Lupin (Teil 1)

Welche Sorte diebischen Langfingers mögen wir? Richtig: Genau jenen, der nicht uns das Geld aus der Tasche stibitzt, sondern denen, die nicht mehr wissen, wohin damit. Also die Robin Hoods unter den Dieben. Einen solchen erschuf der Franzose Maurice Leblanc um 1905 in Form eines Gentleman-Gauners namens Arsène Lupin, der auch heute noch große Beliebtheit im Land des Eiffelturms feiert. Seit dem 8. Januar 2021 stiehlt sich Ziemlich beste Freunde-Star Omar Sy als Meister der Verkleidung und Tarnung durch die ersten Folgen von Lupin. Bevor es im Sommer dann mit dem zweiten Teil weitergeht, hängen wir uns die Fersen des Meisterdiebes und berichten nun ausführlich, ob wir dem Charme des Schlitzohrs erliegen.

   

Einst wurde Babakar Diop (Fargass Assandé, Cacao) des Diebstahls seitens seines wohlhabenden Arbeitgebers Hubert Pellegrini (Hervé Pierre, Intrige) beschuldigt und von der Polizei hinter Gittern verfrachtet. Sein Sohn glaubt jedoch an dessen Unschuld. Inspiriert von den Geschichten des Meisterdiebes Arsène Lupin stiehlt sich der mittlerweile erwachsene Assane (Omar Sy) mit kleinen oder großen Aktionen durch Paris. Bei seinem spektakulären Coup, eine Diamantkette aus dem Louvre zu stehlen, findet er die ersten Hinweise darauf, dass die Familie Pellegrini seinen Vater reinlegte. Von Rache getrieben, sammelt er immer mehr Informationen, was damals wirklich passierte. Immer gut darauf achtend, dass ihm die Polizei nicht auf die Schliche kommt. Allerdings versteckt sich hinter Inspektor Youssef Guedira (Soufiane Guerrab, César Wagner) ein großer Fan von Lupin, weswegen Assane aufpassen muss!

Was für ein Charmeur!

Originaltitel Lupin
Jahr 2021
Land Frankreich
Episoden 5 (in Staffel 1)
Genre Thriller, Drama
Cast Assane Diop: Omar Sy
Claire: Ludivine Sagnier
Raoul: Etan Simon
Hubert Pellegrini: Hervé Pierre
Juliette Pellegrini: Clotilde Hesme
Youssef Guedira: Soufiane Guerrab
Sofia Belkacem: Shirine Boutella
Capitaine Romain Laugier: Vincent Londez
Benjamin Ferel: Antoine Gouy
Gabriel Dumont : Vincent Garanger
Veröffentlichung: 7. Januar 2021

Wen Omar Sy sein Lächeln aufsetzt, möchten wir ihm unsere Geldbörse freiwillig geben. Insofern ist er wirklich die perfekte Besetzung für den Gentleman-Dieb in Lupin, wobei er sich da nicht nur auf seinen Charme verlassen kann. Mit einfachen oder aufwendigen Verkleidungen schafft es der große Mann auch in jedes Gebäude, denn die Reinigungskraft oder den Mitarbeiter der IT-Abteilung kaufen die Leute ihm ab. Dass man da auch einmal herzlich lachen darf, ist vorprogrammiert, denn Assane ist sich wirklich keiner Lüge zu fein. Da wird selbst eine alte Dame geschickt um ein Fabergé-Ei erleichtert und die Polizei humorvoll an der Nase herumgeführt. Was dabei oft auch eine Rolle spielt, ist seine dunkle Hautfarbe, weswegen auch sein Vater ein schnelles Opferlamm von Hubert Pellegrini wurde.

Rache um jeden Preis

Schnell wird klar, dass der arme Babakar unschuldig ist. Da sich der Mann jedoch im Gefängnis das Leben nahm, ist es für unseren Meisterdieb ein unbedingtes Muss, die Wahrheit ans Licht zu zerren. Emotional sind Zuschauende von Anfang an bei Assane und jagen gespannt mit ihm nach den einzelnen Puzzleteilen der Vergangenheit. Dabei deckt sich ein immer komplexer werdender Fall auf, in den nicht nur Hubert Pellegrini verwickelt ist. Was dabei aber schnell auffällt, ist dass Netflix‘s Lupin-Serie keinen perfekten Dieb porträtiert. Der eine oder andere Fehler unterläuft unserem Helden trotzdem, gerade weil es eine sehr emotionale Sache ist und Assane nicht immer die Ruhe behält. Deshalb wird es auch nervenaufreibend, wenn sich das Netz der Jäger immer enger zieht und auch sein Zielobjekt Wind von dem Dieb bekommt.

Passen Meisterdieb und Vater unter einen Zylinder?

Was auch immer mehr mit hineinspielt, ist Assanes Familie. Seine Noch-Ehefrau Claire (Ludivine Sagnier, The New Pope) weiß, dass ihr Seelenverwandter ein paar krumme Dinger am Laufen hat und ist damit nicht mehr einverstanden. Zwischen Rache und seiner geliebten Familie muss sich der Meisterdieb daher immer häufiger entscheiden, was ihm (und uns!) nicht leicht fällt. Schließlich lockt die Neugier, um den alten Fall, aber auch Claire hat mir ihren Sorgen unser Mitgefühl. Lupin gelingt es dabei, einen gelungenen Spagat zwischen ruhigen gefühlvollen Szenen oder den abwechslungsreichen Einbrüchen zu schaffen, sodass es nicht langweilig wird und mit den Folgen auch ein paar sehr realistische, lebhafte Figuren begleitet werden dürfen. Selbst die Polizei lockt mit ein paar ausgearbeiteten Ermittlern, wovon gerade Inspektor Guedira interessant heraussticht, da er den richtigen Riecher mitbringt, damit aber auf taube Ohren bei seinen Vorgesetzten trifft. Mal sehen, welche Rolle er noch einnimmt!

Vom Louvre zum Felsentor in der Normandie

Wo das Auge hinfällt: nur Gemälde! Wer einmal im Louvre-Museum war, der weiß nur zu gut, wie sehr einen die Wucht der Kunst erschlagen kann. Hier den ersten Diebstahl stattfinden zu lassen, sorgt für einen gelungen Einstig, bei all den optischen Reizen. Doch noch mehr überzeugt der Kleider- und Rollenwechsel des Hauptakteurs ‒ von der Putzkraft zum Millionär. Dabei sollte vor allem ein großes Lob an das kreative Team hinter der Kamera fallen, denn allgemein ist es immer wieder ein Vergnügen zuzusehen, in welche Kleider sich Omar Sy hier werfen darf. Aber auch sonst sorgen die unterschiedlichen Kulissen für eine gelungene Abwechslung fürs Auge. Wobei dabei die Handlung nicht nur auf die schönen Seiten Paris aufmerksam macht, da nicht jede Figur im Nobelviertel wohnt. Ein besonderes optisches Highlight versteckt sich in der fünften Folgen mit eine Ausflug zum Felsentor Porte d’Aval und dem Lupin-Festival. Sehr schick!

Fazit

Mit einem spektakulären Diebstahl stiehlt sich Omar Sy in die Herzen der Zuschauenden und da mache ich bei mir keine Ausnahme. Einen solchen schlauen Fuchs muss ich einfach weiterverfolgen und wenn dann auch noch eine komplexe Handlung sich nach und nach auffächert, dann umso besser. Dabei weckt der verzwickte Fall mehr als nur ein wenig die Neugier. Geschickt springt dabei die Handlung immer wieder in die Vergangenheit, um uns die Figuren und Ereignisse von damals näherzubringen. Wobei natürlich die Gaunereien des Diebes den meisten Spaß machen. Gerade, wenn dieser wieder in einer neuen Verkleidung und Rolle ins Bild tritt oder der Polizei mit einem Grinsen im Gesicht entkommen kann. Da jedoch seine Gegenspieler nicht untätig bleiben, steigt die Spannungskurve angenehm von Folge zu Folge. Ein wenig Punktabzug gibt es für Lupin nur deswegen, weil die eine oder andere Story-Wendung vorhersehbar ist.

© Netflix

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen des Mangas "Kenshin" an Samurais verloren.

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