Koyla – Glut der Rache

Lesezeit: 6 Minuten

Die Heirat der Protagonistin Gauri stellt sich als ein echter Albtraum heraus, denn ihr Bräutigam entpuppt sich als ein alter Mann. Zudem scheint eine Flucht vor dem Tyrannen unmöglich zu sein. Regisseur Rakesh Roshan (Sternenkind – Koi Mil Gaya) erschuf mit Koyla – Glut der Rache einen knallharten Rache-Thriller und bediente sich bei einigen Rambo-Momenten sogar des weltbekannten Musikstücks “Conquest of Paradise” von Vangelis. Zu den weiteren Zutaten des Films gehören die Darsteller Shah Rukh Khan (My Name Is Khan) und Madhuri Dixit (Devdas – Flamme unserer Liebe), die in ihren Rollen als Shankar und Gauri ein Traumpaar auf der Flucht spielen.

    

Raja ist ein echter Tyrann. Während er sich vor seinen Kohlebergwerkarbeitern als Beschützer der Armen gibt, führt er in Wirklichkeit ein Doppelleben und mit seinem jüngeren Bruder Brijwa ein Gewaltregime. Raja hat mit Bindya eine schöne junge Frau an seiner Seite, aber allmählich versagt seine Potenz. Er möchte eine neue Frau, die findet er in der Waisen Gauri. Um sie zu heiraten schickt er ihr ein Foto seines stummen Dieners Shankar. Sie verliebt sich durch das Foto in ihn, aber sie ahnt nicht, dass es sich dabei um einen Trick handelt. Als sie den Betrug durchschaut, ist es schon zu spät…

Zwischen Leid, Flucht und Rache

Originaltitel Koyla
Jahr 1997
Land Indien
Genre Action, Thriller, Romanze
Regisseur Rakesh Roshan
Cast Shankar: Shah Rukh Khan
Gauri: Madhuri Dixit
Raja: Amrish Puri
Brijwa: Salim Ghouse
Bindya: Deepshikha
Laufzeit 167 Minuten
FSK

Raja ist ein alter Mann, was auch an seinem Gesicht zu erkennen ist. Trotzdem kein Grund für ihn, die Finger von jungen Frauen zu lassen. Er ist wohlhabend, mächtig und wird von den Arbeitern des Kohlebergwerks verehrt. Sein Bruder Brijwa legt eine Menge Gewalt an den Tag. Wenn er nicht gerade Arbeiter verprügelt, dann vergreift er sich an deren Frauen oder schlägt Shankar. Er hat eine recht provozierende Art und schreckt vor nichts zurück. Währenddessen sieht Raja den stummen Shankar als seinen treu ergebenen Jagdhund und Diener an. Doch tatsächlich hat dieser nicht viel mit seinen Verbrechen zu tun. Als er sieht, wie die getäuschte Gauri von Raja behandelt wird, kann er das nicht länger mit ansehen. Auf der anderen Seite ist da Bindya, die heimlich in Shankar verliebt ist. Auch sie muss mit der Zeit den Zorn des alten Mannes spüren. So sind Gauri und Bindya in einer ähnlichen Lage und das nicht nur, weil sie beide in den gleichen Mann verliebt sind. Nach einiger Zeit flüchtet Shankar mit Gauri zusammen, aber eine gefährliche Eliteeinheit ist ihnen dicht auf den Fersen. Eine Verfolgungsjagd durch den Dschungel ist nur die Fortsetzung des Leids. Zumal Shankar bewusst wird, dass er noch eine alte Rechnung mit Raja offen hat, weswegen er seine kalkulierte Rache beginnt.

Unterschätzter Klassiker mit hervorragenden Darstellern

“Koyla” bedeutet Kohle und hat für die Geschichte eine tiefere Bedeutung, die mit der Vergangenheit von Shankar zusammenhängt. Unter anderem auch, weil Raja das Kohlebergwerk besitzt. Dass es sich bei dem Film um eine Produktion aus den 90ern handelt, lässt sich recht leicht erkennen. Das Budget war sicher nicht sonderlich hoch, da sich doch einige Schwächen finden lassen. Ein weiteres Indiz sind auch die unnötigen Comedy-Einlagen von Johnny Lever, der fast in jedem Titel den Komödianten mimt. In dem Fall gar nicht so verkehrt, da der Rache-Thriller harter Tobak ist und die Aufheiterung des Zuschauers nicht unbedingt eine schlechte Idee ist. Shah Rukh Khan sieht mit schulterlangen Haaren etwas ungewohnt aus. Da sein Filmcharakter stumm ist, kann er sich nur mit Mühe mit anderen Menschen verständigen. Allerdings bleibt dies nicht den ganzen Film so bestehen. Madhuri Dixit ist nicht nur hübsch anzusehen, sie zeigt auch, was in ihr steckt. Ihr Leid als Gauri ist nachvollziehbar und sie hinterlässt einen sympathischen Eindruck. Amrish Puri ist oft in der Rolle des Bösewichts zu sehen, daher ist seine Darstellung des Raja hier keine Überraschung. Er spielt den bösartigen und verabscheuungswürdigen Charakter ohne Tadel. Allein dieser wahnsinnige Blick von ihm… diese Art von Figuren passen einfach zu ihm. Salim Ghouse schockt als Brijwa, der schon ziemliches Psychopathen Niveau erreicht hat. Die Produzenten haben mit seiner Besetzung eine gute Wahl getroffen. Deepshikha als Bindya hat zwar keine allzu große Rolle, aber auch sie bleibt in Erinnerung.

Musikalisch alles richtig gemacht

Rajesh Roshan traf die richtige Wahl, als er sich entschied ”Conquest of Paradise” von Vangelis für den Soundtrack zu nutzen. Es ist das musikalische Hauptthema von Koyla geworden, welches in mehreren abgewandelten Versionen zu hören ist. Es passt wie die Faust aufs Auge zur Geschichte und verleiht den Action-Szenen eine epische akustische Untermalung. Tatsächlich wurde die Musik einfach ohne jegliche Rechte kopiert, was aber in der indischen Filmindustrie weit verbreitet ist. Neben der Hintergrundmusik können auch die Songs überzeugen, von denen es insgesamt sechs gibt. Den Anfang macht das schwächste Lied ”Bhang Ke Nashe Mein”, welches eher lustig ist und schnell vergessen wird. Doch schon mit ”Dekha Tujhe To” geht es bergauf. Dieses Gesangsstück kann durch schöne Klänge und Romantik punkten. “Ghunghte Mein Chanda Hai” ist eine Tanznummer, in der die Hochzeit von Raja und Gauri gefeiert wird. Der Titel bringt schon ein gewisses Ohrwurm-Potenzial mit. “Sanson Ki Mala Pe” zählt zu den emotionalsten Songs des Films. Madhuri Dixit hat auch hier wieder ihr tänzerisches Talent bewiesen. Besonders eindrucksvoll ist die Szene, als sie zur Statue rennt und mit Mimik viel Gefühl an den Zuschauer transportiert. “Tanhai Tanhai” ist ein recht fröhliches Lied, das sich ganz dem Traumpaar widmet. Hier wird viel Wert auf Landschaften gelegt und dabei die Stimmung des Rache-Thrillers aufgelockert. Am Ende folgt “Badan Juda Hote Hain”, das eher ruhiger ist, aber eines der erinnerungswürdigsten Stücke darstellt, denn es repräsentiert Koyla von allen am besten. Auf dem Soundtrack kommt der Song auf unglaubliche zehn Minuten Spielzeit. Im Film selbst sind es etwas über sieben Minuten.

Meinung

Der Film war in Indien kein Kassenschlager. Für mich kaum zu glauben, da er bei mir einen sehr positiven Eindruck hinterlassen hat. Koyla – Glut der Rache tut sich als eine der stärksten Produktionen hervor, wenn es um die Zusammenarbeit von Shah Rukh Khan und Madhuri Dixit geht. Nach Anjaam – Heute Liebe, morgen Rache (1994) und Dil To Pagal Hai – Mein Herz spielt verrückt (1997), sind sie hier zum dritten Mal gemeinsam auf der Leinwand zu sehen. Diesmal als Traumpaar auf der Flucht und mit einer Reihe gewalttätiger Verfolger im Nacken. Langweilig wird einem bei der Geschichte nicht und zimperlich geht es hier auch nicht zu. Die Brutalität dürfte nicht für jeden Zuschauer etwas sein, denn die FSK 18 ist tatsächlich nicht ohne Grund vergeben worden. Letztendlich zählt Koyla für mich zu den Top 5 Filmen aus Shah Rukh Khans langer Filmkarriere, da er doch auf seine Art einzigartig ist. Lobenswert ist auch der Soundtrack, denn es gibt kaum ein Lied, welches ich nicht mag. Beeindruckend finde ich den Song ”Badan Juda Hote Hain”. Man wird ganz sentimental, wenn er nochmal im Abspann läuft. Von mir eine ganz klare Empfehlung an diejenigen, die Action à la Rambo mögen und das mit einer ganz großen Prise Bollywood umgesetzt.

© Rapid Eye Movies

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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Ayres
Redakteur

Bin ehrlich gesagt überrascht, dachte immer, dass Bollywood nur Gesang, Tanz und Kitsch hergäbe ;D Insofern habe ich den Film mal auf meine Liste gesetzt, um meinen Horizont zu erweitern. Obwohl ich zugeben muss, dass ich die Laufzeit von knapp drei Stunden schon ziiiiiiiemlich üppig finde.

Historia Christa
Redakteur

In guten wie in schweren Tagen geht sogar drei Stunden und dreißig Minuten und wurde im Fernsehen meistens um eine Stunde gekürzt.

Welcher Film noch aus den Rahmen fällt ist Mission Kashmir: https://youtu.be/dHXOdL7SMuA