive

Bereits die erste Szene stellt ein Blutbad in einer Synagoge dar und folgt einem der ältesten Erzählmuster, in dessen Zentrum der Mensch steht, der Gott spielt, indem er auf eine unnatürliche Weise über den Tod triumphieren möchte. Es handelt sich um das weltbekannte Frankenstein-Motiv, denn trotz anfänglichen Erfolgs zieht die Entscheidung, einen Golem zu erschaffen, fatale Konsequenzen nach sich. Im Kontrast dazu steht Hanna, eine Frau, die ihrer Zeit weit voraus ist und auf eigene Faust handelt, indem sie eine Beschwörung vollzieht. Ein strikt untersagtes Handeln, denn Frauen war das Studium der Tora vorenthalten.

Begrenzte Schauwerte

Woran es schließlich mangelt, sind die Schauwerte. Man sieht der Produktion ihr geringes Budget an und die spätmittelalterliche Szenerie wird auch schnell öde. Das rustikale Setting weckt Erinnerungen an The Witch, was für viele Zuschauer entweder Segen oder Fluch darstellen wird. Denn die Ödnis des Landlebens im 17. Jahrhundert drückt auf die Stimmung und unterstreicht die pessimistischen Lebensaussichten der damaligen Zeit. Dafür gibt es stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen (wenngleich nicht im Übermaß) sowie einen überhöhten Gewaltgrad. Doch auch hier findet wieder hinsichtlich Effekten und Make-up eine starke Einschränkung statt.

Schauspielerisch überzeugend

Der Film steht und fällt mit den schauspielerischen Leistungen der Hauptfigur. Hani Furstenberg verkörpert ihre Hanna glücklicherweise voller Inbrunst. Angesichts mangelnder physischer Fähigkeiten und der unterdrückten Rolle der Frau, überzeugt ihre Figur umso stärker mit Verzicht auf aggressives Verhalten und einem hohen Maß an Empathie. Der Kinderdarsteller Kirill Cernyakov besitzt einen grandios leeren Blick, zudem wurden seine Augen mit schwarzen Kontaktlinsen verfremdet.

Fazit

Auf den ersten Blick ein Horrorfilm mit uralten Motiven, entpuppt sich Golem – Wiedergeburt in seinem Kern als waschechtes Familiendrama. Neben den schauspielerischen Leistungen steht vor allem die Unverbrauchtheit der jüdischen Mythologie auf der Haben-Seite. Stärker wiegen allerdings die fehlenden inszenatorischen Möglichkeiten, die dafür sorgen, dass vor allem wichtige Szenen nur angedeutet werden. Das kann zwar grundsätzlich von der Regie gewollt sein, ist hier jedoch eindeutig auf das schmale Budget zurückzuführen. Die spartanische Darstellung schränkt das Sehvergnügen deutlich ein.

© Sony Pictures Home Entertainment

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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